Tim Reichel

Motiviert bleiben Wenn das Fette-Katze-Syndrom zuschlägt

Tim Reichel
Eine Kolumne von Tim Reichel
Einen Erfolg wollen wir erst mal genießen. Doch wer sich auf seinen Lorbeeren ausruht, den erwischt womöglich das sogenannte Fat-Cat-Syndrom. Was dahintersteckt – und wie man dem vorbeugt.
Ich kann nicht so schnell, ich bin voll mit Mäusen! (Symbolbild)

Ich kann nicht so schnell, ich bin voll mit Mäusen! (Symbolbild)

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tashechka / iStockphoto / Getty Images

Yay, eine 1! Kennst du das großartige Gefühl nach einer guten Note? Den Stolz, die innere Ruhe, die Gewissheit, dass sich harte Arbeit auszahlt? Es sei dir gegönnt, genieße den Moment – aber sei vorsichtig! Denn genau jetzt bist du anfällig für das Fat-Cat-Syndrom.

Bachelor of Smarts – die Uni-Kolumne

Gutes Zeitmanagement, die richtige Lernstrategie vor Prüfungen, Tipps für den Einstieg ins digitale Semester: In dieser Kolumne gibt Dr. Tim Reichel Rat zu Herausforderungen im Studium und zeigt, wie Studierende erfolgreich durch den Bachelor kommen – ohne Dauerstress.

Du stehst auch vor einem vermeintlich unlösbaren Problem im Studium oder hast eine Frage an Tim Reichel? Dann schreib uns an SPIEGEL-Start@spiegel.de .

Aus meiner Erfahrung als Studienberater weiß ich: Das Fat-Cat-Syndrom ist dafür verantwortlich, dass zahlreiche Studierende jedes Semester scheitern – und zwar an sich selbst. Damit du nicht zu einer dicken Katze mutierst, wirst du heute ein wenig sensibilisiert.

Was ist das Fat-Cat-Syndrom?

Das Fat-Cat-Syndrom beschreibt die träge Geisteshaltung einer Person, die sich auf ihrem Erfolg ausruht. Eben wie eine Katze, die sich an Mäusen vollgefressen hat und nun faul herumliegt, ohne die Absicht, eine Pfote krumm zu machen.

Weil die betroffene Person annimmt, dass sie auch weiterhin erfolgreich sein wird (ohne sich jedoch dafür bemühen zu müssen), führt diese Denkweise zu Selbstgefälligkeit, steigert sich in Arroganz und endet schließlich mit einer persönlichen Niederlage. Denn beim Studieren muss man durchgehend dranbleiben – ansonsten bleibt der Erfolg aus.

Verwendung der Begriff unter anderem beim Organisationspsychologen und Autor Adam Grant. Er diagnostiziert das Fat-Cat-Syndrom häufig bei Unternehmen, die sich gegen Veränderungs- und Innovationsprozesse sträuben. Doch das Grundprinzip sei auf jeden übertragbar, erläutert er in einem Ted-Talk : »Denken Sie an eine Zeit, in der Sie ganz oben auf dem Treppchen standen. Wollten Sie da wirklich etwas an dem aktuellen Zustand ändern? Nein, natürlich nicht. Wahrscheinlich wurden Sie sogar überheblich und haben sich geweigert, neue Dinge auszuprobieren.«

Das Fat-Cat-Syndrom im Studium

Auch Studierende können dem Fat-Cat-Syndrom erliegen. Zum Beispiel nach einem erfolgreichen Semester: Wenn alle Prüfungen bestanden, die Hausarbeit rechtzeitig abgegeben und das Stipendium abgestaubt wurde, neigen viele Studierende dazu, es erst einmal ruhiger angehen zu lassen: Sie nehmen die Vorlesungen auf die leichte Schulter, schieben Dinge auf – und vermasseln das nächste Semester.

Und wenn Studierende eine Prüfung außergewöhnlich gut bestehen, tendieren sie gelegentlich dazu, die folgende Prüfung weniger akribisch vorzubereiten: Sie beginnen zu spät mit dem Lernen, beschäftigen sich nur oberflächlich mit dem Stoff (weil sie glauben, alles beim ersten Mal verstanden zu haben) – und vergeigen die nächste Klausur.

Was gegen das Fat-Cat-Syndrom hilft

Das Fat-Cat-Syndrom kommt in der Regel schrittweise zum Vorschein. Die Selbstgefälligkeit schleicht sich langsam in deinen Alltag und verhindert zunächst unbemerkt eine produktive Arbeitsweise. Wenn du diese Dynamik erkennst, ist es meist schon zu spät. Doch es gibt Schutzmaßnahmen.

  1. Selbstreflexion: Die Fähigkeit, das eigene Handeln und Denken zu hinterfragen, ist einer der wichtigsten Faktoren für nachhaltigen Erfolg – egal, in welchem Lebensbereich. Halte daher regelmäßig (am besten täglich) für ein paar Minuten inne und blicke kritisch auf dein Verhalten. Passen deine Handlungen zu deinen Zielen? Womit bist du zufrieden? An welchen Stellen siehst du Verbesserungspotenzial?

  2. Sparringspartner: Jeder Mensch hat blinde Flecken beim eigenen Verhalten. Auch erste Anzeichen des Fat-Cat-Syndroms nehmen wir bei uns selbst nicht unbedingt wahr. Eine Lerngruppe, ein Kommilitone oder andere Sparringspartner:innen sind dann ein wirkungsvolles Gegenmittel. Umgib dich mit kritischen Menschen und tausche dich intensiv mit ihnen aus. Bitte sie darum, dich und dein Handeln kritisch zu hinterfragen: Wie wirke ich auf dich? Wie würdest du meine Arbeitsweise einschätzen? Was sollte ich aus deiner Sicht ändern? Dieses Feedback kann wehtun – aber es hilft.

  3. Innere Einstellung: Deine Einstellung zum Studium hat einen großen Anteil daran, wie empfänglich du für das Fat-Cat-Syndrom bist. Das heißt: Wenn du dich ausschließlich auf Ergebnisse (wie z. B. Noten) konzentrierst, wirst du diese kurzfristigen Erfolge tendenziell zu hoch bewerten und dir womöglich etwas darauf einbilden. Stellst du hingegen den Prozess des Studierens in den Fokus, legst du fast automatisch mehr Wert auf die Art und Weise, wie du studierst. Sobald das Lernen, das Schreiben, das Sichverbessern im Mittelpunkt deiner Aufmerksamkeit steht, wirst du sehr wahrscheinlich nicht zur dicken Katze.

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Fazit

Das Fat-Cat-Syndrom ist gefährlich. Das heißt aber nicht, dass du deine Erfolge nicht feiern darfst!

Freue dich über gute Noten und sei ruhig stolz auf dich. Ruhe dich aber nicht auf deinen Errungenschaften aus. Bleibe selbstkritisch und reflektiere regelmäßig dein Handeln. Sorge dafür, dass du hungrig bleibst; hungrig nach Weiterentwicklung. Dann wirst du dauerhaft im Studium erfolgreich sein – und bleiben.

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