Jeannine Budelmann

Junge Chefs So werden Sie doppelt fit für Führungspositionen

Wer jung ist und ein Team leitet, muss sich sein Standing oft erst erkämpfen – gerade bei älteren Mitarbeitern. Unsere Kolumnistin rät, in zweierlei Hinsicht an sich zu arbeiten.
Schon jung in eine Führungsrolle zu gehen, ist eine tolle Chance – aber auch eine Herausforderung (Symbolbild)

Schon jung in eine Führungsrolle zu gehen, ist eine tolle Chance – aber auch eine Herausforderung (Symbolbild)

Foto: Maria Pontomariova / iStockphoto / Getty

Ich bin Diplom-Kauffrau. Für Physik oder gar Elektronik habe ich mich früher nicht interessiert. Dann landete ich in einem Elektronikunternehmen. Als junge Kauffrau unter Technikern hatte ich es nicht immer leicht. Manch ein Mitarbeiter hat versucht, mich für dumm zu verkaufen.

Onboarding – die Kolumne zum Berufseinstieg

Aller Anfang ist schwer. Das gilt für Beziehungen, Umzüge und natürlich auch den Berufseinstieg. Wie etabliere ich mich im Team, ohne mich selbst aufzugeben? Wie beweise ich, was ich draufhabe, ohne die Ellenbogen auszufahren? Und ab wann kann ich eigentlich ein Sabbatical verlangen?

Über diese und ähnliche Themen schreibt in dieser Kolumne Jeannine Budelmann, Jahrgang 1986. Sie ist kaufmännische Geschäftsführerin von Budelmann Elektronik, einem Unternehmen, das industrielle Elektronik entwickelt und herstellt. Außerdem berät sie als Coachin bei Problemen im Berufsleben.

Einmal wurde ein Hardwareentwickler nicht rechtzeitig fertig mit seiner Entwicklung. Das rechtfertigte er mir gegenüber mit zahlreichen technischen Gründen. Auf seinem Bildschirm hatte er währenddessen das Layout seines Projekts offen. Und ich zeigte beiläufig auf einige Leiterbahnen, die falsch verlegt waren – weshalb seine Platine gar nicht funktionieren konnte. Dass ich diesen Fehler erkannt hatte, verschaffte mir Respekt. Seitdem bekam ich keine hanebüchenen Geschichten mehr auf den Tisch.

Als junger Mensch in eine Führungsrolle zu kommen, ist eine tolle Chance. Doch viele junge Führungskräfte müssen sich erst einmal in ihre Position einfinden. Dafür brauchen sie Kompetenzen auf zwei Ebenen: der fachlichen und der hierarchischen. Auf beiden kann man sich weiterentwickeln – vor allem, wenn man weiß, welche Stolperfallen hier lauern.

Die fachliche Ebene

Meist ist das fachliche Wissen gar nicht der wichtigste Faktor, um ein Team erfolgreich zu leiten. Mitarbeiter:innen fällt es aber häufig leichter, eine Führungsperson zu akzeptieren, der sie auch fachliche Kompetenz zusprechen. So war es bei mir damals, als ich die Fehler in der Leiterplatte erkannt hatte.

Das Problem: Jungen Menschen traut man häufig nicht so eine hohe Fachkompetenz zu. Um sich Wissen und Fähigkeiten zu erarbeiten, braucht es eben viel Zeit, so die gängige Meinung. Im Umkehrschluss heißt das: Wer jung ist und jung aussieht, muss sich beweisen, wenn es um fachliche Expertise geht.

Was hilft: Um sich als Führungskraft fachlich gut zu positionieren, sollte man vor allem interessiert und neugierig bleiben. Beim Mittagessen mit den Entwickler:innen höre ich zum Beispiel, womit diese sich aktuell herumschlagen. Mit der Zeit habe ich so verstanden, welche Fragen man am besten in welcher Reihenfolge stellen sollte, um ein technisches Problem zu lösen. Ich lese außerdem regelmäßig elektrotechnische Fachzeitschriften. So kann ich mir ein Grundlagenverständnis erarbeiten und die wichtigsten Begriffe kennenlernen – und diese selbstverständlich selbst verwenden. Auch für einen Überblick über technische Neuheiten sind Fachzeitschriften gut geeignet.

Falls die Führungsrolle doch eine vertiefte fachliche Expertise erfordert, kann man sich auch gezielt eine Weiterbildung suchen oder einen zweiten Abschluss machen.

Die hierarchische Ebene

Viel wichtiger als Fachkenntnisse sind in einer Führungsposition Struktur, Organisation und Kommunikation. Wer zum ersten Mal ein Team leiten soll, muss das erst einmal lernen.

Das Problem: Es gibt Menschen, denen das Führen leichter fällt als anderen. Mit dem Alter hat das wenig zu tun. Ältere Menschen haben nicht automatisch mehr Erfahrung und Kompetenzen – junge Menschen hingegen können talentiert sein und vielleicht schon im Sportverein oder Ehrenamt Führungserfahrung gesammelt haben. Dennoch ist Autorität oft eine Herausforderung, wenn man jünger oder zumindest genauso alt wie das Team ist, das man führt.

Was hilft: Diese Erfahrung macht man nicht allein. Mir hat es zu Beginn sehr gutgetan, mich in Netzwerken mit anderen jungen Führungskräften auszutauschen. In den Gesprächen wurde mir schnell klar, dass es bei den Konflikten nicht um mich als Person ging, sondern um die Rolle, die ich innehatte. Das hat mich sehr entlastet.

Je nach Unternehmensgröße gibt es auch interne Mentoring-Programme. Dort kann man offen mit einer erfahrenen Führungskraft reden, die Tipps geben kann. Kritische Situationen kann man aber auch mit einem Coach durchsprechen. Speziell ausgebildete Experten können einem helfen, neue Handlungsoptionen zu finden. Manche Unternehmen unterstützen ihre Führungskräfte, indem sie solche Coachings intern anbieten oder externe Coachings bezahlen. Hier sollte man sich auf jeden Fall schlaumachen, wenn die Beförderung ansteht.

Sich Unterstützung zu suchen, muss nicht Unsicherheit oder Unwissenheit signalisieren. Stattdessen zeigt es Lernbereitschaft und den Willen, es gut und richtig zu machen.

Fazit

Inzwischen bin ich seit zehn Jahren Geschäftsführerin und nehme viele Situationen leichter und damit souveräner als früher. Wer älter ist, hat eben schon mehr gesehen und erlebt. Daraus resultiert eine gewisse Gelassenheit, die andere auch spüren. Diese Erfahrungen kann eine junge Führungskraft zwar nicht ersetzen, aber kompensieren.

Denn Führen kann man lernen. Wichtig ist, seine Schwächen zu kennen und sich Hilfe dabei zu holen, sie aufzuarbeiten. Es gibt viele unterschiedliche Führungsstile und nicht jeder passt zu jedem Team oder jeder Führungskraft. Den für sich passenden findet man am einfachsten im Dialog mit anderen. Deshalb ist das Wichtigste für eine Führungskraft eine gute und offene Kommunikation – egal, wie alt sie ist.