Campus Coach: Wie bändigt man bei Gruppenarbeiten die Faulenzer?

Von Korinna Kurze

Dieser Beitrag wurde am 03.07.2019 auf bento.de veröffentlicht.

Ein Referat als Gruppenarbeit? Das ist wohl eine der beliebtesten Prüfungsleistungen an der Uni – die Arbeit lässt sich aufteilen, im Team kommt man schneller auf gute Ideen, und oft fallen die Noten besser aus.

Es gibt nur ein Problem: Was tun, wenn die Dozentin die Faulenzerin oder den Faulenzer ausgerechnet deiner Gruppe zuteilt? Sie reagieren nicht auf Nachrichten, kommen unentschuldigt nicht zum Gruppentreffen, und wenn doch, dann sind sie garantiert nicht vorbereitet, sitzen nur stumm in der Ecke rum und beteiligen sich nicht.

Wie geht man mit einer Faulenzerin oder einem Faulenzer in der Gruppe um?

Campus Coach

In der ersten Woche deines Studiums, der Orientierungswoche, lernst du allerlei Nützliches: Wie du deinen Stundenplan zusammenstellst, wo die Mensa ist oder wie du dir Bücher in der Bibliothek ausleihst. 

Am Campus findest du dich schnell zurecht, aber dann warten erst die richtigen Herausforderungen auf dich: Wie löst du Konflikte mit Dozentinnen oder Kommilitonen? Wie motivierst du dich über mehrere Wochen für die Hausarbeit? 

Wir unterstützen dich in deinem Studien-Alltag und reden mit Expertinnen und Experten über Tipps für jede noch so verfahrene Situation an der Uni.

Darüber haben wir mit zwei Expertinnen gesprochen: 

Sie erklären uns, dass es nicht nur auf den richtigen Umgang mit dem Faulenzer ankommt. Man müsse auch an der eigenen Einstellung arbeiten.

6 Schritte zur entspannten Gruppenarbeit.

1 Frag dich: Ist die Faulenzerin wirklich faul – oder steckt ein anderes Problem dahinter?

Es lohnt sich den ersten Eindruck zu hinterfragen. "Ist es wirklich ein unkooperativer Trittbrettfahrer, der nur die anderen für sich arbeiten lassen möchte und absichtlich keinen Finger rührt?", sagt die Pädagogin Silke Frank. 

Denn Böswilligkeit stecke laut Frank nur sehr selten hinter einem solchen Verhalten: "Meist hat das vermeintliche Faulenzen mit Überforderung oder sogar Versagensängsten zu tun, die nur wie Faulheit oder Ignoranz aussehen."

2 Reagiere nicht gleich aggressiv.

Denn darauf könnte sich der Faulenzer noch mehr abschotten und die Arbeit verweigern. "Besser ist es, wenn die Gruppe direkt fragt: Was ist los bei dir? Was brauchst du, damit du mit uns arbeitest? Einen anderen Zeitplan? Eine andere Aufgabe?", sagt Frank.

An der Reaktion erkenne man meist, was das eigentliche Problem sei.

3 Verständigt euch auf gemeinsame Prioritäten und ein Ziel.

"Während der eine unbedingt eine Eins in der Gruppenarbeit haben möchte, fühlt sich der andere vielleicht auch mit einer Drei ganz wohl – oder nutzt seine Energie lieber für andere (Uni-)Projekte", erklärt Coach Mareike Darrelmann. "Manche Menschen haben andere Maßstäbe und fühlen sich genau so gut."

Dagegen anzukämpfen und zu fordern, man wolle unbedingt mit einer 1,0 benotet werden, werde nichts bringen. "Kooperationsbereitschaft entsteht durch Verständnis, Akzeptanz und Wertschätzung. Ich kann andere nicht verändern, nur meine Sicht auf die Dinge", sagt Darrelmann.

Sie betont, dass sie deshalb eine Gruppenarbeit an der Uni als perfekte Vorbereitung auf das Berufsleben empfindet: Denn auch später könne man sich seine Chefs, Kolleginnen oder Kunden, mit denen man zusammenarbeiten muss, für gewöhnlich nicht aussuchen. Man müsse versuchen, unter den gegeben Rahmenbedingungen das bestmögliche Ergebnis zu erzielen.

"Wenn man nun in einer Gruppenarbeit mit jemandem sitzt, dem diese Arbeit nicht so wichtig ist wie einem selbst, dann ist das schade, aber man muss es akzeptieren und damit arbeiten."

Um Ärger zu vermeiden, rät Darrelmann, dass eine neu eingeteilte Gruppe gleich zu Beginn über Ziele, Erwartungen und Ressourcen spricht und sie gemeinsam festlegt

4 Teilt euch auf.

Wer hat welche Interessen, Fähigkeiten und wie viel Zeit? Diese Fragen sollte man gleich im Anschluss klären. "Ist jemand dabei, die oder der gleich sagt, dass sie oder er noch fünf andere Uni-Projekte am Laufen hat? Dann sollte diese Person eine Aufgabe bekommen, die nicht zu umfassend ist und von der nicht so viel vom Rest der Arbeit abhängt", erklärt Darrelmann.

Außerdem könne es schon helfen, wenn man die Aufgaben in Teilaufgaben zerlegt. "Trefft euch erst einmal nur für ein 30-minütiges Brainstorming", sagt Frank. "Erwartet voneinander nur eine geschriebene Seite bis nächste Woche." Das könne die Faulenzerin für mehr Zusammenarbeit öffnen.

5 Im Notfall: Sprich die Dozenten an. 

Im Gespräch mit der Dozentin solltest du möglichst sachlich bleiben und nicht über andere Gruppenmitglieder schimpfen, rät Frank. "Erläutere, dass es Schwierigkeiten mit der Zusammenarbeit gibt und stelle die Frage nach einer möglichen Lösung oder bringe eigene Lösungsideen mit." 

Manchmal ließen sich die Aufgaben zum Beispiel anders verteilen oder Bewertungen könnten innerhalb einer Gruppe individuell vergeben werden. Eine andere Idee wäre es, eine Aufgabe komplett selbstständig zu übernehmen, wenn man es zeitlich und fachlich schaffen könne. 

Manche Dozenten seien hilfsbereit. Allerdings weiß Frank aus ihrer Arbeit bei der Lernberatung, dass Dozenten auf eine solche Anfrage auch ablehnend reagieren können. Ihre Begründung laute meist: Es läge in der eigenen Verantwortung, sich die Arbeit einzuteilen und dabei alle Gruppenmitglieder mitzunehmen. 

6 Versuche in der Präsentation deutlich zu machen, was du persönlich geleistet hast.

Von dem Gerechtigkeitsgedanken solle man sich unbedingt lösen, sagt Darrelmann: "In der konkreten Situation auf Gerechtigkeit zu beharren, würde einen nur blockieren. Die kommt schon noch mit der Zeit." Denn ein unkooperativer Faulenzer, der sich nicht einsetze und mit einer hohen Arbeitsbelastung nicht zurecht komme, werde auf seinem weiteren Karriereweg Schwierigkeiten bekommen.

Häufig gibt es zumindest für die Präsentation individuelle Noten. Da solle dann natürlich jeder auch nur das vortragen, was er oder sie auch erarbeitet hat, erklärt Darrelmann. "Dabei wird den Dozenten schon auffallen, in welchen Teil der Arbeit mehr oder weniger Aufwand steckt und das entsprechend benoten."

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