Kochen ohne Kohle Undercover-Schnitzel und Erbsenstampf – für 1,50 Euro

Wie der bekannte Agent auf geheimer Mission muss sich auch Gesundes manchmal heimlich auf dem Teller verstecken. Diese britisch-deutsche Fusion schafft das mit links.
Eine Kolumne von Sebastian Maas
Das Selleriegrün nicht wegwerfen – damit lassen sich prima Suppen verfeinern

Das Selleriegrün nicht wegwerfen – damit lassen sich prima Suppen verfeinern

Foto: Sebastian Maas / DER SPIEGEL

Als ich vor ein paar Jahren zum ersten Mal in London war, schlenderte ich wie jeder Tourist die Sehenswürdigkeiten ab, die ich bisher nur aus »James Bond« und »Doctor Who« kannte. Am Ende des Gewaltmarschs bestellte ich mir am Camden Market eine Portion »Fish & Chips« an einer Imbissbude. Der Fisch war okay, die essigsauren Pommes gewöhnungsbedürftig. Daneben thronte jedoch ein mysteriöses drittes Element in der kleinen Pappschale: ein leuchtend grünes Erbsenpüree. Viel bekam ich davon nicht ab, weil meine Frau sowohl ihre als auch meine Portion mit leuchtenden Augen in sich hineinschaufelte.

Dem Vorurteil nach haben britische und deutsche Küche ja vor allem eines gemeinsam: Sie gelten international als nicht besonders raffiniert. Viel Fleisch, viel Fett, viel schwere Kost – traditionell wohl um die dunklen, regnerischen Tage und langen Winter zu überstehen. Nun leben wir aber nicht mehr im Mittelalter und dürfen zu jeder Jahreszeit zwischendurch gerne auch mal ein paar gesündere Noten auf dem Teller verstecken. Dieser Imbiss-Erbsenstampf hatte genau das geschafft und den zwei frittierten Komponenten etwas unerwartet grün und frisch Schmeckendes entgegengesetzt.

Alle Rezepte aus »Kochen ohne Kohle«

Bafög oder Azubi-Gehalt sind schon wieder fast aufgebraucht? Der Obstkorb beim unbezahlten Agenturpraktikum war geräubert? Und bitte nicht schon wieder Pizza-Toast? Alles kein Problem: In dieser Kolumne zeigt SPIEGEL-Redakteur und Hobbykoch Sebastian Maas, wie man trotz Flaute auf dem Konto leckere und besondere Gerichte zaubern kann. Dabei gibt es nur zwei Regeln:

  • Eine Portion darf maximal so viel kosten wie ein Essen in der Mensa, also 3 Euro.

  • Teure Spezialgeräte sind tabu.

Seit diesem Besuch in London steht Erbsenpüree daher regelmäßig auf unserer Speisekarte. Es ist eines dieser dankbaren Gerichte, die keine zehn Minuten Arbeit benötigen, weil man dafür einfach Tiefkühlerbsen nimmt. Die werden erntefrisch eingefroren und kommen nur für drei bis vier Minuten in kochendes Wasser. Ein Großteil der Nährstoffe und das leuchtende Grün bleiben so erhalten.

TK-Erbsen sollte man immer im Gefrierfach haben, auch für schnelle Suppen, Pasta oder Aufläufe kann man sie immer gebrauchen. Wie alle Hülsenfrüchte sind sie gute Eiweißlieferanten, außerdem enthalten sie B-Vitamine und Ballaststoffe. Außerdem sind sie unschlagbar günstig. Die Minze gibt es für den besonderen UK-Flair dazu – denn nicht erst seit Asterix  wissen wir, dass die bei »den Briten« nicht fehlen darf.

Gestampft passen Erbsen super als Beilage zu Fleisch und Fischgerichten. Weil die aber recht teuer sind, gibt es heute eine günstigere und sehr einfache Alternative: Sellerieschnitzel. Die sind, wenn ich das so sagen darf, einer der besten Wege, um undercover mehr Gemüse auf den Teller zu schmuggeln. Sie tarnen sich nämlich als »normale« Schnitzel, sind in meinen Augen aber besser, weil sie grundsätzlich ohne Knorpel und Sehnen kommen.

Der Sellerie verliert durch kurzes Blanchieren die Garstigkeit und wird in knuspriger Panade goldbraun gebraten. Mit diesem Trick bekommt man auch Gemüsemuffel wie kleine Kinder oder sehr »männliche« Männer dazu, mehr Grünzeug zu essen.

Tiefgefrorene Erbsen sind extrem vielseitig und gesund. Einen Beutel davon sollte man jederzeit im Gefrierfach haben.

Tiefgefrorene Erbsen sind extrem vielseitig und gesund. Einen Beutel davon sollte man jederzeit im Gefrierfach haben.

Foto: Sebastian Maas / DER SPIEGEL

Das benötigt man für zwei Portionen

  • 500 g Tiefkühlerbsen

  • 100 ml Milch, Sahne oder pflanzliche Alternative

  • ein kleiner Knollensellerie

  • ein Ei

  • eine Tasse Semmelbrösel/Paniermehl

  • ein paar Blättchen frische Minze

  • Salz, Pfeffer, Öl zum Braten

  • optional: Etwas Zitronensaft

Wie lange dauert das?

Etwa 30 Minuten

Was kostet das?

Circa 1,50 Euro pro Portion

Gestampft, nicht gerührt: So einfach macht man Sellerieschnitzel und Erbsenpüree mit Minze

Den Knollensellerie mit einem Messer schälen und die Kugel in 1,5 bis 2 cm breite Scheiben schneiden. Diese in einem Topf voll kochendem und leicht gesalzenem Wasser für zehn Minuten vorgaren.

Spartipp: Selleriegrün

Manchmal hat man Glück und bekommt Knollensellerie noch mit Blättern. Das Selleriegrün erinnert ein wenig an Maggi-Würze und macht sich super als natürlicher Geschmacksverstärker. Für dieses Rezept werden Blätter und Stiele heute nicht benötigt, können aber prima für die nächste Gemüsesuppe oder Soße eingefroren werden.

Dazu einfach das Blattgrün waschen und ausgebreitet für etwa ein bis zwei Stunden an der Luft trocknen lassen. Gegebenenfalls etwas abtupfen, falls es dann noch zu feucht ist. In mundgerechte Stücke klein schneiden und in einer Dose oder einem Gefrierbeutel einfrieren.

Derweil die Panierstation vorbereiten. Ein verquirltes Ei auf einen tiefen Teller geben, auf einen Teller daneben die mit einer Prise Salz und Pfeffer gewürzten Semmelbrösel verteilen, einen dritten Teller zum Ablegen der panierten Gemüsescheiben bereitstellen.

Die Selleriescheiben nach zehn Minuten mit einer Schöpfkelle oder einem Pfannenwender aus dem Wasser fischen und kurz abkühlen lassen, damit man sich gleich nicht die Finger verbrennt. Das Wasser aber nicht wegkippen, da können gleich die Erbsen rein.

Jetzt die Schnitzel panieren: Mit der linken Hand die Scheiben durch das Ei ziehen, dann in die Semmelbrösel fallen lassen. Mit der rechten Hand darin wenden und schließlich auf den dritten Teller legen. So vermeidet man, nur die eigenen Hände zu panieren. Den panierten Sellerie dann von beiden Seiten je drei bis vier Minuten in neutralem Öl anbraten.

In der Zeit die gefrorenen Erbsen ins kochende Wasser geben und dort für vier bis fünf Minuten ziehen lassen. Dann die Hitze abstellen und das Wasser abgießen. Etwas Salz und Pfeffer, die Minzblätter und die Milch oder Sahne in den Topf mit den Erbsen hinzugeben.

Nun hat man die Lizenz zum Stampfen: Mit einem Kartoffelstampfer oder meinem Lieblingswerkzeug, dem an jeder zweiten Rumflasche hängenden Cocktailstößel, geht das in wenigen Sekunden. Ob man das lieber sehr fein oder recht grob mag, ist jedem selbst überlassen.

Null-Null-Sellerie: das vielleicht leckerste Geheimgemüse der Welt

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Foto: Sebastian Maas / DER SPIEGEL

Schnitzel und Stampf zusammen servieren, gegebenenfalls noch wie beim »echten« Schnitzel etwas Zitronensaft über den Teller schießen. Guten Appetit!

Übrigens: Wer geschmacklich etwas variieren möchte, kann das Paniermehl der Schnitzel nach Herzenslaune weiter würzen und auf dem Teller eine kleine Weltreise veranstalten. Getrocknete Kräuter, Cayennepfeffer und Paprikapulver oder Dukkah- und Garam-Masala-Mischungen passen alle ausgezeichnet und verbrennen wegen der recht kurzen Bratzeit auch nicht.

Haben Sie das Rezept nachgekocht? Oder kennen Sie tolle Gerichte, die wenig Geld kosten? Schreiben Sie mir  gern! Oder teilen Sie ihr Foto unter dem Hashtag #KochenOhneKohle auf Instagram.

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