Kochen ohne Kohle Poutine – kanadische Pommes mit Bratensoße – für nur zwei Euro

Heute kommt das kanadische Nationalgericht aus Quebec auf den Teller. Günstig und lecker!
Eine Kolumne von Sebastian Maas
Das Motto in dieser Woche: Vergesst Putin, esst Poutine!

Das Motto in dieser Woche: Vergesst Putin, esst Poutine!

Foto: Sebastian Maas / DER SPIEGEL

Als ich diese Kolumne vor eineinhalb Jahren startete, war mein oberstes Ziel, dass die Gerichte mit weniger als drei Euro niemals teurer als ein Essen in der Mensa sein sollten. Aktuell sind viele der Rezepte günstiger als ein Liter Diesel an der Tankstelle. Der Ursprung der aktuellen Preisspirale an den Energiemärkten ist, natürlich, der zerstörerische Ukrainekrieg des russischen Präsidenten Putin.

Putin (oder wie man auf Französisch schreibt: Poutine) ist aktuell in vielen Teilen der Welt daher kein wirklich beliebter Name. Blöd, wer ganz unschuldig so heißt – zum Beispiel das frankokanadische Nationalgericht! Poutine stand in Nordamerika bis vor Kurzem eigentlich für Pommes, die mit Käsebruch und Bratensoße serviert werden. Lange als Arme-Leute-Fraß verspottet, mutierte das Essen seit den Siebzigerjahren zum kulinarischen Superstar , inzwischen führen selbst große Fast-Food-Ketten die herzhafte Kombi aus drei grandiosen Komponenten.

»Kochen ohne Kohle«

Bafög oder Azubi-Gehalt sind schon wieder fast aufgebraucht? Der Obstkorb beim unbezahlten Agenturpraktikum war geräubert? Und bitte nicht schon wieder Pizzatoast? Alles kein Problem: In dieser Kolumne zeigt SPIEGEL-Redakteur und Hobbykoch Sebastian Maas, wie man trotz Flaute auf dem Konto leckere und besondere Gerichte zaubern kann. Dabei gibt es nur zwei Regeln:

  • Eine Portion darf maximal so viel kosten wie ein Essen in der Mensa, also drei Euro.

  • Teure Spezialgeräte sind tabu.

Alle Rezepte

Infolge des Krieges kündigte Anfang März sogar das Restaurant »Le Roy Jucep« in Quebec (welches als möglicher Erfinder des Gerichts gehandelt wird) eine Änderung in der Selbstbezeichnung an : Vorerst wolle man nur noch als Erfinder von Fritten mit Käse und Bratensoße gelten und das »Poutine« streichen. Ich möchte es genau andersherum machen, denn für meinen Teil würde ich lieber jeden Tag an herzhaftes Fast Food denken als an den russischen Präsidenten und seine Drohungen. Das Motto in dieser Woche: Vergesst Putin, esst Poutine!

Gern hätte ich übrigens in dieser Woche gezeigt, wie man die Pommes ohne Fritteuse sicher im Topf frittiert – da ein paar Übereilige aber leider alles Öl gehamstert haben, gibt es stattdessen Backofenpommes. Mit einem kleinen Trick werden auch die herrlich knusprig. Zwar tut bei den Energiepreisen jede Minute Backzeit weh, aber immerhin liefert eine Portion Poutine genug Brennwert für mehrere kalte Tage.

Das benötigt man für zwei Portionen Poutine:

Aus Pilzen, Zwiebeln, Rotwein und Gemüsebrühe wird im Handumdrehen eine leckere Bratensoße für die Pommes

Aus Pilzen, Zwiebeln, Rotwein und Gemüsebrühe wird im Handumdrehen eine leckere Bratensoße für die Pommes

Foto: Sebastian Maas / DER SPIEGEL
  • 800 g festkochende Kartoffeln, z.B. Sorte Belana

  • 200 g gewürfelter Käse, z.B. Cheddar, Bergkäse oder Gouda

  • 200 g Champignons

  • 100 ml günstiger Rotwein (trocken)

  • 200 ml Wasser

  • 3 Lauchzwiebeln oder 2 Schalotten oder 1 kleine Zwiebel

  • je 1 TL Salz, Paprikapulver, Pfeffer, Gemüsebrühe

  • 2 EL Maisstärke (Speisestärke)

  • 4 EL Speiseöl

Was kostet das?

Etwa 4 Euro für alle verbrauchten Zutaten, also 2 Euro pro Portion

Wie lange dauert das?

Insgesamt eine Stunde

So einfach macht man Poutine selbst

Schritt 1: die Pommes

Die Kartoffeln reinigen, aber nicht schälen, dann in etwa einen Zentimeter breite Streifen schneiden und in eine hitzebeständige Schüssel oder einen Topf geben. 1,5 Liter Wasser im Wasserkocher aufkochen, darübergießen und für 10 bis 15 Minuten ziehen lassen. Hierbei sollen die Kartoffeln etwas Stärke verlieren und vorgaren.

Fotostrecke

So einfach macht man knusprige Ofenpommes

Foto: Sebastian Maas / DER SPIEGEL

Das Wasser weggießen, die Kartoffelstifte trocknen, dann den Knusper- Geheimtrick anwenden: In einer kleinen Schale drei Esslöffel Öl und je einen Teelöffel Maisstärke, Salz und Paprikapulver vermischen, bis keine Klümpchen mehr zu sehen sind. Die Pommes mit dieser Glasur bedecken und auf einem Blech verteilen. Sie sollten möglichst nicht gestapelt werden, weil sie dann weich bleiben. Bei 220 Grad (Ober-/Unterhitze) für etwa 35 bis 40 Minuten backen und nach der Hälfte der Zeit wenden. Übrigens: Vorheizen ist hier (wie bei fast jedem Gericht) rausgeworfenes Geld.

Anzeige
Sebastian Maas

Gar es ohne Bares!

Ein SPIEGEL-Buch: Das kreative Kochbuch für alle mit kleinem Geldbeutel und wenig Zeit
Verlag: Penguin
Seitenzahl: 240
Für 14,00 € kaufen

Preisabfragezeitpunkt

05.02.2023 16.00 Uhr

Keine Gewähr

Produktbesprechungen erfolgen rein redaktionell und unabhängig. Über die sogenannten Affiliate-Links oben erhalten wir beim Kauf in der Regel eine Provision vom Händler. Mehr Informationen dazu hier

Schritt 2: die »Gravy« – also Bratensoße

Während die Pommes im Ofen brutzeln, mache ich ganz ohne Fleisch die einfachste Bratensoße der Welt. Dafür einfach ein paar Champignons in feine Scheiben schneiden und bei mittlerer bis hoher Hitze in der beschichteten Pfanne ohne Fett anrösten, bis keine Flüssigkeit mehr aus ihnen austritt. Dadurch wird ihr Geschmack intensiviert und sie werden nicht labbrig. Gelegentlich rühren, das dauert etwa sieben bis zehn Minuten.

Derweil die Zwiebeln fein würfeln. Ich nehme gern Lauchzwiebeln, weil man die grünen Teile später als knackige Deko nutzen kann. Jede andere Zwiebel tut es auch.

Bis die Pilze so aussehen, sollte kein Fett in der Pfanne landen

Bis die Pilze so aussehen, sollte kein Fett in der Pfanne landen

Foto: Sebastian Maas / DER SPIEGEL

Die Zwiebeln mit etwas Öl oder Butter zu den Pilzen geben und kurz anschwitzen, dann alles mit dem Rotwein ablöschen. Diesen blubbernd aufkochen lassen, dann das Wasser und einen Teelöffel Gemüsebrühe hinzugeben. Anständig pfeffern und alles für 15 Minuten köcheln lassen, auf kleiner Hitze.

Erst ganz zum Schluss die Soße andicken, entweder mit Soßenbinder oder etwas Speisestärke, die zuvor in kaltem Wasser aufgelöst wurde. Noch einmal abschmecken und bedenken, dass die Pommes ebenfalls salzig sind!

Schritt 3: Käse drauf und servieren

Im kanadischen Original würde man jetzt frittierte Cheese Curds verwenden. Diese quietschenden Cheddar-Bruchstücke sind hierzulande allerdings kaum erhältlich. Stattdessen würfeln wir einfach das, was an halbhartem Schnittkäse so im Kühlschrank vorhanden ist. Ich mag gern kräftigen Bergkäse. Gouda oder Mozzarella tun es aber auch.

Ein kurzer Blick in den Ofen: Sind die Pommes knusprig und durchgegart? Dann können sie auf die Teller verteilt werden. Die Käsewürfel kommen darauf, dann folgt die Soße. Schließlich noch die optionalen Toppings darübergeben, in meinem Fall die grünen Ringe der Lauchzwiebel. Angebratener Speck oder eingelegte Zwiebeln eignen sich ebenfalls super.

Die Soße schmeckt auch morgen noch, die Pommes sollte man aber alle aufessen. Und den restlichen Wein darf man auch austrinken!

Die Soße schmeckt auch morgen noch, die Pommes sollte man aber alle aufessen. Und den restlichen Wein darf man auch austrinken!

Foto: Sebastian Maas / DER SPIEGEL

Der Restaurantbetreiber, in dessen Lokal das Gericht der Überlieferung nach entstanden sein soll, hat vor dem Kochen angeblich zu seinem Gast gesagt : »Ça va faire une maudite poutine« – »Das wird eine Riesenschweinerei«. Das passt zur aktuellen Weltlage und dem Umstand, dass man dieses Frittengericht ausnahmsweise mit der Gabel essen darf.

Ich wünsche guten Appetit!

Suchen Sie noch mehr Gerichte, die wenig Geld kosten? Dann folgen Sie mir gern auf Instagram . Kennen Sie Gerichte, die wenig Geld kosten? Dann schreiben Sie mir gern eine E-Mail  oder teilen Sie ein Bild unter dem Hashtag #KochenOhneKohle.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.