Tim Reichel

In Fünf-Minuten-Schritten zum effizienteren Schreiben 15 Tipps für die Studienarbeit, wenn man eigentlich keine Zeit hat

Tim Reichel
Ein Gastbeitrag von Tim Reichel
Ein Gastbeitrag von Tim Reichel
Wissenschaftliche Arbeiten lassen sich geduldig aufschieben, für solche Großprojekte fehlt schließlich oft die Zeit. Dabei kann man sie hervorragend in Mini-Aufgaben aufteilen – hier ist der Plan.
Auch wenn der Schreibtisch überquillt – für kleine Handgriffe an der Hausarbeit ist immer Platz (Symbolbild)

Auch wenn der Schreibtisch überquillt – für kleine Handgriffe an der Hausarbeit ist immer Platz (Symbolbild)

Foto: Maskot / Getty Images

Vorlesungen, Prüfungen, Nebenjob, Praktika: Studierende haben viel um die Ohren, gerade jetzt, am Ende des Semesters. Dazwischen auch noch Studien- oder Abschlussarbeiten zu schreiben, fällt vielen schwer – weshalb sie diese Großprojekte erfahrungsgemäß gern vernachlässigen.

Doch das hat Folgen: Wenn du deine Arbeit vor dir herschiebst, gerätst du irgendwann in Zeitnot. Und das wiederum schadet der Qualität deiner Arbeit.

Bachelor of Smarts – die Uni-Kolumne

Gutes Zeitmanagement, die richtige Lernstrategie vor Prüfungen, Tipps für den Einstieg ins digitale Semester: In dieser Kolumne gibt Dr. Tim Reichel Rat zu Herausforderungen im Studium und zeigt, wie Studierende erfolgreich durch den Bachelor kommen – ohne Dauerstress.

Du stehst auch vor einem vermeintlich unlösbaren Problem im Studium oder hast eine Frage an Tim Reichel? Dann schreib uns an SPIEGEL-Start@spiegel.de .

Damit es gar nicht erst so weit kommt, helfen Mini-Aktionen, die du in kleinen Zeitfenstern von fünf, zehn oder fünfzehn Minuten erledigen kannst. Einfach zwischendurch, ohne große Überwindung. Hier ist eine kleine Sammlung, auf die du zurückgreifen kannst – unterteilt nach zeitlichem Aufwand.

Dauer: 5 Minuten

1. Überfliege eine Literaturquelle

Grundlage fast jeder Studienarbeit ist Fachliteratur – und die musst du lesen. Falls dein Zeitfenster gerade nicht reicht, um eine Quelle vollständig durchzuarbeiten, kannst du den Text erst einmal überfliegen und die wichtigsten Informationen aufnehmen. So fällt dir die spätere Lektüre erheblich leichter.

2. Lies ein Abstract

Fachartikel, Konferenzbeiträge, aber auch Kapitel in Sachbüchern enthalten häufig eine Zusammenfassung der wichtigsten Inhalte. Dieses sogenannte Abstract eignet sich perfekt für zwischendurch, weil du in wenigen Minuten die Kerninhalte einer Literaturquelle konsumieren kannst.

3. Schreibe einen unperfekten Satz

Viele Studierende denken, sie müssten bei jeder Studienarbeit direkt einen anspruchsvollen wissenschaftlichen Text generieren – doch damit blockieren sie sich selbst. Gehe die Sache daher einmal anders an und schreibe bewusst »unperfekt«. Formuliere einen Satz in einfacher, direkter Sprache und gib die Informationen wieder, die du wiedergeben möchtest. Umschreiben und verschönern kannst du später.

4. Füge eine Quelle ein

In wissenschaftlichen Texten bezieht man sich auf bisherige Erkenntnisse, entweder als direktes oder indirektes Zitat. Solch einen Quellenverweis samt Eintrag im Literaturverzeichnis kannst du auch mit wenig Zeit vornehmen.

5. Plane deinen nächsten Schritt

Es ist deutlich einfacher, bei deiner Studienarbeit am Ball zu bleiben, wenn du schrittweise vorgehst und dein Vorgehen entsprechend planst. Lege dazu deinen nächsten Arbeitsschritt fest und reserviere direkt ein paar Minuten in deinem Kalender dafür.

Dauer: 10 Minuten

6. Überarbeite einen Textentwurf

Wenn deine Zeit nicht reicht, um einen neuen Abschnitt zu beginnen, dann nimm dir einen alten vor und überarbeite ihn. Das könnte zum Beispiel der Moment sein, dir schönere Formulierungen für unperfekte Sätze zu überlegen.

7. Strukturiere ein neues Kapitel

Die einzelnen Kapitel deiner Studienarbeit lassen sich deutlich leichter mit Text füllen, wenn du dir vorher überlegst, wie du sie aufbauen möchtest. Plane also ein neues Kapitel und halte in Stichpunkten fest, was du später in welcher Reihenfolge schreibst.

8. Formuliere den ersten Satz

Der erste Satz eines neuen Kapitels oder Unterkapitels ist häufig eine Anfangshürde. Konzentriere dich daher in einer kurzen Zeiteinheit nur auf diesen ersten Satz.

9. Schreibe einen Übergang

Ein weiterer Knackpunkt in Studienarbeiten sind Übergänge. Überlege dir daher, wie du zwei Absätze oder zwei Kapitel inhaltlich miteinander verbinden könntest. Wenn du diese Stellen vorformulierst, kannst du deine Textblöcke später einfacher aneinanderreihen.

10. Recherchiere ein Detail

Ich empfehle meinen Studierenden immer, den Recherche- und den Schreibprozess bei wissenschaftlichen Arbeiten zu trennen. Lass dich beim Schreiben nicht ablenken. Wenn du vorher oder hinterher ein paar Minuten Zeit hast, kannst du Details recherchieren.

Dauer: 15 Minuten

11. Schreibe ein Kapitel vor – in Stichworten

Auch in einem Zeitfenster von nur einer Viertelstunde kannst du ein neues Kapitel in Angriff nehmen. Dabei solltest du jedoch nicht einfach drauflos schreiben, sondern deine Gedanken vorher in Form von Stichpunkten sammeln und sortieren.

12. Schreibe einen Absatz

Formuliere eine Kernidee des Kapitels und erläutere diese in einem kurzen Absatz. Oft reichen schon drei bis fünf Sätze, um den ersten Entwurf zu entwickeln.

13. Erstelle eine Grafik

Viele Studienarbeiten lassen sich mit Grafiken oder Diagrammen ergänzen. Solche Elemente erhöhen das Verständnis und lockern das Textbild auf. Und sie lassen sich losgelöst vom Schreibprozess erstellen.

14. Fasse eine Quelle zusammen

Um Bezug zum aktuellen Forschungsstand herzustellen, musst du Literaturquellen wiedergeben – natürlich verkürzt. Solche Zusammenfassungen kannst du perfekt zwischendurch schreiben.

15. Ziehe ein Fazit

Schreibe in 15 Minuten ein Zwischenfazit zu einem Kerngedanken deiner Studienarbeit oder fasse ein Unterkapitel in wenigen Sätzen zusammen. Damit sorgst du für Klarheit und schaffst eine elegante Möglichkeit, um einen Abschnitt deiner Arbeit zu beenden.

Fazit

Um an deiner Studienarbeit zu arbeiten, brauchst du nicht viel Zeit am Stück. Wichtig ist, dass du dich regelmäßig mit deinem Text beschäftigst und ihn kontinuierlich weiterentwickelst. Natürlich musst du irgendwann die Fokushose anziehen und deine Seiten zusammenschreiben. Aber wenn du dann schon Vorarbeit geleistet hast, fällt dir das deutlich leichter.