Streitthema Sauberkeit Wie oft muss ich das wirklich putzen?

Ein Mikrobiologe und eine Hauswirtschafterin erklären, welcher Rhythmus beim Saubermachen angemessen ist. Welche Orte weniger keimanfällig sind als gedacht – und wo der Lappen täglich zum Einsatz kommen sollte.
Saugen, wischen, fegen – ein leidiges, aber notwendiges Unterfangen (Symbolbild)

Saugen, wischen, fegen – ein leidiges, aber notwendiges Unterfangen (Symbolbild)

Foto: Tara Moore / Getty Images

Es knirscht und knackt beim Gang durch die Küche, der Kühlschrank müffelt und der Duschvorhang hat einen Farbverlauf – Anzeichen, dringend zu Lappen und Staubsauger zu greifen, gibt es viele. Weder Party-WGs noch schmucke Pärchenwohnungen sind dagegen gefeit, früher oder später setzen sie alle Schmutz an. Doch eine Frage sorgt dabei immer wieder für Konflikte: Wie oft muss man wirklich putzen?

Auf der Suche nach einer sauberen Antwort helfen Markus Egert und Martina Schäfer. Egert ist Mikrobiologe und beschäftigt sich mit Haushaltshygiene, Schäfer ist hauswirtschaftliche Beraterin.

Wie oft muss ich meine Wohnung putzen?

Hier sind sich Schäfer und Egert einig. Die unbefriedigende, aber leider einzig richtige Antwort ist: »Es kommt drauf an«. Einmal die Woche reinigen sei aber eine gute Faustregel, so Schäfer. Klar, manche Dinge müssen sofort sauber gemacht werden, andere können hingegen warten. Zudem ist Wohnung nicht gleich Wohnung. Dass eine Party-WG mit fünf bis zehn Leuten häufiger putzen muss als ein Ein-Mann-Haushalt, dürfte wenig überraschen.

Auch wo die Wohnung liegt, kann einen Unterschied machen: In der Stadt tragen wir anderen Schmutz nach Hause als auf dem Land, statt Pollen legen sich hier Autoabgase an die Fenster.

Man solle »situativ bedingt« putzen, rät Mikrobiologe Egert deshalb. Er appelliert an Augen, Kopf und Nase. »Einfach darüber nachdenken: Ist das jetzt nötig oder nicht?« Müffelt der Kühlschrank oder sammeln sich in den Ecken die Wollmäuse, darf auch einmal öfter gewischt werden als geplant. Ist die Küche dagegen eine Woche lang kaum in Benutzung, muss nicht unbedingt sauber gemacht werden.

Um sich ans regelmäßige Reinigen zu gewöhnen, kann eine gewisse Routine dennoch nicht schaden. Schäfer rät deshalb dazu, sich einen festen Tag vorzunehmen. Wird es zeitlich eng, könne man die Räume aber auch auf verschiedene Tage aufteilen – beispielsweise montags die Küche, donnerstags das Badezimmer und samstags das Schlafzimmer.

Klar ist: Wenn Schädlingsbefall droht oder die Küche anfängt zu stinken, sollte es – unabhängig von persönlichen Präferenzen – ans Putzen gehen. Doch davon abgesehen hat jeder Mensch ein anderes Reinlichkeitsempfinden. Absprachen erleichtern das Zusammenleben. Wer mit mehreren Menschen zusammenwohnt und die Harmonie wahren möchte, sollte deshalb von Anfang an die Schmerzgrenzen aller Mitwohnenden abstecken: Was ist wem besonders wichtig? Wer fühlt sich wann unwohl, und benötigen wir einen Putzplan?

Was sollte man täglich putzen?

Genau wie Mitbewohner:innen haben auch Möbel, Oberflächen und Räume variierende Bedürfnisse. Ein paar Vorschläge zur Orientierung von den Expert:innen.

Was sollte man täglich putzen?

Egal ob Rindersteak oder Karotte, mit Lebensmitteln kommen auch Mikroorganismen in die Küche. Wer nach dem Kochen Küchengeräte und Oberflächen wischt, verhindert ungewollten Familienzuwachs. Gleiches gilt für das dreckige Geschirr, auch das sollte direkt gespült werden. Es zwei Wochen lang »einweichen« zu lassen ist leider keine Ausrede.

Was sollte man wöchentlich putzen?

Was sollte man monatlich putzen?

Ein- bis zweimal im Jahr oder nach Bedarf

Wie oft sollte man die Küche putzen?

Besondere Aufmerksamkeit verdient die Küche. »Sie ist hygienisch gesehen mit Abstand der wichtigste Raum«, sagt Egert. Die meisten Menschen seien viel zu sehr auf das Klo konzentriert, haben Angst vor Fäkalien. Tatsächlich aber kämen die meisten gefährlichen Keime über Lebensmittel in die Wohnung. Das gelte für tierische wie für pflanzliche Produkte, so der Mikrobiologe. Demnach lohne es sich, Schneidebretter, Küchengeräte und Oberflächen direkt nach der Verwendung zu reinigen – auch wenn es lästig ist.

»Die Küche ist hygienisch gesehen mit Abstand der wichtigste Raum.«

Markus Egert

Zu den größten Problemzonen in der Küche zählt der Kühlschrank – und das Spülbecken. »Da gibt es ja diesen Spruch: Kämen Außerirdische auf die Erde und könnten Mikroben sehen, würden sie aus unseren Toiletten trinken und in unserer Spüle ihr Geschäft verrichten«, zitiert Egert. Das Spülbecken sollte nach Benutzung immer gereinigt werden. Ein sauberes Handtuch oder ein sauberer Schwamm, Wasser und gegebenenfalls etwas Spülmittel reichten hier schon aus.

Wie oft muss ich Schwämme und Handtücher wechseln?

Der wahre Übeltäter, gewissermaßen das Eldorado der Keime, sei aber der Spülschwamm , so Egert – eine fatale Kombination aus großer Oberfläche, viel Feuchtigkeit und vielen Nährstoffen. Alle ein bis zwei Wochen sollte er deshalb gewechselt werden. Besser seien Bürsten und Tücher.

Einfach in den Müll?

Natürlich muss kein Spülschwamm sofort im Müll landen – einfach bei 60 Grad mit Vollwaschmittel in die Waschmaschine und anschließend gut trocknen lassen. Statt den Schwamm zu »sanieren«, bietet sich außerdem an, ihn an anderen Stellen im Haus zu Ende zu nutzen. So kann der Küchenhelfer nach getanem Dienst im Spülbecken eine zweite Karriere als Schwamm für Garten, Auto oder Toilette starten.

Schwämme jeglicher Art sollten generell trocken gehalten werden. Am besten immer gut auswringen und nie im Nassen liegen lassen.

Auch Küchenhandtücher können mindestens einmal die Woche ausgetauscht werden, bei häufiger Verwendung noch öfter, rät Egert. Ähnliches gilt für Handtücher im Badezimmer. Wichtig sei es auch, Tücher aus Bad und Küche nicht zu vermischen, um die unterschiedlichen Keime getrennt zu halten.

Welche Putzmittel nötig sind

Bei der Reinigung geht es immer um ein Zusammenspiel aus Zeit, Mechanik, Temperatur und Chemie. Erhöht man einen der Faktoren, könne man bei den anderen einsparen, erklären die Expert:innen. Nutze ich etwa einen Edelstahlschwamm oder ein Mikrofasertuch (Mechanik), kann ich chemische Mittel reduzieren. Putze ich mit warmem Wasser, bin ich möglicherweise schneller. Hygiene und Energiesparen seien leider oft gegenläufig, so Egert. »Da müssen Sie einen Kompromiss finden.«

Reinigungsmittel-»Must-haves«

Hauswirtschaftsexpertin Schäfer rät zu einer kleinen Grundausstattung:

  • Allzweckreiniger oder Neutralreiniger

  • Flüssiges Soda und Natronpulver

  • Spülmittel

  • WC-Reiniger

  • Scheuerpulver

  • Zitronensäure (Essig hat einen ähnlichen Effekt, Zitronensäure schont allerdings Gummidichtungen)

Desinfektionsmittel  sei im Normalfall nicht nötig, so Egert. »Das ist vielleicht sogar eher schädlich. Da gehen die Hypothesen noch auseinander.« Notwendig sei es – wenn niemand in der Wohnung krank ist – erst mal nicht.

Keine Lust auf Putzen – kann das gefährlich werden?

Wie motiviere ich mich zum Putzen?

Putzen macht nur den wenigsten Menschen Spaß. Der Tipp von Martina Schäfer: mit guter Musik putzen. »Mein Lieblingssong wäre ›Highway to Hell‹ von AC/DC. Da geht das richtig von der Hand.« Am Ende am besten eine Belohnung einplanen. Eine Tasse Kaffee oder etwas Süßes – ohne zu krümeln, versteht sich.

Was passiert, wenn nicht mehr geputzt wird, ist klar: es sammeln sich Staub, Dreck und Keime an. Das ist unhygienisch und wird dann gefährlich, wenn das Immunsystem durch Grunderkrankungen geschwächt und damit anfälliger für Keime ist. Klar ist: Je seltener geputzt wird, desto größer ist eben die Wahrscheinlichkeit, dass doch mal was passiert.