Tim Reichel

Vom Ausmisten bis zum Etappenlernen Fünf Tipps gegen Homeoffice-Frust

Tim Reichel
Ein Gastbeitrag von Tim Reichel
Die To-do-Liste ist lang, doch die Motivation macht Dauerpause? Unser Kolumnist gibt Soforthilfe für Tage, an denen man im heimischen Arbeitszimmer einfach nicht in Schwung kommt.
Mit diesen Tipps läuft es wieder im Homeoffice (Symbolbild)

Mit diesen Tipps läuft es wieder im Homeoffice (Symbolbild)

Foto: LumiNola / E+ / Getty Images

Kennst du diese Tage, an denen nichts läuft? Du findest nicht einmal die Motivation, dir einen Kaffee zu kochen – geschweige denn, dich um deine To-do-Liste zu kümmern. Und so vertrödelst du den ganzen Tag mit irgendwelchem Internetkram, bis du dich abends voller Selbsthass in den Schlaf grübelst.

Für Studierende, die ihre Zeit aktuell fast ausschließlich zu Hause verbringen, können solche verlorenen Tage zum Problem werden. Insbesondere, wenn die nächste Prüfung bevorsteht und jede Minute kostbare Lernzeit bedeutet.

Bachelor of Smarts – die Uni-Kolumne

Gutes Zeitmanagement, die richtige Lernstrategie vor Prüfungen, Tipps für den Einstieg ins digitale Semester: In dieser Kolumne gibt Dr. Tim Reichel Rat zu Herausforderungen im Studium und zeigt, wie Studierende erfolgreich durch den Bachelor kommen – ohne Dauerstress.

Du stehst auch vor einem vermeintlich unlösbaren Problem im Studium oder hast eine Frage an Tim Reichel? Dann schreib uns an SPIEGEL-Start@spiegel.de .

Vor Corona – die Älteren unter uns werden sich erinnern – gab es immerhin Ausweichmöglichkeiten, wenn es mit dem Lernen zu Hause nicht so recht klappen wollte. Man konnte in die Bibliothek gehen, ein Plätzchen in einem Lernraum in Beschlag nehmen oder sich mit Kommilitonen im Café treffen. All das geht im Moment nicht – oder ist zumindest erschwert.

Was also tun? Das Motivationstief austricksen und im Homeoffice zu alter Stärke zurückfinden. Dazu reichen oft schon ein paar kleine Hausmittelchen.

1. Bring den Müll raus

Fehlender Antrieb entsteht im Kopf. Meist reicht schon ein einzelner destruktiver Gedanke, um eine Kettenreaktion auszulösen: »Ich müsste für meine Prüfung lernen. Und dann ist da noch die Studienarbeit. Wenn ich damit durch bin, kommt auch schon das nächste Semester – und das soll noch härter werden. Das schaffe ich doch niemals!«

Wenn du merkst, dass du in einem solchen Gedankenkarussell gefangen bist, solltest du ausmisten – und zwar, indem du deine Gedanken aufschreibst. Das Aufschreiben hat nicht nur eine beruhigende Wirkung, sondern ordnet auch deinen Geist. Du lagerst alle negativen Strömungen aus und verbannst Gedankenmüll aus deinem Kopf. Stell ihn vor die Tür, damit er entsorgt werden kann.

2. Betrachte dich als jemanden, dem du helfen musst

Dieser Ratschlag stammt von dem Psychologen Jordan Peterson. In seinem Bestseller »12 Rules for Life« beschreibt er, dass einige Menschen die Tendenz haben, sich zu wenig um sich selbst zu kümmern. Ihre Familie, Freunde oder Haustiere umsorgen sie liebevoll – sich selbst jedoch nur mangelhaft.

Das kann auch Auswirkungen auf deine Leistungsfähigkeit haben. Wenn du dich an schlechten Tagen nicht um dein Wohlbefinden kümmerst, wird produktives Arbeiten fast unmöglich. Nimm dir deshalb die Zeit, egal wie viel Stress du hast. Iss einen Apfel, zieh dir etwas Schickes an, setzt dich vor eine Tageslichtlampe, höre deinen Lieblingssong und geh eine kleine Runde spazieren. Mach Dinge, die dir guttun. Frage dich: Was würdest du einem geliebten Menschen verschreiben, um ihm zu helfen?

3. Hol dir ein Erfolgserlebnis ab

Manchmal reicht schon ein kleiner positiver Impuls, um deine Trägheit zu überwinden. Was du dabei genau tust, spielt keine Rolle – wichtig ist nur, dass du aktiv wirst und einen Erfolg verbuchst. Alltägliche Aufgaben eignen sich hervorragend dazu. Wähle also eine machbare Aufgabe aus und erledige diese sehr, sehr gut: Sauge deine Wohnung, erledige den Abwasch oder beantworte eine E-Mail. Aus diesem kleinen Erfolg wirst du neue Energie ziehen und kannst dich dann wichtigeren Aufgaben zuwenden. Sollte ein einzelnes Erfolgserlebnis nicht ausreichen, kannst du auch eine kleine Serie starten und dich langsam von unwichtigen zu wichtigen Aufgaben vorarbeiten. Hauptsache, du kommst (und bleibst) in Aktion.

4. Konzentriere dich nur fünf Minuten lang

Studierende werden häufig deshalb nicht produktiv, weil sie sich zu viel vornehmen. Dagegen hilft die Fünf-Minuten-Regel. Bei dieser Methode legst du eine Aufgabe fest und bearbeitest diese nur fünf Minuten lang. Danach entscheidest du, ob du weitermachst – oder eben nicht. Wenn du nach fünf Minuten absolut keine Lust mehr hast, hörst du einfach auf und machst etwas anderes. Der Trick an der Sache ist aber, dass du dich nach fünf Minuten sehr wahrscheinlich nicht zurückziehen wirst, sondern eher denkst: »Jetzt habe ich einmal angefangen, dann kann ich auch weitermachen.« Also: Lies ein Buch, fasse ein paar Vorlesungsfolien zusammen und lerne deine Karteikarten – aber nur fünf Minuten lang.

5. Arbeite in Etappen

Nachdem du mithilfe der Fünf-Minuten-Regel Schwung genommen hast, darfst du eines nicht tun: versuchen, die verlorene Zeit wieder aufzuholen und dich dazu zwingen, stundenlang weiterzuarbeiten. Allein der Gedanke daran würde deine neu entfachte Motivation sofort auslöschen. Arbeite stattdessen in Etappen. Teile deine Aufgaben in Zeitfenster von circa 30 Minuten auf und plane nach jedem Intervall eine kurze Pause ein. Solch eine Etappenstruktur schont deine Kräfte und frischt deine Konzentration immer wieder auf. Wenn du eine Anleitung dazu suchst, empfehle ich die Pomodoro-Technik.

Anzeige
Tim Reichel

Arschtritt-Buch: Selbstmotivation im Studium

Verlag: Studienscheiss
Seitenzahl: 156
Für 19,90 € kaufen

Preisabfragezeitpunkt

05.02.2023 11.30 Uhr

Keine Gewähr

Produktbesprechungen erfolgen rein redaktionell und unabhängig. Über die sogenannten Affiliate-Links oben erhalten wir beim Kauf in der Regel eine Provision vom Händler. Mehr Informationen dazu hier

Fazit

Schlechte Tage im Homeoffice sind ganz normal. Jeder hat sie, auch wenn nicht alle darüber sprechen. Wichtig ist, dass du solche unproduktiven Phasen akzeptierst, dich aber nicht in ihnen verlierst. Nimm es hin, dass du aktuell nicht in deiner besten Verfassung bist – aber versuche gleichzeitig, den Abwärtstrend zu stoppen und kämpfe dich mit kleinen Aktionen zurück. So kann aus einer negativen Episode der Beginn einer neuen Erfolgsserie werden.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.