Berufseinstieg als Influencerin »Ich verdiene zwischen 2000 und 10.000 Euro im Monat«

Der Umwelt zuliebe wollte Charlotte Schüler privat Plastik vermeiden. Daraus wurde ein Instagram-Account mit Tausenden Followern – und guten Verdienstmöglichkeiten.
Aufgezeichnet von Stefanie Witterauf
Influencerin Charlotte Schüler: »Pro Woche arbeite ich etwa 60 Stunden«

Influencerin Charlotte Schüler: »Pro Woche arbeite ich etwa 60 Stunden«

Foto: privat

Der Start ins Arbeitsleben ist aufregend, anstrengend – und oft ganz anders als geplant. In der Serie »Mein erstes Jahr im Job« erzählen Berufseinsteiger:innen, wie sie diese Zeit erlebt haben. Diesmal: Charlotte Schüler, 26, Influencerin für Nachhaltigkeit aus München.

Mein erstes Jahr im Job

Alle bisherigen Folgen von »Mein erstes Jahr im Job« finden Sie auf unserer Serienseite. Sie haben Ihren Berufseinstieg selbst gerade hinter sich und möchten uns davon erzählen? Dann schreiben Sie uns an SPIEGEL-Start@spiegel.de .

»Während meiner Ausbildung zur Mediengestalterin fing ich an zu bloggen, zunächst als Hobby. Bei Instagram gab ich Tipps für ein nachhaltiges Leben, zum Beispiel, wie sich Plastik einfach vermeiden lässt. Nachhaltigkeit spielte damals in meiner Freizeit schon eine große Rolle. Ich hatte mir zum Beispiel angewöhnt, beim Einkaufen meine eigenen Behältnisse mitzunehmen. An diesem Lernprozess wollte ich andere teilhaben lassen.

Erst postete ich nur nebenbei Fotos und Videos, doch irgendwann wurde mein Account immer größer. Ich wurde für Workshops in Firmen eingeladen, bekam Kooperationen und einen Buchvertrag angeboten. Anfangs war es noch ein Nebenjob, aber seit meinem Abschluss stecke ich meine ganze Energie hinein und lebe als Content Creator für Nachhaltigkeit.

Werbung auf Instagram

Mein Beruf teilt sich in drei Bereiche auf. Als Autorin arbeite ich an einem neuen Buch, in dem ich Rezepte vorstelle und Tipps gebe. Außerdem habe ich einen Podcast, den ich recherchiere, aufnehme und schneide.

Wenn ich vormittags vier Stunden für mein Buch oder den Podcast gearbeitet habe, muss ich mich nachmittags um meine Follower:innen kümmern. Auf meinem Instagram-Kanal mache ich Werbung, aber nur für Firmen, die ich gut finde. Wenn mich Marken anfragen, die zum Beispiel Naturkosmetik verkaufen, ihre Produkte aber in Plastik verpacken, sage ich ab.

Die dritte Säule lag wegen der Coronapandemie in den vergangenen Monaten leider ziemlich brach. Zuvor hatte ich etwa viermal im Monat Vorträge in Firmen und Schulen gehalten, war auf Festivals unterwegs und las in verschiedenen Städten aus meinen zwei Büchern vor.

60 Stunden pro Woche

Für die Aufträge der Kund:innen hilft mir meine Ausbildung sehr. Ich bin fit in Bildbearbeitung und Videoschnitt und kenne mich mit Algorithmen auf Social Media gut aus. Wie viel Honorar ich für einen Werbepost bekomme, handelt mittlerweile mein Management aus. Ich produziere dann eine Story oder einen Post und schicke das Material an die Kund:innen, die mir Feedback und Änderungswünsche durchgeben. In der Gestaltung bin ich oft sehr frei, trotzdem gibt es Vorgaben, an die ich mich halten muss, etwa, die Materialien oder Besonderheiten des Produkts zu beschreiben. Wenn ich mich damit nicht wohlfühle, nehme ich den Auftrag nicht an. Dann passt das nicht zu mir.

»Manchmal treffe ich Teenager in der Stadt, die mich fragen, ob wir ein Selfie machen können.«

Als ich damals anfing, Marken auf meinem Account zu nennen und Workshops zu geben, habe ich damit etwa 800 Euro im Monat verdient. Mittlerweile sind es zwischen 2000 und 10.000 Euro. Wie viel ich verdiene, hängt mit dem sogenannten Tausend-Kontakt-Preis zusammen; je mehr Follower:innen, desto höher die Reichweite und das Honorar. Die Firmen können bei mir verschiedene Leistungen buchen. Ich kann ein Video machen und die Markenbotschaft in die Kamera erklären, ein Foto mit dem Produkt posten oder ihre Website mit einem ›Swipe-Up‹ in der Story verlinken, außerdem gibt es verschiedene Pakete.

Wie funktioniert Influencer:innen-Marketing bei Instagram?

Viele Influencer:innen haben eine bestimmte Nische, etwa im Bereich Umweltschutz, Skincare oder Inneneinrichtung. Durch die starke Fokussierung auf das Thema haben sie ein eher einheitliches Publikum, was eine Kooperation für Marken und Firmen interessant macht.

Wie viel Geld Influencer:innen für ihr Marketing bekommen, hängt mit dem sogenannten Tausend-Kontakt-Preis (TKP) zusammen. Er gibt an, wie viel Geld in eine Marketingmaßnahme investiert werden muss, um 1000 Menschen zu erreichen. Errechnet wird er mit der Formel:

Preis der Schaltung/Reichweite x 1000 = TKP

Wie hoch der TKP ist, legen die Influencer:innen selbst fest. In Deutschland lag der durchschnittliche Tausend-Kontakt-Preis für Instagram 2017 bei knapp zehn Euro . Das heißt, dass eine Marketingmaßnahme bei einer Influencer:in mit 100.000 Follower:innen knapp 1000 Euro gekostet hat.

Je mehr Follower:innen Influencer:innen haben, desto höher liegt also am Ende das Honorar. Man unterscheidet zwischen Mikro-Influencer:innen (1000 bis 100.000 Follower:innen), Makro-Influencer:innen (100.000 bis 1 Million Follower:innen) und Mega-Influencer:innen (ab 1 Million Follower:innen). Die meisten Follower:innen hat Instagram mit 405 Millionen übrigens selbst.

Pro Woche arbeite ich etwa 60 Stunden, meist auch am Wochenende. Aber ich liebe, was ich tue, deswegen ist das viele Arbeiten okay für mich.

Freizeit ohne Smartphone

Seit vergangenem Jahr bin ich auch bei TikTok. Im Wesentlichen mache ich dort den gleichen Content wie bei Instagram, aber die Zielgruppe ist deutlich jünger. Manchmal treffe ich Teenager in der Stadt, die mich fragen, ob wir zusammen ein Selfie machen können. Das finde ich süß und mache das sehr gern. Seitdem mir mehr Menschen folgen, versuche ich aber, darauf zu achten, dass man meine Wohnung nicht so einfach verorten kann. Ein bisschen Privatsphäre brauche ich auch. Shitstorms habe ich zum Glück noch nicht abbekommen. Ab und zu erhalte ich gehässige Kommentare, aber die ignoriere ich einfach.

Meine Follower:innen sind mir wichtig, ich bin zusammen mit ihnen gewachsen, einige sind seit meinem Start dabei. Sie motivieren mich und ich bin dankbar für ihren Support. Aber ich merke auch, dass ich manchmal eine Pause brauche von Social Media. Wenn ich mit meinen Freund:innen privat unterwegs bin, habe ich das Handy meist gar nicht im Blick. Ich will meine freie Zeit im echten Leben genießen, das Smartphone bedeutet für mich Arbeit.

Ich bin froh, einen so vielseitigen Beruf zu haben. Die Herausforderung für mich als Influencerin ist, die Entwicklung der Plattformen mitzumachen, mich nicht auf Instagram auszuruhen, sondern eben zum Beispiel auch bei TikTok meinen Content auszuspielen. Das gilt natürlich genauso für meinen Inhalt: Ich will nicht die ganze Zeit Bambuszahnbürsten in die Kamera halten. Damit würde ich meine Follower:innen nerven, sie haben sich weiterentwickelt und brauchen nicht immer die gleichen Tipps. Schritt für Schritt habe ich deshalb neue Themenfelder aufgenommen: Reisen, Banking, Kleidung.

Dieses Jahr werde ich noch ein eigenes Fashionlabel starten, mit fair produzierter Kleidung aus nachhaltigen Materialien. Ein eigenes Label war lange ein Traum, ich liebe Mode. Ich habe alles selbst gemacht, von den Designs bis zum Logo.

Ob ich mein Leben lang als Content Creator arbeite, weiß ich nicht. Aber aktuell macht es mir sehr viel Spaß, ich könnte mir keinen anderen Beruf vorstellen.«

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