Studienfächer erklärt Was ich als Erstsemester gern über Internationale BWL gewusst hätte

Wie unterscheidet sich Internationale BWL von der klassischen? Student Jonas Herbst berichtet aus seinem Studium und erklärt, warum er für ein Auslandsjahr nach Sibirien ging.
Aufgezeichnet von Helen Hahne
Im Studiengang Internationale BWL bieten sich Praktika im Ausland an (Symbolbild)

Im Studiengang Internationale BWL bieten sich Praktika im Ausland an (Symbolbild)

Foto: Francesco Carta / Moment RF / Getty Images
Studienfächer erklärt

In der Reihe »Studienfächer erklärt« stellen wir die 30 beliebtesten Studienfächer in Deutschland vor – von Betriebswirtschaftslehre auf Platz 1 bis Wirtschaftsrecht auf Platz 30. Wie viele Studierende an deutschen Hochschulen in welchem Fach eingeschrieben sind, ermittelt das Statistische Bundesamt einmal im Jahr . Unser Ranking bezieht sich auf die Zahlen für das Wintersemester 2019/2020, die beiden Fächer »Wirtschaftsingenieurwesen mit ingenieurwissenschaftlichem Schwerpunkt« und »Wirtschaftsingenieurwesen mit wirtschaftswissenschaftlichem Schwerpunkt« haben wir zusammengefasst.

Wer Internationale BWL (IBWL) studiert hat, arbeitet anschließend zum Beispiel in Unternehmen, Beratungen oder Banken, die weltweit agieren. In unserer globalisierten Welt sind Absolventinnen und Absolventen auf dem Arbeitsmarkt sehr gefragt. Im Studium hatten sie die Möglichkeit, viel Auslandserfahrung zu sammeln, und sprechen deshalb meist mehrere Sprachen.

Jonas Herbst, 24, hat Internationale BWL im Bachelor an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg studiert. Dort absolviert er nun auch seinen Master. Er erklärt, warum das »International« in IBWL falsch verstanden werden kann, warum er sein Auslandsjahr in Sibirien verbracht hat und warum ihm die VWL-Kurse mehr Spaß machen als gedacht.

Die Entscheidung fürs Studium

»In einem Seminar damals in der Schule versuchten wir, herauszufinden, wo unsere Stärken liegen und was wir nach der Schule machen wollten. Mein Ergebnis: Ich stach bei keiner Fähigkeit besonders heraus, war aber auch nirgends besonders schlecht. Geholfen hat mir das also bei der Studienwahl erst einmal nicht. Eines wusste ich aber: Ich wollte mit meinem Studium möglichst breit und international aufgestellt sein. Ich bin zum Teil im Ausland aufgewachsen und habe neben Deutsch auch Englisch, Französisch und ein bisschen Spanisch gelernt. Ein Studium wie Jura oder Medizin erschien mir zu speziell – im Gegensatz zu Internationaler BWL. Darauf fiel meine Wahl.

An der Uni in Bamberg müssen wir zwei Fremdsprachen lernen, ich habe neben Englisch noch Russisch gewählt. Es wurde vorausgesetzt, dass wir die Sprachen schon auf dem Niveau B1 sprechen – bei Englisch sogar B2. An vielen Unis muss man das auch mit einem Zertifikat nachweisen. Wer also mit dem Studiengang liebäugelt, sollte sich schon einmal mit den Zugangsvoraussetzungen der Universitäten vertraut machen und sich für Sprachkurse oder Prüfungen anmelden.«

Formale Voraussetzungen:

  • Internationale BWL kann man an Universitäten und Fachhochschulen studieren. Auch ein duales Studium oder ein Fernstudium ist möglich. An Universitäten ist in der Regel das Abitur  oder die Fachgebundene Hochschulreife Voraussetzung, an Fachhochschulen mindestens das Fachabitur.

  • An manchen Hochschulen kann es zusätzlich ein internes Auswahlverfahren  geben. Darüber kann man sich direkt auf den Webseiten informieren.

  • Da das Studium einen internationalen Schwerpunkt hat, können außerdem Sprachnachweise  nötig sein. Auch das legen die Standorte individuell fest.

Was man sonst noch mitbringen sollte: Reisebereitschaft. Wer in international agierenden Unternehmen arbeitet, ist auch häufig im Ausland unterwegs. Offenheit gegenüber anderen Kulturen und Strukturen ist ein Muss.

Inhalt und Aufbau des Studiums

»Der Bachelor in Bamberg dauert acht Semester, zwei davon werden im Ausland absolviert – so war es zumindest vor der Pandemie. Es gab keine spezifische Reihenfolge, in der wir die Kurse belegen mussten. Die wenigsten bauten aufeinander auf. Die Stundenpläne lassen sich also individuell gestalten.

Allerdings war es Pflicht, eine bestimmte Anzahl an Kursen aus den Bereichen BWL und VWL zu belegen. Bei BWL waren das zum Beispiel Statistik, Grundlagen der Wirtschaftsmathematik oder Rechnungslegung, bei VWL Mikroökonomie 1 und Makroökonomie 1. Man sollte IBWL also nicht studieren, wenn man nicht halbwegs zahlenaffin ist. In beiden Bereichen gibt es außerdem jeweils einen Wahlpflichtbereich, aus dem noch einmal zwei bis drei Kurse gewählt werden müssen. So ergibt sich ein kleiner Schwerpunkt.«

Typische Pflichtfächer: Allgemeines Wirtschaftsrecht, Betriebliche Außenwirtschaft, Bilanz- und Erfolgsrechnung, Interkulturelle Wirtschaftskommunikation, Internationale Fragen der Wirtschaftspolitik, Länderanalyse, Mikro-/Makroökonomie, Organisation und Human Resource Management, Weltwirtschaftsgeografie/Internationale Wirtschaftsstrukturen

Mögliche Wahlbereiche: Betriebliches Gesundheitsmanagement, Digitale Wirtschaft, Financing and Risk Management with Case Studies, Introduction to Management, Strategic Management, Vertrieb/Smart Energy, Wirtschafts- und Sozialgeografie Europas

»Aus der Schulzeit war ich es gewohnt, viel auswendig zu lernen. Das reicht im Studium nicht aus – vor allem bei den VWL-Kursen. Es geht vielmehr darum, die gelernten Modelle auch anwenden zu können. Für fast alle Kurse gibt es Tutorien und Übungen, es ist also nicht schlimm, wenn man in den Vorlesungen nicht alles sofort versteht. Für die meisten Veranstaltungen gibt es außerdem Facebook-Gruppen, in denen man nach Lösungen fragen kann.

Der Name ›International‹ ist etwas irreführend. Wir hatten eigentlich alle Kurse mit den BWLern zusammen. Wir mussten nur ein Jahr länger studieren, ins Ausland gehen und ein sechsmonatiges Pflichtpraktikum absolvieren. Fast alle Lehrveranstaltungen waren auf Deutsch, mit Ausnahme der zwei Wirtschaftsfremdsprachen – das fand ich schade. Wem Sprachen besonders wichtig sind, sollte das schon bei der Auswahl der Uni bedenken.«

»Für meine beiden Auslandssemester wollte ich irgendwo hin, wo ich nicht auf lauter andere deutsche Studierende treffe. Ich entschied mich für Sibirien – und war dort wirklich am Anfang der einzige Deutsche. Das Jahr war super für mein Russisch, um die andere Kultur kennenzulernen und einen ganz anderen Blick auf die politische Weltlage mitzuerleben. Mein Tipp: Überlegt euch vorher, was genau ihr euch vom Auslandssemester versprecht. Möchtet ihr auf eine Top-Universität? Ist euch der kulturelle Austausch wichtig? Wollt ihr vor Ort viel reisen? Mir ging es vor allem um die Sprache.«

Berufsaussichten nach dem Studium

»Meine Pflichtpraktika absolvierte ich in den Semesterferien. Ich ging jeweils für zwei Monate in eine Unternehmensberatung, in ein Start-up im Bereich Gesundheitsmanagement und in den Bereich Supply-Chain-Management eines Unternehmens. Die Abteilung kümmert sich darum, dass Produkte zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind.

Wer anders als ich das komplette halbe Jahr in nur einem Unternehmen verbringt, hat vielleicht bessere Chancen, auch später einen Job dort zu bekommen. Ich wollte lieber verschiedene Unternehmen und damit potenzielle Arbeitgeber kennenlernen.

Ich finde Wirtschaftsethik super interessant. Deshalb habe ich mich noch für ein Semester in Philosophie eingeschrieben. Je nachdem wie das läuft, würde ich dann gern einen Doktor in Wirtschaftsethik machen oder den kompletten Philosophie-Bachelor dranhängen. Oder ich starte ins Berufsleben, dann würde ich gern in einer Unternehmensberatung anfangen. Mit einem guten Abschluss in IBWL muss man sich keine Sorgen um die berufliche Zukunft machen.«

Branchen und Gehälter:

Mit einem Abschluss in IBWL stehen Absolventinnen und Absolventen viele Berufsmöglichkeiten offen. Sie arbeiten oft in Unternehmen mit internationalem Fokus. Gute Einstiegsmöglichkeiten bieten sich, je nach Voraussetzungen, zum Beispiel in den Finanz- und Rechnungsabteilungen, im Marketing oder Management.

Wirtschaftswissenschaftlerinnen und Wirtschaftswissenschaftler verdienen laut Stepstone-Gehaltsreport  nach einem Bachelor-Abschluss 41.517 Euro brutto, nach einem Master 46.931 Euro. Besonders gut verdienen sie in Banken oder der Unternehmensberatung.