Studienfächer erklärt Was ich als Erstsemester gern über Rechtswissenschaft gewusst hätte

Paragrafen lernen, Gesetzestexte lesen – das ist nur eine Sichtweise aufs Jurastudium, sagt die Anwältin Lisa Klughammer. Warum das Fach alltagsnah ist und wie man gut durchs Studium kommt, erklärt sie hier.
Aufgezeichnet von Lisa Srikiow
Viel lesen und viel schreiben – beides gehört zu den Hauptaufgaben im Jurastudium (Symbolbild)

Viel lesen und viel schreiben – beides gehört zu den Hauptaufgaben im Jurastudium (Symbolbild)

Foto: time99lek / iStockphoto / Getty Images
Studienfächer erklärt

In der Reihe »Studienfächer erklärt« stellen wir die 30 beliebtesten Studienfächer in Deutschland vor – von Betriebswirtschaftslehre auf Platz 1 bis Wirtschaftsrecht auf Platz 30. Wie viele Studierende an deutschen Hochschulen in welchem Fach eingeschrieben sind, ermittelt das Statistische Bundesamt einmal im Jahr . Unser Ranking bezieht sich auf die Zahlen für das Wintersemester 2019/2020, die beiden Fächer »Wirtschaftsingenieurwesen mit ingenieurwissenschaftlichem Schwerpunkt« und »Wirtschaftsingenieurwesen mit wirtschaftswissenschaftlichem Schwerpunkt« haben wir zusammengefasst.

Juristinnen und Juristen arbeiten als Rechtsanwälte, Notare, Staatsanwälte oder Richterinnen. Am Gericht verteidigen sie ihre Mandanten, erheben Anklage oder fällen Urteile. Sie prüfen, ob Gesetzesinitiativen verfassungskonform sind, erstellen Rechtsgutachten oder setzen für Unternehmen Arbeitsverträge auf.

Lisa Klughammer ist 27 Jahre alt und Rechtsanwältin. Sie hat Jura an der Universität Augsburg studiert und spezialisiert sich nun auf den gewerblichen Rechtsschutz. Hier erklärt sie, warum die Rechtswissenschaft ein alltagsnahes Fach ist. Und warum man auch ein Leben neben der Uni haben muss, um im Studium erfolgreich zu sein.

Die Entscheidung fürs Jurastudium

»Schon in der Schule fand ich das Facht ›Recht und Wirtschaft‹ besonders interessant. Ich erinnere mich auch daran, dass wir in Referaten verschiedene Berufsbilder vorstellen mussten, ich hatte mir den Rechtsanwalt beziehungsweise die Rechtsanwältin ausgesucht und dazu recherchiert. So kam es, dass ich mich mehr und mehr für Jura interessierte und mich nach dem Abitur schließlich dafür einschrieb. Ich stellte es mir spannend vor, eng mit den Mandanten zusammenzuarbeiten und am Gericht tätig zu sein.«

Formale Voraussetzungen für ein Jurastudium:

  • Wer Volljurist werden, also die Erste und Zweite Juristische Prüfung ablegen möchte, muss an einer Universität studieren . Dafür braucht man in der Regel das Abitur.

  • Darüber hinaus gibt es Studiengänge im Bachelor- und Mastersystem . Häufig behandeln sie einen Teilbereich, etwa Öffentliches Recht, oder kombinieren Jura mit einem anderen Fach, zum Beispiel Wirtschaftswissenschaften.

  • Einige Hochschulen wie die Universitäten Augsburg oder Bielefeld konnten zuletzt alle Bewerberinnen und Bewerber zulassen. Dort, wo es einen Numerus Clausus (NC) gibt, liegt er oft im Einserbereich.

Was man sonst noch mitbringen sollte: Ausführliche Schriftsätze zu verfassen, gehört zu den Hauptaufgaben von Juristen und Juristinnen. Studierende sollten deshalb gern analytische Texte schreiben und Spaß daran haben, präzise zu formulieren.

»Das erste Semester war natürlich aufregend, nicht nur in Bezug auf das Fach, sondern auch auf das Studentenleben allgemein. Man ist auf einmal sehr frei und kann für sich selbst entscheiden, zu welchen Vorlesungen man geht und zu welchen nicht. Das hat mir – im Unterschied zu den starren Vorgaben in der Schulzeit – gut gefallen.

Ich habe mich übrigens ganz bewusst für Augsburg entschieden. Die Uni dort erschien mir im Vergleich zu anderen einfach familiärer und sympathischer. Im Laufe des Studiums habe ich in Augsburg einen guten Freundeskreis aufgebaut, wir haben uns gegenseitig immer unterstützt.«

Inhalte und Aufbau des Studiums

»Das Grundstudium zieht sich über die ersten vier Semester, man hört Strafrecht, Öffentliches Recht, Bürgerliches Recht sowie einige Nebenfächer. Wirklich interessant wird es im fünften Semester, da wählt man seinen Schwerpunkt. Mir war schon früh klar, dass ich in Richtung Urheberrecht gehen wollte, unser Professor in diesem Fach war ziemlich gut. Ich fand aber auch viele andere Veranstaltungen spannend, zum Beispiel die zu Rechtsmedizin.

Was ich faszinierend an Jura finde: Das Recht berührt jeden Aspekt unseres Lebens. Es geht nicht nur darum, trockene Gesetzestexte zu lesen – vielmehr muss man das Gesetz auf unser alltägliches Leben anwenden. Mir war wichtig, dass der Austausch mit Mandanten später im Berufsleben sachlich und professionell abläuft, auch deswegen habe ich mich für Urheber- und Markenrecht entschieden. Im Familienrecht beispielsweise hat man mit sehr persönlichen Schicksalen zu tun. Da ist es oft nicht einfach, Berufliches und Privates zu trennen.«

Typische Pflichtmodule: Zivilrecht, Strafrecht, Öffentliches Recht, Rechtsgeschichte, Rechtsphilosophie

Mögliche Schwerpunkte: Europarecht, Familienrecht, Gesellschaftsrecht, Arbeits- und Sozialrecht, Handelsrecht

»Der Leistungs- und Konkurrenzdruck ist schon recht hoch. Im Studium selbst hält sich das noch in Grenzen, man kommt gut durch die Übungen und Klausuren. Wirklich hart sind die beiden Staatsexamen: Am Ende des Studiums legt man die Erste Juristische Staatsprüfung ab. Daran schließt das zweijährige Referendariat an. In dieser Zeit durchläuft man Stationen am Gericht, in der Staatsanwaltschaft, in einer Kanzlei oder Behörde. Danach folgt die Zweite Juristische Staatsprüfung. Beide Prüfungen sind extrem schwierig; viele fallen durch, weil die Anforderungen plötzlich um ein Vielfaches höher sind als während des Studiums. Ähnlich wie in Medizin wird man innerhalb mehrerer aufeinanderfolgender Tage in sämtlichen Fächern abgefragt.

Mein Rat ist daher: Schreibt so viele Klausuren mit wie möglich, nutzt jede Übungsklausur – das ist ein gutes Training für die Examen. Gleichzeitig sollte man aber nicht aus den Augen verlieren, dass es noch ein Leben neben dem Studium, neben dem Beruf gibt – und dass dafür auch noch genügend Zeit bleiben sollte. Mir hat das jedenfalls geholfen. Eben weil der Leistungsdruck so hoch ist, tut es gut, sich ab und zu zu vergegenwärtigen, dass es noch andere wichtige Dinge im Leben gibt.«

Berufsaussichten nach dem Studium

»Jura ist ein relativ langes Studium. Ich weiß noch, dass ich zwischendurch etwas genervt war, weil meine Freunde mit ihren Bachelor- oder Masterstudiengängen viel schneller in den Beruf einsteigen konnten als ich. Außerdem muss man sich klarmachen, dass man als Absolvent nicht gleich mit einem sonderlich hohen Gehalt rechnen kann. Man sollte sich deshalb sicher sein, dass man diesen Job wirklich aus Leidenschaft macht, nicht weil man Geld oder Reputation erwartet.

Ich hatte das Glück, dass ich während meines Referendariats schon meinen heutigen Arbeitgeber kennenlernen konnte – ich hatte in der Kanzlei meine Anwaltsstation gemacht. Am Schluss passte es von beiden Seiten so gut, dass ich übernommen wurde.«

Branchen und Gehälter:

Volljuristinnen und -juristen – also denjenigen mit erfolgreich absolvierter Zweiter Staatsprüfung – steht eine Karriere im Staatsdienst oder als Rechtsanwältin beziehungsweise Rechtsanwalt offen. Sie werden aber auch in den öffentlichen Verwaltungen gebraucht. Jura-Absolventen können darüber hinaus in der freien Wirtschaft, bei Kammern und Verbänden oder in internationalen Organisationen arbeiten.

Laut StepStone-Gehaltsreport  verdienen Absolventinnen durchschnittlich 52.329 Euro. Je nach Branche schwanken die Gehälter zum Teil stark.