Von Beruf Kindheitspädagoge »Als Mann im Kindergarten muss man sich behaupten«

Vincent Pielawa studiert Kindheitspädagogik – das Studienfach mit dem niedrigsten Männeranteil in Deutschland. 90 Prozent der Studierenden sind weiblich. Wie er mit Vorurteilen umgeht und warum Erzieher ein Studium brauchen, erzählt er im Podcast.
Ein Podcast von Verena Töpper

900 Stunden Praktika sind Pflicht, aber Vincent Pielawa hat schon deutlich mehr Zeit mit Spielen, Trösten, Nase putzen verbracht. Der 23-Jährige studiert Kindheitspädagogik in Hildesheim und jobbt neben seinem Studium in einer Kita. Er liebt die Arbeit mit kleinen Kindern – und nimmt dafür auch in Kauf, dass er selbst von Freunden für seine Berufswahl belächelt wird. »Du bist doch der Kindergärtner, du kannst ja auf die Kinder aufpassen«, heißt es dann. Oder: »Im Studium tanzt du doch den ganzen Tag nur im Kreis herum und singst Lieder.«

Lehrer:innen studieren, Erzieher:innen machen eine Ausbildung – diese Vorstellung ist noch immer in vielen Köpfen verankert. Dabei hat sich der Anspruch an das, was ein Kindergarten leisten soll, längst weiterentwickelt. Kindertagesstätten sollen heute Bildungseinrichtungen sein, in denen die Weichen für das spätere Leben und Lernen gestellt werden. Die Neugier der Kinder soll dort geweckt, ihre Sprachfähigkeit und ihre Kreativität gefördert werden. Es soll gemeinsam gegessen, geschlafen, gelernt und gespielt werden, am besten noch inklusiv. Wie kann das gelingen? Genau damit beschäftigen sich Kindheitspädagog:innen.

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Marius Maasewerd

Vor knapp 15 Jahren wurden die ersten Studiengänge ins Leben gerufen, mittlerweile boomt das Fach. Unter den Absolvent:innen herrscht Vollbeschäftigung. Sie leiten Kindertagesstätten oder die Nachmittagsbetreuung von Grundschulen, arbeiten in der Familienberatung oder in Jugendämtern. Gleichzeitig ist Kindheitspädagogik in Deutschland das Studienfach mit dem niedrigsten Männeranteil: 90 Prozent der Studierenden sind weiblich.

»Kinder brauchen weibliche und männliche Vorbilder«

Vincent Pielawa ist stolz darauf, einer von zehn zu sein. Dass Männer mit Kindern weniger basteln und mehr klettern, sei ein Klischee, sagt er, »aber ihr Umgang, ihre Handhabe und ihre Ansichten sind natürlich schon anders«. Es sei einfach wichtig, dass in Kitas auch Männer arbeiten. »Kinder brauchen weibliche und männliche Vorbilder.«

Wie wird man Kindheitspädagoge?

Eine Übersicht über Universitäten und Hochschulen, an denen Kindheitspädagogik mit den Abschlüssen Bachelor und Master studiert werden kann, bietet der Bundesverband der Erziehungswissenschaftlerinnen und Erziehungswissenschaftler hier .

Je nach Studienort können die Zugangsvoraussetzungen variieren, manche Hochschulen verlangen beispielsweise ein mindestens achtwöchiges Vorpraktikum in einer Kita oder Krippe.

Inhaltlich ist der Studiengang an Sozialpädagogik und Erziehungswissenschaften angelehnt, aber mit einem Schwerpunkt auf Kinder im Alter von bis zu zehn Jahren.

Dass er sich gegen die Ausbildung zum Erzieher und für das Studium der Kindheitspädagogik entschieden hat, liegt vor allem an den besseren Aufstiegschancen, die ein Bachelor mit sich bringt. »Mein persönliches Ziel ist es, irgendwann von der praktischen Arbeit mit Kindern in eine Leitungsposition zu gelangen, um dann meine Ideen und Werte an ein Team weiterzugeben und zu vermitteln«, sagt er.

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Marius Maasewerd

Wie wichtig gerade für Erzieher in Kitas der Rückhalt durch den Chef oder die Chefin ist, hat er selbst schon miterlebt. Immer wieder kommen Eltern mit Sonderwünschen – und verlangen beispielsweise, dass ihr Kind nur von weiblichen Fachkräften gewickelt wird. »Als Mann im Kindergarten muss man sich behaupten«, sagt Pielawa.

Wie er damit umgeht, was er auf blöde Kommentare erwidert und warum er sich jederzeit wieder für das Studium entscheiden würde, erzählt er im Podcast.

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