Kochen ohne Kohle Wenn alles egal ist: Tortellini mit Käsesoße für 1,25 Euro

Dieses einfache 20-Minuten-Gericht hat einen Nährwert wie ein Backstein und Kalorien aus der Hölle. Daher ist es reserviert für die schlimmsten Tage – von denen es aktuell zu viele gibt.
Eine Kolumne von Sebastian Maas
Wahrscheinlich wäre eine Schachtel Zigaretten gesünder: Tortellini mit Schmelzkäsesoße

Wahrscheinlich wäre eine Schachtel Zigaretten gesünder: Tortellini mit Schmelzkäsesoße

Foto: Sebastian Maas / DER SPIEGEL

In meiner Kolumne vor zwei Wochen war mein größtes Problem, dass ich kurz vor dem Urlaub Stress hatte. Heute ist die Welt eine andere. Plötzlich google ich die Heeresgrößen der Nato-Staaten und studiere Truppenbewegungskarten, die man in einem Geschichtsbuch erwarten würde. Alles nur, weil ein Mann mit albern langen Konferenztischen einen Angriffskrieg gegen seine Nachbar:innen anzettelt und mit Nuklearwaffen droht . Was für ein Wahnsinn.

Es fällt schwer, in so einer Zeit nicht zynisch zu wirken. Denn in der Ukraine ist wohl niemandem damit geholfen, wenn ich aus Solidarität ein Gericht in den Farben der blaugelben Flagge koche und sie mit ein paar Wortspielen à la »Keep calm and curry on« oder »Autokratenbraten« garniere – während dort in Bierbrauereien Molotowcocktails befüllt werden. Trotz (oder wegen) dieser Situation sind Sie, liebe Leser:innen, hierhergekommen, um etwas Ablenkung und ein günstiges Rezept zu bekommen. Heute fällt das leider etwas kürzer aus – ich muss vorher nämlich noch Dampf ablassen.

»Kochen ohne Kohle«

Bafög oder Azubi-Gehalt sind schon wieder fast aufgebraucht? Der Obstkorb beim unbezahlten Agenturpraktikum war geräubert? Und bitte nicht schon wieder Pizzatoast? Alles kein Problem: In dieser Kolumne zeigt SPIEGEL-Redakteur und Hobbykoch Sebastian Maas, wie man trotz Flaute auf dem Konto leckere und besondere Gerichte zaubern kann. Dabei gibt es nur zwei Regeln:

  • Eine Portion darf maximal so viel kosten wie ein Essen in der Mensa, also drei Euro.

  • Teure Spezialgeräte sind tabu.

Alle Rezepte

Es macht mich wütend, dass es so weit kommen musste, bis in Deutschland wirklich über die wirtschaftliche Abhängigkeit von einem menschenfeindlichen Machthaber wie Putin nachgedacht wird. Und über die Gefahr, die von ihm ausgeht. Seit Jahrzehnten sind wir angewiesen auf fossile Brennstoffe aus Russland – und finanzieren so mit unserem Geld ein Regime, das Menschenrechte und das Völkerrecht mit Füßen tritt. Wir könnten heute energetisch deutlich autarker sein, wenn wir – wie von Teilen der Klimaschutzbewegung gefordert  – vor Jahrzehnten eine richtige Energiewende gewagt hätten.

Und während in der Ukraine ein absolut sinnloser Krieg über die Bevölkerung hereinbricht, meldet der Weltklimarat IPCC am Montag, dass das Fenster zur erfolgreichen Abwendung eines katastrophalen Klimawandels immer kleiner werde. Und 3,6 Milliarden Menschen nun als »extrem verwundbar« eingestuft würden.

Die Zusammenarbeit mit Autokraten, das Verheizen von Öl, Gas und Kohle – dahinter stehen menschliche Entscheidungen. Man muss das nicht tun, man kann sich für einen anderen Weg entscheiden, auch wenn der vielleicht manchmal beschwerlicher ist. Hat man viel zu lange aber nicht getan. Da kann man schon mal etwas Weltschmerz verspüren. Und Wut.

Pasta statt Wut im Bauch

Auch ich bin mit der Gesamtsituation unzufrieden, das konnte man vielleicht zwischen den Zeilen subtil versteckt herauslesen. Wenn die Schwermut mich packt, haue ich mir gern ein selbstzerstörerisches Abendessen rein, das man bei aller Liebe kaum als kulinarisch hochwertig bezeichnen kann: Tortellini mit Schmelzkäsesoße. Das Gericht ist seit Jahren ein schambeladener Ausnahmegenuss in meinem Rezeptkatalog. Es hat einen Nährwert wie ein Backstein und Kalorien aus der Hölle.

Wahrscheinlich ist eine Packung Zigaretten gesünder, daher sind diese Torturlini reserviert für die schlimmsten »Nun-ist-es-auch-egal-Tage«. Wie heute, gestern und wahrscheinlich morgen.

Ja, ich war Mitglied in der StudiVZ-Gruppe »Nudeln machen ist auch Kochen«

Ja, ich war Mitglied in der StudiVZ-Gruppe »Nudeln machen ist auch Kochen«

Foto: Sebastian Maas / DER SPIEGEL

Das benötigt man für vier Portionen:

  • 800 g Tortellini aus dem Kühlschrank

  • 300 g Schmelzkäse

  • 300 ml Gemüsebrühe

  • Optional: ein Paket TK-Buttergemüse

Was kostet das?

1,25 Euro pro Portion

Wie lange dauert das?

20 Minuten, man muss alles nur warm machen

Wie macht man Tortellini mit Käsesoße?

  1. Die Pasta nach Packungsanleitung kochen, abgießen und beiseitestellen.

  2. Das optionale Buttergemüse im selben Topf erwärmen.

  3. Den Schmelzkäse und die Brühe hinzugeben und unter Rühren in wenigen Minuten zu einer käsigen Sünde schmelzen lassen. Einmal aufkochen lassen, dann abstellen.

  4. Am Ende die Nudeln zur Soße geben, alles gemeinsam warm werden lassen – fertig.

Pasta und Käse für die geschundene Seele

Pasta und Käse für die geschundene Seele

Foto: Sebastian Maas / DER SPIEGEL

Wie gesagt, ich hab heute keine Energie zum Kochen. Ich muss mich noch etwas aufregen. Und dann überlegen, was ich spenden kann, um mich nicht mehr so hilflos zu fühlen.

Friedliche Grüße und guten Appetit!

Suchen Sie noch mehr Gerichte, die wenig Geld kosten? Dann folgen Sie mir gern auf Instagram . Kennen Sie Gerichte, die wenig Geld kosten? Dann schreiben Sie mir gern eine E-Mail  oder teilen Sie ein Bild unter dem Hashtag #KochenOhneKohle.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.