Studienfächer erklärt Was ich als Erstsemester gern über Kulturwissenschaften gewusst hätte

Wer Kulturwissenschaften studiert, muss viele Hausarbeiten schreiben. Wie wird man gut darin? Und worauf sollte man bei der Praktikumsauswahl achten? Studentin Andrea Vidovic gibt Antworten.
Aufgezeichnet von Helen Hahne
Viele Studierende absolvieren Praktika in Kultureinrichtungen (Symbolbild)

Viele Studierende absolvieren Praktika in Kultureinrichtungen (Symbolbild)

Foto: Xosã Bouzas / Hans Lucas / imago images
Studienfächer erklärt

In der Reihe »Studienfächer erklärt« stellen wir die 30 beliebtesten Studienfächer in Deutschland vor – von Betriebswirtschaftslehre auf Platz 1 bis Wirtschaftsrecht auf Platz 30. Wie viele Studierende an deutschen Hochschulen in welchem Fach eingeschrieben sind, ermittelt das Statistische Bundesamt einmal im Jahr . Unser Ranking bezieht sich auf die Zahlen für das Wintersemester 2019/2020, die beiden Fächer »Wirtschaftsingenieurwesen mit ingenieurwissenschaftlichem Schwerpunkt« und »Wirtschaftsingenieurwesen mit wirtschaftswissenschaftlichem Schwerpunkt« haben wir zusammengefasst.

Kulturwissenschaftler:innen planen und organisieren unser kulturelles Leben – in Museen und Galerien, in Theatern, bei Verlagen und Kulturämtern, an Hochschulen und in anderen Bildungseinrichtungen. Oft arbeiten sie dann, wenn alle anderen Feierabend haben. Das kann sehr fordernd sein, aber auch sehr erfüllend.

Andrea Vidovic, 30, studiert im fünften Semester Kulturwissenschaften an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt an der Oder. Sie erzählt, warum ihr das Studium am Anfang schwerfiel, wie man sich gegenseitig unterstützen kann und warum sie in Zukunft trotzdem noch auf ein zweites Standbein setzt.

Die Entscheidung für Kulturwissenschaften

»Ich bin gelernte neurologische Physiotherapeutin, nach einigen Jahren Berufserfahrung suchte ich eine neue Herausforderung. Seit zehn Jahren bin ich nebenbei in der Kulturszene in Berlin aktiv, irgendwann wollte ich gern hauptberuflich in dem Bereich arbeiten. Da lag es nahe, noch einmal Kulturwissenschaften zu studieren. Ein Stipendium hat mir dann ermöglicht, tatsächlich an die Uni zu gehen.

Ich komme aus Berlin und wollte auch dort wohnen bleiben. Die Europa-Universität Viadrina in Frankfurt an der Oder ist von hier gut zu erreichen und hat einen sehr guten Ruf. Mir hat auch das große Angebot an Probeseminaren bei der Entscheidung für das Fach und die Uni sehr geholfen. So konnte ich mich orientieren und herausfinden, wann ich welches Modul belegen muss, damit ich in Regelstudienzeit fertig werde. Das würde ich auch anderen raten: Setzt euch einfach in ein paar Seminare, bevor ihr euch einschreibt.«

Formale Voraussetzungen:

  • Kulturwissenschaften kann man an Universitäten und Fachhochschulen studieren. An Universitäten ist in der Regel das Abitur  oder die Fachgebundene Hochschulreife Voraussetzung, an Fachhochschulen mindestens das Fachabitur.

  • An einigen Standorten wird ein internes Auswahlverfahren durchgeführt, zum Teil werden Sprachnachweise verlangt.

  • Kulturwissenschaften kann auch als Teil eines Kombinations-Bachelors  studiert werden. Welche Fächerkombinationen möglich sind, ist von der jeweiligen Uni abhängig.

Was man noch mitbringen sollte: Lust auf Abwechslung und Eigeninitiative. Das Studium der Kulturwissenschaften lässt Studierenden viel Freiraum. Deshalb sind Praktika wichtig, um das eigene Profil zu entwickeln.

Inhalt und Aufbau des Studiums

»Unser Studium ist interdisziplinär ausgerichtet, neben Kulturwissenschaften müssen wir noch zwei weitere Fächer wählen. Ich habe mich für Kulturgeschichte und Sozialwissenschaften entschieden. Außerdem legt die Uni in Frankfurt einen Schwerpunkt auf Sprachen: Man muss entweder zwei Sprachen auf B2-Niveau belegen oder eine auf C1- und eine auf B1-Niveau. Ich habe Englisch und Spanisch gewählt. Außerdem ist ein Auslandsaufenthalt Pflicht – im Rahmen eines Praktikums oder Auslandssemesters.

Ich war Anfang des Jahres auf Malta, um ein Praktikum in einem Co-Working-Space zu machen, in dem auch Ausstellungen und Kulturevents stattfinden. Dort war ich zum Beispiel für den Social-Media-Auftritt und die Pressemitteilungen zuständig. Mein Tipp: eine Institution auswählen, bei der man später auch wirklich arbeiten möchte – und bei der man nicht nur rumsitzt, sondern richtig mit anpacken kann. So kann man testen, ob man den richtigen Weg eingeschlagen hat.

Das Studium der Kulturwissenschaften ist sehr hausarbeitenlastig. In fast jedem Kurs müssen wir mindestens eine Hausarbeit oder zwei bis drei Essays abgeben. Das wissenschaftliche Schreiben war und ist für mich die größte Hürde. Da hat mir das Schreibzentrum an der Uni sehr geholfen. Dorthin können wir Textentwürfe schicken und bekommen konstruktives Feedback, das wir einarbeiten können. Außerdem können wir eine Schreibberatung in Anspruch nehmen und Schreibkurse besuchen. Das gibt es sicherlich auch an anderen Unis.

Es ist nicht nur wichtig, die Theorien in den Texten zu verstehen, sondern auch, sie auf die heutige Welt zu übertragen. Um die Auswirkungen der Vergangenheit auf die heutige Kulturwissenschaft und -landschaft zu verstehen, haben wir uns zum Beispiel mit dem Postimperialismus beschäftigt und die Theorie auf konkrete Beispiele angewandt.

Mögliche Module: Einführung in die Kulturwissenschaften und Kulturtheorien; Geschichte der Kulturen; Internationale Kulturkompetenz; Körper und Geschlecht; Kulturgeschichte; Kultur, Recht und Gesellschaft; Literatur und Medialität; Methoden der Kulturwissenschaften; Mobilisierte Kulturen; Paradigmen der Kulturwissenschaften; Visuelle Kulturen; Wahrnehmung, Repräsentation und Inszenierung

Mittlerweile habe ich mich ans wissenschaftliche Arbeiten gewöhnt. Anderen Studienanfänger:innen möchte ich sagen: Es hat nichts mit der eigenen Intelligenz zu tun, wenn man am Anfang irgendwelche Texte nicht versteht. Ich habe mir das Schritt für Schritt angeeignet, indem ich mich mit anderen ausgetauscht und meine Essays und Hausarbeiten vor der Abgabe jemandem gezeigt habe. Feedback hilft immer. Genauso wie mit den Kommiliton:innen zu lachen und auch mal zu verzweifeln.«

Berufsaussichten nach dem Studium

»Ich blicke positiv in die Zukunft. Ich wohne ja in Berlin, hier gibt es viele tolle Projekte, bei denen ich mir vorstellen kann, zu arbeiten. Am liebsten würde ich aber zuerst noch meinen Master und dann politische Bildungsarbeit bei einer Stiftung machen.

Langfristig will ich auch weiter als Physiotherapeutin arbeiten. Das lässt sich bestimmt gut kombinieren. Dieses sichere Berufsfeld nimmt mir die Angst vor der Zukunft nach Corona. Für viele meiner Kommiliton:innen ist die Jobunsicherheit durch die Pandemie noch einmal gestiegen. Die vergangenen Monate haben aber auch gezeigt, dass die Kulturszene auch im Homeoffice funktioniert und digital erfolgreiche Konzepte entwickeln kann. Das macht Mut.«

Branchen und Gehälter:

Die Planung eines Festivals, einer Ausstellung oder eines neuen Theater-Spielplans – bei all diesen Aufgaben können Kulturwissenschaftler:innen mitwirken. Sie entwerfen Konzepte und managen Kulturbetriebe  wie Museen, Konzerthäuser oder Programmkinos. Im Mittelpunkt steht dabei die Verknüpfung von theoretischem Wissen über Kulturräume von der Antike bis heute sowie die praktische Konzeption neuer Kulturräume.

Laut Stepstone-Gehaltsreport  verdienen Bachelor-Absolvent:innen der Kulturwissenschaften 35.134 Euro brutto im Jahr. Nach einem Master steigen sie mit durchschnittlich 36.946 Euro ein. Im öffentlichen Dienst bekommen sie mit 41.559 Euro das höchste Gehalt.

Korrekturhinweis: In einer früheren Version dieses Textes stand, Bachelor-Absolvent:innen würden ein Einstiegsgehalt von 39.367 Euro brutto im Jahr verdienen. Es sind aber nur 35.134 Euro. Wir haben die Stelle korrigiert.

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