Tim Reichel

Prüfungsvorbereitung Sieben Schritte zum perfekten Lernplan

Tim Reichel
Ein Gastbeitrag von Tim Reichel
Wie lernt man, für Uniklausuren zu lernen? Manche Studierende suchen Rat bei teuren »Lern-Coaches«. Das Geld kann man sich sparen, sagt unser Kolumnist.
Für mehrere Prüfungen parallel zu lernen, kann überfordern. Ein Lernplan hilft.

Für mehrere Prüfungen parallel zu lernen, kann überfordern. Ein Lernplan hilft.

Foto: Carol Yepes / Moment RF / Getty Images

Als Studienberater erlebe ich immer wieder, dass es vielen Studierenden schwerfällt, sich systematisch auf Prüfungen vorzubereiten. Die Hochschulen liefern ihnen zwar die Inhalte – Lernstrategien müssen sich die Prüflinge jedoch selbst beibringen. An dieser Stelle treten zuweilen fragwürdige Gestalten auf den Plan.

Bachelor of Smarts – die Uni-Kolumne

Gutes Zeitmanagement, die richtige Lernstrategie vor Prüfungen, Tipps für den Einstieg ins digitale Semester: In dieser Kolumne gibt Dr. Tim Reichel Rat zu Herausforderungen im Studium und zeigt, wie Studierende erfolgreich durch den Bachelor kommen – ohne Dauerstress.

Du stehst auch vor einem vermeintlich unlösbaren Problem im Studium oder hast eine Frage an Tim Reichel? Dann schreib uns an SPIEGEL-Start@spiegel.de .

Vergangene Woche schrieb mir eine Leserin, sie habe auf Facebook jemanden kennengelernt, der Lerncoachings anbietet. Dieser »Studienberater« habe ihr gesagt, für eine gute Lernstrategie müsse sie 2000 Euro bezahlen – an ihn natürlich. »Mir kommt die Summe wirklich sehr hoch vor«, schrieb sie weiter. »Jetzt wollte ich fragen, ob man da wirklich so viel für eine gute Studienberatung zahlen muss.«

Obwohl diese Nachricht schon einige Tage alt ist, habe ich immer noch Puls. 2000 Euro für ein bisschen Unterstützung beim Lernen? Das geht zu weit. Leider darf ich in dieser Kolumne niemanden persönlich angreifen. Also mache ich das, was ich am zweitbesten kann: Studienberatung.

Der 2000-Euro-Lernplan

Das Kernstück einer guten Lernstrategie ist der Lernplan. Dieser bildet in einer strukturierten und chronologischen Form die zukünftigen Lerneinheiten ab. Klingt kompliziert, ist es aber nicht. Ich zeige dir, wie du dir einen Lernplan erstellst – in sieben kurzen Schritten. Und das kostenlos.

1. Ziel bestimmen

Im ersten Schritt legst du fest, welche Prüfungsvorbereitung du planen möchtest. Auch wenn du parallel für mehrere Prüfungen lernen musst, empfehle ich, zunächst jede Vorbereitung einzeln zu planen. Die unterschiedlichen Lernpläne kannst du im Anschluss immer noch zusammenlegen. Außerdem solltest du zu Beginn deiner Planung eine Zielnote für jede Prüfung bestimmen. Ein solches Ziel lässt dich motivierter lernen – es sollte aber realistisch sein.

Beispiel:

  • Lernplan für Klausur Statistik I (Zielnote: 2.0)

2. Stoff sammeln

Als Nächstes verschaffst du dir einen Überblick über die zu lernenden Inhalte. Dazu sammelst du alle Unterlagen, die bisher zu deiner Prüfung angefallen sind. Falls du dich noch früh im Semester befindest, trägst du das zusammen, was du bereits hast – und notierst dir die Quellen, von denen du den Stoff in Zukunft abrufen musst, den E-Learning-Raum zum Beispiel.

Beispiel:

  • Vorlesungsfolien

  • Vorlesungsvideos

  • Vorlesungsskript

  • Lehrbuch

  • Übungsunterlagen

  • Alte Prüfungsaufgaben

3. Stoff strukturieren

Sobald deine Materialsammlung vorliegt, beginnst du damit, den Stoff zu sortieren. Dazu definierst du Themenblöcke und ordnest ihnen Inhalte zu. So bildet sich automatisch eine Lernstruktur, die sich einfacher planen lässt.

Beispiel:

Thema A besteht aus:

  • Vorlesung Nr. 1-2

  • Übungsaufgaben Nr. 1-7

  • Kapitel 1-2 aus dem Lehrbuch

  • Folien Nr. 1-47

  • Prüfungsaufgaben Nr. 1a-1e aus WS 2019/20

Thema B besteht aus:

  • Vorlesung Nr. 3-4

  • Übungsaufgaben Nr. 8-13

  • Kapitel 3 aus dem Lehrbuch

  • Folien Nr. 48-73

4. Aktivitäten festlegen

Nachdem du festgelegt hast, was du lernen musst, kümmerst du dich nun um das Wie. Es gibt einen riesigen Unterschied zwischen »Kapitel 1 lesen«, »Kapitel 1 zusammenfassen« und »Kapitel 1 auswendig lernen«. Auf genau diese Feinheiten musst du in diesem Schritt eingehen. Das gelingt dir am besten, wenn du die Themenblöcke einzeln durchgehst und jedem Posten eine (oder mehrere) konkrete Lernaktivität zuweist.

Beispiel:

Vorlesung Nr. 1

  • Mitschrift lesen

  • Mitschrift zusammenfassen

  • Mitschrift mit Zusammenfassung abgleichen

  • Zusammenfassung lernen

5. Dauer abschätzen

Wenn du alle Lernaktivitäten bestimmt und zugeordnet hast, wechselst du in die zeitliche Planungsebene. Schätze für jede deiner Aktivitäten ab, wie lange du dafür brauchen wirst. Meine Empfehlung: Plane im Zweifel lieber etwas mehr Zeit ein.

Beispiel:

  • Kapitel 1 aus dem Lehrbuch

  • Kapitel lesen (30 Minuten)

  • Kapitel zusammenfassen (60 Minuten)

  • Zusammenfassung lernen (120 Minuten)

6. Zwischenziele bestimmen

Damit du deinen Lernfortschritt auch kontrollieren kannst, solltest du Zwischenziele für die einzelnen Aktivitäten festlegen. Für noch mehr Verbindlichkeit kannst du zudem jeweils eine konkrete Deadline bestimmen. Solche »Meilensteine« helfen dir dabei, fokussiert zu lernen und deinen Zeitplan im Blick zu behalten.

Beispiel:

  • Lehrbuch gelesen (30.06.)

  • Zusammenfassung fertig (10.07.)

  • Themenblock A fertig (14.07.)

  • Alle Vorlesungsfolien gelesen (20.07.)

  • Alte Prüfungsaufgaben wiederholt (22.07.)

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7. Ablaufplan erstellen

Nun vereinen wir deine Listen und Aufzählungen in einer Darstellung und schaffen damit einen übersichtlichen und chronologischen Lernplan. Dazu empfehle ich die Verwendung eines Gantt-Charts . Dabei handelt es sich um ein Balkendiagramm, das die Aktivitäten grafisch in Form von Balken auf einer Zeitachse darstellt. Für den Anfang reicht es aus, wenn du den Gantt-Chart zeichnest oder ihn mit Microsoft Excel oder PowerPoint abbildest; auch Programme wie Trello oder Evernote eignen sich.

So könnte ein Lernplan aussehen

So könnte ein Lernplan aussehen

Foto:

Tim Reichel

Fazit

Das war mein Crashkurs in Sachen Lernplanung. Wer es noch genauer wissen will, kann auf meinem Blog  weitere Tipps für den perfekten Lernplan nachlesen.

Zugegeben – diese Methode ist mit einem gewissen Aufwand verbunden. Die investierte Zeit sparst du allerdings doppelt und dreifach wieder ein, weil du mit einem Lernplan wesentlich effizienter lernen kannst. Und apropos Sparen: Den teuren Guru sparst du dir so auch.

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