Studiumsfragen Wie lange darf sich mein Prof mit der Bewertung Zeit lassen?

Der Betreuer benotet die Masterarbeit wochenlang nicht und geht sogar auf Tauchstation. Ist das rechtens? Eine Studienberaterin ordnet den Fall ein.
Aufgezeichnet von Jan Petter
Warten auf die Abschlussnote: Statt auf Vorwürfe lieber auf Kommunikation setzen (Symbolbild)

Warten auf die Abschlussnote: Statt auf Vorwürfe lieber auf Kommunikation setzen (Symbolbild)

Foto: Justin Case / Stone RF / Getty Images

Sophie*, 27, aus Leipzig schreibt:

"Die Absprache mit meinem Professor war schon während des Studiums schwierig. Ich hatte nie Kurse bei ihm, aus fachlichen Gründen war aber schnell klar, dass er meine Masterarbeit korrigieren würde. Ich erlebte ihn als sehr pedantisch. Als ich aber die Masterarbeit abgegeben hatte, hörte ich lange Zeit nichts mehr von ihm. Selbst als die Bearbeitungszeit schon überschritten war, bekam ich keine Rückmeldung.

Als ich schließlich zehn Wochen nach Abgabe das Institut einschaltete, wurde mir gesagt, dass man meinem Professor eine Notiz übermittelt habe. Noch einmal drei Wochen später bekam ich schließlich von der Uni die Note, gerade noch rechtzeitig für meinen ersten Job. Dürfen die so lange brauchen? Und falls nicht: Was kann ich tun? Als Studierende bin ich schließlich in einem Abhängigkeitsverhältnis."

Dürfen die das?

Frisch immatrikuliert oder neu im Job: Gerade wer ganz am Anfang steht, erlebt häufig Situationen, in denen er sich von der Chefin, dem Professor oder dem Bafög-Amt ungerecht behandelt oder gar betrogen fühlt – aber nicht weiß, wie er damit umgehen soll. In dieser Reihe stellen Leserinnen und Leser die Frage »Dürfen die das?«, Expertinnen und Experten antworten ihnen.

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Das sagt die Expertin:

Liebe Sophie,

die Antwort auf diese Frage ist im Prinzip einfach. Bei Abschlussarbeiten gibt es in der Regel immer eine vorgegebene Bearbeitungszeit, an die sich Prüfende und Lehrkräfte zu halten haben. Bei Bachelorarbeiten sind es oft vier, bei Masterarbeiten meist acht Wochen. Sollte diese Zeit nicht ausreichen, kann in Ausnahmefällen die Bearbeitungszeit verlängert werden.

Die eigentliche Frage ist aber vermutlich eine andere: Wie kommt man tatsächlich unkompliziert und zuverlässig zu seiner Note?

Ich habe selbst schon Abschlussarbeiten korrigiert und kenne das Problem. Die meisten Prüferinnen und Prüfer handeln vermutlich nicht aus Absicht, sondern sind selbst einfach im Stress. Nicht jeder Professorin und jedem Dozenten ist die einzelne Arbeit so wichtig wie dem Studenten, der sie abgibt. Dennoch sollten Sie lieber auf Kommunikation statt auf Konfrontation setzen.

Was kann man tun?

Wenn die Arbeit bereits abgegeben ist, würde ich nicht nur per E-Mail nachfragen, sondern auch anrufen. Nachrichten kann man übersehen, das klingelnde Telefon eher nicht. Auf Unterstellungen würde ich verzichten. Schildern Sie Ihre Situation und erklären Sie, warum Sie auf die rechtzeitige Bewertung angewiesen sind. Sollte die direkte Kommunikation nicht helfen oder im Homeoffice nicht zustande kommen, können Sie sich auch ans Institut wenden. Die Fachstudienberater dort sind Experten für die Prüfungsordnung und kennen vermutlich auch die bewertenden Personen. Im Zweifel hilft wiederholtes Nachfragen.

Noch besser ist es allerdings, wenn Sie sich bereits vor Abgabe Ihrer Arbeit kurz absprechen. Fragen Sie präventiv nach, bis wann Sie mit einer Bewertung rechnen können. Wenn Sie bereits wissen, bis wann Sie die Note brauchen, fragen Sie nach, ob das funktioniert. So können Sie sich später darauf berufen und zeigen, dass Sie sich rechtzeitig um eine Absprache gekümmert haben.

Bei Hausarbeiten ist die Lage hingegen nicht so einfach. Oft gibt es keine klaren Fristen, manchmal verschwinden die Unterlagen auch einfach im Papierstapel auf dem Schreibtisch. Die meisten Haus- und Abschlussarbeiten kommen in der heißen Prüfungsphase Ende des Sommers an. Auch Professorinnen und Dozenten wollen ihren Urlaub frühzeitig planen können. Wenn ich jedoch weiß, dass eine Arbeit besonders eilig ist, lege ich sie mir bewusst oben auf den Stapel.

In manchen Fällen reicht das trotzdem nicht aus. Ich hatte kürzlich selbst eine Masterstudentin, die möglichst schnell eine Bewertung brauchte, damit sie sich auf einen Ausbildungsplatz als Psychotherapeutin bewerben konnte. Ich habe ihr eine vorläufige Bescheinigung ausgestellt, dass die Arbeit vorliegt und nach aller Wahrscheinlichkeit bestanden ist, auch wenn die genaue Benotung noch aussteht. Solche Angebote müssen Prüfende nicht ausstellen. Aber die allermeisten freuen sich, wenn man sich rechtzeitig bei ihnen meldet.

*Die Namen der Fragenden werden in dieser Reihe grundsätzlich geändert, damit sie keine Nachteile befürchten müssen.

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