Überteuert und überflüssig – oder gut für die Karriere? Für wen sich ein MBA lohnt

Wer einen Master of Business Administration absolviert, bezahlt dafür meist mehrere Zehntausend Euro. Kai Stenzel von der Mannheim Business School sagt, was Studierende erwartet und woran man seriöse Anbieter erkennt.
Ein Interview von Katharina Hölter
Pauken für den beruflichen Aufstieg: Von einem MBA erhoffen sich viele einen Karrieresprung (Symbolbild)

Pauken für den beruflichen Aufstieg: Von einem MBA erhoffen sich viele einen Karrieresprung (Symbolbild)

Foto: Oliver Rossi / Getty Images

SPIEGEL: Herr Stenzel, ein einjähriger Vollzeit-MBA kostet an Ihrer Business School knapp 40.000 Euro, ähnlich viel wie bei anderen deutschen Anbietern. Das klingt nach einer Ausbildung für eine kleine, wohlhabende Elite.

Stenzel: Das kommt auf die Perspektive an. Im internationalen Vergleich sind deutsche MBA preiswert. Die Kosten erscheinen uns hoch, weil wir in Deutschland daran gewöhnt sind, dass Bildung nahezu umsonst ist – in den USA oder Großbritannien ist das anders. Dort kostet ein MBA bei namhaften Anbietern wie der London  oder der Harvard Business School  etwa 100.000 bis 150.000 US-Dollar.

SPIEGEL: Günstiger bedeutet trotzdem nicht günstig – und für jede:n zugänglich.

Stenzel: Es gibt Stipendien oder Kredite. Bei einigen unserer Studierenden – gerade in den Teilzeitstudiengängen – beteiligen sich auch die Arbeitgeber:innen an den Kosten. Im Gegenzug verpflichten sich die Absolvent:innen, hinterher bei dem Unternehmen zu bleiben, meist für zwei Jahre.

SPIEGEL: Was bekommen Studierende, wenn sie sich für einen MBA entscheiden?

Stenzel: Ein MBA ist im Gegensatz zu einem BWL-Studium interdisziplinär ausgerichtet. Statt Themen wie Management, Marketing, Strategie oder Finanzen in einzelnen, in sich geschlossenen Vorlesungen zu behandeln, verknüpfen wir die Disziplinen miteinander – so wie es auch in der Praxis zunehmend der Fall ist. Außerdem fragen wir auswendig gelerntes Wissen in der Regel nicht einfach in Klausuren ab. Viel häufiger bearbeiten die Studierenden in der Gruppe Fallstudien und wenden ihr Wissen direkt an. Das ist an allen renommierten Business Schools ähnlich.

SPIEGEL: Langweilt sich jemand, der im Bachelor schon BWL studiert hat, nicht trotzdem?

Stenzel: Das würde ich nicht sagen. Wir sehen das allein daran, dass studierte Wirtschaftswissenschaftler:innen nicht zwingend unsere erfolgreichsten Absolvent:innen sind. Studierende mit einem Abschluss in Natur-, Rechts-, Geistes- oder Sozialwissenschaften schneiden oft besser ab. Was MBA-Abschlüsse außerdem von einem BWL-Studium unterscheidet, ist der Schwerpunkt auf Persönlichkeitsentwicklung. Studierende lernen Selbstmanagement-Techniken kennen, sie beschäftigen sich zum Beispiel mit Resilienz. Außerdem gibt es Netzwerkveranstaltungen, damit sie Kontakte zu Unternehmen und Alumni knüpfen können. Auch das bieten BWL-Bachelorstudiengänge in diesem Umfang nicht.

SPIEGEL: Das klingt alles sehr blumig. Aber wann lohnt sich die Investition wirklich?

Stenzel: Das lässt sich gut an einem Beispiel erklären. Nehmen wir an, eine Chemikerin in einem Chemiekonzern möchte nach mehreren Jahren in der Forschung in eine Führungsposition wechseln. Statt im Labor zu arbeiten, muss sie sich dann mit Themen wie Controlling und Personalpolitik befassen. Und dafür kann sie sich mit einem MBA qualifizieren. Das sind die häufigsten Motive unserer Bewerber:innen: Sie wollen raus aus ihrem eigentlichen Tätigkeitsfeld, streben eine Managementposition oder einen Branchenwechsel an.

SPIEGEL: Wem würden Sie umgekehrt von einem MBA abraten?

Stenzel: Wer das Ziel hat, sich auf ein Themenfeld zu fokussieren, sollte lieber einen Masterstudiengang in seinem Fachbereich wählen. Und jemand, der eine wissenschaftliche Karriere anstrebt, ist mit einem Master und anschließendem Doktor besser bedient. Der MBA ist praxisorientiert und hat das Ziel, Karrieren in der freien Wirtschaft voranzutreiben.

SPIEGEL: Ihre eigenen Auswertungen zeigen aber, dass ein MBA kein Garant für eine Führungsposition ist.

Stenzel: Es stimmt, wir fragen unsere Absolvent:innen fünf Jahre nach ihrem Abschluss nach ihrem Jobtitel. Das Ergebnis: Nicht in jedem Fall geht mit einem MBA ein deutlicher Karrieresprung einher, oft spiegelt sich in den Titeln aber eine berufliche Veränderung wider. Es hängt immer noch an jedem und jeder Einzelnen, was er oder sie aus dem Angebot rausholt. Aber die Voraussetzungen sind sehr gut. Das zeigen etwa die Durchschnittsgehälter unserer Alumni, die wir ebenfalls regelmäßig erheben.

SPIEGEL: Allein in Deutschland gibt es etwa 350 MBA-Studiengänge. Woran erkenne ich, welche Anbieter seriös sind?

Stenzel: Zuallererst an den Gütesiegeln. International sind die Akkreditierungseinrichtungen AACSB, Equis und Amba am angesehensten. Die Akkreditierungen werden alle drei bis fünf Jahre neu vergeben, es findet also eine regelmäßige Qualitätskontrolle statt. Irritierend ist, dass einige Anbieter mit dem Siegel »Membership« in einer der drei Organisationen werben – das entspricht aber keiner offiziellen Anerkennung. Um die passende School zu finden, rate ich allen, sich anzuschauen, wer mit welcher Erfahrung und Expertise in den Programmen lehrt. Auch ein Austausch mit Alumni kann sehr wertvoll sein. Eine gute Übersicht bieten außerdem die MBA-Rankings von »Financial Times«, »Economist« , »Bloomberg Businessweek«  und »Forbes« .

SPIEGEL: Wenn ich mich für einen MBA entscheide: Wie bekomme ich einen Platz?

Stenzel: Die renommiertesten Anbieter in Deutschland – neben der Mannheim Business School zum Beispiel die Frankfurt School of Finance and Management, die ESMT in Berlin, die WHU in Vallendar oder die HHL Leipzig – verfolgen bei der Bewerbung einen ähnlichen Ansatz. Eine der wichtigsten Voraussetzungen ist die vorherige Berufserfahrung: mindestens drei Jahre bei einem Vollzeit-MBA. Neben dem Bachelorzeugnis wird ein erfolgreich abgeschlossener IELTS- oder TOEFL-Englischtest verlangt sowie ein GMAT, ein international anerkannter Eignungstest. Hinzu kommen ein oder mehrere Auswahlrunden, die man sich wie Bewerbungsgespräche vorstellen muss. So will man herausfinden, ob der- oder diejenige Teamfähigkeit und Führungsqualität besitzt.

SPIEGEL: Was ist Ihr Tipp, um das Studium am Ende erfolgreich zu absolvieren?

Stenzel: Beim MBA geht es neben dem Wissenserwerb um die persönliche Entwicklung. Daher sollte man vom ersten Tag an offen für persönliches Feedback sein. Und man sollte die Chancen des Netzwerks nutzen und Kontakte knüpfen.