Tim Reichel

Von Zähneputzen bis Vokabellernen Fünf Mini-Gewohnheiten für mehr Erfolg im Studium

Tim Reichel
Ein Gastbeitrag von Tim Reichel
Studierenden gelingt es häufig nicht, konstant zu lernen. Alles Gewöhnungssache, meint unser Kolumnist – und empfiehlt fünf kleine Aktionen mit großer Wirkung.
Aus Kleinem kann etwas Großes entstehen – etwa aus einer täglichen Lerneinheit beim Zähneputzen (Symbolbild)

Aus Kleinem kann etwas Großes entstehen – etwa aus einer täglichen Lerneinheit beim Zähneputzen (Symbolbild)

Foto: Studio Firma / Stocksy United

Ein wesentlicher Teil deines Erfolgs im Studium hängt davon ab, welche Gewohnheiten du entwickelst – und zwar sinnvolle Gewohnheiten, die du auch beibehalten kannst. Wenn ich den Entschluss fasse, jeden Montag drei Stunden lang Statistik zu lernen, um im Anschluss das halbe BGB zusammenzufassen und danach noch 20 Seiten in einem englischen Fachbuch zu lesen, dann wird meine Motivation in die gleiche Richtung gehen wie mein Wirkungsgrad: nämlich gegen null.

Bachelor of Smarts – die Uni-Kolumne

Gutes Zeitmanagement, die richtige Lernstrategie vor Prüfungen, Tipps für den Einstieg ins digitale Semester: In dieser Kolumne gibt Dr. Tim Reichel Rat zu Herausforderungen im Studium und zeigt, wie Studierende erfolgreich durch den Bachelor kommen – ohne Dauerstress.

Du stehst auch vor einem vermeintlich unlösbaren Problem im Studium oder hast eine Frage an Tim Reichel? Dann schreib uns an SPIEGEL-Start@spiegel.de .

Unrealistische Pläne können dich blockieren und im schlimmsten Fall für Stillstand sorgen. Was ist also die Lösung? Ganz einfach: wirkungsvolle Mini-Aktionen, die du in deinen Studienalltag integrieren und ohne viel Aufwand erledigen kannst. Immer und immer wieder. Diese winzigen Gewohnheiten entfalten mit der Zeit eine große Wirkung und verhindern, dass du dein Studium vernachlässigst. Wenn du es geschickt anstellst, wirst du nicht einmal merken, dass du gerade etwas für dein Studium tust. Trotzdem studierst du um ein Vielfaches produktiver und erzielst wesentlich bessere Ergebnisse als vorher.

Zu theoretisch? Dann sieh dir mal die folgenden Vorschläge für solche Mini-Gewohnheiten an.

1. Bestimme ein Tagesziel

Die meisten Studierenden schreiben sich morgens eine RIIIEEESIGE To-do-Liste, die niemals an einem einzigen Tag abgearbeitet werden kann. In der Folge verlieren sie die Übersicht, beschäftigen sich mit unwichtigen Dingen und sind abends unzufrieden, weil sie zu wenig geschafft haben. Ein konkretes Tagesziel festzulegen, beugt diesem Phänomen vor. Indem du eine wichtige Aufgabe festlegst, die du auf jeden Fall erledigen musst, bündelst du deine Konzentration. Sei es zehn Karteikarten lernen, fünf Seiten lesen oder den BAföG-Antrag stellen – allein durch die Festlegung auf eine konkrete Sache studierst du zielgerichteter und schiebst wichtige Aufgaben seltener auf.

2. Lerne eine Vokabel

In jedem Studiengang muss spezifisches Fachwissen aufgebaut werden. Und das funktioniert nur dann, wenn du die Sprache beherrscht. Sei es ein deutscher Fachbegriff wie Massenspektrum, eine akademische Definition wie Resonanzwirkung oder eine englische Vokabel wie Life Cycle Assessment. Spätestens zur Prüfungsvorbereitung musst du ohnehin mit dieser Sprache zurechtkommen – daher bietet es sich an, schon früh mit der Übung zu beginnen. Wenn du dir pro Tag eine Vokabel aus deinem Studienkontext vornimmst, wirst du in kurzer Zeit ein großes Repertoire aufbauen. Beginnen kannst du in deinem Badezimmer.

3. Putz dir die Zähne

Unter Chemie-Studenten ist es weitverbreitet, sich das Periodensystem der Elemente neben den Badezimmerspiegel zu hängen. Warum? Erstens, weil Chemie-Studenten komisch sind und zweitens, weil es von Vorteil ist, die 118 Elemente samt Eigenschaften auswendig zu kennen. Indem sie das Periodensystem im Bad platzieren, stellen sie sicher, dass sie wenigstens zweimal am Tag (nämlich beim Zähneputzen) einen Blick darauf werfen und zumindest einen Teil verinnerlichen. Dieses Konzept kannst du auf dein Studium übertragen und die Zeit im Bad, beim Putzen oder während des Kochens nutzen, um kleine Fakten für dein Studium zu lernen.

4. Lass dich berieseln

Eine weitere Möglichkeit, um dein Studium angenehm in deinen Alltag zu integrieren, ist ein gezielter Medienkonsum zu verwandten Themen. Du studierst Sprachwissenschaften? Dann höre dir beim Sport einen Literatur-Podcast an. Interessiert dich als Maschinenbaustudentin nicht? Dann lies beim Frühstück die VDI-Nachrichten. Als angehender Lehrer kannst du dir stattdessen auch ein YouTube-Video über Kinderpsychologie ansehen. Solche Gewohnheiten ersetzen zwar nicht das Lernen, aber sie führen dazu, dass du eine Bindung zu deinem Studium aufbaust – wodurch dir das Lernen wiederum leichter fällt.

5. Schreibe eine WhatsApp-Nachricht

Weißt du noch, als du in der Schule eine Gruppenarbeit vorbereiten musstest? Jedes Gruppenmitglied hatte eine Aufgabe und am Ende wart ihr gemeinsam für das Ergebnis verantwortlich. Du musstest dich auf die anderen verlassen – und sie sich auf dich. Dahinter steckt das Prinzip der gegenseitigen Verpflichtung. Und genau das kannst du auch in deinem Studium nutzen, um deine Motivation zu steigern. Schnapp dir jemanden aus deinem Kommiliton:innenkreis und verpflichtet euch gegenseitig dazu, jeden Tag mindestens eine kleine Sache für die Uni zu tun. Abends schreibt ihr euch dann eine kurze Nachricht, was ihr geschafft habt. Jeden Tag. Immer zur gleichen Zeit. Dieser kleine Status-Bericht wird dafür sorgen, dass du tagsüber fokussiert bleibst und eine fixe Deadline hast, auf die du hinarbeiten kannst.

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Fazit

Selbst wenn dein Stundenplan voll ist, kannst du mit Mini-Gewohnheiten dafür sorgen, dass dein Lernfortschritt nicht abbricht. Streue einfach hin und wieder ein paar der Aktionen ein und absolviere ganz nebenbei kleine Einheiten für dein Studium. Sieh dir das Beispiel mit dem Zähneputzen noch einmal an: Die durchschnittliche Dauer eines Putzvorgangs beträgt ca. drei Minuten, zweimal am Tag. Das sind 42 Minuten in der Woche und knapp drei Stunden im Monat. Auf ein Semester gerechnet wären das 18 Stunden, die du aus dem nichts als Lernzeit gewonnen hast. Und das mit nur einer kleinen Aktion.

Unterschätze also niemals die Kraft von Gewohnheiten und fang heute noch an, eine neue Mini-Gewohnheit in dein Leben zu integrieren.

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