Jeannine Budelmann

Konstruktiv mit Feedback umgehen Danke für die Kritik!

Jeannine Budelmann
Eine Kolumne von Jeannine Budelmann
Wer neu im Job ist, möchte alles richtig machen. Aber nicht immer gibt es nur Lob von Chefinnen und Kollegen. Wie man daran nicht verzweifelt – sondern wächst.
Wer lernt, mit Kritik umzugehen, lernt auch, von ihr zu profitieren (Symbolbild)

Wer lernt, mit Kritik umzugehen, lernt auch, von ihr zu profitieren (Symbolbild)

Foto: Gunnar Svanberg Skulason / Getty Images

Wenn wir die Wahl hätten, würden wir wohl alle lieber gelobt werden. Erst recht, wenn wir neu im Job sind und einen guten Eindruck hinterlassen möchten. Aber gerade als Berufseinsteiger:in macht man noch häufig Dinge falsch – schließlich kennt man die Abläufe noch nicht so gut, muss sich mit vielen Dingen erst vertraut machen. Zudem kann man selbst dann kritisiert werden, wenn man alles richtig macht.

Onboarding – die Kolumne zum Berufseinstieg

Aller Anfang ist schwer. Das gilt für Beziehungen, Umzüge und natürlich auch den Berufseinstieg. Wie etabliere ich mich im Team, ohne mich selbst aufzugeben? Wie beweise ich, was ich draufhabe, ohne die Ellenbogen auszufahren? Und ab wann kann ich eigentlich ein Sabbatical verlangen?

Über diese und ähnliche Themen schreibt in dieser Kolumne Jeannine Budelmann, Jahrgang 1986. Sie ist kaufmännische Geschäftsführerin von Budelmann Elektronik, einem Unternehmen, das industrielle Elektronik entwickelt und herstellt. Außerdem berät sie als Coachin bei Problemen im Berufsleben.

Man sollte sich in einem neuen Job also auf Kritik einstellen, damit sie einen nicht unvorbereitet trifft. Und auch, weil Kritik ihre produktive Seite hat: Sie kann dabei helfen, sich zu verbessern.

Am besten ist natürlich, wenn Kritik konstruktiv und empathisch formuliert wird. Dann fällt es leichter, sie anzunehmen und daraus eine Veränderung abzuleiten. Damit diese Veränderung auch sinnvoll ist, sollte man aber vorher eine wichtige Unterscheidung treffen: Ist die an mich gerichtete Kritik gerechtfertigt oder nicht?

Umgang mit ungerechtfertigter Kritik

Die Kollegin herrscht einen an, wo denn die Ergebnisse blieben, obwohl die Abgabe erst für den nächsten Tag abgesprochen war? Der Kollege mäkelt an jedem Vorschlag herum, den man erarbeitet?

Beim Umgang mit ungerechtfertigter Kritik sollte man im Hinterkopf behalten, dass sie nicht in böser Absicht geschehen muss. Denn nicht immer haben alle Beteiligten im Unternehmen den vollen Überblick, außerdem hat jede:r mal einen schlechten Tag. Wer mit ungerechtfertigter Kritik konfrontiert wird, sollte deshalb zuerst tief durchatmen. Auch wenn der erste Impuls ist, sich zu verkriechen oder schnippisch zu antworten – das führt zu keinem guten Ergebnis.

Besser ist, auf ungerechtfertigte Kritik mit einer Frage zu reagieren und so eine direkte Konfrontation zu vermeiden. Die Kollegin, die die vermeintlich überfällige Aufgabe anmahnt, könnte man beispielsweise fragen: »Meinst du die Aufgabe, über die wir vergangene Woche gesprochen haben? Ich hatte mir notiert, dass die Abgabe morgen ist. Habe ich mich da geirrt?« Meist klären sich Missverständnisse so schnell auf, und die Sache ist aus der Welt.

Ungerechtfertigte Kritik kann aber auch einen boshaften Hintergrund haben, etwa wenn jemand sein Gegenüber verunsichern oder als inkompetent darstellen möchte. Den Kollegen, der aus Neid oder Boshaftigkeit an keiner Idee ein gutes Haar lässt, könnte man ebenfalls mit Gegenfragen konfrontieren: »Danke für den Hinweis! Was wäre denn dein Vorschlag? Was genau könnte ich anders machen, damit du es gut findest?«

Wenn die Rückfragetechnik mehrfach hintereinander nicht anschlägt, ist das ein guter Hinweis darauf, dass die ungerechtfertigte Kritik mit Absicht geschieht. Dann empfiehlt sich erhöhte Wachsamkeit, und man sollte darauf achten, Absprachen schriftlich zu dokumentieren. Darauf kann man dann im Konfliktfall verweisen. Erfahrungsgemäß suchen sich die Menschen, die Kritik für Machtspielchen nutzen, in einem solchen Fall ein anderes Betätigungsfeld und geben auf.

Wichtig: Die Unterscheidung zwischen Kritik und der Äußerung von persönlichem Geschmack ist manchmal schwierig. Unterschiedliche Geschmäcker und Meinungen muss man akzeptieren. Hier helfen nur zwei Dinge: diskutieren oder aushalten.

Umgang mit gerechtfertigter Kritik

Wenn Kritik gerechtfertigt ist, kann sie sich sogar noch unangenehmer anfühlen als ungerechtfertigte Kritik. Deshalb ist es essenziell, sich immer wieder klarzumachen: Kritik hilft mir dabei, mich weiterzuentwickeln. Wenn ich etwas nicht kann, bin ich darauf angewiesen, dass mir andere genau das mitteilen. So merke ich, was ich ändern muss, um etwas zu lernen oder meine Ziele zu erreichen.

Deshalb sollte man gerechtfertigte Kritik als eine Chance wahrnehmen – und sich dafür bedanken. Meist formulieren Menschen sie, weil sie sich eine Veränderung vom Gegenüber wünschen. Durch den Dank kann man deutlich machen, dass man den Veränderungswunsch wahr- und ernst nimmt.

Manchmal ist Kritik schon so formuliert, dass man daraus direkt eine Handlungsempfehlung ableiten kann. Wenn nicht, empfiehlt es sich auch hier nachzufragen:

  • Was genau habe ich falsch gemacht?

  • Wie hätte ich es besser machen können?

  • Was fehlt mir, um es künftig besser zu machen?

Wer Kritik trotz allem schwer verdauen kann und nah am Wasser gebaut ist, kann auch eine Pause zwischen Kritik und Rückfragen einlegen. Vielleicht hilft es, erst einmal einen kleinen Spaziergang an der frischen Luft zu machen, sich den Wert der Kritik bewusst zu machen und dann noch einmal den Ball aufzunehmen und mit der Person zu sprechen, die das Feedback gegeben hat. So entzerrt man den ersten kleinen Schock vom konstruktiven Prozess des Nachfragens und Umsetzens – und hat weniger emotionale Arbeit vor seinen Kolleg:innen zu leisten.

Übrigens: Man könnte meinen, im Laufe seines Berufslebens müsste man irgendwann über jede Kritik erhaben sein. Doch das ist ein Irrglaube. Bestimmt macht man die meisten Fehler nur einmal. Aber mit jeder neuen Aufgabe und jeder Veränderung im Umfeld treten neue Fehlerpotenziale auf. Das bedeutet, dass wir uns ein Leben lang mit Kritik auseinandersetzen müssen. Wer das bereits früh im Berufsleben auf produktive Weise tut, hat lange Zeit, um von Kritik zu profitieren.

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