Tim Reichel

Vier Vorschläge, um den eigenen Horizont zu erweitern Raus aus dem Hörsaal, rein in die Welt

Tim Reichel
Ein Gastbeitrag von Tim Reichel
Ein Gastbeitrag von Tim Reichel
Viele Studierende fokussieren sich so sehr auf ihr Studium, dass sie den Spaß daran verlieren. Da hilft nur: den Blick weiten und etwas ganz anderes machen. Zumindest zwischendurch.
Betrachte dein Studium zwar als wichtigen Bestandteil deines Lebens – aber nicht als einzigen (Symbolbild)

Betrachte dein Studium zwar als wichtigen Bestandteil deines Lebens – aber nicht als einzigen (Symbolbild)

Foto: We Are / Getty Images

»Was soll ich tun, wenn mir mein Studium keinen Spaß mehr macht?« Als Studienberater werde ich das häufig gefragt. Die Antwort hängt natürlich immer von der Person ab. Eines aber gilt so gut wie immer: Das Studium an sich ist in der Regel nicht das Problem.

Bachelor of Smarts – die Uni-Kolumne

Gutes Zeitmanagement, die richtige Lernstrategie vor Prüfungen, Tipps für den Einstieg ins digitale Semester: In dieser Kolumne gibt Dr. Tim Reichel Rat zu Herausforderungen im Studium und zeigt, wie Studierende erfolgreich durch den Bachelor kommen – ohne Dauerstress.

Du stehst auch vor einem vermeintlich unlösbaren Problem im Studium oder hast eine Frage an Tim Reichel? Dann schreib uns an SPIEGEL-Start@spiegel.de .

Seien wir ehrlich: Ein Studium ist manchmal eintönig. Auch Leistungsdruck und Stress sind kein adäquater Ersatz für dauerhafte Erfüllung. Doch muss die Uni das wirklich leisten?

Nein, muss sie nicht. Natürlich soll ein Studium Spaß machen, doch im Wesentlichen ist es eine fachliche, akademische Ausbildung. Und die ist eben manchmal trockener, als du es dir vielleicht wünschst. Viele Studierende beschränken sich jedoch stark auf ihren Studienerfolg und vergessen darüber, neue Dinge zu entdecken, ihren Alltag abwechslungsreich zu gestalten und den eigenen Horizont zu erweitern. Dabei geben uns genau diese Dinge Energie und lassen öde Phasen im Studium weniger schlimm erscheinen.

Was also tun? Aktiv werden – und zwar außerhalb deiner Studi-Bubble. Zum Beispiel, indem du einen dieser vier Vorschläge ausprobierst.

1. Suche dir einen Job – außerhalb deines Fachbereichs

Viele Studierende sind auf Nebenjobs angewiesen. Häufig schnappen sie sich entweder den nächstbesten Aushilfsjob als Kellner oder Fahrradkurierin oder sie heuern als studentische Hilfskraft an ihrem Lehrstuhl an. Beide Möglichkeiten bringen Geld, aber wenig neue Impulse.

Mein Rat deshalb: Suche dir einen anspruchsvollen Job – außerhalb deines Fachbereichs. Wenn du etwas Gesellschaftswissenschaftliches studierst, kannst du zum Beispiel versuchen, an einem Ingenieurlehrstuhl unterzukommen; als Naturwissenschaftler:in kannst du in einem mittelständischen Betrieb aus der Region Erfahrungen sammeln. Suche bewusst nach interdisziplinären Stellenausschreibungen, in denen keine Fachkenntnisse gefordert werden. Und scheue dich nicht vor der Einarbeitung und dem (zunächst) unbekannten Arbeitsumfeld.

2. Engagiere dich in der Hochschulpolitik

Ich gebe es zu: Als Student war ich selbst nicht Teil der Fachschaft oder einer anderen studentischen Vertretung. Rückblickend wäre das aber klug gewesen, aus verschiedenen Gründen: Wer sich hochschulpolitisch engagiert, lernt schnell viele Kommiliton:innen kennen, versteht die Abläufe an der Hochschule besser und kann mitgestalten. Egal ob Fachschaft, AStA oder irgendeine Arbeitsgruppe zu Lehre, Umwelt oder Mobilität – an fast jedem Hochschulstandort gibt es viele Möglichkeiten, sich einzubringen.

3. Übernimm ein Ehrenamt

Neben Job und Politik kannst du dich auch in Vereinen oder Stiftungen engagieren. Im Ehrenamt bringst du deine Arbeitskraft freiwillig und ohne Bezahlung ein, triffst dabei aber auf viele Gleichgesinnte und kannst deine intrinsische Motivation voll ausleben.

Städte und Gemeinden listen offene Ehrenämter meist online auf. Ansonsten kannst du auch initiativ auf die Organisation deiner Wahl zugehen. Ein paar bekannte Ehrenämter zur Inspiration: Freiwillige Feuerwehr, Technisches Hilfswerk, Wahlhilfe, Telefonseelsorge, Jugendarbeit, Fußballtraining, Patenschaft für Kinder, Hilfe im Krankenhaus oder Seniorenheim und so weiter.

4. Etabliere Mottotage

Um dein Studi-Leben aufzufrischen, empfehle ich die Einführung sogenannter Mottotage. Bestimme einen Tag in der Woche, an dem du eine neue, interessante Gewohnheit etablierst. Am besten funktioniert das, wenn du es zusammen mit anderen Menschen machst. Beispiel: Jeden Samstag fährst du mit deiner besten Freundin in ein Naturschutzgebiet und verbringst dort zwei Stunden. Wer es richtig ernst meint, packt ein Vogelbestimmungsbuch ein. Oder: Jeden Freitag gehst du mit deinem Partner ins Theater, besuchst eine Ausstellung oder ein anderes kulturelles Event.

Wichtig: Das Tagesmotto darf nicht direkt mit deinem Studium zusammenhängen. Und ihr solltet die Tage in einem regelmäßigen Rhythmus stattfinden lassen.

Fazit

Es ist ganz normal, wenn dich dein Studium von Zeit zu Zeit langweilt. Doch häufig reicht es schon, wenn du deinen Blick weitest und dich nicht zu sehr aufs Lernen fokussierst. Betrachte dein Studium zwar als wichtigen Bestandteil deines Lebens – aber nicht als einzigen. Suche dir stattdessen Beschäftigungen, bei denen du deine Interessen ausleben und neue Dinge ausprobieren kannst. Das ist der wahre Schlüssel für ein erfülltes und glückliches Unileben.

Und noch etwas wirst du mitnehmen: Während du deinen Horizont erweiterst, findest du heraus, wo deine Stärken liegen. Du kannst Fähigkeiten und Interessen entdecken, auf die du in der Uni niemals gekommen wärst. Und das wird dir helfen zu entscheiden, was du tun willst, wenn dein Studium irgendwann mal vorbei ist.