Höhere Nebenkosten wegen der Coronakrise So bekommen auch Studierende Geld vom Staat zurück

Weil er im digitalen Semester nur zu Hause studiert, arbeitet und kocht, muss Konstantin 143 Euro für Strom nachzahlen. Kann er die in seiner Steuererklärung geltend machen? Ein Steuerberater gibt Tipps.
In der Coronakrise haben auch viele Studierende höhere Nebenkosten. Gibt es eine Möglichkeit, sie zurückzubekommen?

In der Coronakrise haben auch viele Studierende höhere Nebenkosten. Gibt es eine Möglichkeit, sie zurückzubekommen?

Foto: Cavan Images / DEEPOL / plainpicture

In normalen Zeiten fuhr Konstantin jeden Tag auf den Campus, hatte Vorlesungen in der Uni, saß zum Lernen in der Bibliothek. Mittags aß er in der Mensa, während zu Hause der Herd kalt blieb. Die Heizung in seiner Wohnung lief nur morgens und abends.

Mit der Corona-Pandemie habe sich sein Alltag grundlegend verändert, erzählt der Politikstudent: »Ich gehe eigentlich nur zum Einkaufen und Spazieren raus. Zum Lernen und für meinen Nebenjob sitze ich zu Hause am Computer. Und ich koche viel mehr.« Auch die Heizung laufe nun den ganzen Tag, sagt Konstantin, denn seine Wohnung im Dachgeschoss kühle schnell aus.

143 Euro Mehrkosten für Strom

Die erste Quittung kam jüngst in Form seiner Stromrechnung: Knapp 143 Euro muss Konstantin nachzahlen, als Ausgleich für seinen erhöhten Verbrauch in den Monaten April bis Oktober und als zusätzlichen Abschlag für die Folgemonate. Kein Vermögen, sagt er, aber auch kleinere Kosten summierten sich auf. »Für die Kommilitonen, die vielleicht ihren Job verloren haben und in der Krise richtig getroffen sind, ist das ein extra Schlag in die Magengrube.«

Studierenden, die wegen Corona in eine finanzielle Notlage gekommen sind, zahlt der Staat die sogenannte Überbrückungshilfe. Doch auch wenn sich dafür nur sehr wenige qualifizieren : Viele haben Mehrausgaben, weil sie momentan überwiegend von zu Hause studieren.

Gibt es auch für sie eine Möglichkeit, diese Kosten zurückzubekommen? Ja – mit einer Steuererklärung.

Steuererklärung im Studium

Wer in Deutschland arbeitet, muss von seinem Einkommen Steuern zahlen. Wenn im Zusammenhang mit der Arbeit Kosten entstehen – etwa für Autofahrten ins Büro oder Weiterbildungen –, können diese in der Steuererklärung angegeben und unter bestimmten Bedingungen vom Staat zurückerstattet werden. Sie mindern also die Steuerlast.

Das gilt grundsätzlich auch für Studierende. Allerdings wird im deutschen Steuerrecht unterschieden zwischen Studierenden in Erstausbildung, also zum Beispiel im Bachelor, und solchen in Zweitausbildung, also zum Beispiel im Master.

  • Für Studierende in Erstausbildung lohnt sich eine Steuererklärung dann, wenn sie nebenbei arbeiten und dabei so viel verdienen, dass sie über den Grundfreibetrag von aktuell 9744 Euro pro Jahr  kommen. Dann können sie Kosten für ihr Studium als Sonderausgaben angeben und zurückerstattet bekommen – allerdings nur bis zu einer maximalen Höhe von 6000 Euro und nur in dem Jahr, in dem sie anfallen.

  • Für Studierende in Zweitausbildung lohnt sich eine Steuererklärung fast immer: Sie können Studienkosten jedes Jahr als Werbungskosten angeben und sogar rückwirkend angerechnet bekommen. Denn wer im Jahr mehr Geld für sein Studium ausgibt, als er verdient, hat einen Verlust – und kann diesen als Verlustvortrag beim Finanzamt feststellen lassen und über die Studienjahre ansammeln. Wenn man später in den Beruf startet und das erste Einkommen verdient, zieht das Finanzamt den gesammelten Verlust von der Steuerlast ab.

Eine Übersicht, worauf Studierende bei ihrer Steuererklärung achten sollten, gibt es hier.

Konstantin studiert im Master, kann seine Studienkosten also als Werbungskosten in der Steuererklärung angeben und unter bestimmten Bedingungen auch aufsparen (siehe Box). Um etwa höhere Stromkosten steuerlich geltend zu machen, gibt es mehrere Möglichkeiten. Steuerberater Raymond Kudraß hat sich auf das Absetzen von Ausbildungskosten spezialisiert und erklärt, welche Optionen für Studierende am sinnvollsten sind.

Können Studierende ein Arbeitszimmer geltend machen, wenn sie zu Hause studieren?

Wer zu Hause ein steuerlich anerkanntes Arbeitszimmer hat und regelmäßig von dort arbeitet, kann die Ausgaben dafür – also neben der anteiligen Miete etwa Strom- und Heizkosten – geltend machen. Höchstens 1250 Euro pro Jahr bekommt zurück, wem für bestimmte Tätigkeiten kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht. Laut Steuerberater Kudraß gilt das etwa für Studierende, die ja in aller Regel keinen eigenen Arbeitsplatz an der Universität haben. Wenn die Heimarbeit darüber hinaus den Mittelpunkt der Tätigkeit bildet, man also fast ausschließlich von zu Hause arbeitet, lassen sich sogar die vollen Kosten für das Arbeitszimmer absetzen. »In der Zeit des Home Studying, während die Universitäten geschlossen sind, bildet die Arbeit von zu Hause durchaus den ausschließlichen Mittelpunkt der Tätigkeit«, sagt Kudraß.

Wären da nicht die strengen Bedingungen, was überhaupt als steuerlich absetzbares Arbeitszimmer gilt: Es muss sich um einen separaten Raum handeln, der kein Durchgangszimmer sein darf und fast ausschließlich beruflich genutzt werden muss. Das dürfte bei den allerwenigsten Studierenden der Fall sein, schließlich müssen sie in ihrem Wohnheim- oder WG-Zimmer oft auch schlafen oder sogar kochen.

In der Corona-Pandemie stellten sich diese strengen Kriterien nicht nur für Studierende als schwierig heraus, sondern auch für viele Arbeitnehmerinnen im Homeoffice. Die Große Koalition hat deshalb kürzlich die sogenannte Homeoffice-Pauschale beschlossen. »Der Vorteil: Sie wird gewährt, auch wenn man vom Küchentisch aus arbeitet«, sagt Kudraß.

Hilft die Homeoffice-Pauschale auch Studierenden?

Mit der Homeoffice-Pauschale lassen sich für jeden Arbeitstag im Homeoffice fünf Euro steuerlich absetzen, maximal jedoch 600 Euro im Jahr. Damit sollen höhere Nebenkosten etwa für Strom und Internet aufgefangen werden. Weil es sich um einen Pauschalbetrag handelt, müssen keine Belege wie etwa eine höhere Stromrechnung vorgelegt werden.

Im Vergleich zu normalen Zeiten, in denen man etwa für den Weg zur Uni die Entfernungspauschale anrechnen kann, bringt die Homeoffice-Pauschale aber kaum mehr Entlastung: »Wer normalerweise zehn Kilometer zur Uni fährt, der kann mit der Entfernungspauschale zehnmal 30 Cent, also drei Euro am Tag, steuerlich geltend machen. Im Vergleich dazu bringt die Homeoffice-Pauschale von fünf Euro also wenig mehr«, rechnet Steuerberater Kudraß vor. Die neue Pauschale sei daher nur ein »i-Tüpfelchen«.

In vielen Fällen ist für Studierende aber eine andere Option interessant, sagt der Experte: die doppelte Haushaltsführung.

Wann können Studierende die Kosten für ihr Wohnheim- oder WG-Zimmer steuerlich absetzen?

Berufstätige, die unter der Woche an ihrem Arbeitsort wohnen, an den Wochenenden aber zur Familie fahren, führen einen doppelten Haushalt  – und können die Kosten für ihre berufsbedingte zweite Wohnung voll von der Steuer absetzen, also etwa für Miete oder Fahrten zwischen den beiden Wohnsitzen. Dazu müssen sie nachweisen, dass ihr Lebensmittelpunkt wirklich am ersten Wohnsitz liegt, nicht am Ort der beruflich bedingten zweiten Wohnung – und dass sie an den Kosten des ersten Haushalts finanziell beteiligt sind.

Oft passt das auch in die Lebensrealität von Studierenden: Unter der Woche wohnen sie in einem WG-Zimmer in der Unistadt, an den Wochenenden fahren sie zu ihren Eltern und wohnen dort. »Gerade während Corona liegt der Lebensmittelpunkt vieler Studierender umso mehr bei ihren Eltern, weil Universitäten geschlossen sind und sich das soziale Leben zu Hause einfacher aufrechterhalten lässt«, sagt Steuerexperte Kudraß.

Um ihr WG- oder Wohnheimzimmer als doppelten Haushalt geltend machen zu können, müssten sich Studierende allerdings auch wesentlich – das heißt zu mehr als zehn Prozent – an den Kosten des elterlichen Hausstands beteiligen. Da junge Erwachsene selten Miete bei ihren Eltern zahlen würden, rät der Steuerberater, sich durch Lebensmitteleinkäufe oder den Kauf von Einrichtungsgegenständen zu beteiligen und dies auch zu belegen. »Dann kann man die Unterkunft am Studienort voll absetzen – also nicht nur ein Arbeitszimmer, sondern die gesamten Miet- und auch die Fahrtkosten«, sagt Kudraß.

Was die lohnendste der drei Optionen wäre, wie er vorrechnet: »Mit einem WG-Zimmer in München mit 700 Euro Miete und Bahnfahrten nach Hause zu den Eltern kann man locker auf 10.000 Euro Studienkosten im Jahr kommen. Selbst, wer 5000 Euro im Jahr durch einen Nebenjob verdient hat, kommt noch auf 5000 Euro Verlust.«

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