Kündigungsschutz, Altersvorsorge, Versicherung Was Sie über den öffentlichen Dienst wissen sollten

Berufseinsteiger wollen besonders gern für den Staat arbeiten, zeigen Studien. Doch sind die Jobs in Rathäusern, Ministerien und Schulen wirklich so gut? Und was muss man dafür mitbringen?
Der öffentliche Dienst bietet für Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger viele Möglichkeiten (Symbolbild)

Der öffentliche Dienst bietet für Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger viele Möglichkeiten (Symbolbild)

Foto: TommL / E+ / Getty Images

Die Unternehmensberatung Ernst & Young fragte im vergangenen Jahr mehr als 2000 Studierende , wo sie nach dem Studium gern arbeiten würden. Die Antwort war eindeutig: Gut ein Viertel der Befragten wollte in den öffentlichen Dienst, danach folgten – mit einigem Abstand – die IT- und die Pharmabranche. Für eine Kommune, ein Bundesland oder den Bund zu arbeiten, diesen Karriereweg finden Studierende schon länger attraktiv . Und er ist vielseitig: Allein in der Bundesverwaltung gibt es mehr als 130 unterschiedliche Berufe und Ausbildungen. Man kann zum Beispiel  Köchin werden, Lebensmittelkontrolleur oder Kfz-Mechatronikerin. Und natürlich Polizistin, Feuerwehrmann oder Lehrerin.

Doch wie gelingt der Einstieg in den öffentlichen Dienst? Und bieten Jobs dort wirklich so viel Sicherheit? Ein Hochschulprofessor, ein Erzieher und ein Versicherungsexperte geben Antworten.

Was ist der Unterschied zwischen einer Anstellung im öffentlichen Dienst und einer Verbeamtung?

Es gibt zwei Möglichkeiten, für den Staat zu arbeiten: als Angestellter oder als Beamter. Ob man angestellt oder verbeamtet wird, hängt vor allem von der Stelle ab, für die man sich interessiert. In einigen Berufen, etwa als Dozentin an einer Universität oder als Lehrer, kann man sowohl angestellt als auch verbeamtet werden. Manchmal folgt die Verbeamtung auch auf eine vorherige Anstellung.

Im Berufsalltag gibt es dann einige Unterschiede. Angestellte erhalten einen Arbeitsvertrag Beamte werden ernannt , und zwar in der Regel auf Lebenszeit. Außerdem dürfen Beamtinnen und Beamte nicht streiken . Das Streikverbot leitet sich aus einer besonderen Treuepflicht gegenüber dem Arbeitgeber – oder Dienstherrn – ab und soll sicherstellen, dass zum Beispiel Justiz, Polizei oder Feuerwehr jederzeit arbeiten können.

Auch im Privaten müssen sich Beamtinnen und Beamte entsprechend ihrer Position verhalten, sie unterliegen einem Mäßigungsgebot . Sie dürfen sich zum Beispiel nicht extremistisch äußern oder die demokratische Ausrichtung des Staates angreifen. Auch Nebentätigkeiten, bei denen Interessenkonflikte entstehen könnten, dürfen Beamtinnen nicht ausüben.

Was sind die Vorteile einer Arbeit im öffentlichen Dienst?

»Gerade jetzt, in der Coronakrise, gibt mir die Anstellung im öffentlichen Dienst eine gewisse Ruhe«, sagt Juri Kreuz. Der 29-Jährige arbeitet als Erzieher im Hort einer Grundschule und ist bei der Stadt Leipzig angestellt. »Ich werde nach Tarif bezahlt, habe ein unbefristetes Arbeitsverhältnis und muss mir keine Sorgen machen, ob ich in den kommenden Monaten ein sicheres Gehalt bekomme.«

Wenn Beamtinnen und Beamte mindestens 40 Dienstjahre in Vollzeit gearbeitet haben, erhalten sie den Höchstsatz von 71,75 Prozent ihres letzten Bruttoeinkommens als Pension. In den Ruhestand zu treten, ist auch schon früher möglich – dann gegebenenfalls mit Abschlägen. Angestellte im öffentlichen Dienst bekommen zusätzlich zu ihrer Rente eine Unterstützung der Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder , also eine Art Zusatzrente.

Und was sind die Nachteile?

Die Gehälter im öffentlichen Dienst sind zwar sicher, aber oft niedriger als in der freien Wirtschaft. Steigt man etwa als Juristin mit einem sehr guten Examen bei einer Behörde ein, verdient man in der Regel schlechter als bei einer Großkanzlei. Auch Gehaltssprünge sind in der freien Wirtschaft oft schneller möglich.

Für Juri Kreuz, den Erzieher aus Leipzig, ist der größte Nachteil die Bürokratie – die vielen Regeln und Vorgaben also, die eine Anstellung beim Staat manchmal mit sich bringt. Wenn die Kinder mit Projektideen zu ihm kämen, könne er die nicht immer umsetzen. Auch, weil er sich penibel an Budgetplanungen halten müsse. »Das dauert alles häufig sehr lange – und nimmt vielen Projekten die Dynamik.« Wer gestalten wolle, findet Kreuz, »der kann das in meinem Beruf bei anderen Trägern sicherlich besser«.

Welche Voraussetzungen muss man mitbringen, um im öffentlichen Dienst arbeiten zu können?

»Die Wege in den öffentlichen Dienst sind wirklich vielfältig«, sagt André Niedostadek, Professor für Wirtschafts-, Arbeits- und Sozialrecht an der Hochschule Harz, die auch für Jobs in der Verwaltung ausbildet. Und je nach Weg muss man unterschiedliche Voraussetzungen erfüllen.

Für den Einstieg als Beamtin oder Beamter gilt folgende Faustformel: Je höher der Bildungsabschluss, desto weiter nach oben geht es. Beamtinnen arbeiten nämlich innerhalb eines sogenannten Laufbahnsystems . Das kann ganz unterschiedlich aussehen : Der Bund und die Bundesländer haben jeweils ein eigenes Laufbahnsystem mit zwei, drei oder vier Stufen. Da wird zum Beispiel unterschieden zwischen einfachem, mittlerem, gehobenem und höherem Dienst. Was es etwas verwirrend macht: Nicht nur die Anzahl der Laufbahngruppen kann sich unterscheiden, sondern auch ihre Bezeichnung.

»Davon braucht man sich aber nicht verunsichern zu lassen«, sagt Niedostadek. Sein Tipp: sich einfach über die im jeweiligen Bundesland geltenden Regelungen informieren. Auf den Seiten der Länder findet man auch mehr zu den jeweiligen Einstiegsvoraussetzungen. So braucht man für eine Tätigkeit in der höchsten Laufbahnstufe, also zum Beispiel als Polizeidirektorin, ein abgeschlossenes Hochschulstudium.

Zu Beginn der Berufslaufbahn ist man in der Regel Beamter auf Widerruf oder auf Probe , danach wird man – wenn die Leistung und der Gesundheitscheck beim Amtsarzt passen – auf Lebenszeit verbeamtet. Auch für Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger  mit Berufserfahrung besteht die Möglichkeit, verbeamtet zu werden. Sie müssen allerdings bestimmte Mindestanforderungen  erfüllen.

Zuletzt ist noch die Staatsangehörigkeit ein Kriterium. Kommt man aus Deutschland, einem der EU-Mitgliedstaaten, Island, Liechtenstein, Norwegen oder der Schweiz, ist der Einstieg in die Beamtenlaufbahn kein Problem. Stammt man aus keinem der oben genannten Länder, bedarf es einer Ausnahmegenehmigung. Wichtig ist auch, dass der Aufenthaltstitel erlaubt, einer bezahlten Arbeit nachzugehen.

Als Angestellte im öffentlichen Dienst können Menschen aller Nationalitäten arbeiten. Welche Vorbildung man braucht, ergibt sich aus der jeweiligen Stellenausschreibung. Ein festes Laufbahnsystem gibt es hier nicht.

Wie viel verdient man?

Im Gegensatz zu Angestellten bekommen Beamtinnen und Beamte kein Gehalt, sondern Besoldung . Sie setzt sich aus einem Grundgehalt sowie einer möglichen Amts- oder Stellenzulage und weiteren Zulagen und Zuschlägen zusammen, etwa für die Familie .

Angestellte im öffentlichen Dienst werden nach dem für sie gültigen Tarifvertrag des öffentlichen Diensts  bezahlt. Ihre Gehälter und auch ihre Gehaltsaussichten sind daher transparent.

Wie bin ich versichert, wenn ich im öffentlichen Dienst arbeite?

»Wie man sich im Einzelfall optimal versichert, kommt ganz darauf an, wann man in den öffentlichen Dienst eingetreten ist, welchen Beruf man dort ausübt und welche Absicherung über den Dienstherrn besteht«, sagt Philipp Opfermann, Versicherungsexperte bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Sein Tipp ist, sich »schon in jungen und hoffentlich gesunden Jahren um seinen Versicherungsschutz zu kümmern«.

Für Angestellte im öffentlichen Dienst gilt grundsätzlich der gleiche Versicherungsschutz wie für Arbeitnehmerinnen in der freien Wirtschaft, der Arbeitgeber beteiligt sich also zur Hälfte an den Sozialversicherungsbeiträgen. Beamtinnen und Beamte dagegen zahlen keine regulären Sozialversicherungsbeiträge, bekommen also auch keinen Zuschuss ihres Dienstherrn – dafür aber in der Regel einen Teil der tatsächlich anfallenden Gesundheitskosten im Rahmen der sogenannten Beihilfe erstattet. Der Anteil der Beihilfe liegt zwischen 50 und 80 Prozent der Kosten und ist abhängig von Bundesland, Familienstand und der Anzahl der Kinder. »Für den anderen Teil müssen sich die Beihilfeberechtigten und gegebenenfalls auch deren Angehörige privat krankenversichern«, sagt Opfermann. Alternativ können Beamtinnen und Beamte auch gesetzlich versichert bleiben, müssen den Beitrag dann aber allein zahlen. Einige Bundesländer beteiligen sich auch hier.

Kann man wirklich nicht gekündigt werden?

Jobs im öffentlichen Dienst sind sicher – dieses Klischee stimmt. Für Angestellte im öffentlichen Dienst ist die Wahrscheinlichkeit, gekündigt zu werden, gering. Für Beamtinnen und Beamte geht sie sogar gegen null. Nur wer eine erhebliche Pflichtverletzung oder eine Straftat begeht, bekommt Probleme. Ein Beispiel für einen solchen Verstoß wäre, wenn man sich das Geld aus der Kaffeekasse des Referats in die eigene Tasche steckt.

Ein Antrag darauf, aus dem Beamtinnen- oder Beamtenverhältnis entlassen zu werden, kann aber jederzeit gestellt werden. Den Dienstherrn zu wechseln, ist dagegen nicht so einfach. Einen grundsätzlichen Anspruch auf eine Stelle hat man als Beamtin oder Beamter nicht.

Anmerkung: In einer früheren Version dieses Textes hieß es, dass Beamtinnen und Beamte planmäßig nach 40 Dienstjahren in Pension gehen. Dies trifft jedoch nicht auf alle zu. Wir haben die Passage im Text entsprechend konkretisiert.