Kochen ohne Kohle Grün? Cool! Ofenkartoffel mit Grünkohl und Kokosmilch – für 2,30 Euro

Grünkohl ohne Wurst und Kassler? Was sich für Norddeutsche wie ein Frevel anhört, schmeckt überraschend großartig. Zumal die Idee aus einem kleinen Hamburger Lokal stammt. Zeit zum Nachkochen!
Eine Kolumne von Sebastian Maas
Grünkohl ist nur im Winter frisch verfügbar, gefroren schmeckt er aber genauso gut

Grünkohl ist nur im Winter frisch verfügbar, gefroren schmeckt er aber genauso gut

Foto:

Sebastian Maas / DER SPIEGEL

Normalerweise verbreite ich hier ja gern gute Laune, ausnahmsweise muss ich aber ein schweres Thema ansprechen: Wie sehr die Corona-Pandemie für viele Unternehmerinnen und Selbstständige zur Belastungsprobe geworden ist, brauche ich wohl niemandem mehr zu erzählen. Gerade kleinere Restaurants und Cafés kämpfen ums Überleben, weil die Laufkundschaft im Homeoffice sitzt und Gasträume geschlossen bleiben müssen.

Ich selbst arbeite inzwischen seit fast genau einem Jahr am heimischen Küchentisch. Das war zwar förderlich für meine Kochkünste, ist aber ein Problem für die Restaurants in der Nähe des SPIEGEL-Gebäudes, die ich sonst regelmäßig in der Mittagspause mit Bärenhunger und einer Horde Kolleginnen besucht habe.

Alle Rezepte aus »Kochen ohne Kohle«

Bafög oder Azubi-Gehalt sind schon wieder fast aufgebraucht? Der Obstkorb beim unbezahlten Agenturpraktikum war geräubert? Und bitte nicht schon wieder Pizza-Toast? Alles kein Problem: In dieser Kolumne zeigt SPIEGEL-Redakteur und Hobbykoch Sebastian Maas, wie man trotz Flaute auf dem Konto leckere und besondere Gerichte zaubern kann. Dabei gibt es nur zwei Regeln:

  • Eine Portion darf maximal so viel kosten wie ein Essen in der Mensa, also 3 Euro.

  • Teure Spezialgeräte sind tabu.

Eines der Lokale, das Restaurant Erdapfel in der Hamburger HafenCity, verkauft seine Ofenkartoffeln immerhin to go – zum Glück, denn die sind verrückt lecker. Zu Ehren (und mit Erlaubnis) von Erdapfel-Chef Selim Tikiz lasse ich mich daher dieses Mal von einem seiner Rezepte inspirieren: Auf der Wintersaison-Kartoffel »Der Grinch« treffen Grünkohl und Kokosmilch aufeinander, getoppt mit Granatapfelkernen, Linsen, Salat und kandierten Walnüssen. Die Kombination aus herzhaft, cremig, knackig und säuerlich-süß funktioniert überraschend gut, was ich kulinarischer Kleingeist anfangs wirklich nicht erwartet hätte.

Ofenkartoffeln mit Kokos-Grünkohl

Für uns Hobbyköche und Sparfüchse bei »Kochen ohne Kohle« habe ich das Rezept etwas vereinfacht: Die Nüsse und Linsen lasse ich weg, den Granatapfel ersetze ich durch günstigeren Apfel. So gibt es für alle Menschen in und um Hamburg weiterhin einen Grund, sich das Original zu holen. #SupportYourLocalBusiness

Ich dachte übrigens mehr als die Hälfte meines Lebens, dass Grünkohl eklig schmeckt, weil er nicht so hübsch anzusehen ist. Zweiteres stimmt zwar, Ersteres war aber weit gefehlt. Gemerkt habe ich das glücklicherweise, bevor Grünkohl in den vergangenen Jahren eine eigenartige Wandlung zum hippen Trend Food gemacht hat, Trends lehne ich meist nämlich kategorisch ab. Vor allem in den USA ist »Kale« als Fitness-Snack beliebt, aber auch hierzulande findet sich Grünkohl plötzlich in Detox-Smoothies und Buddha-Bowls.

In meiner norddeutschen Heimat wird er hingegen, überhaupt nicht figurbewusst, schon immer gern mit Schmalz, Kassler und Kochwürsten gegessen. Ob dazu Brat- oder süße Kartoffeln gereicht werden, ist für sich allein schon ein spaltendes Politikum – weshalb ich ein bisschen Angst vor den Grummelreaktionen auf diesen Rezeptvorschlag habe.

Kokosmilch gibt es inzwischen bei jedem Discounter im Standardsortiment. Was der kochende Fotograf hier vergessen hat: Senf und Haferflocken.

Kokosmilch gibt es inzwischen bei jedem Discounter im Standardsortiment. Was der kochende Fotograf hier vergessen hat: Senf und Haferflocken.

Foto: Sebastian Maas / DER SPIEGEL

Das braucht man für zwei Portionen

  • 2 sehr große oder 4 mittelgroße Kartoffeln

  • 750 Gramm Tiefkühl-Grünkohl (frischer oder welcher aus dem Glas gehen auch)

  • 400 Milliliter Kokosmilch (bitte nicht die Diätvariante nehmen, da sind meist nur Wasser und Verdickungsmittel drin)

  • 2 Schalotten oder 1 Zwiebel

  • 1 säuerlicher roter Apfel

  • 1 Esslöffel Currypulver

  • Senf

  • Haferflocken zum Binden

  • Öl, Salz, Zucker und Pfeffer zum Abschmecken

Was kostet das?

Etwa 2,30 Euro pro Portion

Wie lange dauert das?

Etwa eine Stunde, man muss aber nicht konstant danebenstehen

So kocht man Grünkohl mit Kokosmilch

Bevor alles losgeht, den Ofen auf 200 Grad Ober-/Unterhitze oder 180 Grad Umluft vorheizen und die Kartoffeln abbürsten. Sehr dreckige Kartoffeln unter fließendem Wasser abwaschen und dann abtrocknen. Ist der Ofen heiß, kommen die Kartoffeln ungeschält aufs Backblech. 200-Gramm-Kartoffeln brauchen im Ganzen etwa 50 Minuten, kleinere sind entsprechend schneller fertig.

Die Zwiebel grob hacken und mit dem Öl im Topf für einige Minuten glasig anschwitzen, dann das Currypulver dazugeben und ebenfalls kurz anschwitzen. Wer experimentierfreudig sein möchte, kann statt des Currypulvers auch mit Zitrusfrüchten, Limettenblättern oder Cumin würzen.

Nun den gefrorenen Grünkohl und etwa 300 Milliliter Wasser in den Topf geben und alles bei mittlerer bis kleiner Hitze köcheln lassen. Gelegentlich umrühren.

Nach etwa 40 Minuten die komplette Dose Kokosmilch zum Kohl in den Topf geben, aufkochen lassen und mit Salz, Zucker und Pfeffer abschmecken. Noch einmal zehn Minuten köcheln lassen. Der Eigengeschmack der Kokosmilch wird fast verschwinden, die Cremigkeit aber bleibt. Ist der Grünkohl jetzt noch recht flüssig, nach Bedarf kann man ihn mit Haferflocken abbinden. Dazu einfach einige Esslöffel davon hinzugeben und einkochen lassen, sie saugen die Feuchtigkeit auf und geben dem Grünkohl etwas mehr Textur.

Grünkohl wird nie das hübscheste Essen sein, dafür schmeckt er hervorragend

Grünkohl wird nie das hübscheste Essen sein, dafür schmeckt er hervorragend

Foto:

Sebastian Maas / DER SPIEGEL

Derweil die Kartoffeln aus dem Ofen nehmen und nach der Garprobe fünf Minuten abkühlen lassen. Falls sie noch nicht gar sind, einfach noch mal in den Ofen schieben. Der Kohl wird besser, je länger er reduziert und eindickt, man braucht sich also keinen Stress zu machen.

Den Apfel samt Schale erst direkt vor dem Servieren würfeln – so sieht es am Ende schöner aus. Mit etwas Zitronensaft kann man die Bräunung ansonsten auch stoppen.

Wenn alles gar und abgeschmeckt ist, die Kartoffeln in einem tiefen Teller halbieren. Je eine kräftige Portion Öl, Salz und Pfeffer dazu geben und mit einer Gabel grob in das Fruchtfleisch einmassieren. Den Grünkohl auf den Kartoffelhälften verteilen, die Apfelwürfel obendrauf streuen. Dazu den Senf reichen. Fertig!

Haben Sie das Rezept nachgekocht? Oder kennen Sie tolle Gerichte, die wenig Geld kosten? Schreiben Sie mir – oder schicken Sie mir ein Bild davon!