Berufseinstieg als Bademeister »Den ganzen Tag auf Wasser zu schauen, ist anstrengender, als man denkt«

In vielen Frei- und Hallenbädern fehlen Bademeister – Maximilan Greilmeier hat genau diesen Beruf gewählt. Hier erzählt der 19-Jährige, warum er für den Job brennt. Und welche Probleme es gibt.
Aufgezeichnet von Tanya Falenczyk
Bademeister Maximilian Greilmeier: Immer das ganze Becken im Blick

Bademeister Maximilian Greilmeier: Immer das ganze Becken im Blick

Foto: privat

Der Start ins Arbeitsleben ist aufregend, anstrengend – und oft ganz anders als geplant. In der Serie »Mein erstes Jahr im Job« erzählen Berufseinsteiger:innen, wie sie diese Zeit erlebt haben. Diesmal: Maximilian Greilmeier, 19, Fachkraft für Bäderbetriebe in einem Freibad in der Nähe von München.

Mein erstes Jahr im Job

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»Als ich meine Ausbildung anfing, hatte ich schon meinen zukünftigen Arbeitsplatz vor Augen: das Freibad, in dem ich als Kind schwimmen lernte, wo ich später vom Drei-Meter-Turm sprang und schließlich mein Rettungsschwimmabzeichen machte. Dort, im Waldbad Taufkirchen in der Nähe von München, bin ich jetzt Bademeister.

Den ganzen Tag konzentriert aufs Wasser zu schauen, ist anstrengender, als man denkt. Ich bin verantwortlich für die Sicherheit der Badegäste, das 50-Meter- und das Nichtschwimmer-Becken müssen die ganze Zeit beaufsichtigt sein. Da zählt jede Sekunde. Als Bademeister darf ich nicht mal eben auf die Toilette, denn wenn in dieser Zeit jemand ertrinkt, trage ich die Verantwortung. Wenn wenige Gäste im Wasser sind, reicht es, wenn ich das Becken von meinem Hochstuhl aus beobachte. Bei viel Trubel gehe ich lieber alle fünf Minuten eine Runde, um jede Ecke im Blick zu haben.

Eine Prüfung pro Jahr

Wenn der Sprungturm offen ist, muss ich besonders aufpassen. Es kommt immer wieder vor, dass Badegäste unvorsichtig sind und unter den Turm schwimmen. Außerdem überschätzen sich Leute regelmäßig: Sie springen vom Fünf-Meter-Turm, obwohl drei Meter gereicht hätten, und verletzen sich. Eine Pfeife habe ich nicht, ich rufe und winke, das funktioniert meistens gut.

Tatsächlich ins Becken springen, um jemanden zu retten, musste ich noch nie. Einmal im Jahr mache ich aber eine Prüfung, die praxisnahe Rettungsübung, um zu zeigen, dass ich das jederzeit könnte. Ich ziehe dann jemanden aus dem Wasser und leiste danach Erste Hilfe.

Wichtige Messungen: Nur, wenn Chlor- und pH-Wert stimmen, verbreiten sich im Wasser keine Bakterien

Wichtige Messungen: Nur, wenn Chlor- und pH-Wert stimmen, verbreiten sich im Wasser keine Bakterien

Foto: privat

Ich bin nicht nur verantwortlich für die Sicherheit der Gäste, sondern auch dafür, dass die Technik funktioniert. Daher mache ich jeden Tag Kontrollgänge im Keller, wo die Heizung, die Säure- und Chlor-Anlagen und die Filter stehen, und passe die Einstellungen der Geräte an. Außerdem messe ich dreimal am Tag das Beckenwasser. Dabei schaue ich vor allem auf den Chlor- und den pH-Wert: Sind sie zu niedrig oder zu hoch, wird das Wasser nicht genug desinfiziert oder kann die Haut der Badegäste reizen.

Die Arbeit im Keller macht Spaß, mit all den Hebeln fühle ich mich manchmal wie auf einem riesigen Wasserspielplatz. Dort unten habe ich meine Ruhe, höre Musik. Das ist eine angenehme Abwechslung zu dem Lärm und den vielen Menschen am Becken. Ungefähr 70 Prozent der Zeit mache ich Aufsicht, 30 Prozent Technik und andere Arbeiten, eine gute Mischung.

Ein großer Teil meiner Arbeit ist es, Dinge sauberzumachen: die Filteranlagen, den Unterwassersauger und nach einem Sturm das ganze Becken. In einem kleinen Freibad wie meinem bin ich außerdem der Mann für fast alles: die quietschende Schaukel, die tropfende Dusche, die vielen Maulwurfshügel auf der Wiese. Dazu gehört auch Erste Hilfe bei kleinen Verletzungen. Sobald etwas Ernstes ist, rufe ich den Rettungsdienst. Aber bei Bienenstichen oder Schürfwunden helfe ich mit Eis und Pflastern.

Stressig ist die Arbeit selten. Im Team teilen wir uns die Aufgaben gut auf. Das war vor meinem Arbeitsbeginn anders. Mein Kollege und mein Chef waren ein Jahr lang nur zu zweit. Sie hatten keinen Tag im Sommer frei und machten sehr viele Überstunden. Jetzt sind sie froh, dass wir zu dritt sind. Aber so geht es nicht allen Freibädern. Manche konnten diese Saison gar nicht öffnen, weil die Bademeister:innen fehlen.

Dass es so einen Bademeistermangel gibt, liegt sicher auch daran, dass viele sich unter dem Beruf wenig vorstellen können. Die sehen mich nur, während ich auf meinem Stuhl sitze oder um das Becken spaziere. Die ganze Technik hinter den Kulissen bleibt unsichtbar.

Viel Verantwortung, wenig Geld

Ich werde nach dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst bezahlt und bekomme im ersten Jahr rund 2600 Euro brutto pro Monat in Vollzeit. Weil ich in Teilzeit arbeite, sind es bei mir weniger. Nach 15 Jahren steigt das Gehalt laut Tarif auf knapp 3200 Euro. Vielen ist das zu wenig für die große Verantwortung und die unregelmäßigen Arbeitszeiten.

Denn im Freibad gibt es am meisten zu tun, wenn andere Urlaub haben. In der Sommersaison arbeite ich schon die Stunden für den Winter vor. In Vollzeit sind deswegen 60-Stunden-Wochen die Regel, meistens auf sechs Tage verteilt. Vielleicht schafft man es, sich im Sommer mal eine Woche freizunehmen. Aber eigentlich ist das nicht drin, vor allem bei Personalmangel.

Von Mitte Mai bis Mitte September ist das Freibad geöffnet, in Teilzeit arbeite ich in dieser Zeit ungefähr 40 Stunden pro Woche. Dann mache ich alles bis Ende Oktober winterfest. Von November bis Mitte März habe ich frei. Danach geht es mit der Reinigung los, bevor das Bad wieder aufmacht.

Ich finde es toll, so viele Monate am Stück freizuhaben. In der Zeit gehe ich kellnern und baue nebenher ein paar Websites. Wenn ich mir zwei Monate Australien anschauen will, muss ich nicht kündigen. Im Winter mache ich meinen Meister. Durch den könnte ich irgendwann studieren, vielleicht VWL. Aber jetzt will ich erst mal ein paar Jahre mein Leben genießen und mir in der freien Zeit die Welt anschauen.«

Wie werde ich Fachkraft für Bäderbetriebe?

Für die duale Ausbildung zur Fachkraft für Bäderbetriebe ist kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben. Die Ausbildung dauert drei Jahre, kann aber verkürzt werden, etwa bei besonders guten Noten, einem hohen Schulabschluss oder wenn man bereits einen Beruf gelernt hat.

Neben Sport und sozialen Fähigkeiten für den Umgang mit den Badegästen umfasst die Ausbildung Unterricht in Chemie und Physik, etwa für Wasserproben, sowie im Umgang mit Technik wie den Filteranlagen.

Später kann man in öffentlichen oder privaten Frei- und Hallenbädern arbeiten, aber auch in Fitnesszentren, Rehabilitationskliniken oder Altenheimen.

Laut der Jobplattform Gehalt.de  verdienen Fachangestellte für Bäderbetriebe im Schnitt rund 25.000 bis 35.000 Euro im Jahr. Wer bei einer Gemeinde angestellt ist und dadurch in den Tarifvertrag Öffentlicher Dienst  fällt, bekommt im ersten Berufsjahr rund 33.000 Euro. Wer etwa bei einem Bad arbeitet, das von den Stadtwerken betrieben wird, fällt unter den Tarifvertrag Versorgungsbetriebe  und bekommt etwas mehr, rund 37.500 Euro.

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