Studienfächer erklärt Was ich als Erstsemester gern über das Polizeistudium gewusst hätte

Wer zur Polizei will, kann eine Berufsausbildung absolvieren – oder studieren. Wie fit muss man sein, um zugelassen zu werden? Und wann lernt man, mit Blaulicht zu fahren? Studentin Mona Schmidt verrät es.
Aufgezeichnet von Helen Hahne
Mit einem Studium qualifiziert man sich für den gehobenen Dienst (Symbolbild)

Mit einem Studium qualifiziert man sich für den gehobenen Dienst (Symbolbild)

Foto: Polizei BW / Innenministerium Baden-Württemberg / dpa
Studienfächer erklärt

In der Reihe »Studienfächer erklärt« stellen wir die 30 beliebtesten Studienfächer in Deutschland vor – von Betriebswirtschaftslehre auf Platz 1 bis Wirtschaftsrecht auf Platz 30. Wie viele Studierende an deutschen Hochschulen in welchem Fach eingeschrieben sind, ermittelt das Statistische Bundesamt einmal im Jahr . Unser Ranking bezieht sich auf die Zahlen für das Wintersemester 2019/2020, die beiden Fächer »Wirtschaftsingenieurwesen mit ingenieurwissenschaftlichem Schwerpunkt« und »Wirtschaftsingenieurwesen mit wirtschaftswissenschaftlichem Schwerpunkt« haben wir zusammengefasst.

Uniform, Blaulicht und ein Funkgerät – dieses Bild hat man klassischerweise vor Augen, wenn man an Polizistinnen und Polizisten denkt. Doch Polizisten arbeiten nicht nur im Streifenwagen und bei der Reiterstaffel, sondern auch als Ausbilder oder in der Öffentlichkeitsarbeit.

Und was viele nicht wissen: Neben der klassischen Berufsausbildung gibt es auch die Möglichkeit, über ein Studium zum gehobenen Dienst (Bachelor) oder höheren Dienst (Master) zugelassen zu werden. Die Studiengänge tragen unterschiedliche Namen : von Gehobener Polizeivollzugsdienst über Kriminalpolizei bis Polizeimanagement. Inhalte und Ablauf können je nach Bundesland variieren.

Wie unterscheiden sich Ausbildung und Studium? In den Polizeidienst kann man mit einer Ausbildung oder einem Studium  starten. Nach der Ausbildung wird man zur Po­li­zei­meis­te­rin oder zum Po­li­zei­meis­ter er­nannt und arbeitet zum Beispiel auf Revieren. Bei sehr guten Leistungen steht der Weg in den gehobenen Dienst offen. Nach einem Bachelorstudium arbeitet man etwa als Po­li­zei­kom­mis­sa­rin bei der Schutz­po­li­zei oder als Kri­mi­nal­kom­mis­sar bei der Kri­mi­nal­po­li­zei.

Das Bachelor-Studium  ist mit drei Jahren länger als die Ausbildung (2,5 Jahre) und qualifiziert für die sogenannte Laufbahngruppe Gehobener Dienst, einen Karriereweg in Leitungs- und Führungspositionen innerhalb der Polizei. Ähnlich zur Ausbildung werden im Studium praktische Inhalte wie Einsatzlehre, Schießausbildung oder Ermittlungstechniken gelehrt. Darüber hinaus wird vertiefendes theoretisches Wissen in Polizei- und Kriminalwissenschaften, Informationstechnik und Rechts- sowie Sozialwissenschaften vermittelt.

Mona Schmidt, 28, studiert im vierten Semester an der Akademie der Polizei Hamburg. Sie gibt einen Einblick in den Bewerbungsprozess, den Studienplan und ihr erstes Praktikum an der Polizeiwache.

Die Entscheidung fürs Polizeistudium

»Nach der Schule habe ich Politikwissenschaft studiert und anschließend in der Öffentlichkeitsarbeit eines städtischen Unternehmens gearbeitet. Allerdings merkte ich, dass ein klassischer Schreibtischjob nichts für mich ist. Ich gehe zwei- bis dreimal die Woche laufen, tanze Ballett und habe vor Corona regelmäßig im Fitnessstudio trainiert. Ich bin also ein sehr bewegungsfreudiger Mensch und wollte das auch im Job umsetzen können. Genauso wichtig ist es mir, anderen Menschen zu helfen.

Weil ich Kriminologie-Theorien spannend finde und mir bessere Aufstiegschancen verspreche, habe ich mich für das Studium statt für eine klassische Ausbildung bei der Polizei entschieden. Zuerst musste ich eine schriftliche Bewerbung mit Motivationsschreiben und Lebenslauf einreichen, dann wurde ich zum Auswahltag eingeladen. Ich rate jedem, sich vorher online gut zu informieren, damit man gezielt trainieren und üben kann: Wir mussten zum Beispiel einen Fitnessparcours absolvieren, einen Wissenstest bestehen, ein Bewerbungsgespräch führen und ein Rollenspiel machen, ein Bürger:innengespräch an der Wache.«

Formale Voraussetzungen:

  • Um an einer Polizei-Hochschule zugelassen zu werden, braucht man in der Regel  die Fachhochschulreife, die allgemeine Hochschulreife oder einen vergleichbaren Bildungsabschluss .

  • Zusätzlich müssen die Anforderungen an die Polizeidiensttauglichkeit und sogenannte beamtenrechtliche Voraussetzungen (dazu gehört etwa die körperliche Gesundheit) erfüllt werden. Was genau das bedeutet, kann man zum Beispiel auf der Website der Polizei Niedersachsen  nachlesen.

  • In einigen Bundesländern gibt es eine Altersgrenze oder Eignungstests, auch eine Vorausbildung  kann nötig sein. Wichtig ist auf jeden Fall, die Voraussetzungen des jeweiligen Bundeslandes zu beachten.

Was man sonst noch mitbringen sollte: Lust auf Nachtdienste. Während des Studiums absolviert man verschiedene Praktika – auch mal im Schichtdienst.

»Den Parcours habe ich vorher einmal getestet, das war für mich kein Problem. Der Wissenstest bestand vor allem aus einem Diktat und einem kognitiven Leistungstest, bei dem wir zum Beispiel eine Würfelreihe logisch erweitern mussten. Das variiert aber von Bundesland zu Bundesland. Außerdem gab es eine ärztliche Untersuchung. Nach ein paar Wochen kam die Zusage.«

Inhalt und Aufbau des Studiums

»Los ging es mit einer Einführungswoche, wir lernten das Gelände und die Vorgesetzten kennen, unsere Uniformen wurden angepasst. In einer Studienklasse sind ungefähr 30 Studierende. Ab der zweiten Woche begannen dann der Unterricht und die Vorlesungen.

Der Stundenplan ist sehr vielfältig, auf dem Lehrplan stehen Fächer wie Rechtswissenschaften, Sozialwissenschaften, Psychologie, Kriminologie, Informatik, Einsatzlehre, Verkehrslehre und Kriminalistik, wo wir zum Beispiel Täterprofile erstellen oder in einer Wohnung einen fiktiven Tatort begehen und analysieren. Der Unterricht variiert ab dem dritten Semester zwischen der Schutz- und Kriminalpolizei. Wir schreiben genau wie an anderen Hochschulen auch Klausuren und Hausarbeiten. Um gut mitzukommen, kann ich empfehlen, mit Kommilitoninnen und Kommilitonen gemeinsam zu lernen, die polizeieigene Bibliothek und deren Lehrbücher zu nutzen und bereits im Unterricht gut mitzuarbeiten.«

Typische Pflichtfächer: in Hamburg  sind das zum Beispiel Einsatz- und Führungslehre, polizeiliche Informationsverarbeitung, Kriminologie, Kriminalistik, Kriminaltechnik, Strafverfahrensrecht, Straf- und Ordnungswidrigkeitenrecht, Grundrechte, Polizeirecht, Verkehrsrecht, Psychologie, Soziologie, Kommunikation

Praxis: Zum Studium gehören Pflichtpraktika, zum Beispiel in Polizeiwachen und bei der Bereitschaftspolizei. Dafür erhalten Studierende  bereits während des Studiums ein Gehalt.

»Einmal die Woche haben wir auch Kurse zur Berufspraxis sowie Einsatztraining. In Rollenspielen lernen wir zum Beispiel, wie man sich bei einer Verkehrskontrolle richtig verhält. Außerdem gibt es noch ein paar Sportprüfungen. Vor Kurzem stand ein Drei-Kilometer-Lauf an, den sollten wir Frauen in unter 16:30 Minuten schaffen, die Jungs in knapp unter 15:00 Minuten. Wenn man es nicht schafft, wird man aber nicht gleich exmatrikuliert.«

»Gerade hat mein erstes Praktikum begonnen. Die nächsten fünf Monate bin ich an einer Wache und laufe mit den Diensthabenden mit. Ich lerne, mit Bürgerinnen und Bürgern zu sprechen, zum Beispiel, wenn sie randalieren. Außerdem übe ich, Anzeigen aufzunehmen oder Fahndungen aufzugeben. Später werde ich außerdem noch sechs Wochen beim LKA verbringen. Das gehört für alle dazu.

Während der Praktika finden Lehrgänge statt, da lernen wir Funken, Autofahren mit Blaulicht und Schießen. Vor der Polizei hatte ich noch nie in meinem Leben eine Waffe in der Hand – das ist also keine Voraussetzung.«

Berufsaussichten nach dem Studium

»Bei der Polizei gibt es mehr als 70 Berufsfelder. Man kann zum Beispiel klassisch an einer Wache arbeiten, in der Öffentlichkeitsarbeit, in der Reiter- oder Hundestaffel, oder an der Akademie einen Lehrauftrag übernehmen. Ich möchte erst einmal die Tätigkeit als Streifenpolizistin kennenlernen, um Praxiserfahrung an der Basis zu sammeln. Aufgrund unserer Qualifikation für den gehobenen Dienst steigen wir schneller in stellvertretende Leitungspositionen innerhalb des Schichtteams auf und könnten dann Führungsverantwortung übernehmen.

Eine andere Möglichkeit wäre die Bereitschaftspolizei, da ist man vor allem bei Großeinsätzen und zum Beispiel Demos im Einsatz. Ich möchte aber lieber in einem festen Revier arbeiten. Später sehe ich mich als Hauptkommissarin, vielleicht mache ich auch noch den Master.«

Branchen und Gehälter:

Polizistinnen und Polizisten arbeiten im Wach- und Streifendienst, auch in der Verwaltung und der Sachbearbeitung werden sie eingesetzt. Durch ihre Qualifizierung für den gehobenen Polizeidienst könne sie auch Leitungspositionen übernehmen. Einige Positionen setzen eine Qualifizierung für den höheren Dienst voraus, die Absolventinnen und Absolventen erst durch den Abschluss eines Masters erlangen können.

Polizistinnen und Polizisten sind Beamte und werden deshalb nach sogenannten Besoldungsgruppen  bezahlt. Für den gehobenen Dienst liegen diese zwischen A9, Stufe 1 und A13, Stufe 8, was 2020 einem Bruttolohn von 2898 Euro bis 5731 Euro pro Monat entsprach. Seit April 2021  sind sie leicht gestiegen. Die genauen Gehälter können variieren, je nachdem, in welchem Bundesland man angestellt ist.