Nebenjobs, die sich lohnen – Folge drei »Ich habe mich selbst gepitcht«

Hannah Bauer arbeitet neben ihrem Studium in einer PR-Agentur. Hier erzählt sie, wie sich das mit ihrem Uni-Alltag vereinbaren lässt. Und warum der Job ihr Selbstvertrauen für die Zukunft gibt.
Aufgezeichnet von Dayan Djajadisastra
Werkstudentin Bauer: »Wer in der PR arbeiten will, sollte ein Gefühl für Sprache haben«

Werkstudentin Bauer: »Wer in der PR arbeiten will, sollte ein Gefühl für Sprache haben«

Foto: privat
Nebenjobs, die sich lohnen

Viele Studierende in Deutschland arbeiten, um ihr Studium zu finanzieren. Cafés und Restaurants, Coronatestzentren, lokale Unternehmen: Potenzielle Arbeitgeber:innen gibt es einige. Doch welcher Nebenjob lohnt sich auch finanziell? Und was muss man dafür mitbringen? In der Reihe »Nebenjobs, die sich lohnen« gehen wir diesen Fragen nach.

Wir stellen fünf Nebenjobs vor, mit denen Studierende gutes Geld verdienen können, aber auch wertvolle Erfahrungen für ihr späteres Berufsleben sammeln. Grundlage ist eine Auswertung des Jobvermittlers »Jobvalley  « aus dem Jahr 2021, für die mehr als 620.000 Jobausschreibungen analysiert wurden. Alle fünf Beispiele der Reihe gehören laut der Auswertung zu den Top 10 der durchschnittlich am besten bezahlten Jobs für Studierende.

Wer nebenbei im Bereich Public Relations arbeiten möchte, muss nicht unbedingt PR, Journalismus oder Kommunikationswissenschaften studieren. Hannah Bauer macht aber genau das: Die 23-Jährige hat an der Hochschule der Medien Stuttgart ihren Bachelorabschluss im Studiengang Crossmedia Redaktion und Public Relations gemacht, ab Oktober startet sie einen Master. Nebenbei arbeitet Bauer als Werkstudentin in der PR-Agentur Edelman und berät vor allem Pharmaunternehmen. Hier erzählt sie, wie ihr Nebenjob sie auf das spätere Arbeitsleben vorbereitet.

Die Entscheidung für den Job

»Im Studium habe ich den Schwerpunkt Public Relations gewählt, deshalb lag es nahe, einen Nebenjob in dem Bereich zu suchen. Das Thema Gesundheit hat mich schon lange interessiert und durch die Coronapandemie war es besonders präsent. Daher meldete ich mich im November vergangenen Jahres für einen Workshop über Healthcare-Kommunikation an, dort kam ich mit dem Referenten ins Gespräch. Eigentlich bin ich nicht so die Networkerin, aber in dem Fall ist daraus ein Jobangebot entstanden. Dass ich noch keine Berührungspunkte mit dem Bereich Gesundheit hatte, war kein Problem.

Im März startete ich dann in den Job bei Edelman. Die Agentur betreut verschiedene Unternehmen, ich bin Teil des Healthcare-Teams, das vor allem Pharmaunternehmen berät. Mein Team sitzt in Frankfurt, ich wohne in Stuttgart. Dass ich fast vollständig remote arbeiten kann, war mir bei der Jobwahl wichtig. Im Oktober beginne ich mein Masterstudium in Erfurt, kann aber problemlos weiter für Edelman arbeiten.

Anfangs habe ich mir Sorgen gemacht, wie ich mich aus der Ferne in das Team einfinde. Aber wir haben jede Woche ein virtuelles Teammeeting, da lernt man sich gut kennen. Zusätzlich gibt es eine Art Stammtisch für Berufseinsteiger:innen, bei dem wir uns alle zwei Wochen austauschen.«

Was man für den Job können muss

»Im Allgemeinen geht es bei PR darum, in Zielgruppen Vertrauen für ein Produkt oder eine Marke zu schaffen. Im Healthcare-Team unterstütze ich Projekte internationaler Pharmaunternehmen. Einigen Kund:innen vermittle ich zum Beispiel Ärzt:innen für Interviews. Außerdem lektoriere ich Texte, recherchiere für Präsentationen und schreibe Pressemitteilungen. Je nachdem, an welchem Projekt ich arbeite, beschäftige ich mich an einem Tag mit Diabetes, am nächsten mit Beschwerden in den Wechseljahren.

»Wenn man präsent ist und zeigt, dass man Bock hat, wird man auch wahrgenommen.«

Wer in der PR arbeiten will, sollte auf jeden Fall ein gewisses Gefühl für Sprache haben. Sie ist unser wichtigstes Werkzeug. Darüber hinaus sollte man neugierig und hartnäckig sein, weil man sich ständig in neue Themen reinfuchsen muss. Wenn man präsent ist und zeigt, dass man Bock hat, wird man auch wahrgenommen und kann viel dazulernen. Als ich zum Beispiel neu im Team war, habe ich mich direkt mit einer Rundmail vorgestellt: ›Hi, ich bin Hannah, das und das kann ich, meldet euch jederzeit, wenn ich unterstützen kann.‹ Ich habe mich im Grunde selbst gepitcht.«

Was der Job fürs Studium und den späteren Beruf bringt

»Vieles, was ich im Studium gelernt habe – wie Rechercheskills oder Pressemitteilungen schreiben –, konnte ich in meinem Nebenjob ausprobieren. Neben der Berufserfahrung nehme ich eine Menge Selbstvertrauen mit. Ein paar Wochen nach meinem Einstieg etwa gab es ein neues Kundenprojekt, bei dem ich an der Präsentation mitgearbeitet habe. Mein Chef meinte dann, ich könne die Folien, die ich vorbereitet hatte, auch selbst vor dem potenziellen Kunden präsentieren.

Ich war zunächst zögerlich. Aber es hat sich auch wie ein großes Lob angefühlt, so viel Verantwortung zu bekommen. Mir hat das gezeigt: Da ist jemand, der glaubt an mich und fördert mich.«

Während des Studiums im Bereich PR arbeiten
  • Für die Arbeit im Bereich Public Relations kommen Studierende aus verschiedenen Fachrichtungen infrage. Oft suchen PR-Agenturen aber gezielt nach Studierenden aus den Bereichen PR, Journalismus oder Kommunikationswissenschaften.

  • Mögliche Arbeitgeber:innen sind PR-Agenturen, Kommunikationsagenturen oder größere Unternehmen, die interne PR-Abteilungen haben.

  • Laut »Jobvalley «-Auswertung liegt der durchschnittliche Stundenlohn für Nebenjobs im Bereich Marketing und PR bei 12,15 Euro. Manche Arbeitgeber:innen zahlen demnach sogar bis zu 15,00 Euro pro Stunde.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.