Studienfächer erklärt Was ich als Erstsemester gern über Psychologie gewusst hätte

Warum ist Mathe wichtig für das Psychologiestudium? Was hilft, wenn ich eine Prüfung nicht schaffe? Und was, wenn ich nach dem Studium doch kein Therapeut werden will? Studentin Julia Weresch erklärt ihr Fach.
Aufgezeichnet von Lisa Srikiow
Wer Psychologie studiert, kann später nicht nur als Psychotherapeut arbeiten, sondern auch in der Marktforschung oder im Personalwesen (Symbolbild)

Wer Psychologie studiert, kann später nicht nur als Psychotherapeut arbeiten, sondern auch in der Marktforschung oder im Personalwesen (Symbolbild)

Foto: Carolyn Lagattuta / Stocksy United
Studienfächer erklärt

In der Reihe »Studienfächer erklärt« stellen wir die 30 beliebtesten Studienfächer in Deutschland vor – von Betriebswirtschaftslehre auf Platz 1 bis Wirtschaftsrecht auf Platz 30. Wie viele Studierende an deutschen Hochschulen in welchem Fach eingeschrieben sind, ermittelt das Statistische Bundesamt einmal im Jahr . Unser Ranking bezieht sich auf die Zahlen für das Wintersemester 2019/2020, die beiden Fächer »Wirtschaftsingenieurwesen mit ingenieurwissenschaftlichem Schwerpunkt« und »Wirtschaftsingenieurwesen mit wirtschaftswissenschaftlichem Schwerpunkt« haben wir zusammengefasst.

Psychologinnen und Psychologen erforschen, wie sich Menschen verhalten und wie sie ihre Umgebung erleben. Viele Studierende möchten später als Psychotherapeuten arbeiten und Patienten helfen, Krisen durchzustehen oder Traumata zu bewältigen. Aber das Berufsfeld ist wesentlich breiter: Psychologie-Absolventinnen erstellen Gutachten für Gerichte, untersuchen in der Marktforschung, wie sich Konsumenten verhalten, oder arbeiten in Personalabteilungen von Unternehmen.

Julia Weresch, 27, studiert Psychologie im Master an der Universität Ulm, dort hat sich auch ihren Bachelor gemacht. Sie erklärt, wie sie mit dem hohen Lernpensum und dem Leistungsdruck im Studium umgeht, und wieso ihr die Arbeit in der Fachschaft besonders viel bringt.

Die Entscheidung fürs Psychologiestudium

»Viele psychische Erkrankungen tragen immer noch ein Stigma. Ich hätte schon als Kind oder Jugendliche gern mehr darüber erfahren, aber vieles wurde einfach totgeschwiegen. Für mein Abitur wählte ich später den Schwerpunkt Pädagogik und Psychologie, das hat mein Interesse noch verstärkt. Besonders spannend fand ich psychiatrische Erkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen, aber auch andere pathologische Diagnosen wie Soziopathie. Es ist faszinierend, wie unterschiedlich sich die Persönlichkeit des Menschen darstellt.

Nach dem Abitur bewarb ich mich nur an einer einzigen Universität, der in Ulm. Das würde ich eigentlich nicht empfehlen, weil der NC bei Psychologie sehr hoch ist. Man sollte es deshalb lieber an mehreren Hochschulen probieren. Die ersten Wochen des Semesters waren recht anstrengend, es gab unglaublich viel Input. Zum Glück wurden wir da gut aufgefangen. Wir Erstsemester hatten Mentoren, mit denen wir uns regelmäßig trafen. Sie erklärten uns, wie alles funktioniert, wo wir welche Informationen finden, wie man wissenschaftlich schreibt.«

Formale Voraussetzungen für ein Psychologiestudium:

  • Wer an einer Universität studieren möchte, braucht das Abitur  oder die entsprechende Fachgebundene Hochschulreife – für Fachhochschulen genügt auch die Fachhochschulreife. In vielen Studiengängen werden zudem Bewerberinnen und Bewerber ohne Hochschulreife  unter bestimmten Bedingungen zugelassen, etwa wenn sie eine fachspezifische Berufsausbildung und Berufserfahrung vorweisen können.

  • An staatlichen Hochschulen gibt es in der Regel einen Numerus Clausus  (NC); dieser liegt oft im Einser-Bereich, denn der Andrang auf das Fach ist groß. Private Hochschulen arbeiten etwa mit Assessment-Centern, Eignungstests und Bewerbungsgesprächen .

  • Wer im Anschluss an das Studium eine Psychotherapeuten-Ausbildung machen möchte, sollte im Vorfeld prüfen, ob der jeweilige Studiengang dafür qualifiziert. Gerade an Fachhochschulen und privaten Hochschulen ist das nicht immer der Fall .

Was man sonst noch mitbringen sollte: Eine gewisse Empathie ist für Psychologiestudierende natürlich wichtig, aber sie müssen auch analytisch denken und vorgehen, beispielsweise wenn sie Daten auswerten oder Studienergebnisse vergleichen.

Inhalte und Aufbau des Studiums

»Was mich an Psychologie überraschte, war, dass man auch Mathematikkenntnisse braucht – wir arbeiten schließlich oft mit Studien und erstellen später auch selbst welche. Deswegen hört man am Anfang des Studiums viel Statistik, muss plötzlich wieder ableiten und Funktionen verstehen. Manche bekommen da ein wenig Panik, aber die Prüfungen sind machbar. Bei uns gab es sogar ein vierwöchiges Trainingscamp, das uns gut darauf vorbereitet hat.

Überhaupt sollte man sämtliche Angebote der Uni zumindest einmal ausprobieren, seien es Schreib-Cafés oder Anti-Prokrastinations-Trainings. Ich selbst bin in der Fachschaft aktiv, das hat mir viel gebracht. Denn so konnte ich unseren Studiengang aktiv mitgestalten. Wir sitzen zum Beispiel im Prüfungsausschuss, das heißt, wir haben ein Mitspracherecht, wann die Klausuren stattfinden. Wenn zwischen zwei Prüfungen nur zwei Tage liegen, können wir sagen: ›Das finden wir nicht in Ordnung, wir brauchen vier Tage dazwischen.‹«

Typische Pflichtfächer: Allgemeine Psychologie; Sozialpsychologie; Entwicklungspsychologie; Biologische Psychologie; Statistik

Mögliche Schwerpunkte: Klinische Psychologie; Pädagogische Psychologie; Arbeits-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie; Medienpsychologie; Sportpsychologie

»Wer Psychologie studieren will, muss sich darauf einstellen, wochenlang nur zu lernen. In den ersten Semestern lernten wir zum Teil ganze Skripte und Studien Wort für Wort auswendig, in den anstrengenden Klausuren-Phasen schrieben wir fünf bis sechs Prüfungen in zwei Wochen. Aber mit der Zeit wird es besser und auch interaktiver. Man hat mehr Seminare, schreibt Hausarbeiten oder hält Präsentationen.

Im Psychologiestudium gibt es einen starken Leistungsdruck, weil viele Master-Studiengänge ebenfalls einen hohen NC haben. Und ein Psychologie-Bachelor bringt nicht besonders viel, man braucht den Master – vor allem, wenn man die Psychotherapeuten-Ausbildung machen möchte.«

»Trotzdem bedeutet eine 3,0 in einer Klausur keinesfalls das Ende des Studiums. Vor allem sollte man sich klarmachen, dass man nicht in Regelstudienzeit fertig werden muss. Ich habe mein Studium auch um zwei Semester verlängert, so hatte ich mehr Zeit und Ruhe zum Lernen. Wichtig ist, dass man ehrlich zu sich ist. Wenn man merkt: Ich schaffe diese Prüfungsphase nicht, sollte man sich das eingestehen und die Klausuren in spätere Semester schieben.«

Reform der Psychotherapeuten-Ausbildung

Zum 1. September 2020 wurde die Psychotherapeuten-Ausbildung neu geregelt. Angehende Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten erhalten künftig bereits nach dem Master ihre Approbation, also die staatliche Zulassung. Bislang war das erst nach einer mindestens dreijährigen, oft nur gering bezahlten oder sogar kostenpflichtigen, Ausbildung der Fall.

Die Universitäten müssen dafür ihre Studiengänge umstellen: Der Psychologie-Bachelor wird reformiert, um der Approbationsordnung zu entsprechen. Wer Psychotherapeutin oder Psychotherapeut werden möchte, muss daran einen Master in Klinischer Psychologie und Psychotherapie anhängen sowie eine fünfjährige Weiterbildung. Diese wird allerdings deutlich besser bezahlt.

Mehr Informationen zur Reform und welche Auswirkungen sie auf das Studium hat, gibt es hier .

Berufsaussichten nach dem Studium

»Ich bin damals mit dem Wunsch ins Studium gestartet, mich auf Klinische Psychologie zu spezialisieren und später auch die Psychotherapeuten-Ausbildung zu machen. Daran hat sich seitdem nichts geändert. Im Bachelor habe ich nicht nur meinen Schwerpunkt darauf gelegt, sondern auch ein Forschungspraktikum in der Abteilung ›Klinische Psychologie‹ an unserer Uni gemacht; im Master möchte ich mich jetzt weiter darauf spezialisieren. Jeder Mensch kann in seinem Leben eine Krise durchmachen, da ist es wichtig, diese Patienten professionell zu begleiten und zu unterstützen.

Branchen und Gehälter:

Wer nach dem Abschluss als Psychotherapeutin oder Psychotherapeut arbeiten möchte, muss eine entsprechende Zusatzausbildung anhängen. Aber auch darüber hinaus sind die Berufsmöglichkeiten vielfältig: In der freien Wirtschaft können Psychologinnen und Psychologen etwa im Bereich Personalentwicklung oder Marktforschung arbeiten. Oder sie bleiben in der Wissenschaft und erforschen beispielsweise, wie Menschen mit Maschinen interagieren.

Berufseinsteiger verdienen laut StepStone-Gehaltsreport  im Schnitt 42.876 Euro im Jahr. Besonders gut sind die Verdienstchancen im Bereich IT mit 44.981 Euro.

Auch viele meiner Kommilitoninnen und Kommilitonen haben das Studium mit dem Berufswunsch des Therapeuten begonnen, dann aber gesehen, dass das Fach viel breiter gefächert ist als gedacht. Wir können in Ulm beispielsweise das Feld der Arbeits- und Organisationspsychologie wählen. Einige schwenken darauf um, um später im Bereich Personalentwicklung zu arbeiten.«