Streitthema Sauberkeit Die vier Voraussetzungen für den perfekten Putzplan

Fast alle WGs haben ihn, in den seltensten Fällen funktioniert er. Ein Aufräumcoach verrät, wie man eine Regelung findet, die alle zufriedenstellt – und warum alles mit einer Party anfangen sollte.
Wer macht was? Und kann es vielleicht sogar Spaß machen, einen Putzplan aufzustellen? (Symbolbild)

Wer macht was? Und kann es vielleicht sogar Spaß machen, einen Putzplan aufzustellen? (Symbolbild)

Foto: Maskot / Getty Images

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Wohngemeinschaften haben viele Vorteile. Wer mit anderen eine Wohnung oder ein Haus teilt, kann Miete sparen, Lebensmittel schnorren und (fast) immer jemanden zum Reden finden. Doch egal, wie harmonisch eine WG ist, bei einem Thema gibt es häufig Konflikte: Sauberkeit . Denn was für den einen Bewohner ein Saustall ist, findet seine Mitbewohnerin vielleicht »gemütlich«. Und wenn Ersterer Letzterer ständig hinterherputzt, führt das früher oder später unweigerlich zu Streit.

Die Lösung ist oft: ein Putzplan. Doch auch die helfen in vielen Fällen nicht – und hängen irgendwann nur noch als ständige Ermahnung an der Küchenwand, dass man das Thema ja eigentlich angehen wollte.

Rita Schilke weiß, wie man es richtig macht. Sie ist Aufräum- und Ordnungscoach  und sagt: »Ein Putzplan kann nur funktionieren, wenn die Rahmenbedingungen stimmen.« Hier erklärt sie, welche das sind.

Erste Voraussetzung: Die Grundordnung

Es gibt wenig, was beim Putzen derart demotiviert wie eine völlig zugemüllte Wohnung. Denn wie soll man den Boden wischen, wenn man ihn nicht einmal sehen kann? Aufräumexpertin Schilke rät WGs deshalb, als Allererstes ein gewisses Maß an Ordnung in den gemeinsam genutzten Räumen zu schaffen.

Um dem Vorhaben einen Fun-Faktor zu verleihen, schlägt sie eine gemeinsame »Aufräum-Party« vor – allerdings eher nach dem Prinzip: Aufräumen  first, Party second, also nicht direkt mit Shots starten. Ablaufen könnte das so:

  • Alle Bewohner:innen sichten, was in den Gemeinschaftsräumen an Gegenständen herumfliegt: Tuben oder Fläschchen in der Dusche und über dem Waschbecken, Lebensmittel oder Tupperdosen in der Küche, Regenschirme oder Jutebeutel im Flur. Die zentrale Frage: Was davon benutzt wirklich noch jemand?

  • Alles, was nicht mehr genutzt wird (oder gar kaputt ist), wird aussortiert. »Entweder wandert es direkt in den Müll oder auf einen Stapel zum Verschenken, Spenden oder Verkaufen«, so Schilke.

  • Alles, was bleiben darf, wird wieder eingeräumt. »Und zwar so, dass man die Gegenstände zur Hand hat, wenn man sie braucht«, mahnt die Aufräumexpertin. Den Pfannenwender also direkt neben den Herd, und den Schuhanzieher neben das Schuhregal.

  • Wichtig dabei: Schränke und Schubladen sollten niemals restlos vollgestopft werden, sondern zu maximal 80 Prozent gefüllt sein. »Nur so kann man sie sinnvoll benutzen, putzen und aufräumen«, sagt Schilke.

  • Ist das erledigt, folgt der spaßige Teil. Schilke schlägt ein gemeinsames Abendessen oder einen Ausflug zur Eisdiele vor, auch ein gemeinsames Bier dürfte den Zweck erfüllen.

Zweite Voraussetzung: Gemeinsame Ziele – individuelle Vorlieben

Auch dieser Schritt erfordert, dass sich die komplette WG versammelt. Dieses Mal wird jedoch nicht ausgemistet, sondern ausdiskutiert. Denn um einen Putzplan zu erstellen, an den sich alle halten, müssten dahinter Ziele stehen, auf die sich alle einigen können, sagt Schilke. Und da ist nun einmal jede WG anders. Deshalb sollten die Mitbewohner:innen im Gespräch einen kleinsten gemeinsamen Nenner für folgende Fragen finden:

  • Wie sauber und aufgeräumt muss die Wohnung sein?

  • Welche Bereiche sind besonders wichtig?

  • Welche Aufgaben müssen auf jeden Fall regelmäßig erledigt werden?

Außerdem solle man über persönliche Vorlieben sprechen, rät die Aufräumexpertin. Ein Putzplan sei vielleicht gerecht, wenn alle Bewohner:innen im Wechsel das Gleiche tun – effektiver sei er jedoch, wenn alle das tun dürfen, was sie gern machen. »Manch einer räumt gern die Spülmaschine ein und aus, aber hasst es, Wäsche aufzuhängen«, sagt Schilke. Solche Vorlieben und Abneigungen sollten in den Putzplan eingehen. Wichtig sei allerdings, dass der zeitliche Aufwand für die Aufgaben vergleichbar ist.

Dritte Voraussetzung: Klare Zuständigkeiten

Nun werden die jeweiligen Aufgaben und Zeitintervalle schriftlich fixiert. Das kann auf einem Zettel sein, auf einer Pinnwand oder in einer geteilten Excel-Tabelle. »Doch egal, wie der Putzplan gestaltet ist: Es muss klar aus ihm hervorgehen, wer wann wofür zuständig ist«, sagt Schilke.

  • Statt einfach nur »Bad« schreibt man in die entsprechende Spalte also konkret, was die Aufgabe beinhaltet, etwa: »Klo putzen, Waschbecken putzen, Haarsieb leeren«.

  • Und statt Kalenderwochen oder gar Monaten benennt man lieber konkrete Daten – dann muss erst gar niemand die Diskussion anfangen, ob eine Woche nun eigentlich am Freitag oder am Sonntag endet.

Vierte Voraussetzung: Qualitätskontrolle

Auch der tollste Plan nützt natürlich nichts, wenn er an der Realität scheitert. Aufräumexpertin Schilke rät deshalb, spätestens nach einem halben Jahr zu überprüfen, ob der Putzplan wirklich funktioniert: »Dazu setzen sich wieder alle Mitbewohner:innen zusammen und besprechen, wie zufrieden oder unzufrieden sie sind.« Ist der Spülmaschinendienst vielleicht doch mehr Arbeit als gedacht? Sollte der Bad-Zuständige zusätzlich noch das Klopapier besorgen? Mit diesen Erkenntnissen kann der Plan noch einmal angepasst werden – und ist somit endlich perfekt.

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