Arbeitsrecht Was Praktikanten wissen müssen

Ein Praktikum ist oft der erste Kontakt zur Arbeitswelt. Doch wie funktioniert die? Welche Regeln gibt es für Urlaub, Kündigung und Versicherung? Antworten auf die wichtigsten Fragen.
Ein Praktikum kann eine bereichernde Erfahrung sein – wenn man seine Rechte und Pflichten kennt

Ein Praktikum kann eine bereichernde Erfahrung sein – wenn man seine Rechte und Pflichten kennt

Foto: Willie B. Thomas / Getty Images

Welche Praktika gibt es?

Praktikum ist nicht gleich Praktikum – das gilt für Inhalte und Aufgaben, klar, aber auch für die Rechte von Praktikant:innen. Sie unterscheiden sich, je nachdem, ob ein Praktikum freiwillig abgeleistet wird oder verpflichtend ist.

Pflichtpraktika gehören zum Studium, genau wie die Botanikvorlesung oder die Statistikklausur. Oder wie Valentin Dietrich von der Jugendabteilung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) sagt: »Pflichtpraktika muss ich machen, um mein Studium beenden zu können.« Deshalb stehen sie etwa in der Studien- oder Prüfungsordnung. Dort ist auch festlegt, wie lange das Praktikum dauern sollte und in welchen Bereichen es absolviert werden kann.

Daneben gibt es freiwillige Praktika. Das können Orientierungspraktika vor dem Studium sein oder studienbegleitende Praktika während der Semesterferien. Sie sind unabhängig vom Studium und werden nicht als Prüfungsleistung angerechnet.

Bekomme ich für das Praktikum Mindestlohn?

Die Bezahlung ist einer der wesentlichen Unterschiede zwischen freiwilligen und Pflichtpraktika. Pflichtpraktikant:innen müssen nämlich nicht bezahlt werden. Zudem sind sie vom Mindestlohn ausgenommen .

Anders sieht es bei einem freiwilligen Praktikum während des Studiums aus. Rechtlich haben Praktikant:innen währenddessen Anspruch auf Mindestlohn  – allerdings nur, wenn das Praktikum länger als drei Monate dauert und sie älter als 18 Jahre sind.

Trotz dieser Regeln gehen die meisten Praktikant:innen aber nicht leer aus: Laut einer Umfrage im Auftrag der Unternehmensberatung Clevis wurden im Jahr 2020 etwa 92 Prozent der Praktika bezahlt. Das Durchschnittsgehalt lag demnach bei rund 1067 Euro. 58 Prozent der Befragten absolvierten ein Pflichtpraktikum, 42 Prozent ein freiwilliges Praktikum.

Wichtig für alle, die Bafög bekommen: Bei einem bezahlten Pflichtpraktikum wird das Gehalt in voller Höhe auf den Auszahlungsbetrag angerechnet.

Wie lange sollte das Praktikum dauern?

Bei einem Pflichtpraktikum steht die Dauer in der jeweiligen Studien- oder Prüfungsordnung. An der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel müssen es bei Studierenden der Geistes- und Sozialwissenschaften zum Beispiel mindestens sechs Wochen sein. Acht seien die Grenze, sagt Katrin Schmidtke, zuständig für die Praktikant:innen dieses Fachbereichs.

Valentin Dietrich von der DGB-Jugend rät zu maximal drei Monaten. Bei längeren Praktika stehe der Charakter als Lernverhältnis in Zweifel, sagt er. Tatsächlich dauern Praktika aber oft wesentlich länger – bei den Befragten der Clevis-Untersuchung durchschnittlich fünf Monate.

Sind Überstunden erlaubt?

Auch im Praktikum sind Überstunden mal erlaubt. Allerdings darf die durchschnittliche Arbeitszeit nicht mehr als acht Stunden pro Tag betragen. Und laut Arbeitszeitgesetz  dürfen auch Praktikant:innen nicht mehr als zehn Stunden täglich arbeiten. Für Praktikant:innen unter 18 Jahren gilt das Jugendarbeitsschutzgesetz .

Bin ich im Praktikum sozialversichert?

Zu den Sozialversicherungen gehören die Kranken-, Pflege-, Unfall-, Renten- und Arbeitslosenversicherung.

Pflichtpraktika sind versicherungsfrei – egal wie lange das Praktikum dauert und egal wie hoch Gehalt und Wochenarbeitszeit sind. Allerdings müssen Pflichtpraktikant:innen sich weiterhin selbst krankenversichern, zum Beispiel als Student:in oder über die Familienversicherung. Auch Praktika vor oder nach dem Studium ohne Entgelt sind sozialversicherungsfrei, solange sie nicht länger als drei Monate dauern.

Ein freiwilliges Praktikum während des Studiums ist dann versicherungsfrei, wenn es maximal drei Monate dauert und mit monatlich maximal 450 Euro vergütet wird. Dann gilt es nämlich als Minijob, und der Arbeitgeber zahlt für gesetzlich Versicherte einen Pauschalbeitrag. Weil es viele Einzelfälle gibt, sollte man sich vor Praktikumsbeginn aber genau informieren.

Bekomme ich bei einem Auslandspraktikum Bafög?

Bei einem Pflichtpraktikum im Ausland bekommt jede:r Auslands-Bafög, der auch in Deutschland Bafög-berechtigt ist. Wichtig: Auslands-Bafög gibt es nur, wenn das Praktikum mindestens zwölf Wochen dauert – und nicht länger als ein Jahr.

Aber auch wenn man im Inland kein Bafög bekommt, lohnt es sich oft, Auslands-Bafög zu beantragen. So sagt Valentin Dietrich von der DGB-Jugend: »Das können teilweise Leute bekommen, die im Inland kein Bafög erhalten.«

Bei freiwilligen Praktika im Ausland gibt es dagegen kein Bafög. Einzige Ausnahme: Das Inlands-Bafög wird weitergezahlt, wenn das freiwillige Praktikum in den Semesterferien oder in Teilzeit gemacht wird.

Kann ich gleichzeitig Bafög und Praktikumsgehalt bekommen?

Bei einem Pflichtpraktikum gibt es weiter Bafög. Allerdings ist die Höhe des Gehalts wichtig: »Denn die Praktikumsvergütung wird auf die Bafög-Förderung angerechnet«, sagt Stefanie Vahlenkamp, Abteilungsleiterin im Bafög-Amt in Oldenburg.

Freiwillige Praktika können weiter gefördert werden, sofern sie das Studium nicht beeinträchtigen. Deshalb sind Praktika in Vollzeit nur während der Semesterferien erlaubt – Praktika in Teilzeit auch während des Studiums. Liegt das Gehalt über 450 Euro, wird es wie bei einem Nebenjob angerechnet.

Wie viele Urlaubstage habe ich?

Freiwillige Praktika gelten als normale Arbeitsverhältnisse, Praktikant:innen haben deshalb ein Recht auf Urlaub. Bei einer Sechstagewoche sind es 24 Urlaubstage pro Jahr, bei einer Fünftagewoche 20. Dauert das Praktikum sechs Monate oder weniger, berechnen sich die Urlaubstage entsprechend anteilig.

Pflichtpraktikant:innen haben dagegen keinen Anspruch auf Urlaub.

Darf ich ein Praktikumszeugnis verlangen?

Jede:r Praktikant:in kann nach Ende des Praktikums ein Zeugnis anfordern. Wie ausführlich das sein muss, hängt von der Art des Praktikums ab. Freiwillige Praktikant:innen etwa haben das Recht auf ein sogenanntes qualifiziertes Zeugnis. Darin steht, wie die Leistung und das Verhalten während des Praktikums bewertet werden.

Für Pflichtpraktikant:innen dagegen ist ein einfaches Praktikumszeugnis Pflicht. In diesem sind Art und Dauer des Praktikums vermerkt. Meistens schreiben die Arbeitgeber:innen aber auch für Pflichtpraktikant:innen ein qualifiziertes Zeugnis.

Ein Zeugnis ausstellen lassen sollte sich jede:r, sagt Katrin Schmidtke von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. »Ein Praktikum ist eine erste Visitenkarte für praktische Erfahrungen.« Umso besser könne man später in Bewerbungen nachweisen, was man draufhabe.

Kann ich mein Praktikum kündigen?

Wenn alles schiefläuft, kann man auch als Praktikant:in kündigen, ja. In der Probezeit gibt es dafür keine Frist. Ist die Probezeit vorbei, gibt es festgelegte Zeiten. Wie lange die sind, steht im Praktikumsvertrag. Auch für den Arbeitgeber gelten diese Regeln.

Muss ich jeden Tag Kaffee kochen?

Es gibt kein Gesetz, das Kaffeekochen im Praktikum verbietet, erklärt der Arbeitsrechtsanwalt Martin Bechert. Doch im Praktikum gehe es darum, etwas zu lernen. Mal Kaffee zu kochen sei in Ordnung, solange die eigentlichen Arbeitsfelder kennengelernt würden.

Bei Problemen also am besten erst die Praktikumsbetreuerin ansprechen. Und wenn sich gar nichts ändert, gibt es im Zweifel ja die Möglichkeit, das Praktikum zu kündigen.

Korrekturhinweis: In einer früheren Fassung dieses Textes stand, der Urlaubsanspruch belaufe sich bei einer Fünftagewoche auf 24 Urlaubstage pro Jahr, es sind aber nur 20. Der Wert von 24 Urlaubstagen bezieht sich auf eine Sechstagewoche. Wir haben die Stelle entsprechend korrigiert.

aba/dpa

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