Ciao Versorgungslücke! Rentenbeiträge nachzahlen für Ausbildung oder Studium – lohnt sich das?

Wer lange studiert, steigt später ins Berufsleben ein – und bekommt an dessen Ende womöglich weniger Rente. Freiwillige Nachzahlungen können die Lücke schließen. Wir erklären, wann man sich kümmern sollte.
Lohnt es sich, Rentenbeiträge fürs Studium nachzuzahlen?

Lohnt es sich, Rentenbeiträge fürs Studium nachzuzahlen?

Foto: damircudic / Getty Images

Was ist überhaupt das Problem?

Ein paar Semester Medizin studiert, abgebrochen, dann ein Bachelor in Geografie, Regelstudienzeit gerissen, danach noch den Master angehängt: Das Studium dauert schnell länger als geplant. Und das kann Folgen für die Rente haben. Wann man in Rente gehen kann und wie viel Geld man dann ausgezahlt bekommt, hängt nämlich davon ab, wie lange und wie viel man in die Rentenversicherung einzahlt. Also auch davon, wie viele Jahre man arbeitet.

Es solle aber niemandem »auf die Füße fallen«, wenn er oder sie aus irgendwelchen Gründen länger für die Ausbildung gebraucht hat, sagt Katja Braubach von der Deutschen Rentenversicherung. Deshalb kann man für Ausbildungs- und Studienzeiten mitunter freiwillig Beiträge nachzahlen. Daten der Deutschen Rentenversicherung zufolge nutzten 2019 insgesamt rund 2500 Versicherte diese Möglichkeit.

Wer kann Rentenbeiträge nachzahlen?

Nachzahlen kann man prinzipiell nur für Jahre, die nicht sowieso schon für die Rente zählen. Das sind gar nicht so viele. Denn ab dem 17. Geburtstag werden bis zu acht Jahre Ausbildungszeit pauschal angerechnet , ohne dass man dafür Beiträge zahlen muss. Dabei ist es egal, ob zum Beispiel ein Studium beendet wurde oder nicht.

Freiwillig nachzahlen kann also nur, wer nach dem 17. Geburtstag noch mehr als acht Jahre in Schule, Studium und/oder eine schulische Ausbildung investiert hat. Auch für den Besuch einer Schule, Fach- oder Hochschule sowie für die Teilnahme an einer berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme zwischen dem 16. und 17. Lebensjahr sind Nachzahlungen möglich.

Bis wann kann ich nachzahlen?

Wer für längere Ausbildungszeiten freiwillig Beiträge nachzahlen möchte, hat dafür bis zum 45. Geburtstag Zeit – bis dahin muss der Antrag bei der Deutschen Rentenversicherung eingegangen sein. Das geht mit dem Formular V0080, das auf der Webseite zum Download bereitsteht. Als Nachweise reichen das Abschlusszeugnis oder Immatrikulationsbescheinigungen, sagt Braubach.

Was bringen Nachzahlungen?

Ob sich Nachzahlungen wirklich lohnen, ist nicht leicht zu beurteilen. Wie alt man wird, kann schließlich niemand vorhersagen. Auch nicht, ob sich das Rentenalter in den nächsten Jahrzehnten noch ändert. Ein paar Fragen aber können bei der Entscheidung helfen: Erreiche ich durch mein langes Studium noch die Mindestversicherungszeiten? Möchte ich später womöglich früher in Rente gehen? Oder möchte ich eine höhere Rente ausgezahlt bekommen?

  • Mindestversicherungszeiten, auch Wartezeiten genannt: Um Leistungen von der Deutschen Rentenversicherung zu bekommen, muss man eine bestimmte Anzahl von Jahren in die Rentenversicherung eingezahlt haben. Für die sogenannte Regelaltersrente liegt die Mindestversicherungszeit bei nur fünf Jahren . Je nachdem, wie lange man in die Rentenversicherung einzahlt, kann man sich aber möglicherweise einen früheren Rentenbeginn erkaufen.

  • Früher in Rente: Wer 35 Jahre lang in die Rentenversicherung einzahlt, kann früher in Rente gehen – allerdings werden die Bezüge dann gekürzt. Der offizielle Begriff: Altersrente für langjährig Versicherte . Will man ohne Kürzungen früher in Rente gehen, muss man Beitragszeiten von 45 Jahren nachweisen. Dann spricht man von der Altersrente für besonders langjährig Versicherte. Vorsicht: Hier zählen die freiwilligen Beiträge nur, wenn man mindestens 18 Jahre lang Pflichtbeiträge gezahlt hat.

  • Höhere Rente: Freiwillige Beiträge haben auch Auswirkungen auf die Höhe der Rentenzahlungen. Hier gilt die Regel: Je mehr eingezahlt wird, desto höher ist später die Rente.

Auch wenn letztlich niemand vorhersagen kann, wie das Leben im Rentenalter aussieht: Einige Jahre nach dem Berufseinstieg kann man vermutlich abschätzen, ob der spätere Jobeinstieg Rente kosten oder die Mindestversicherungszeiten für einen früheren Rentenbeginn unterschritten werden. In diesen Fällen kann sich eine freiwillige Nachzahlung lohnen.

Wie viel kann man nachzahlen?

Es gibt einen Mindest- und einen Höchstbeitrag für freiwillige Nachzahlungen. Zurzeit liegen die pro Monat bei 83,70 Euro beziehungsweise 1320,60 Euro. Wie viel man nachzahlen sollte, hängt auch von den Motiven ab: Geht es darum, die Wartezeiten zu verkürzen, genügen womöglich die Mindestbeiträge. Soll die spätere Rente erhöht werden, dann können auch höhere Beiträge sinnvoll sein.

Gut zu wissen: Die Deutsche Rentenversicherung berät kostenlos und stellt mitunter auch eine Probeberechnung auf.

Was ist mit Nebenjobs?

Im Café um die Ecke kellnern oder Nachhilfe geben: Viele Studierende arbeiten neben dem Studium und zahlen je nach Art des Nebenjobs bereits Beiträge in die Rentenversicherung ein. Davon kann man sich aber unter Umständen befreien lassen.

Wenn nun sowieso acht Jahre Studienzeit angerechnet werden, bringt es dann überhaupt noch etwas, Rentenversicherungsbeiträge für Nebenjobs zu zahlen? »Ja, es lohnt sich trotzdem, etwa im Minijob schon zu zahlen«, sagt Braubach. Dass pauschal acht Jahre angerechnet werden, hat nämlich nur Auswirkungen auf die Mindestversicherungszeit – nicht auf die Rentenhöhe. Zahlt man aber schon für einen Nebenjob Beiträge, dann gibt es am Ende mehr Geld. Und die Beiträge zählen beispielsweise auch für die Erwerbsminderungsrente.

aba/sos/dpa
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