Erst scharf anbraten, dann in etwas Brühe garen: Weil der Spitzkohl noch intakt ist, hat er mehr Biss und wird nicht zerkocht

Erst scharf anbraten, dann in etwas Brühe garen: Weil der Spitzkohl noch intakt ist, hat er mehr Biss und wird nicht zerkocht

Foto: Sebastian Maas / DER SPIEGEL

Kochen ohne Kohle Sündiges Kartoffel-Käse-Püree mit Spitzkohl – für 1,75 Euro

Die kalte Jahreszeit weckt in Ihnen das Bedürfnis nach kalorienreicher Wohlfühlküche? Mit diesem Kartoffelpüree (und knusprigen Toppings) kommen Sie gut durch den Winter. Im besten Fall nicht allein.
Eine Kolumne von Sebastian Maas

In jedem und jeder von uns steckt ein Höhlenmensch. Und damit meine ich nicht, dass wir uns alle nicht benehmen können und unanständig grunzen möchten, wenn ein attraktiver Mensch an uns vorbeiläuft. Sondern, dass wir alle nicht so richtig dafür gemacht sind, in der dunklen Jahreszeit GENAUSO VIEL zu arbeiten wie im Frühling und Sommer, wenn Licht und Hormone uns um sechs Uhr (fast) von allein aus dem Bett springen lassen.

Im Winter hingegen führt ein Überschuss an Melatonin schon nachmittags zu schlechter Laune: Draußen wird es dunkel und trotzdem muss man noch drei weitere Stunden im Büro ackern. Dabei will man doch einfach nur zu Hause sitzen und in Ruhe ins Feuer schauen. Oder auf den Fernseher, das ist ja quasi dasselbe.

»Kochen ohne Kohle«

Bafög oder Azubi-Gehalt sind schon wieder fast aufgebraucht? Der Obstkorb beim unbezahlten Agenturpraktikum war geräubert? Und bitte nicht schon wieder Pizza-Toast? Alles kein Problem: In dieser Kolumne zeigt SPIEGEL-Redakteur und Hobbykoch Sebastian Maas, wie man trotz Flaute auf dem Konto leckere und besondere Gerichte zaubern kann. Dabei gibt es nur zwei Regeln:

  • Eine Portion darf maximal so viel kosten wie ein Essen in der Mensa, also 3 Euro.

  • Teure Spezialgeräte sind tabu.

Alle Rezepte

Und nicht nur das: In der modernen Welt ist Winterspeck ein Schönheitsmakel, der auf Tinder und Co. die Chancen zur Fortpflanzung beeinträchtigen kann. Evolutionär gesehen ist er allerdings ein Vorsprung in Sachen Durchhaltevermögen, falls in der Höhle mal das Feuerholz ausgeht.

Wir pfeifen diese Woche deshalb auf Abnehmtipps, aktivieren unseren inneren Höhlenmenschen und genehmigen uns ein herzhaft-füllendes Wintergericht. Star der Show ist geschmorter Spitzkohl, der auf cremiges Kartoffelpüree gebettet wird. Das Püree machen wir natürlich selbst, mithilfe einer üppigen Menge Sahne und etwas Butter wird es glatt und seidig. Ach ja, Käse ist auch noch drin, einfach, weil es geht. Getoppt wird dieser Albtraum jeder Personenwaage mit gebratenen Zwiebeln und kurz in der Pfanne frittierten Kapern.

Und ja, ich sehe die E-Mails mit dem Betreff »Ich mag aber keine Kapern 😭« schon ins Postfach flattern. Das höre ich immer wieder von erwachsenen Menschen. Obwohl sich über Geschmack nicht streiten lässt, muss ich leider sagen, dass sie damit falschliegen. Mein Verdacht: Wahrscheinlich haben sie Kapern einfach noch nie richtig gegessen. Denn wirklich gut werden sie, wenn man sie in etwas Öl knusprig in der Pfanne frittiert. Jede der kleinen Salzbomben schmeckt dann wie eine auf einen Biss konzentrierte Tüte Kartoffelchips. Und wer mag bitte keine Kartoffelchips ?

Das benötigt man für vier Portionen

Die Kapern sollten lange abtropfen oder mit Küchenkrepp trocken getupft werden, damit die Feuchtigkeit nicht mit dem Bratfett in Streit gerät

Die Kapern sollten lange abtropfen oder mit Küchenkrepp trocken getupft werden, damit die Feuchtigkeit nicht mit dem Bratfett in Streit gerät

Foto: Sebastian Maas / DER SPIEGEL
  • 1 kg Kartoffeln, mehligkochend oder vorwiegend festkochend

  • 1 kleiner Spitzkohl

  • 200 ml Sahne (oder Milch, wenn's sein muss)

  • 75 g Butter

  • 50 g harten Käse, z.B. Cheddar

  • 1 kleines Glas (90 g) Kapern

  • 1-2 kleine rote Zwiebeln

  • 2-3 Knoblauchzehen

  • 200 ml Gemüsebrühe

  • Salz, Pfeffer, Öl

Was kostet das? Insgesamt etwa sieben Euro, also 1,75 Euro pro Portion.
Wie lange dauert das? Ungefähr 40 Minuten.

So einfach macht man das beste Kartoffelpüree mit Spitzkohl-Schnitten

Die Kapern abgießen und gut abtropfen lassen. Die Kartoffeln schälen, vierteln und in Salzwasser etwa 25 Minuten weich kochen. Derweil die Zwiebeln schälen, in Ringe schneiden und in der Pfanne für zehn Minuten auf mittlerer Hitze anbraten. Anschließend herausnehmen und beiseitestellen.

Dann die Kapern mit einem großen Schluck Öl in die Pfanne geben. Etwa fünf Minuten auf hoher Hitze knusprig braten, dabei regelmäßig bewegen – aber Vorsicht, das Fett könnte spritzen! Trotz des Abtropfens sind die Kapern erfahrungsgemäß nämlich sehr feucht, das verträgt sich nicht mit heißem Öl.

Nun den Spitzkohl längs entlang des Strunks halbieren und die Hälften vorsichtig in je vier gleich große Teile schneiden. Mathematiker:innen würden sagen: den Kohlkopf achteln. Die Stücke vorsichtig abspülen, trocken tupfen und dann mit etwas Öl in eine heiße Pfanne (oder Grillpfanne, für Grillstreifen) geben. Für drei bis vier Minuten von jeder Seite anbraten, dann die Brühe zugeben und einen Deckel auflegen. Für rund 20 bis 25 Minuten auf mittlerer Hitze köcheln lassen, nach der Hälfte der Zeit einmal umdrehen. Dabei sehr vorsichtig sein und am besten mit zwei Pfannenwendern arbeiten, damit die Stücke nicht auseinanderfallen.

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Sebastian Maas

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Nun in einem kleinen Topf die Butter schmelzen lassen und mit der Sahne vermengen. Die Mischung gut pfeffern und leicht salzen, außerdem je nach Geschmack ein bis drei Zehen Knoblauch hineinreiben oder -pressen. Das Kartoffelwasser abgießen und die Sahne-Butter-Mischung zu den weichen Kartoffeln in den Topf geben. Gut mit einem Kartoffelstampfer oder einem Handrührgerät auf kleiner Stufe vermengen, bis eine seidig-glatte Masse entstanden ist.

Nun den Käse reiben unter das Püree heben. Noch einmal mit Salz und Pfeffer abschmecken – aber vorsichtig, die Kapern bringen später noch viel Salz mit.

Je mehr Sahne, desto cremig. Diese Regel gilt bei Kartoffelpüree besonders

Je mehr Sahne, desto cremig. Diese Regel gilt bei Kartoffelpüree besonders

Foto: Sebastian Maas / DER SPIEGEL

Das Kartoffelpüree auf einen (idealerweise vorgewärmten) Teller streichen, und die Kohlschnitten darauf drapieren. Mit Zwiebeln und Kapern bestreuen. Zur Abrundung kann noch eine weitere Flocke Butter oder etwas mehr geriebener Käse darauf gegeben werden. Fertig ist der kalorienspendende Herbstschmaus. Vielleicht hilft ein Foto davon auf Tinder ja beim Dating?

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