Kochen ohne Kohle Koreanische Kartoffeln mit Sesam, Honig und Knoblauch – für 1,50 Euro

Süß, salzig und herrlich geschmeidig kommt diese günstige Beilage daher, die heute zum Hauptgericht wird. Und einen Vortrag zu deutscher Kartoffelgeschichte gibts gratis dazu.
Eine Kolumne von Sebastian Maas
Sojasoße und Honig verwandeln sich in kurzer Zeit in eine glänzende Glasur

Sojasoße und Honig verwandeln sich in kurzer Zeit in eine glänzende Glasur

Foto:

Sebastian Maas / DER SPIEGEL

Was ist das Verrückteste daran, dass eines der gängigsten Schimpfworte für Deutsche der Name einer Knolle ist, die erst vor 500 Jahren aus Mittelamerika nach Europa gebracht wurde? Dass dieses Wort absolut keine Beleidigung ist – denn VERDAMMT NOCH MAL: Ich liebe Kartoffeln! Frittiert, gekocht, gebacken, egal. Die Kartoffel ist ein weltweiter Superstar. Wie soll man sich also darüber ärgern, wenn man nach ihr benannt wird?

Alle Rezepte aus »Kochen ohne Kohle«

Bafög oder Azubi-Gehalt sind schon wieder fast aufgebraucht? Der Obstkorb beim unbezahlten Agenturpraktikum war geräubert? Und bitte nicht schon wieder Pizza-Toast? Alles kein Problem: In dieser Kolumne zeigt SPIEGEL-Redakteur und Hobbykoch Sebastian Maas, wie man trotz Flaute auf dem Konto leckere und besondere Gerichte zaubern kann. Dabei gibt es nur zwei Regeln:

  • Eine Portion darf maximal so viel kosten wie ein Essen in der Mensa, also 3 Euro.

  • Teure Spezialgeräte sind tabu.

Fun Fact: Ein Kartoffeln liebender Beamter des Kraftfahrt-Bundesamts (der noch dazu Wirsing mit Nachnamen hieß) stellte in den Neunzigerjahren die gesamte Forschung zur Kartoffel-Kulturgeschichte auf den Kopf, indem er nachwies, dass die Erdäpfel im heutigen Deutschland schon seit Mitte des 17. Jahrhunderts in Massen angebaut werden. Bevor Herr Wirsing die Kartoffelgeschichte unter die Lupe nahm, war man nämlich von der Mitte des 18. Jahrhunderts ausgegangen. Aha!

Wirsing zufolge hat die ersten Kartoffeln im Jahr 1647 ein Bauer in Oberfranken angepflanzt, der die Knollen im heutigen Tschechien von einem Niederländer bekommen hatte. Noch nicht international genug? Dann leite ich jetzt zum heutigen Gericht über. Das kommt nämlich aus Korea – und, Sie ahnen es, Kartoffeln sind die Stars darin!

Dieses Mal werden sie samt Schale in einer geschmeidigen, süß-salzig-herzhaften Soße gegart und glasiert: Gamja Jorim, so der koreanische Name, schmecken wie eine warme Umarmung für die Zunge. Sie sind super einfach zu machen und damit die Belohnung für den ungefragten Geschichtsunterricht, den man als Leser:in dieser Kolumne bis hierher ertragen musste.

Kartoffeln, Sojasoße, Honig, Knoblauch und Sesam – mehr braucht man nicht. Die Freilandeier sind für die Beilage

Kartoffeln, Sojasoße, Honig, Knoblauch und Sesam – mehr braucht man nicht. Die Freilandeier sind für die Beilage

Foto: Sebastian Maas / DER SPIEGEL

Das benötigt man für zwei Portionen:

  • 1 Kilo Drillinge (kleine Kartoffeln mit essbarer Schale)

  • 2 Esslöffel Sesamsaat

  • 3 Zehen Knoblauch

  • 4 Esslöffel Honig

  • 5 Esslöffel Sojasoße

  • 1 Teelöffel Essig

  • 1 Tasse Wasser

  • Dazu: etwas Öl zum Anbraten und optional zwei Spiegeleier

Wie lange dauert das?

Etwa 45 Minuten

Was kostet das?

Je nachdem, wie günstig die Kartoffeln gerade sind, landet man pro Person bei 1 Euro bis 1,50 Euro.

Gamja Jorim: So kocht man koreanische Kartoffeln mit Honig-Sesam-Glasur

Der erste und wichtigste Schritt besteht darin, die Kartoffeln gründlich sauberzumachen. Anders als sonst gibt es heute kein Kochwasser, das später zusammen mit etwas Restsand weggekippt werden kann, denn die Kartoffeln garen in der Soße, in der sie serviert werden. Also spült man die Drillinge gut unter warmem Wasser und bürstet sie gegebenenfalls ab.

Größere Exemplare halbieren, kleinere dürfen ganz bleiben. Nun benötigt man eine Pfanne oder einen Schmortopf, in dem alle Kartoffeln liegend Platz finden und Kontakt zur heißen Fläche haben. Darin brät man sie – ungekocht – für etwa 20 Minuten an. Dabei häufig wenden, sonst brät es nicht, sondern brennt. Wer keine entsprechend große Pfanne hat, kann die Drillinge alternativ für 25 Minuten bei 200 Grad im Ofen rösten.

Regelmäßig wenden, damit alle Seiten Farbe bekommen

Regelmäßig wenden, damit alle Seiten Farbe bekommen

Foto: Sebastian Maas / DER SPIEGEL

Derweil den Knoblauch fein hacken und die Soße vorbereiten. Dazu einfach eine Tasse (etwa 200 Milliliter) warmes Wasser mit vier Esslöffeln Honig, einem Schuss Essig und fünf Esslöffeln Sojasoße verrühren, bis der Honig sich aufgelöst hat.

Ist das geschafft, hat man kaum noch Arbeit vor sich. Sobald alle Kartoffeln eine angenehme Bräunung haben, gibt man die Soße in den Topf (wer im Ofen arbeitet: in die Form) und lässt sie aufkochen. Die Hitze nach zwei Minuten deutlich reduzieren und alles für etwa 15 Minuten sanft köcheln lassen. Dabei nicht abdecken, damit die Flüssigkeit verdampfen kann. Alle fünf Minuten einmal vorsichtig rühren.

Nun den Knoblauch und Sesam hinzugeben und weitere fünf Minuten köcheln lassen. Die Soße soll so sehr reduzieren, dass sie dickflüssig ist und noch etwa fünf bis sechs Esslöffel davon in der Pfanne bleiben. Sollten die Kartoffeln schon gar sein, kann man sie auch herausnehmen, während die Soße noch zwei bis drei Minuten allein köchelt. In den letzten Minuten wird sie sehr dunkel und reichhaltig, genau das möchten wir!

In Südkorea würde man Gamja Jorim zum Beispiel als Beilage zum Barbecue essen oder einfach eine dampfende Schale weißen Reis dazu reichen. Ich brate mir gern Spiegeleier dazu. Dafür braucht man kein Rezept: Die Kunst besteht darin, die Eier in einer beschichteten Pfanne zu braten und überhaupt nicht anzurühren, bis sie unten dunkel und knusprig sind.

Etwas Lauchzwiebelgrün geht immer, ist aber optional

Etwas Lauchzwiebelgrün geht immer, ist aber optional

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Sebastian Maas / DER SPIEGEL

Übrig gebliebene Kartoffeln halten sich im Kühlschrank vier bis fünf Tage – direkt nach dem Kochen schmecken sie aber am besten. Und ich wette: Es bleibt nichts übrig.

Guten Appetit!

PS: Kartoffeldetektiv Wirsing bekam auch das Bundesverdienstkreuz am Bande  verliehen. Im Bundesanzeiger wird nicht erwähnt, ob für seine Kartoffelforschung oder für andere gemüsebasierte Ermittlungen. Und Preußenkönig Friedrich II. verlor nach der Veröffentlichung von Wirsings Arbeit den Ruf als Gründer des deutschen Kartoffelkults. Dem Bauern, der 1647 die erste Knolle auf deutschem Boden eingepflanzt haben soll, wurde im bayerischen Rehau ein Denkmal gesetzt.

Haben Sie das Rezept nachgekocht? Oder kennen Sie tolle Gerichte, die wenig Geld kosten? Schreiben Sie mir – oder schicken Sie mir ein Bild davon. 

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