Kochen ohne Kohle Thailändischer »Mango Sticky Rice« – für 1,70 Euro pro Portion

Seit Rapperin Milli die Süßspeise auf dem Coachella-Festival aß, gilt sie als Kultgericht. Doch kann man sie auch mit Mitteln aus dem deutschen Discounter günstig nachkochen?
Eine Kolumne von Sebastian Maas
Links mit Milchreis, rechts mit thailändischem Klebreis: Welche Variante kommt besser an?

Links mit Milchreis, rechts mit thailändischem Klebreis: Welche Variante kommt besser an?

Foto: Sebastian Maas / DER SPIEGEL

Mit dem Coachella-Festival in den USA ist das so eine Sache. Außer Influencer:innen, Models und YouTube-Stars bekommt fast niemand Tickets – und die machen dort lieber Selfies, als der Musik zu lauschen. Trotzdem (oder gerade deswegen?) gilt das Coachella als DIE Brutstätte für Trends und Hypes. Manchmal nimmt das bizarre Züge an: Weil die Rapperin Milli bei ihrem Auftritt eine Schale »Mango Sticky Rice« gegessen hat, explodiert in Thailand gerade die Nachfrage nach dem Gericht. Obwohl »Sticky Rice« erstens gar nichts Neues ist und zweitens nur aus in Kokosmilch mariniertem Klebreis und Obst besteht! Die thailändische Regierung erwägt sogar, das Streetfood bei der Unesco als Weltkulturerbe vorzuschlagen.

Ich habe »Sticky Rice« mal in einem Kochkurs in Bangkok beigebracht bekommen. Leider hat die Leiterin, eine reizende Kathoey namens »Ice«, den Großteil des Kurses schmutzige Witze gerissen. Und ich? Hab vor Lachen nicht richtig zugehört.

Höchste Zeit also, mir das Gericht noch einmal genauer anzuschauen. Dabei stoße ich direkt auf zwei Hürden. Die erste: thailändischer Klebreis ist außerhalb von Großstädten mit Asia-Märkten schwer zu bekommen. Und anderen Reis zu verwenden, ist in etwa so frevelhaft, wie die Kartoffeln in Bratkartoffeln durch Nudeln zu ersetzen.

Weil ich bei »Kochen ohne Kohle« aber auf Einkäufe im Fachgeschäft verzichten möchte, versuche ich es trotzdem und wage den direkten Vergleich: Bei mir gibt es heute zwei Varianten, eine »richtige« mit gedämpftem Klebreis und eine Eigenkreation mit Milchreis. So ist für jeden Geldbeutel und jede Verfügbarkeit etwas dabei. Klebreis-Ultras mögen es mir bitte nachsehen.

Kochen ohne Kohle

Bafög oder Azubi-Gehalt sind schon wieder fast aufgebraucht? Der Obstkorb beim unbezahlten Agentur-Praktikum war geräubert? Und bitte nicht schon wieder Pizza-Toast? Alles kein Problem: In dieser Kolumne zeigt SPIEGEL-Redakteur und Hobbykoch Sebastian Maas, wie man trotz Flaute auf dem Konto leckere und besondere Gerichte zaubern kann. Dabei gibt es nur zwei Regeln:

  • Eine Portion darf maximal so viel kosten wie ein Essen in der Mensa, also 3 Euro.

  • Teure Spezialgeräte sind tabu.

Die zweite Hürde: Mangos aus dem deutschen Supermarkt wurden meist unreif geerntet, wochenlang gekühlt im Containerschiff transportiert und später künstlich nachgereift. Sie schmecken oft weniger intensiv und süß als die in Thailand. Mit ein wenig Glück kann man aber auch hierzulande sehr leckere Früchte bekommen. Eine gute Mango erkennt man daran, dass sie nicht steinhart ist, sondern leicht nachgibt, wenn man sie eindrückt – und stark süß riecht. Die Farbe hingegen sagt herzlich wenig über den Reifegrad aus, weil sie auch von der Sorte abhängt.

Wer nur unreife Mangos bekommt, kann sie zu Hause neben ein paar Äpfeln in zwei bis drei Tagen ausreifen lassen. Und wer gar keine bekommt, verwendet anderes Obst – auch wenn das weiter weg ist vom Original.

Das benötigt man für zwei Portionen »Mango Sticky Rice«:

Wenn Mangos gerade zu teuer sind, kann man auch zu Bananen greifen

Wenn Mangos gerade zu teuer sind, kann man auch zu Bananen greifen

Foto: Sebastian Maas / DER SPIEGEL
  • 125 g Milch- oder Klebreis

  • 1 reife Mango

  • 1 Dose Kokosmilch

  • 2 EL Sesamsaat

  • 1 TL Speisestärke oder heller Soßenbinder

  • Etwas Zucker und Salz

  • Optional: ein paar Blätter Minze

Was kostet das?

Für die Milchreisvariante habe ich insgesamt 3,40 Euro bezahlt, also 1,70 Euro pro Portion. Bei der Klebreisvariante lagen die verbrauchten Zutaten bei 3,80 Euro, also 1,90 pro Portion.

Wie lange dauert das?

Knapp 40 Minuten. Besser wird der Reis aber, wenn er mindestens vier Stunden (oder über Nacht) in kaltem Wasser eingeweicht wird.

So macht man »Mango Sticky Rice« selbst

  • Den Reis der Wahl waschen, um den Staub zu entfernen – aber nicht so sehr, dass sämtliche Stärke verschwindet. Alternativ weicht man ihn für mehrere Stunden in kaltem Wasser ein und gießt dieses danach weg. Eingeweichter Reis gart schneller.

  • Den Klebreis in einem großen Topf mit aufgelegtem Deckel circa 25 bis 30 Minuten dämpfen. Das geht auch ohne Bambuskörbchen oder Dämpfaufsatz, dafür einfach ein hitzefestes Sieb in einen Topf legen. Hat das Sieb zu große Löcher, kann man es mit Backpapier auslegen und dieses mit einer Gabel durchlöchern, damit weiterhin Dampf eindringen kann. Den Reis nach den ersten 15 Minuten Kochzeit durch Schütteln wenden.

  • Den Milchreis in etwa der doppelten Menge leicht gesüßtem Wasser dämpfen. Dafür warten, bis das Wasser blubbernd kocht, anschließend die Hitze auf die niedrigste Stufe reduzieren und den Deckel auflegen. Nach rund 20 bis 25 Minuten sollte das Wasser aufgesogen sein. Wer tricksen möchte, kann einen Teelöffel kalt angerührte Speisestärke hinzugeben, um für mehr Klebrigkeit zu sorgen.

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Mango Sticky Rice selbst machen

Foto: Sebastian Maas / DER SPIEGEL
  • Parallel die Marinade vorbereiten. Dafür die Hälfte der Kokosmilch erwärmen und zwei bis drei Esslöffel Zucker sowie eine Prise Salz unterrühren.

  • Ist der Reis gar, vermengt man ihn direkt im Topf oder in einer Schüssel mit der Marinade und lässt diese für 10 bis 15 Minuten einziehen.

  • Nun den Sesam in einer Pfanne ohne Öl rösten, für etwa drei bis vier Minuten. Dabei schwenken, um ein Anbrennen zu verhindern.

  • Für die Soße einen Esslöffel Speisestärke mit kaltem Wasser verrühren und in einen Topf geben, die restliche Kokosmilch kommt dazu. Traditionell wird »Sticky Rice« nicht so süß gegessen wie deutscher Milchreis – auch weil die Mango bereits viel Zucker liefert. Wer mag, süßt die Soße aber nach Belieben stärker. Nun noch etwas erhitzen, um die Soße einzudicken.

  • Die Mango schälen und filetieren. Im Normalfall ist sie nicht gleichmäßig geformt, sondern hat eine breitere und eine schmalere Seite. Die breitere Seite zeigt, wo der Kern liegt. Um ihm auszuweichen, setzt man das Messer daher am besten auf der schmalen Seite an. Hier  sieht man das in Bewegung.

  • Die Filets in feine Streifen schneiden. Wer die Mango nicht geschält hat, ritzt die Filets kreuzförmig ein und kehrt das Innere der Mango nach außen. Dafür einfach die Schale in die Frucht drücken. Wenn die Mango reif ist, lassen sich die so entstandenen Würfel leicht ablösen.

  • Hat der Reis die süße Marinade aufgesaugt, darf serviert werden. Dafür den Reis in eine kleine Schale oder Tasse geben und anschließend auf einen Teller stürzen. Die Mango obendrauf drapieren, die warme Soße darüber oder daneben geben.

  • Zuletzt Sesam und Minze über dem Gericht verteilen – und reinhauen.

Oben aus Milchreis, unten aus Klebreis: Optisch und geschmacklich beides eine Wucht. Nur an die toll-klebrige Textur kommt der Milchreis nicht heran.

Oben aus Milchreis, unten aus Klebreis: Optisch und geschmacklich beides eine Wucht. Nur an die toll-klebrige Textur kommt der Milchreis nicht heran.

Foto: Sebastian Maas / DER SPIEGEL

Und was schmeckt nun besser, die echte Variante mit Klebreis – oder die nachgemachte mit Milchreis? Ich habe meiner Frau beide Varianten zur Blindverkostung gegeben. Sie war damals mit mir in Bangkok und kennt das Originalgericht. Ihr Urteil? Die Milchreisvariante hat ihr etwas besser geschmeckt – einfach weil sie süßer war.

Von der Textur kommt der Milchreis aber nicht an den Klebreis heran. Den hätte man mit der Hand essen können, so »sticky« wurde er. Verständlich: Aus Nudeln werden ja am Ende auch keine Bratkartoffeln, egal wie viel man trickst. Doch solange es am Ende schmeckt, ist das vielleicht egal.

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