Kochen ohne Kohle Gerösteter Blumenkohl für 1,80 Euro

Bloß weil Schmalhans Küchenmeister ist, muss man nicht immer dasselbe essen. In dieser Kolumne zeigen wir einfache und vor allem günstige Gerichte. Dieses Mal: gelb-goldener Blumenkohl gegen graue Herbsttage.
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Sebastian Maas / DER SPIEGEL

Wie wahrscheinlich viele deutsche Kinder wuchs ich mit der klassischen Vier-Komponenten-Küche auf: Bei Oma zu Hause bestanden die meisten Gerichte aus Fleisch, Kartoffeln, Soße – und einem Gemüse, das so grau gekocht worden war wie ein Herbsttag in Hamburg. Nun ist diese kulinarische Tradition ja aber ziemlich traurig. Denn zum einen wird das Gemüse ohne Gnade und Verstand zum Nebendarsteller degradiert. Und zum anderen verliert es auch noch seinen Geschmack und einen Großteil seiner Nährstoffe. Dass es auch anders (soll heißen: leckerer) geht, hätte ich gerne früher gelernt – dann hätte ich als Kind vielleicht auch mehr Gemüse gegessen.

Blumenkohl zum Beispiel. Der wird ja gern in Béchamelsoße ertränkt oder in Aufläufen versteckt, dabei kann man mit ihm die verrücktesten Sachen anstellen. Und anders als bei Blattkohl muss man von Blumenkohl auch nicht wie irre... na ja... man kennt's.

Alle Rezepte aus »Kochen ohne Kohle«

Bafög oder Azubi-Gehalt sind schon wieder fast aufgebraucht? Der Obstkorb beim unbezahlten Agenturpraktikum war geräubert? Und bitte nicht schon wieder Pizza-Toast? Alles kein Problem: In dieser Kolumne zeigt SPIEGEL-Redakteur und Hobbykoch Sebastian Maas, wie man trotz Flaute auf dem Konto leckere und besondere Gerichte zaubern kann. Dabei gibt es nur zwei Regeln:

  • Eine Portion darf maximal so viel kosten wie ein Essen in der Mensa, also 3 Euro.

  • Teure Spezialgeräte sind tabu.

In diesem Gericht wird schnöder Blumenkohl zum bunt leuchtenden Hauptdarsteller. Das ist auch nötig, denn nach der vergangenen Kalorien-Kolumne machen wir heute »Kochen ohne Kohle(hydrate)« und zaubern ein gesundes und leichtes Mittagessen. Eines, das zwar herbstliche Aromen hat, mit viel Farbe und Geschmack aber trotzdem Leben in die dunkle Jahreszeit bringt.

Dafür röste ich den Blumenkohl erst in der Pfanne an, verpasse ihm dann einen gelb-goldenen Kurkuma-Gewürzmantel und schiebe ihn kurz in den Ofen. Serviert wird er, wegen des schönen optischen und geschmacklichen Kontrasts, auf gebackener roter Bete. Und weil bei mir nichts wegkommt, verwerte ich sogar die feinen Blätter des Blumenkohls.

Drei Sorten Gemüse, drei Gewürze – mehr braucht es nicht

Drei Sorten Gemüse, drei Gewürze – mehr braucht es nicht

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Sebastian Maas / DER SPIEGEL

Das braucht man für zwei Portionen:

  • einen Blumenkohl

  • zwei bis drei Rote Beten – ich habe vorgekochte genommen, frische sind auch lecker, brauchen aber länger

  • ein bis zwei Frühlingszwiebeln

  • je einen Teelöffel Zimt, Kurkuma und Kreuzkümmel

  • einen Schuss Honig oder Agavendicksaft

Was kostet das?

Für die frischen Zutaten habe ich beim Discounter zusammen 3,50 Euro bezahlt. Die Gewürze gab es ebenfalls alle dort, ins Gericht kommt etwa der Gegenwert von zehn Cent. Pro Portion liegt man so bei 1,80 Euro.

Wie lange dauert das?

Insgesamt etwa 40 Minuten, aktiv ist man aber nur 20 dabei – der Rest passiert im Ofen.

Wie man Blumenkohl golden röstet

Zuerst den Blumenkohl putzen, die feinen (vor allem hellgrünen und weißen) Blätter in kaltes Wasser legen und beiseitestellen. Den Kohl in gleich große Röschen teilen und diese anschließend halbieren, damit eine glatte Schnittfläche entsteht – auf der wird der Kohl später in der Pfanne gebraten. Zunächst aber den Kohl für zehn Minuten in kaltem Salzwasser ziehen lassen.

In der Zwischenzeit die Roten Beten in etwa eineinhalb Zentimeter dicke Scheiben schneiden und in eine ofenfeste Form legen. Mit etwas Salz und Öl würzen und den Honig (oder Agavendicksaft) darüber verteilen. Den Ofen auf 200 Grad anheizen und die Form mit den Beten auf die unterste Schiene stellen.

Während die Roten Beten backen, den Blumenkohl abtropfen lassen und mit der Schnittfläche nach unten in eine mittelheiße Pfanne geben. Er soll darin etwas rösten und bräunen, aber nicht verbrennen. Dafür den Blumenkohl am besten regelmäßig bewegen und die Bräunung überprüfen. Wenn er nach etwa fünf Minuten genug Farbe bekommen hat, die Herdplatte abstellen.

Wenn der Blumenkohl jetzt so aussieht, hat man alles richtig gemacht

Wenn der Blumenkohl jetzt so aussieht, hat man alles richtig gemacht

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Sebastian Maas / DER SPIEGEL

Das war aber natürlich erst der Anfang, jetzt folgt die Geschmacksexplosion. Selbst mit den wenigen orientalischen Gewürzen, die es beim Discounter gibt, kann man eine Menge anstellen. Dazu nimmt man die Kohlröschen kurz aus der Pfanne und gibt stattdessen Kreuzkümmel, Zimt und Kurkuma mit zwei Löffeln Öl hinein. Der kurze Hitzeschub erweckt selbst alte, im Regal verstaubte Gewürze zum Leben. Jetzt den Blumenkohl wieder in die Pfanne geben und alles schön durchschwenken, bis die Röschen von allen Seiten mit dem leuchtenden Gewürzmantel bedeckt sind.

Wer angeben möchte – und das möchte ich natürlich – kann auch mehrere Chargen machen: einige mit und einige ohne das gelbe Kurkumapulver. Das sorgt für noch mehr Abwechslung auf dem Teller. Egal wie man es macht: Am Ende kommt der bunte Blumenkohl noch für etwa 15 Minuten zur Roten Bete in den Ofen.

Nicht jetzt schon reinbeißen, der Blumenkohl ist noch zu hart!

Nicht jetzt schon reinbeißen, der Blumenkohl ist noch zu hart!

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Sebastian Maas / DER SPIEGEL

Nun sind die beiseitegelegten Kohlblätter an der Reihe. Die Geschmacksbomben (die man aus irgendeinem Grund sonst immer wegwirft) einfach mit etwas Öl für zwei Minuten in die heiße Pfanne legen und am Ende eine Prise Salz darauf geben. Lecker!

Das Gen-Experiment namens »Kohl«

Die restlichen 13 Minuten Wartezeit kann man vor dem Ofen sitzend darauf verwenden, sich über das wahnsinnige Genexperiment namens »Kohl« Gedanken zu machen. Denn was heute im Supermarkt so divers daherkommt, stammt alles von demselben Wildkohl (oder Ur-Kohl) ab : Durch selektive Züchtung begannen Menschen schon vor Tausenden von Jahren damit, mal die Knospe, mal die Blüte, die Blätter oder Stiele groß zu züchten. Die Ergebnisse dieser Arbeit liegen heute als Kohlrabi, Wirsing, Brokkoli oder Rosenkohl im Laden und tun optisch so, als wären sie nicht miteinander verwandt. Und während man über die Mendelschen Gesetze sinniert, brennt im Ofen das Essen an. Tolle Wurst, also schnell raus damit!

Fertig!

Fertig!

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Sebastian Maas / DER SPIEGEL

Ich richte das Gemüse am liebsten farblich sortiert an, das hat aber vielleicht tieferliegende psychologische Gründe, die wir hier nicht diskutieren wollen. Für etwas Frische gebe ich zum Schluss noch das gehackte Frühlingszwiebel-Grün dazu, streue die gerösteten Kohlblätter darüber und serviere.

Spartipp: Was hat gerade Saison?

Wer Geld sparen möchte, sollte nicht den Einkauf dem Rezept anpassen, sondern das Rezept dem Einkauf – und insbesondere einen Blick darauf werfen, was aktuell Saison hat. Denn während ein kleiner Blumenkohl im Sommer gern mal vier Euro kosten kann, gibt es im Herbst riesige Exemplare für 1,50 Euro.

Saisonales Gemüse ist außerdem meist nicht nur günstiger, sondern auch frischer und energiesparender. Schließlich muss es nicht im beheizten Gewächshaus gezogen oder weite Strecken im Kühllaster transportiert werden.

Einen kostenlosen Saisonkalender gibt es bei der Verbraucherzentrale .

Das Basisrezept kann man natürlich nach Lust und Laune erweitern. Bete und Kohl machen sich zum Beispiel gut auf einem grünen Salat und freuen sich dann über ein paar Orangenfilets als Begleitung. Wer ohne Soße nicht leben kann, bastelt dazu ein schnelles Dressing aus zwei Löffeln Joghurt, zwei Löffeln O-Saft und einem Löffel Honig.

In diesem Sinne: Guten Appetit!

Haben Sie das Rezept nachgekocht? Oder kennen Sie tolle Gerichte, die wenig Geld kosten? Schreiben Sie mir – oder schicken Sie mir ein Bild davon .