Tim Reichel

Richtig studieren Drei strategische Fehler im Studium – und wie man sie vermeidet

Tim Reichel
Ein Gastbeitrag von Tim Reichel
Studierende kommen mit den unterschiedlichsten Problemen zu mir. Doch viele lassen sich auf dieselben grundsätzlichen Fehler zurückführen. Und für die gibt es einfache Lösungen.
Warum fällt mir das Studium so schwer? Oft liegt es an den gleichen Fehlern, sagt Kolumnist Tim Reichel. (Symbolbild)

Warum fällt mir das Studium so schwer? Oft liegt es an den gleichen Fehlern, sagt Kolumnist Tim Reichel. (Symbolbild)

Foto: Caspar Benson / fStop / Getty Images

Kennst du diese Phasen im Studium, die du einfach nur überstehen und danach vergessen möchtest? Du versinkst in Arbeit, fühlst dich überfordert, weißt nicht, wo du anfangen sollst.

Manchmal ist Studieren mühsam. Doch: Viele Probleme sind hausgemacht. So wärst du vielleicht am Ende des Semesters nicht so gestresst, wenn du am Anfang nicht so viel entspannt hättest. Seit über acht Jahren arbeite ich als Fachstudienberater und bekomme aus nächster Nähe mit, wie sich Studierende selbst ein Bein stellen. Natürlich machen sie das nicht bewusst. Ihnen hat bloß niemand erklärt, wie man effizient studiert. Deshalb begehen sie strategische Fehler, die ihren Studienerfolg gefährden.

Bachelor of Smarts – die Uni-Kolumne

Gutes Zeitmanagement, die richtige Lernstrategie vor Prüfungen, Tipps für den Einstieg ins digitale Semester: In dieser Kolumne gibt Dr. Tim Reichel Rat zu Herausforderungen im Studium und zeigt, wie Studierende erfolgreich durch den Bachelor kommen – ohne Dauerstress.

Du stehst auch vor einem vermeintlich unlösbaren Problem im Studium oder hast eine Frage an Tim Reichel? Dann schreib uns an SPIEGEL-Start@spiegel.de .

Mit »strategische Fehler« meine ich alle Gewohnheiten – aber auch Nichtgewohnheiten –, die einen langfristigen negativen Einfluss auf dein Studium haben, sich also nicht nur auf ein Semester oder eine Prüfung auswirken. Wenn du ein einziges Mal deine Netflix-Serie schaust, anstatt zu lernen, ist das nicht optimal, aber noch kein strategischer Fehler. Lenkst du dich hingegen systematisch ab und vernachlässigst deine Pflichten, sieht die Sache schon anders aus.

Klar so weit? Dann kommen wir zu drei besonders häufigen strategischen Fehlern.

1. Du planst nicht

Hast du immer einen Plan im Kopf oder bist du jemand, der die Dinge gern auf sich zukommen lässt? Beides ist im Leben völlig okay. Im Studium kann Planlosigkeit allerdings größere Probleme verursachen, als du vielleicht denkst. Das Auslandspraktikum in Südamerika wolltest du längst organisiert haben, aber am Freitag war der letzte Tag zur Anmeldung. Dumm gelaufen? Nein, schlecht geplant!

So vermeidest du diesen Fehler: Sieh dein Studium als langfristiges Projekt. Skizziere dir vor Beginn des Semesters einen groben Studienverlaufsplan  und überlege dir, wie du die kommenden Monate angehen wirst. Dann plane ganz konkret, was du in der aktuellen Woche und am aktuellen Tag erledigen möchtest. Lege mindestens deine wichtigsten Deadlines und To-dos fest. Das gibt dir Halt und Orientierung.

Und falls dein Plan einmal nicht aufgeht? Nicht so schlimm. Es geht nicht darum, einen einzigen Plan zu haben – sondern kontinuierlich und flexibel zu planen.

2. Du setzt die falschen Schwerpunkte

Ein Studium lässt oft kaum Zeit zum Durchatmen. Während der Vorlesungszeit hetzt du von einer Veranstaltung zur nächsten, kämpfst dich durch Skripte und Bücher. Danach wird es nicht besser, denn jetzt kommen die Prüfungen – gleich mehrere auf einmal. Dein Umgang mit Zeit wird deshalb zum Erfolgsfaktor Nummer eins im Studium. Du musst lernen, Prioritäten zu setzen und dich um die wichtigen Aufgaben kümmern. Bei der Gelegenheit kannst du dich gleich von zu hohen Ansprüchen verabschieden: Mit Perfektionismus kommt man beim Studieren nämlich nicht weit.

So vermeidest du diesen Fehler: Mach dir klar, welche Aufgaben für dich am wichtigsten sind, und kümmere dich genau um diese. Ist es wirklich sinnvoll, die Zusammenfassung der Vorlesung ein zweites Mal abzuschreiben, weil deine Schrift nicht so schön war? Oder tappst du damit vielleicht in die Perfektionismusfalle? Welche Dinge könntest du stattdessen tun, die vielleicht unbequemer, aber langfristig sinnvoller sind? Bestimme für jeden Tag mindestens ein To-do, das dich im Studium weiterbringt, und erledige es. Frage dich: Wenn ich heute nur eine Sache tun könnte, um den Tag als Erfolg zu werten – welche wäre das?

3. Du studierst unprofessionell

Ein Studium ist ein Fulltime-Job. 30 Credits pro Semester, bestehend aus Pflichtveranstaltungen, Klausuren und Studienarbeiten, kannst du nicht im Vorbeigehen bewältigen. Dennoch kenne ich viele Studis, die ihr Studium auf die leichte Schulter nehmen. Sie lehnen sich wochenlang entspannt zurück und wundern sich dann, wenn sie mit der Lernerei nicht mehr hinterherkommen. Doch das Studium ist eben kein Hobby, dem man sich widmen kann, wenn einem danach ist. Ich rate deshalb: Wenn du schon studierst, dann mach es richtig, sonst ist jede Minute davon Zeitverschwendung – und die kann sich kein Mensch leisten.

So vermeidest du diesen Fehler: Räume deinem Studium einen bedeutsamen Stellenwert in deinem Leben ein. Sieh es als Beruf oder zumindest als Investition in dich selbst, mit dem Ziel, dein Leben nachhaltig zu verbessern. Gehe deine Verpflichtungen entschlossen an. Es liegt in deiner Hand, wann du aufstehst, wie konzentriert du lernst und ob du zur Vorlesung erscheinst. Du musst nicht zum Spießer mutieren – es reicht schon, sich nicht wie ein Amateur zu verhalten.

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Fazit

Wenn dir das Studieren schwerfällt, dann halte Ausschau nach strategischen Fehlern, die deine Anstrengungen systematisch sabotieren. Es gibt mehr als die drei vorgestellten, aber nach mehr als tausend Beratungsgesprächen weiß ich: Häufig hilft es schon, wenn du deine Planung verbesserst, Prioritäten setzt und dein Studium ernst nimmst. Schon kleine Fortschritte in diesen Bereichen haben große Wirkung und stärken deine Motivation. Und das wird sich spätestens in der nächsten kritischen Phase auszahlen.

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