Kochen ohne Kohle Scarlett-Johansson-Pasta für Frühlingsgefühle (und nur 1,50 Euro!)

Ob der Bauch nun knurrt oder voller Schmetterlinge ist: Dieses Pastagericht mit Knoblauch und Öl macht mächtig Eindruck, ist schnell zubereitet und kostet fast nichts.
Eine Kolumne von Sebastian Maas
Die »schönen« Nudeln aus dem weihnachtlichen Geschenkkorb machen sich beim Date besonders gut

Die »schönen« Nudeln aus dem weihnachtlichen Geschenkkorb machen sich beim Date besonders gut

Foto: Sebastian Maas / DER SPIEGEL

Knapp 20 Grad im Februar sind wie ein Tinder-Date inmitten der Coronakrise: Man freut sich wahnsinnig nach einem einsamen kalten Winter – auch wenn es moralisch nicht ganz einwandfrei ist. Bloß wer kann ernsthaft Nein sagen, wenn die Frühlingsgefühle erst einmal im Magen herumrumoren? Eben.

Wer also Futter für anstehende Dates sucht und dabei vom immer noch couchförmigen Winterkörper ablenken möchte, kann sich wie ich von einem Film inspirieren lassen. Im fantastischen Roadmovie »Kiss the Cook« gibt es nämlich einen Moment, in dem ein simples Nudelgericht sogar Scarlett Johansson die Show stiehlt.

Die Szene geht so: Nach einem miesen Abend im Restaurant verschwinden Chefkellnerin Molly (gespielt von Johansson) und Chefkoch Carl (gespielt von »Mandalorian«-Chef Jon Favreau) in dessen abgerocktes Apartment – für Knutschen und Pasta. Der Sex-Appeal der Szene entspringt den lasziven Blicken von Johansson, während sie Favreau beim postkoitalen Brutzeln in der Küche zuschaut und die Kamera ihrem Blick folgend meist nicht ihn, sondern seine Nudeln fixiert.

Als Zuschauer ist man beleidigt über jeden Schnitt, der statt der Küche die spärlich bekleidete Johansson zeigt. »ZEIGT! MIR! DIE! PASTA!«, denkt man sich. Und schreibt derweil fürs nächste Date Petersilie, Knoblauch und Kondome auf die Einkaufsliste.

Alle Rezepte aus »Kochen ohne Kohle«

Bafög oder Azubi-Gehalt sind schon wieder fast aufgebraucht? Der Obstkorb beim unbezahlten Agenturpraktikum war geräubert? Und bitte nicht schon wieder Pizza-Toast? Alles kein Problem: In dieser Kolumne zeigt SPIEGEL-Redakteur und Hobbykoch Sebastian Maas, wie man trotz Flaute auf dem Konto leckere und besondere Gerichte zaubern kann. Dabei gibt es nur zwei Regeln:

  • Eine Portion darf maximal so viel kosten wie ein Essen in der Mensa, also 3 Euro.

  • Teure Spezialgeräte sind tabu.

Das Gericht selbst ist denkbar einfach: Neben einer kurzen Vorbereitung ist vor allem Mut notwendig, wenn man einem anderen Menschen Spaghetti samt einer ganzen Knolle öligem Knoblauch servieren möchte – und dabei nicht den selbstsicheren Blick verlieren will. Wer über die Knoblauchfahne hinwegsehen kann, darf sich über ein atemberaubendes 15-Minuten-Gericht freuen, das man in Ermangelung eines Dates auch hervorragend allein genießen kann.

Wer eine Biozitrone vorrätig hat, kann vor dem Auspressen auch die Schale abreiben und später nutzen

Wer eine Biozitrone vorrätig hat, kann vor dem Auspressen auch die Schale abreiben und später nutzen

Foto: Sebastian Maas / DER SPIEGEL

Das benötigt man für zwei Portionen Scarlett-Johansson-Pasta:

  • 250-300 Gramm Nudeln

  • eine halbe bis ganze Knolle Knoblauch, ich nehme 4 Zehen pro Person

  • ein halbes Bund Petersilie

  • den Saft einer halben Zitrone

  • 50 bis 75 Milliliter Öl (idealerweise Olivenöl)

  • Salz

  • Optional: eine halbe Chilischote oder getrocknete Chiliflocken

Was kostet das?

Etwa 1,50 Euro, sofern man das Olivenöl nicht im Feinkostladen ersteigert.

Wie lange dauert das?

15 bis 25 Minuten, je nachdem, wie schnell man Knoblauch schnippeln kann.

So kocht man Pasta aglio e olio à la Scar Jo

Wer in der Küche ebenso unorganisiert ist wie ich, bereitet sich gut vor und hackt alle wichtigen Zutaten klein, bevor die richtige Action losgeht. Zum Beispiel während man einen Topf mit Salzwasser auf den Herd stellt und wartet, bis dieses zu kochen beginnt.

Zunächst den Knoblauch in feine, gleichmäßige Scheiben schneiden. Stolze Besitzer einer Mandoline können den Knoblauch damit hauchdünn schneiden – ich habe lediglich ein Kartoffelschälmesser, damit wird es nicht ganz so akkurat. Wichtig ist nur, dass die Scheiben etwa gleich dick sind, damit sie später gleichzeitig gar werden und nicht einige Teile schon verbrennen, während andere roh bleiben.

Optional die Chilischote halbieren und mit der Rückseite eines Messers entkernen. Die Blätter der Petersilie abzupfen, waschen und ebenfalls klein hacken. Alle Zutaten bereitstellen.

Nun die Pasta im inzwischen kochenden Wasser acht bis zehn Minuten al dente kochen.

Damit später kein Stress aufkommt, werden die Zutaten gehackt, bevor die Pfanne heiß ist

Damit später kein Stress aufkommt, werden die Zutaten gehackt, bevor die Pfanne heiß ist

Foto: Sebastian Maas / DER SPIEGEL

Nach fünf Minuten der Nudelkochzeit das Öl in einer Pfanne auf mittlerer Flamme erhitzen. Knoblauchscheiben (und gegebenenfalls die Chili) hineingeben und darauf achten, dass alles Kontakt zum Öl hat und nicht aneinander klebt. Für einige Minuten rühren oder schwenken, bis der Knoblauch eine goldene Farbe annimmt. Jetzt kommt es auf das Timing an, denn der Knoblauch wird kurz darauf verbrennen. Um das zu verhindern, einfach die Hitze reduzieren und ein paar Löffel des Nudelwassers oder einen kleinen Schluck Weißwein hineingeben, um den Bratprozess zu unterbrechen.

Die Pasta sollte nun ebenfalls fertig sein – sie wird abgegossen und landet dann sofort mit der Petersilie in der Pfanne. Noch einmal durchschwenken, bis alle Nudeln gleichmäßig mit Öl, Knoblauch und Petersilie bedeckt sind.

Es ist (dilettantisch) angerichtet. Wo bleibt Scarlett?

Es ist (dilettantisch) angerichtet. Wo bleibt Scarlett?

Foto: Sebastian Maas / DER SPIEGEL

Zuletzt die halbe Zitrone über der Pasta auspressen und alles anrichten. Im Film nutzt Chefkoch Carl dazu eine Fleischgabel, rollt die Spaghetti elegant darauf auf und lässt sie auf den Teller gleiten – wer das so hinbekommt, hat ein zweites Date nahezu sicher.

Ich wünsche guten Appetit!

Haben Sie das Rezept nachgekocht? Oder kennen Sie tolle Gerichte, die wenig Geld kosten? Schreiben Sie mir – oder schicken Sie mir ein Bild davon.