Angehende Schornsteinfegerin »Das Gehalt sollte nicht ausschlag­gebend für die Jobwahl sein«

Schornsteinfeger war 2020 der Ausbildungsberuf mit den niedrigsten Tariflöhnen. Marisa Schiffer, 22, würde sich trotzdem sofort wieder bewerben. Warum, erzählt sie im Podcast.

Für ihre Tiere gibt Marisa Schiffer, 22, dreimal so viel Geld aus wie für sich selbst. Knapp 350 Euro hat sie kalkuliert als monatliche Kosten für einen Hund und zwei Esel. Für Lebensmittel rechnet sie hundert Euro. Und damit ist ihr Azubi-Gehalt auch schon fast weg. Geld für eine eigene Wohnung oder ein WG-Zimmer bleibt keines.

Schiffer macht in Spremberg in der Nähe von Cottbus eine Ausbildung zur Schornsteinfegerin – das war 2020 der Lehrberuf mit den niedrigsten Tariflöhnen in Deutschland. Mit einem Durchschnittsverdienst von 599 Euro brutto pro Monat landeten Schornsteinfeger in der Übersichtstabelle des Bundesinstituts für Berufsbildung  ganz unten.

Und was machst du? Der SPIEGEL-Jobpodcast

Neue Staffel, neue Berufe: Im SPIEGEL-Podcast »Und was machst du?« sprechen die SPIEGEL-Redakteure Verena Töpper und Florian Gontek mit Menschen über ihre Jobs.

In den ersten beiden Folgen sind zwei junge Frauen zu Gast, die beide von der Aussicht an ihrem Arbeitsplatz schwärmen – aber dort sehr unterschiedlich bezahlt werden: Marisa Schiffer, 22, bekommt als angehende Schornsteinfegerin noch nicht mal halb so viel Gehalt wie Katja Wiesenmüller, 22, die sich für den Beruf der Zimmerin entschieden hat.

Schiffer hat das nicht abgehalten: »Ich habe die Zahlen vorgelegt bekommen, als ich mich für den Beruf beworben habe. Aber ich denke, das Gehalt sollte nicht ausschlaggebend für die Jobwahl sein«, sagt sie.

Foto: Lena Burkhardt; DER SPIEGEL

Sonnenaufgang auf dem Dach

Die 22-Jährige spart, wo sie kann, unter anderem an der Berufsunfähigkeitsversicherung. Dass das riskant ist in einem Job, bei dem man mitunter ungesichert auf Hausdächern balanciert, ist ihr bewusst. »Gerade, wenn der Wind zügig weht oder es anfängt zu regnen und man dann noch einen Kehrbesen in der Hand hält, fühlt man sich schnell verloren.«

Wie wird man Schornsteinfeger:in?

Die Ausbildung zur Schornsteinfegerin oder zum Schornsteinfeger dauert in der Regel drei Jahre . Meist setzen Betriebe mindestens einen mittleren Bildungsabschluss voraus. In Nordrhein-Westfalen und Bayern ist auch ein duales Studium möglich.

Berufsschulunterricht und überbetriebliche Ausbildung finden als Blockunterricht statt, aufs Jahr verteilt gibt es insgesamt drei Monate lang Unterricht in regionalen Berufsschulen, Berufsschulzentren oder Landes-Schornsteinfegerschulen.

Offene Lehrstellen finden sich auf den Webseiten der Schornsteinfeger-Innungen und der Landesinnungsverbände der einzelnen Bundesländer. Eine Übersicht der Verbände gibt es hier .

Am 1. Januar 2021 gab es eine Tariferhöhung. Die Vergütung während der Ausbildung steigt von Lehrjahr zu Lehrjahr und beträgt aktuell:

• 1. Ausbildungsjahr: 640 Euro

• 2. Ausbildungsjahr: 710 Euro

• 3. Ausbildungsjahr: 810 Euro

Nach bestandener Gesellenprüfung arbeiten die meisten Schornsteinfeger als Geselle oder gehen direkt weiter zur Meisterschule. Möglich ist aber zum Beispiel auch eine Weiterbildung zum Energieberater oder zur Umwelttechnikerin.

Je nach Arbeitsauftrag muss Schiffer mehrere Kilogramm Ausrüstung aufs Dach wuchten. Trotzdem möchte sie diesen Part ihres Berufs nicht missen: Die Aussicht von dort oben mache für sie den Reiz ihres Jobs aus. »Wenn ich morgens früh um sieben auf dem Dach stehe und den Sonnenaufgang sehe, dann denke ich jedes Mal: Wow, was habe ich für einen schönen Beruf.«

Wie oft sie auf Dächer steigen kann, welche Aufgaben ihr Job noch mit sich bringt, warum sie ein Meistertitel nicht reizt und wie sie zu zwei Eseln als Haustieren kam – darüber spricht Marisa Schiffer im Podcast.

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