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Berufseinstieg als Sicherheitsingenieur »Wir verwalten nicht nur hin und her, wir sind Krisenmanager«

Job beim Amt? Alles andere als langweilig, sagt Luca Arsic. Gleich drei Krisen haben sein erstes Jahr als Sicherheitsingenieur geprägt: Corona, die Flut im Ahrtal und jetzt der Krieg in der Ukraine.
Aufgezeichnet von Lilli Stegner
aus SPIEGEL Start 1/2022
Sicherheitsingenieur Luca Arsic: »Ich bin hier richtig«

Sicherheitsingenieur Luca Arsic: »Ich bin hier richtig«

Foto:

Jonathan Ochs

Der Start ins Arbeitsleben ist aufregend, anstrengend – und oft ganz anders als geplant. In der Serie »Mein erstes Jahr im Job« erzählen Berufseinsteiger:innen, wie sie diese Zeit erlebt haben. Diesmal: Luca Arsic, 25, ist Sicherheitsingenieur im Amt für Bevölkerungsschutz des Landkreises Karlsruhe.

Mein erstes Jahr im Job

Alle bisherigen Folgen von »Mein erstes Jahr im Job« finden Sie auf unserer Serienseite. Sie haben Ihren Berufseinstieg selbst gerade hinter sich und möchten uns davon erzählen? Dann schreiben Sie uns an SPIEGEL-Start@spiegel.de .

»Behörden sagt man ja nach, dass sie ziemlich eingeschlafen und verstaubt sind. Ich erlebe das ganz anders. In meinem ersten Jahr als Sicherheitsingenieur habe ich schon Rezepte für Covid-19-Impfstoffe ausgefüllt, Katastrophenschutzzüge begleitet und mich gefragt, welches Abendessen wir für 300 Geflüchtete organisieren könnten. Für 300 Feuerwehrleute würde ich Linsen mit Spätzle auftischen, aber schmeckt das auch ukrainischen Kindern? Am Ende haben wir uns für Nudeln mit Tomatensoße entschieden. Alle hier sind an pragmatischen Lösungen interessiert, das ist, was wir gut können. Wir verwalten nicht nur hin und her, wir sind Krisenmanager.

Pandemie, Flutkatastrophe und die Aufnahme von Geflüchteten

Ich habe im März 2021 beim Amt für Bevölkerungsschutz angefangen. Damals war die Coronapandemie schon voll im Gang. Eines meiner ersten Projekte war der Abbau eines Impfzentrums. Wir haben sehr eng mit den Gesundheitsbehörden zusammengearbeitet und tun das natürlich noch immer.

Kaum war ich richtig angekommen im Job, wartete die nächste große Herausforderung: die Flutkatastrophe im Ahrtal. Wir waren hier in Karlsruhe und vor Ort im Einsatz, um die fast hundert eingesetzten Katastrophenschutzhelfer:innen aus dem Landkreis zu koordinieren. Bis heute sind wir mit der Nachbereitung beschäftigt. Wir kümmern uns darum, dass die Einsatzkräfte in Zukunft besser auf vergleichbare Ereignisse reagieren können, dafür stocken wir zum Beispiel den Bestand an Feldbetten, Decken und Sandsäcken auf.

Laut Stellenbeschreibung macht der Bereich Krisenmanagement zwar nur etwa fünf Prozent meiner Arbeit aus, bislang sind es aber deutlich mehr. Immer dann, wenn reguläre Strukturen zu überfordern drohen oder nicht schnell genug reagieren können, springen wir ein. Das kann bei Naturkatastrophen wie der Flut im Ahrtal der Fall sein, aber auch bei anderen außergewöhnlichen Ereignissen.

Die Ankunft der Menschen, die vor dem Krieg in der Ukraine fliehen, ist so ein Ereignis. Wir haben uns so vorbereitet, dass wir nachts, am Wochenende oder wenn die regulären Kapazitäten überlaufen, Soforthilfe leisten können. Schließlich sollen alle ein warmes Abendessen bekommen, niemand soll draußen schlafen müssen.

Die Ausbildung zum Sicherheitsingenieur

Ich bin schon seit meiner Kindheit bei der Freiwilligen Feuerwehr, Krisen und Gefahren sind also nichts Neues für mich. Nach der Schule stand ich vor der Wahl: Beginne ich eine Ausbildung zum Werkfeuerwehrmann oder gehe ich lieber an die Uni? Ich habe mich für das Studium ›Security & Safety Engeneering an der Hochschule Furtwangen entschieden. Dort habe ich mich unter anderem mit Arbeits- und Explosionsschutz, Gefährdungs- und Risikoanalyse, Sicherheitsrecht und Überwachungstechnik beschäftigt.

Den Bereich Bevölkerungsschutz und die öffentliche Gefahrenabwehr fand ich besonders spannend, deshalb wollte ich nach dem Studium bewusst in den öffentlichen Dienst. Bezahlt werde ich hier nach Tarifvertrag, mein Einstiegsgehalt lag bei rund 3000 Euro brutto, mittlerweile bin ich in eine höhere Entgeltgruppe gerutscht.

Prävention und Planung

Wenn gerade keine Krise gemanagt werden muss, arbeiten meine Kolleg:innen und ich an neuen Konzepten, um die Sicherheitsarchitektur in unserem Landkreis zu verbessern. Was kann und muss unsere Behörde tun, wenn es zu einem länger andauernden Stromausfall kommt? Wie können wir die Menschen bei Gefahr noch schneller und gezielter warnen? Das sind Fragen, die wir uns stellen.

Außerdem kümmere ich mich um den sogenannten organisatorischen Brandschutz. Dafür bilde ich Brandschutzhelfer:innen aus, zeige also anderen, wie man einen Feuerlöscher bedient und sich im Brandfall verhält. Und ich kontrolliere bei Begehungen in unseren Dienstgebäuden und den kreiseigenen Schulen, dass Pläne für den Brandfall vorhanden, die Feuerlöscher funktionstüchtig und Brandschutztüren nicht verkeilt sind. Im Prinzip sorge ich also dafür, dass Menschen sicher lernen und arbeiten können.

Sicherheit als Job

Jobs, die sich mit der Sicherheit von Menschen befassen, gibt es viele: von Feuerwehr bis Personenschutz, das Aufgabenfeld und die Berufsmöglichkeiten sind groß.

Als Einstieg in den Beruf des Sicherheitsingenieurs oder der Sicherheitsingeneurin dienen in der Regel Studiengänge  der Sicherheitstechnik, die unter Umständen auch englische Bezeichnungen wie »Security & Safety Engineering« (Hochschule Furtwangen) haben. Meist werden diese Studiengänge als Bachelor of Science angeboten, teils auch als Masterstudiengänge.

Nach dem Studium arbeiten Sicherheitsingenieur:innen etwa in Unternehmen, bei Sicherheitsdienstleistern oder im öffentlichen Dienst bei Feuerwehren und Behörden. Sie kümmern sich unter anderem um die Bereiche Arbeitssicherheit, Gefahrenabwehr, Brandschutz oder die Abwehr von Ausspähungsversuchen. Auch bei der Sicherung von Großereignissen, Flughäfen, Häfen und Bahnhöfen oder weiterer kritischer Infrastruktur können Sicherheitsingenieur:innen eingesetzt werden.

Neben dem Studium gibt es den Ausbildungsberuf  zur Fachkraft für Schutz und Sicherheit. In drei Jahren erlernt man die Planung und Durchführung von Maßnahmen, die zum Beispiel Personen, aber auch Anlagen und Objekte schützen sollen.

Aber natürlich sind auch Verwaltungstätigkeiten Teil meines Berufs. Bund und Länder stellen den Feuerwehren und Hilfsorganisationen Fahrzeuge zur Verfügung. Geht da mal was kaputt oder muss gewartet werden, bearbeite ich die entsprechenden Kostenübernahmeanforderungen und leite sie an die nächsthöhere Stelle weiter. Da bin ich schlicht ein Zahnrad im System. Das ist aber ein guter Ausgleich zu meinen restlichen Aufgaben. Überhaupt hat mir das erste Jahr im Job gezeigt: Ich bin hier richtig!«

Sie haben Ihren Berufseinstieg selbst gerade hinter sich und möchten uns davon erzählen? Dann schreiben Sie uns an SPIEGEL-Start@spiegel.de .

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