Zur Ausgabe
Artikel 17 / 17
Vorheriger Artikel

Kochen ohne Kohle TikTok-Kartoffeln mit Knoblauchöl – für 99 Cent

Sie sind der perfekte Mix aus Kartoffelpüree und Pommes, bekannt aus unzähligen TikTok-Videos – und garantiert unvereinbar mit guten Vorsätzen: So bereiten Sie kross gebackene Smashed Potatoes zu.
Eine Kolumne von Sebastian Maas
aus SPIEGEL Start 1/2022
Wie immer gilt: Günstige Zutaten und keine teuren Geräte

Wie immer gilt: Günstige Zutaten und keine teuren Geräte

Foto: Sebastian Maas / DER SPIEGEL

Ich möchte niemandem zu nahe treten, aber ich gehe einfach mal davon aus, dass ein Großteil der hungrigen SPIEGEL-Lesenden nicht sonderlich viel Zeit auf TikTok verbringt. Auch möchte ich ungern Werbung für chinesische Spionage-, ääh, Social Networks machen. Aber die Rezepttipps auf der Plattform sind, wie viele andere Clips, echt gut!

Ein Rezept, das mir zuletzt besonders häufig in den Feed gespült wurde, war das für Smashed Potatoes, also zerquetschte Kartoffeln. Als Alman, der ich bin, hatte ich eigentlich gedacht, bereits jedes Kartoffelrezept der Welt zu kennen. Ich lag falsch!

Alle Rezepte aus »Kochen ohne Kohle«

Bafög oder Azubi-Gehalt sind schon wieder fast aufgebraucht? Der Obstkorb beim unbezahlten Agenturpraktikum war geräubert? Und bitte nicht schon wieder Pizza-Toast? Alles kein Problem: In dieser Kolumne zeigt SPIEGEL-Redakteur und Hobbykoch Sebastian Maas, wie man trotz Flaute auf dem Konto leckere und besondere Gerichte zaubern kann. Dabei gibt es nur zwei Regeln:

  • Eine Portion darf maximal so viel kosten wie ein Essen in der Mensa, also 3 Euro.

  • Teure Spezialgeräte sind tabu.

Smashed Potatoes sind so etwas wie die perfekte Harmonie aus Kartoffelpüree und Pommes: ein einfaches und herzhaftes Gericht, das verschiedenste Geschmäcker transportieren kann. Dafür werden die nicht ganz fertig gekochten Kartoffeln schonungslos zerquetscht und anschließend mit aromatisiertem Öl im Ofen knusprig gebacken. Weil in meiner Variante das Knoblauch-Aroma so intensiv daherkommt, gibt es als Gegengewicht einen leichten Joghurt-Dip mit Zitronenabrieb und Petersilie.

Man könnte die Kartoffeln als Geschmacksfreunde  zu Schmorbraten oder Räuchertofu servieren, ich bevorzuge das Fingerfood aber als Hauptgericht. Danach leckt man garantiert den Teller und die Hände ab.

Das braucht man für zwei Portionen Smashed Potatoes

Für die Kartoffeln:

  • ein Kilogramm Drillinge (kleine Kartoffeln), idealerweise mehligkochend oder vorwiegend festkochend

  • zwei bis vier Zehen Knoblauch

  • acht Esslöffel Olivenöl

Für den Dip:

  • vier Esslöffel Naturjoghurt

  • vier Esslöffel Frischkäse

  • die Zeste einer Biozitrone

  • eine Handvoll Petersilie

  • Salz und Pfeffer zum Abschmecken

Ein kleiner Ausblick auf das, worauf man sich später freuen darf

Ein kleiner Ausblick auf das, worauf man sich später freuen darf

Foto: Sebastian Maas / DER SPIEGEL

Was kostet das?

Ich habe glücklicherweise günstige Zitronen bekommen, weshalb ich für die verbrauchten Zutaten knapp unter zwei Euro bezahlt habe – also 99 Cent pro Portion.

Wie lange dauert das?

45 Minuten bis eine Stunde, je nach Ofen.

So macht man Smashed Potatoes mit Knoblauchöl und Zitronenjoghurt

Den Ofen auf 200 Grad Ober-/Unterhitze oder 180 Grad Umluft vorheizen.

Die ungeschälten Kartoffeln für gute zehn Minuten in kochendem Salzwasser garen. Sie sind fertig, wenn man fast widerstandslos ein Schälmesser in sie hineinstechen kann.

Die Garzeit nutzt man, um den Knoblauch zu hacken und für zwei bis drei Minuten in einem See aus Olivenöl anzubraten. Wenn er anfängt, leicht golden auszusehen, sofort die Hitze abstellen und das Öl durch ein Metallsieb in eine Schale gießen. Wer kein Sieb hat, hört 30 Sekunden früher mit dem Braten auf und sammelt den Knoblauch mit einem Löffel aus dem Öl. Wichtig: Er darf nicht verbrennen, weil er sonst bitter schmeckt. Den aufgefangenen Knoblauch und das aromatisierte Öl getrennt zur Seite stellen.

Nach etwa zehn Minuten Kochzeit können jetzt die Kartoffeln abgegossen werden. Vor dem Weiterverarbeiten noch zwei Minuten warten, damit der heiße Dampf verfliegt und man sich nicht die Finger verbrennt. Derweil den Gedanken genießen, dass bei den wabernden Knobi-Düften keine Vampire nah sein können.

Zum Quetschen eignen sich stabile, dickwandige Gläser – etwa ein kleines Marmeladenglas

Zum Quetschen eignen sich stabile, dickwandige Gläser – etwa ein kleines Marmeladenglas

Foto: Sebastian Maas / DER SPIEGEL

Nun beginnt der spaßige Teil: Die Kartoffeln werden – mit etwas Abstand – auf einem oder zwei Backblechen verteilt und gequetscht. Wer wie ich keinen Kartoffelstampfer besitzt, greift am besten zu einem Marmeladenglas (vom langstieligen Weinglas rate ich ab). Hauptsache, man entdeckt sein inneres Kind wieder und hat Spaß an der Sache!

Die Kartoffeln sollten so stark zerdrückt werden, dass sie noch etwa einen bis eineinhalb Zentimeter hoch sind. Bei zu viel Druck zerfallen sie etwas, was geschmacklich keinen Unterschied macht. Am besten sieht es jedoch aus, wenn die Exemplare zerstampft werden, aber trotzdem zusammenhängend bleiben. Mehligkochende Kartoffeln lassen sich im Übrigen besser zerquetschen als festkochende. Das kennen wir von den Gnocchi.

Jetzt das aromatisierte Öl auf den Kartoffeln verteilen, dabei nicht sparsam sein. Ist alles verteilt, noch einmal kräftig salzen und das Blech ins Backrohr schieben – für etwa 25 bis 40 Minuten, je nach Bräunungs-Präferenz und Ofen.

Rühren nicht vergessen

Rühren nicht vergessen

Foto: Sebastian Maas / DER SPIEGEL

Während die Kartoffeln vor sich hin knuspern, kann man in Ruhe den Dip anrühren. Dafür einfach Joghurt und Frischkäse miteinander vermengen. Außerdem die Petersilie waschen, hacken und schließlich den Großteil davon zur Joghurt-Frischkäse-Mischung geben. Einen kleinen Rest als Garnitur aufbewahren. Die Zitrone ebenfalls kurz waschen und abtrocknen, anschließend vorsichtig die Zeste abreiben. Wir wollen nur den gelben Teil der Schale, nicht den weißen – der ist bitter. Wer keine Reibe hat, schält die Zitrone vorsichtig mit einem scharfen Messer und hackt die Abschnitte anschließend fein. Auch die Zeste kommt in den Dip.

Alles verrühren und nach Geschmack mit Salz und Pfeffer abstimmen. Tipp: Veganer können den Frischkäse weglassen und Sojajoghurt verwenden. In dem Fall empfiehlt sich aber eine Prise Zucker als Gegengewicht zur Säure des Joghurts und der Zitrone.

Sieht alles kross und lecker aus?

Nach 20 Minuten lohnt sich ein prüfender Blick in den Ofen. Wie sehen die Kartoffeln aus? Ich bevorzuge sie eher goldbraun als goldgelb – weil sie dann beim Reinbeißen schön crunchy sind. Ist dem nicht so, kommen sie noch einmal für 10 bis 20 Minuten zurück in den Ofen. Wer zu früh aufgibt, verpasst etwas! Vorsicht: Bei dicken Blechen müssen die Kartoffeln nach der Hälfte der Zeit gewendet werden. Überprüfen Sie also zwischendurch die Unterseite, um sicherzugehen.

Hat man das Gefühl, dass alles kross und lecker aussieht, darf angerichtet werden. Figurbewusste legen die knusprigen Kartoffeln zuerst auf ein Küchentuch, um das überschüssige Fett aufzufangen. Alle anderen verteilen sie direkt auf einem Teller, geben den vorhin gesicherten Knoblauch und die restliche Petersilie darüber und stellen den Dip dazu. Vielleicht noch eine Prise Salz und Pfeffer? Ansonsten sofort kräftig reinhauen!

Knusprig, würzig, cremig, frisch: Die perfekte Harmonie aus Kartoffelpüree und Pommes

Knusprig, würzig, cremig, frisch: Die perfekte Harmonie aus Kartoffelpüree und Pommes

Foto: Sebastian Maas / DER SPIEGEL

Das Grundrezept kann man natürlich beliebig variieren. Wichtig ist nur, keine Kräuter, Zwiebeln oder Knoblauch mit in den Ofen zu geben – sie können leicht verbrennen. Zum Aromatisieren des Öls eignen sich zum Beispiel auch gehackter Rosmarin, Oliven oder getrocknete Tomate hervorragend. Der Joghurt kann statt mit der Zitrone mit Sriracha, Lauchzwiebel, Harissa oder Pesto aufgepeppt werden. Oder man ersetzt ihn komplett durch Sour Cream mit Schnittlauch.

Wer die Kartoffeln als Beilage für eine Party, ein Date oder ein Familienfest vorbereiten möchte, kann alle Schritte bis auf das Backen schon am Vortag erledigen. Dann braucht man sie nur noch in den Ofen zu schieben.

Haben Sie das Rezept nachgekocht? Oder kennen Sie tolle Gerichte, die wenig Geld kosten? Schreiben Sie mir – oder schicken Sie mir ein Bild davon! 

Zur Ausgabe
Artikel 17 / 17
Vorheriger Artikel