Steuertipps für Studierende Geld vom Staat – fürs Ausfüllen eines Formulars

Wer kein hohes Einkommen hat, kann sich die Steuererklärung sparen? Falsch! Auch für Studierende kann sich die Mühe lohnen. Wer alle Kniffe kennt, der profitiert sogar Jahre später noch.
Für viele Studierende lohnt sich die Steuererklärung – für manche sogar sehr

Für viele Studierende lohnt sich die Steuererklärung – für manche sogar sehr

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Jasmin Sander / plainpicture

Egal, ob sie ihre komplette Zeit ins Studium investieren, sich mit Nebenjobs etwas dazu verdienen oder dual studieren: Viele Studierende in Deutschland könnten jedes Jahr Geld vom Staat zurückbekommen – wenn sie ihre Steuererklärung machen würden. Wie das geht, darüber haben wir mit Edith Pitzer gesprochen, die beim Steuerring, einem Lohnsteuerhilfeverein, die Fachabteilung für Steuern leitet. Und mit Physik-Student Tim Werner, der gemeinsam mit einer Steuerberaterin eine Steuer-Erklär-Website für seine Kommilitoninnen und Kommilitonen aufgebaut hat.

Wie funktioniert eine Steuererklärung?

Wer in Deutschland wohnt oder arbeitet, muss in der Regel Einkommensteuer zahlen. Bei angestellten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern wird diese vorab als Lohnsteuer vom Gehalt abgezogen und final im Rahmen der Einkommensteuererklärung ermittelt. Umgekehrt haben Arbeitnehmerinnen aber auch Kosten, die unmittelbar mit der Arbeit zusammenhängen, etwa für Fahrtkosten zur Arbeitsstelle oder für das Arbeitszimmer zu Hause. In einer Steuererklärung sammelt man Informationen über alle beruflich relevanten Ausgaben eines Jahres und meldet sie dem Finanzamt. Dieses prüft die Angaben – und zahlt im besten Fall einen Teil der geleisteten Steuern zurück.

Diese Begriffe sollte man kennen

haben nichts mit Fernsehwerbung zu tun, sondern bezeichnen Ausgaben, die man aufwendet, um zum Beispiel in der Zukunft wieder Geld einnehmen zu können. Braucht man etwa für seine Arbeit oder das Studium einen Computer und muss diesen selbst bezahlen, kann man das in der Steuererklärung als Werbungskosten angeben. Dasselbe gilt für Büromaterial, Fahrtkosten, Weiterbildungen und sogar Studiengebühren. Der Grund: Der Staat möchte, dass man in seine Zukunft investiert. Sinnvolle Ausgaben und Anschaffungen sollen daher nicht bestraft werden.

Lohnt sich eine Steuererklärung für alle Studierenden?

Nicht für alle, aber für sehr viele. »Die Ausnahme sind Studierende in Erstausbildung, die so wenig verdienen, dass keine Steuern anfallen«, sagt Edith Pitzer, Leiterin der Steuerfachabteilung beim Steuerring. Die schärfste Unterscheidung im Steuerrecht werde aktuell nämlich getroffen zwischen Menschen in Erstausbildung (also zum Beispiel im Bachelor-Studium) und solchen in Zweitausbildung (also etwa Master-Studentinnen oder Bachelor-Studenten, die zuvor schon eine Berufsausbildung abgeschlossen haben).

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Studierende in Erstausbildung würden vom Recht benachteiligt, sagt Pitzer. Das Problem: Sie dürfen anfallende Ausbildungskosten nicht als Werbungskosten in der Steuererklärung angeben – sondern lediglich als Sonderausgaben. Diese senken zwar die Steuerlast, aber nur bis zu einer maximalen Höhe von 6000 Euro, und nur in dem Jahr, in dem sie anfallen.

Diese Ungleichbehandlung zwischen Erst- und Zweitausbildung wird regelmäßig kritisiert, etwa vom Bundesfinanzhof. Doch erst Anfang 2020 hat das Bundesverfassungsgericht ihre Rechtmäßigkeit bestätigt.

Ich studiere im Bachelor, wann sollte ich eine Steuererklärung machen?

Für Studierende in Erstausbildung lohnt sich eine Steuererklärung dann, wenn sie neben dem Studium arbeiten – und zwar so viel, dass sie auf ihr Einkommen Steuern zahlen. Das kann schon der Fall sein, wenn sie in den Semesterferien viel arbeiten und im Semester selbst wenig. Denn verdient man durch einen Ferienjob deutlich mehr als den steuerfreien Monatssatz von 784 Euro , muss man Steuern und Sozialabgaben zahlen. Bleibt man aber aufs Jahr gerechnet trotzdem unter dem Gesamtfreibetrag von 9408 Euro, kann man sich das Geld durch eine Steuererklärung zurückholen.  

»So war es auch bei mir«, sagt Physik-Student Tim Werner. »In den Ferien habe ich ausländische Jugendliche betreut, die mit einem Stipendienprogramm zum Deutschlernen zu Besuch waren. Durch meine höheren Einnahmen in den Semesterferien musste ich plötzlich Steuern zahlen – obwohl ich sonst fast nichts verdiente. Das Geld wollte ich mir gern zurückholen. So machte ich meine erste Steuererklärung.«

Ich studiere im Master, wann sollte ich eine Steuererklärung machen?

Immer! Menschen in Zweitausbildung, zum Beispiel im Master, haben es deutlich leichter als solche in Erstausbildung. Sie können durchs Studium entstandene Kosten beim Finanzamt voll als Werbungskosten angeben. Selbst wenn sie keine Einnahmen haben und keine Steuern zahlen, bringt ihnen das etwas für die Zukunft. Das Zauberwort heißt »Verlustvortrag«: Das Finanzamt merkt sich Ausgaben nämlich so lange, bis man ein zu versteuerndes Einkommen hat.

Ein einfaches Rechenbeispiel: Hanna studiert im ersten Master-Jahr Maschinenbau. Für Studiengebühren, Fahrtkosten, Bücher, Workshops, eine Studienfahrt, GIS-Software und ihren Laptop zahlt sie 4000 Euro. Besteuerbares Einkommen hat sie nicht. Das Finanzamt vermerkt die 4000 Euro daher als Verlust. Im zweiten Master-Jahr hat Hanna dieselben Kosten, also werden noch einmal 4000 Euro Verlust addiert. Im Folgejahr bekommt Hanna einen Job als Ingenieurin und verdient dort im Jahr 50.000 Euro brutto. Der Verlust der Vorjahre wird einmalig davon abgezogen, sodass Hanna nur auf 42.000 Euro ihres Einkommens Steuern zahlen muss.

Welche Kosten kann man als Studentin oder Student beim Finanzamt angeben?

Eigentlich alles, was aufgrund des Studiums anfällt. Klassiker sind Büromaterialien wie Tintenpatronen und Papier, aber auch der Drucker, den Internetanschluss oder den Laptop selbst. Bei Geräten mit einem Wert von über 800 Euro (das Steuerrecht spricht dann nicht mehr von »geringwertigen Wirtschaftsgütern«) müssen die Kosten über mehrere Jahre von der Steuer abgesetzt  werden – umgangssprachlich redet man von einer Abschreibung. Wird ein Gegenstand wie der Computer auch privat genutzt, bekommt man allerdings nur einen Teil zurück: »Der Einfachheit halber geht das Finanzamt dann von einer 50-50-Nutzung aus und erkennt nur die Hälfte der Gerätekosten für die Steuer an«, sagt Edith Pitzer von Steuerring. 

Außerdem können die Fahrtkosten zur Uni oder der Beitrag fürs Semesterticket geltend gemacht werden. Und auch Studiengebühren sowie Kosten für Lehrbücher, Kopien, Sprachkurse oder andere Weiterbildungen zählen. »Spannend wird es bei Auslandsaufenthalten: Hier gibt es sogar eine für jeden Tag anfallende Verpflegungspauschale, die man von der Steuer abziehen kann«, sagt Tim Werner. Selbst wer promoviere, könne die dadurch entstehenden Kosten beim Finanzamt angeben.

Was sollte man bei der Steuererklärung auf keinen Fall tun?

»Lügen und falsche Angaben sind strafbar«, mahnt Steuerrechts-Expertin Edith Pitzer. Nur grob zu schätzen, wie viel man ungefähr ausgegeben haben könnte, sei daher gefährlich. Stattdessen sollte man immer möglichst alle Belege aufbewahren – seien es Kassenzettel vom Copy Shop, Rechnungen für Fachliteratur, Busfahrkarten oder eine Übersicht, wie oft man im Jahr zur Uni fahren musste.

Wann sollte man sich bei der Steuererklärung helfen lassen?

Jeder, der eine Steuererklärung erstellen möchte, kann das kostenlos über das sogenannte Elster-Portal tun. Wer Angst vor Fehlern hat – oder das Maximum an Geld zurückbekommen möchte – kann sich aber Hilfe holen:

  • Es gibt einfach zu bedienende Software, die einen an die Hand nimmt und durch die Steuererklärung führt, etwa »WISO steuer:Sparbuch« oder »SteuerSparErklärung«. Die Programme gibt es bereits für um die 30 Euro – die man übrigens als Beratungskosten von der Steuer absetzen kann. Menschen unter 28 Jahren mit einem Jahreseinkommen unter 25.000 Euro bekommen »SteuerSparErklärung« sogar kostenlos .

  • Kostenlose Alternativen dazu sind Erklär-Websites, die vor allem für den Einstieg super sind – aber nicht auf jeden Spezialfall eingehen und häufig keine Gewähr für die Angaben bieten können.

  • Die professionellste Hilfe bekommt man bei Steuerberaterinnen oder Lohnsteuerhilfevereinen. Letztere verlangen einen jährlichen Mitgliedsbeitrag, der für Studierende aber oft reduziert ist. Dafür bekommt man das ganze Jahr über Hilfe bei Sonderfragen. Denn was gilt für Studierende mit einem doppelten Haushalt? Mit geerbten Aktien? Wann verjähren Ansprüche? Und wann kann man ein Arbeitszimmer absetzen? »Das deutsche Steuerrecht kennt sehr viele Sonderfälle und entwickelt sich durch stetige Rechtsprechung immer weiter. Als Privatperson ist es sehr schwer, da auf dem Laufenden zu bleiben«, sagt Edith Pitzer.  

Ob sich kostenpflichtige Steuerberatung lohnt oder man für die Beratung mehr bezahlt, als man zurückbekommt, ist vom Einzelfall abhängig. Grundsätzlich gilt aber: Anfragen kostet nichts. Und die Steuererklärung will ja auch noch gemacht werden, wenn man irgendwann nach dem Studium mehr verdient.

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