Unterstützung für Studierende Wie man ein Stipendium der Stiftung der Deutschen Wirtschaft bekommt – und was es bringt

Unternehmerinnengeist brachte Amal Aarab selbst mit – das Förderprogramm der SDW half zusätzlich: Das Stipendium hat ihr bereits ein Auslandssemester in ihrem Traumland ermöglicht.
Aufgezeichnet von Caroline Becker
Stipendiatin Amal Aarab: Interesse an Wirtschaft und Unternehmertum

Stipendiatin Amal Aarab: Interesse an Wirtschaft und Unternehmertum

Foto: Emilia Jil Kammerer

Laut myStipendium  gibt es in Deutschland mehr als 3000 Stipendienprogramme. Doch wie bekommt man ein Stipendium, und was kann man von der Förderung erwarten? In der Reihe »Stipendien erklärt« stellen wir verschiedene Stipendiengeber vor – von den großen Begabtenförderungswerken bis zu privaten Stiftungen.

Die Stiftung der Deutschen Wirtschaft  (SDW) ist weder parteinah noch religiös, sondern hat einen wirtschaftlichen und unternehmerischen Schwerpunkt. Die circa 1900 Stipendiat:innen des Studienförderwerks Klaus Murmann der SDW sollen ihren Gemeinsinn und ihre unternehmerische Grundhaltung weiterentwickeln . Darüber hinaus werden gezielt Lehramtsstudierende gefördert. Bei der Bewerbung  zählen gesellschaftliches Engagement, Noten, Zielstrebigkeit, Allgemeinwissen, soziale Kompetenzen und vernetztes Denken.

Dass es sich lohnt, die eigene Komfortzone zu verlassen und sich für ein Stipendium zu bewerben, weiß Amal Aarab, 22. Sie studiert Wirtschaftswissenschaften an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main und macht gerade ein Auslandssemester in San Diego in den USA.

Die Entscheidung für die Stiftung der Deutschen Wirtschaft

»Ich war eine sehr neugierige Schülerin, hatte immer Tausende Fragen. Auch engagierte ich mich schon früh, bot zum Beispiel Lesetraining in unserer Stadtbibliothek an, und half Schülern beispielsweise, einen Akzent loszuwerden. Später arbeitete ich in einem Fairtrade-Laden, dessen Einnahmen in Schulbau in El Salvador investiert wurden, und bin seit 2018 bei Unicef aktiv.

Nach dem Abitur begann ich, Wirtschaftswissenschaften in Frankfurt am Main zu studieren. Zunächst bewarb ich mich bei einem politischen Begabtenförderungswerk. Ich hatte gehört, dass die Stiftung sehr divers sei und dachte: Da kann ich mich bewerben. Bei den anderen Stiftungen kannte ich niemanden, der einen ähnlichen Hintergrund wie ich hat. Ich schaffte es zwar in die letzte Bewerbungsrunde, das Stipendium erhielt ich aber nicht.

Also versuchte ich es im zweiten Semester bei der SDW – das passte gut zu meinem Studiengang, denn die Stiftung hat den Schwerpunkt Wirtschaft und Unternehmertum. Außerdem bekam ich auf der Internetseite und durch das Gespräch mit einer Stipendiatin den Eindruck, dass auch diese Stiftung vielfältig ist. Anfangs hatte mich noch das Assessment-Center für das Stipendium etwas abgeschreckt. Aber dann dachte ich mir, ich muss meine Komfortzone verlassen, um keine Chancen zu verpassen.«

Die Begabtenförderungswerke

Die 13 Begabtenförderungswerke  unterstützen Studierende und Promovierende sowohl finanziell als auch ideell. Sie stehen in Verbindung mit Parteien, Religionsgemeinschaften oder anderen Organisationen. Laut myStipendium  bieten sie deutschlandweit ein Viertel der Stipendien an; den größten Teil davon finanziert das Bundesministerium für Bildung und Forschung .

Der Bewerbungsprozess

»Die Bewerbung bestand zunächst aus einem Motivationsschreiben, einem Lebenslauf und einem Onlineformular. Im Gegensatz zu anderen Stiftungen brauchte ich kein Gutachten – das erleichterte mich, denn ich hatte das Gefühl, dass die Lehrer:innen an meiner Schule wenig motiviert waren, solche Gutachten zu schreiben.

Der zweite Schritt war ein Online-Gespräch mit einem sogenannten Vertrauensdozenten und einer Person aus der Regionalgruppe Frankfurt. Die hatten sich mit meiner Bewerbung richtig auseinandergesetzt. So musste ich nur noch ergänzen und einzelne Punkte erläutern. Es gab auch ein paar Fragen zum Allgemeinwissen – zum Beispiel sollte ich Themen nennen, die kürzlich in den Nachrichten waren.

Zwei bis drei Monate später wurde ich zu einem Gespräch mit zwei Alumni der Stiftung eingeladen. Eine davon war eine Unternehmerin. In der Bewerbung hatte ich geschrieben, dass ich mir vorstellen könnte, selbst zu gründen – darauf gingen sie ein und wollten wissen, warum. Außerdem sollte ich ein Beispiel nennen, das zeigt, wie ich mit Problemsituationen umgehe. Im Oktober vergangenen Jahres erhielt ich dann die Zusage. Ich war so aufgeregt, ich konnte das kaum glauben.«

Voraussetzungen und Auswahlkriterien

Für ein Stipendium der Stiftung der Deutschen Wirtschaft ist nicht die politische Überzeugung relevant, sondern vielmehr Gemeinsinn und eine unternehmerische Grundhaltung. Für die Bewerbung zählen laut Stiftung :

  • Gesellschaftliches Engagement

  • Noten im oberen Drittel

  • Zielstrebigkeit

  • Allgemeinwissen

  • Soziale Kompetenz (Teamplayer:in)

  • Vernetztes Denken

Die Stiftung hat ein spezielles Stipendienprogramm für Lehramtsstudierende  und für Studierende kindheitspädagogischer Fächer . Studierende der MINT-Fächer, die in NRW studieren, oder ihre Hochschulreife im Oberbergischen, Rheinisch-Bergischen oder Märkischen Kreis erlangt haben können sich zusätzlich auf das Hans Hermann Voss-Stipendium  bewerben. Einen Überblick über die Angebote der Stiftung gibt es hier .

Hinweis: Wegen der Coronapandemie haben einige der Begabtenförderungswerke den Bewerbungsprozess leicht verändert. Die Auswahlgespräche finden zum Beispiel vermehrt online statt.

Das Stipendium

»Zu Beginn gab es eine Online-Orientierungswoche, bei dem uns die Möglichkeiten vorgestellt wurden, die die Stiftung bietet, etwa das Mentoring-Programm, oder ein Programm, bei dem Gründungsideen gefördert werden. Dort informierte ich mich auch über die Auslandsförderung.

Mir hat das Stipendium ein Auslandssemester in San Diego in den USA ermöglicht. Die Stiftung übernimmt bis zu 10.000 Euro der Studiengebühren hier, es gibt eine Reisekostenpauschale und man erhält zusätzlich eine Auslandspauschale von 350 Euro monatlich.

Was Toleranz und Diversität in der Stiftung betrifft, war ich positiv überrascht. Wir sind keine politische Stiftung, sondern politisch neutral mit einem Fokus auf Wirtschaftsthemen. Außerdem gibt es einen Lehramts-Schwerpunkt mit vielen Angeboten und Workshops für diese Fachrichtung. Teils werden die Veranstaltungen von Unternehmen angeboten, mit denen die Stiftung vernetzt ist. Einmal haben wir beispielsweise mit einer Consultingfirma eine Case-Study gemacht. Jeder Gruppe wurde eine Firma zugewiesen und wir sollten digitale Lösungen für verschiedene Probleme finden. Je Förderjahr sollte man mindestens eine Veranstaltung besuchen und dann noch eine zusätzlich, heißt, in drei Jahren mindestens vier Veranstaltungen. Diese dauern zwischen ein paar Stunden und ein paar Tagen.

In den Regionalgruppen gibt es pro Monat ein Treffen, bei dem zum Beispiel Alumni ihr Unternehmen vorstellen oder wir ein Museum besuchen. Darüber hinaus gibt es einen freiwilligen Stammtisch, der für den lockeren Austausch gedacht ist. Ich habe gehört, dass vor Corona noch viel mehr angeboten wurde, Seminare im Ausland etwa. Aktuell ist das leider nur bedingt möglich.«

Die Förderung

Finanziell: Die Rahmenbedingungen sind bei allen Begabtenförderungswerken gleich . Pro Monat erhalte n Stipendiat:innen pauschal 300 Euro sogenanntes Büchergeld. Je nach Einkommen und Vermögen der Studierenden und ihrer Eltern können in Anlehnung ans BAföG bis zu 752 Euro pro Monat dazukommen, außerdem Zuschläge für die Kranken- und Pflegeversicherung. Promovierende erhalten ein Stipendium in Höhe von 1350 Euro pro Monat.

Ideell: Bei den Begabtenförderungswerke wird die Teilnahme an Seminaren und Hochschulgruppentreffen meist erwartet. Darin enthalten sind unter anderem die Vernetzung mit Wissenschaftler:innen, Sprachkurse, Seminare und Workshops im In- und Ausland, Unterstützung bei der Berufsorientierung und gemeinsame Konzert-, Museums- oder andere Kulturbesuche.

Fazit

»Mit dem Stipendium wurde einiges greifbarer für mich, was zuvor weit entfernt wirkte – weil ich keine Menschen persönlich kannte, die einen solchen Weg gegangen sind. In der Stiftung lernte ich Menschen kennen, die etwa an renommierten Universitäten im Ausland studieren. Das möchte ich gerne auch versuchen. Und wer weiß, vielleicht gründe ich irgendwann ein Unternehmen.«

Transparenzhinweis: Die Autorin ist selbst Stipendiatin der Konrad-Adenauer-Stiftung, der parteinahen Stiftung der CDU.

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