Kirchliche Studienunterstützung Wie man ein Stipendium des Cusanuswerks bekommt – und was man davon hat

Das Cusanuswerk fördert begabte katholische Studierende. Gute Noten hatte Lara Hart zwar – fragte sich jedoch, ob sie für ein Stipendium katholisch genug war. Hier erzählt sie, was bei der Bewerbung wirklich zählt.
Aufgezeichnet von Caroline Becker
Das Cusanuswerk hat seinen Namen von Nikolaus von Kues, einem Universalgelehrten und Theologen (Symbolbild)

Das Cusanuswerk hat seinen Namen von Nikolaus von Kues, einem Universalgelehrten und Theologen (Symbolbild)

Foto: Fabian Plock / EyeEm / Getty Images

Laut myStipendium  gibt es in Deutschland mehr als 3000 Stipendienprogramme. Doch wie bekommt man ein Stipendium, und was kann man von der Förderung erwarten? In der Reihe »Stipendien erklärt« stellen wir verschiedene Stipendiengeber vor – von den großen Begabtenförderungswerken bis zu privaten Stiftungen.

Das Cusanuswerk  ist das Begabtenförderungswerk der katholischen Kirche. Voraussetzung für das Stipendium sind daher neben herausragenden Leistungen die Mitgliedschaft in der katholischen Kirche, ein gelebter Glaube und die Bereitschaft, Kirche mitzugestalten.

Dass man Stipendiatin des Cusanuswerks werden kann, ohne jahrelang Ministrantin gewesen zu sein, weiß Lara Hart, 23. Aktuell studiert sie im Master Psychologie an der Uni Konstanz und parallel einen Master in »Frühe Kindheit« an der zehn Minuten entfernten Pädagogischen Hochschule Thurgau (Schweiz).

Die Entscheidung für das Cusanuswerk

»Meine Religionslehrerin machte mich in der Oberstufe auf das Cusanuswerk aufmerksam. Sie kannte das Förderwerk und meinte, dass ich wegen meiner Noten und meinem Engagement gute Chancen hätte. Ich bin zwar katholisch, war aber weder Ministrantin noch sonntags regelmäßig in der Kirche.

Stattdessen war ich in der Schülervertretung, einer Journalismus- und einer Theater-AG, bin im Spielmannszug der Feuerwehr und im Fastnachtsverein. Daher fragte ich mich erst mal schon: Bin ich für das Stipendium überhaupt katholisch genug? Außerdem dachte ich, überspitzt gesagt, für ein Stipendium muss man hochbegabt sein und bereits die Welt gerettet haben.

Doch meine Religionslehrerin ermutigte mich, es zu versuchen. Im Bewerbungsverfahren merkte ich dann schnell, dass es mehr darum geht, sich mit den Themen Glauben und Kirche auseinanderzusetzen, als auf eine bestimmte Art seinen Glauben zu leben. Mich hat das Programm angesprochen und nach den Auswahlgesprächen hatte ich ein sehr gutes Gefühl.«

Die Begabtenförderungswerke

Die 13 Begabtenförderungswerke  unterstützen Studierende und Promovierende sowohl finanziell als auch ideell. Sie stehen in Verbindung mit Parteien, Religionsgemeinschaften oder anderen Organisationen. Laut myStipendium  bieten sie deutschlandweit ein Viertel der Stipendien an; den größten Teil davon finanziert das Bundesministerium für Bildung und Forschung .

Der Bewerbungsprozess

»Je nachdem, ob man sich noch während des Abiturs, im Studium oder für die Promotion bewirbt, läuft das Bewerbungsverfahren etwas anders ab. Ich musste damals einen Bewerbungsbogen ausfüllen und einen ausformulierten Lebenslauf schreiben. Der Lebenslauf basierte auf Impulsfragen zu meinem Engagement, der Rolle meines Glaubens in meinem Leben, meinem Studien- und Berufswunsch und meiner Entscheidung für das Cusanuswerk.

Voraussetzungen und Auswahlkriterien

Um ins Cusanuswerk  aufgenommen zu werden, ist die Mitgliedschaft in der katholischen Kirche bis auf einige Ausnahmen ein Muss. Beim jüdischen Studienwerk  ist die Zugehörigkeit zur jüdischen Gemeinschaft Voraussetzung. Beim muslimische Begabtenförderungswerk Avicenna  und beim Evangelischen Studienwerk Villingst  ist das nicht so.

Für die Bewerbung  bei den Begabtenförderungswerken  zählen darüber hinaus:

  • Überdurchschnittliche Leistungen (auch ein Zweierschnitt kann reichen)

  • Gesellschaftliches oder soziales Engagement (von Klassensprecher:in bis NGO ist alles möglich)

  • Motivation und gesellschaftliches Verantwortungsbewusstsein; außerdem die Frage, wie gut die Bewerber:innen zur jeweiligen Stiftung passen

Der Bewerbungsprozess  ist oft mehrstufig. In der Regel brauchen Bewerber:innen Gutachten und/oder müssen einen Fragebogen ausfüllen, bevor sie zu persönlichen Bewerbungsgesprächen und/oder Auswahltagen eingeladen werden.

Hinweis: Wegen der Coronapandemie haben einige der Begabtenförderungswerke den Bewerbungsprozess leicht verändert. Die Auswahlgespräche finden zum Beispiel vermehrt online statt.

Im Oktober 2016 wurde ich zu einem Bewerber:innentag in München eingeladen. Dort hatte ich drei Gespräche: eins mit einem Professor, eins mit einem Mitarbeiter der Geschäftsstelle und eins mit einer Pastoralreferentin. Letztere fragte mich zum Beispiel, wie man Gottesdienste attraktiver gestalten könnte. Ich war positiv überrascht, wie offen ich über die Kirche sprechen konnte.

Mit dem Mitarbeiter der Geschäftsstelle redete ich über meine Biografie, meine Werte und Überzeugungen. Eine Frage war, in welchem Ministerium ich Geld sparen und in welchem mehr ausgeben würde. Bei solchen Fragen gibt es keine perfekte Antwort, da geht es mehr darum, differenziert zu argumentieren und sich durch Nachfragen nicht aus der Ruhe bringen zu lassen. Noch im selben Monat erhielt ich die Zusage.«

Das Stipendium

»Als Stipendiatin erhalte ich die monatliche Studienkostenpauschale von 300 Euro. Ich arbeite zwar trotzdem noch nebenbei als Hiwi, aber habe so finanziell weniger Druck. Besonders profitiere ich von der Auslandsförderung. Während meines Erasmussemesters in Italien erhielt ich zusätzliche Zuschüsse und aktuell übernimmt das Cusanuswerk die Kosten meines zweiten Masters in der Schweiz. Ohne diese Unterstützung und Vorbilder aus dem Förderwerk, die auch zwei Master gemacht haben, hätte ich wahrscheinlich nur meinen Master in Psychologie gemacht.

Stipendiat:innen müssen alle zwei Jahre an einer zweiwöchigen Ferienakademie teilnehmen, auf der wir uns bei Vorträgen, in Diskussionsrunden und Workshops mit einem wechselnden Thema befassen. Alle anderen Veranstaltungen sind freiwillig, es gibt unter anderem Hochschulgruppen, Tagungen und ein Jahrestreffen. Ich habe schon an einer Ingenieurs- und einer Musikfachschaftstagung teilgenommen und mich so mit Themen unabhängig von meinem Studium befasst.

Darüber hinaus gibt es ein hochschulübergreifendes geistliches Programm mit Impulsen und Gottesdiensten, die wir Stipendiat:innen mitgestalten. Ich war auch mal vier Tage auf Schweigeexerzitien in einem Kloster. Dort haben wir meditiert, Yoga gemacht und die meiste Zeit geschwiegen, um uns auf uns selbst zu besinnen. Das war eine spannende Erfahrung, die ich sonst nie gemacht hätte.

Ich stehe einigem, was die Kirche macht, kritisch gegenüber. Doch innerhalb des Werks gibt es ein breites Spektrum von Meinungen zum Thema Glaube und der Institution Kirche. Auf Veranstaltungen diskutieren wir auch über kirchenpolitische Fragen. Das schätze ich sehr.

Bei der Diversität der Stipendiat:innen ist, glaube ich, bei allen Begabtenförderungswerken noch Potenzial. Über die Hochschulgruppenkommission arbeite ich aktuell mit einer Initiative für Bildungsgerechtigkeit zusammen, die aktuelle und ehemalige Stipendiat:innen gegründet haben. Wir versuchen, gezielt Werbung bei Jugendlichen aus Nichtakademiker:innen-Haushalten, und/oder mit Migrations- oder Fluchthintergrund zu machen.«

Die Förderung

Finanziell: Die Rahmenbedingungen sind bei allen Begabtenförderungswerken gleich . Pro Monat erhalten Stipendiat:innen  pauschal 300 Euro sogenanntes Büchergeld. Je nach Einkommen und Vermögen der Studierenden und ihrer Eltern können in Anlehnung ans BAföG bis zu 752 Euro pro Monat dazukommen, außerdem Zuschläge für die Kranken- und Pflegeversicherung. Promovierende erhalten ein Stipendium in Höhe von 1350 Euro pro Monat für den Zeitraum der Regelstudienzeit. Mit guter Begründung lässt sich die Förderung jedoch verlängern und auch für den Master kann eine Weiterförderung beantragt werden.

Ideell: Bei den Begabtenförderungswerken wird die Teilnahme an Seminaren und Hochschulgruppentreffen meist erwartet. Stipendiat:innen können sich auch selbst einbringen, Seminare organisieren oder Hochschulgruppen leiten. Darüber hinaus bieten die Stiftungen oft freiwillige Zusatzangebote wie Mentoring-Programme, Networking Events und Workshops.

Fazit

»Im Cusanuswerk habe ich viele Menschen kennengelernt, die sich engagieren und breit gefächerte Interessen haben. Das hat mich in meinem Studium und meinem Engagement bestärkt. Durch das Stipendium bin ich diskussionsfähiger und selbstbewusster geworden.«

Transparenzhinweis: Die Autorin ist selbst Stipendiatin der Konrad-Adenauer-Stiftung, der parteinahen Stiftung der CDU.

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