Mehr als nur Erasmus Welche Stipendien es fürs Auslandsstudium gibt – und wie man sie bekommt

Andere Leute, andere Uni, andere Sprache, andere Erfahrungen – ein Auslandssemester hat viele Vorteile, aber es kostet auch. Ein Überblick über die Fördermöglichkeiten zeigt: Für fast alle ist etwas dabei.
Auf der Suche nach einem Stipendium: Ein Auslandsaufenthalt kann das Studium bereichern, aber auch ins Geld gehen (Symbolbild)

Auf der Suche nach einem Stipendium: Ein Auslandsaufenthalt kann das Studium bereichern, aber auch ins Geld gehen (Symbolbild)

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Rawpixel / iStockphoto / Getty Images

Torsten Szobries und seine Mitarbeiter:innen haben jeden Tag mit Studierenden zu tun, die eine Zeit lang in einem anderen Land studiert haben. Als Referatsleiter in der Abteilung Internationales der Universität Hamburg beobachte er dabei immer wieder: Ein Auslandssemester habe einen großen Einfluss auf die persönliche Entwicklung. »Die Studierenden werden reifer, selbstbewusster und selbstständiger«, sagt Szobries. Auch auf dem Arbeitsmarkt profitierten Absolvent:innen von einem Auslandssemester: »Es zeigt, dass sie flexibel und belastbar sind und wertvolle interkulturelle Erfahrungen gemacht haben.«

Ein Auslandssemester macht sich aber nicht nur gut im Lebenslauf, sondern kann schlicht großen Spaß machen. »Über 95 Prozent der Studierenden kommen mit leuchtenden Augen zurück und haben danach Freunde aus aller Welt«, sagt Szobries.

Was jedoch einige Studierende abschrecke: der Organisationsaufwand – und die Kosten. Studiengebühren im Ausland können sehr hoch sein, hinzu kommen Reisekosten und Lebensunterhaltskosten vor Ort. Ein Auslandsstipendium kann da helfen. Aber welches ist das richtige?

In unserer Reihe »Stipendien erklärt« stellen wir die wichtigsten Fördermöglichkeiten für Auslandssemester vor.

Über die eigene Hochschule

Einen Auslandsaufenthalt über das Angebot der eigenen Hochschule zu organisieren, ist der gängigste und in der Regel auch der einfachste Weg. Ansprechpartner sind die hochschuleigenen Abteilungen für Internationales.

Erasmus+

Das europäische Erasmus+-Programm  ist so etwas wie das Flaggschiff unter den Auslandsstipendien: »Die Erasmus-Förderung ist nicht bloß etwas für wenige Elite- oder Spitzenstudierende, sondern kann eigentlich allen zukommen«, sagt Szobries. Das Programm läuft über Fakultäten und ihre jeweiligen Partnerinstitute im europäischen Ausland.

Bewerbung:

In der Regel informieren die Fakultäten auf ihrer Website über die Partneruniversitäten und die Bewerbungsvoraussetzungen. Bewerber:innen können bis zu fünf Wunschziele angeben. Für die Onlinebewerbung brauchen Studierende einen Lebenslauf, Studiennachweise, ein kurzes Motivationsschreiben für die Austauschhochschule ihrer ersten Wahl und gegebenenfalls Sprachnachweise.

Förderung:

Je nach Zielland erhalten Studierende  zwischen 490 und 600 Euro pro Monat. Erwerbstätige, Studierende mit einer Behinderung oder chronischen Erkrankung, Studierende mit Kind und Erstakademiker:innen erhalten zusätzlich 250 Euro pro Monat. Studiengebühren müssen Erasmus-Stipendiat:innen im Ausland nicht zahlen. Auch der Bafög-Anspruch bleibt bestehen. Die Förderdauer  beträgt zwei bis zwölf Monate. Es ist also möglich, für zwei Semester ins Ausland zu gehen, zum Beispiel einmal im Bachelor und einmal im Master.

Vor- und Nachteile:

»Der Vorteil von Erasmus ist, dass die Studierenden zu dem Studienplatz auch automatisch die Förderung erhalten«, sagt Szobries. Zudem seien die Bewerbungsvoraussetzungen vergleichsweise niedrigschwellig. Eher durchschnittliche Bewerber:innen bekämen zwar nicht unbedingt ihre erste Wahl, könnten aber dennoch ins Ausland.

Tipps:

Die Erasmus-Förderung kommt in zwei Raten. »Hochschulen sind angehalten, die erste Rate sehr früh zu zahlen, es können aber Verzögerungen auftreten«, sagt Szobries. Es lohnt sich also, etwas Geld für den Start anzusparen. Zum Thema Sprachnachweis rät er, mit der Hochschule zu klären, ob es günstigere Formen als den teuren Toefl-Test gibt. Oft ist auch ein Test im Sprachenzentrum der Universität ausreichend.

Andere Partnerhochschulen

Die meisten Hochschulen haben neben den Erasmus-Partnerhochschulen weitere internationale Partnerhochschulen, an denen für Austauschstudierende die Studiengebühren wegfallen. »Viele Hochschulen haben separate Stipendienprogramme für diese Austausche«, erklärt Szobries. In der Regel werden diese aus Geldern des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) finanziert. Das »Programm zur Steigerung der Mobilität von Studierenden deutscher Hochschulen «, kurz Promos, fördert Auslandssemester, Praktika und andere Aufenthalte, die außerhalb des Erasmus-Raums stattfinden.

Bewerbung:

Den Bewerbungsprozess für diese Stipendien können die Hochschulen selbst gestalten. Für ein Promos-gefördertes Stipendium müssen Bewerber:innen für gewöhnlich Motivationsschreiben, Nachweise über ihre Studienleistungen und Empfehlungsschreiben einreichen. »Die Anforderungen für das Stipendium sind in der Regel etwas höher als bei Erasmus«, sagt Szobries – insbesondere, was die sprachlichen Voraussetzungen betreffe. Meist werde mindestens das Sprachniveau C1 verlangt.

Förderung:

Die monatliche Förderung ist vom Zielland abhängig. Sie setzt sich je nach der hochschulinternen Regelung aus unterschiedlichen Komponenten  zusammen, ist aber vergleichbar hoch wie die Erasmus-Förderung. Zudem kann es bei einzelnen Hochschulen auch zusätzliche Vorteile wie eine Wohnheimplatzgarantie  geben.

Vor- und Nachteile:

Ein Nachteil gegenüber Erasmus ist, dass Studierende nicht automatisch eine Garantie auf Förderung haben. »Erst wenn sie einen Austauschplatz haben, können sie Promos-Gelder beantragen«, sagt Szobries. Zudem sind die Reisekosten bei Austauschen außerhalb Europas oft höher. Für Visa und Ähnliches fallen weitere Kosten und Organisationsaufwand an. Dafür bekomme man aber die Möglichkeit für Austausche in »besonders interessante Länder«, sagt Szobries.

Tipps:

Es kann sich lohnen zu erfragen, wie viele Leute sich in den vergangenen Jahren beworben haben, um die eigenen Chancen abzuschätzen. Wer unbedingt ins Ausland möchte, kann sich parallel für einen Erasmus-Austausch bewerben, wo die Chancen auf eine Zusage höher sind.

Als Freemover

Was, wenn es an der eigenen Universität keinen Austausch mit der Traumuniversität im Ausland gibt? Wie lässt sich ein Auslandsaufenthalt unabhängig von dem Angebot der eigenen Hochschule organisieren?

»Dann gibt es die Möglichkeit, als sogenannter Freemover ins Ausland zu gehen – also ohne Programm«, sagt Szobries. Das bedeutet, dass die Studierenden alles selbst organisieren und im Ausland Studiengebühren zahlen müssten. Doch auch für diese Variante gibt es Fördermöglichkeiten.

DAAD-Stipendium

Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) vergibt Jahresstipendien  für Studienaufenthalte im Ausland außerhalb der Erasmus-Länder und Stipendien für ein Masterstudium im Ausland. Kürzere Aufenthalte werden nicht gefördert.

Bewerbung:

Bewerber:innen müssen sich beim DAAD in eine Stipendiatendatenbank eintragen. Zur Bewerbung gehören in der Regel ein Gutachten eines Dozierenden, ein Motivationsschreiben und ein Studienplan für den jeweiligen Aufenthalt.

Förderung:

Die finanzielle Förderung bei DAAD-Stipendien unterscheidet sich je nach Zielland. Für ein Jahresstipendium in den USA erhalten Stipendiat:innen beispielsweise 1175 Euro pro Monat, in Japan 1550 Euro. Darüber hinaus gibt es Zuschläge, etwa für Familien oder Studierende mit Behinderung. Zusätzlich kann man beim DAAD einen Zuschuss zu den Studiengebühren beantragen.

Vor- und Nachteile:

Das DAAD-Stipendium kann besonders für Studierende Sinn ergeben, die bei dem Austauschangebot ihrer Universität nicht fündig geworden sind. Einen Auslandsaufenthalt selbst zu organisieren, ist jedoch in der Regel mit erheblich mehr Aufwand verbunden. »Auch die Bewerbung ist aufwendiger«, sagt Szobries. Eine nachvollziehbare Begründung des Vorhabens und sehr gute akademische Leistungen seien Voraussetzung, um eine Chance auf das Stipendium zu haben.

Tipp:

Der DAAD fördert auch Forschungsaufenthalte  im Ausland.

Fachgebundene und länderspezifische Stipendien:

Wer unbedingt in ein bestimmtes Land möchte, kann sich informieren, ob es für dieses Land spezifische Stipendien gibt. »Das Fullbright-Studienstipendium  für Studienaufenthalte in den USA ist beispielsweise sehr renommiert«, sagt Szobries. Dementsprechend hart sei aber auch das Auswahlverfahren. Für Frankreichliebhaber könnte das Eiffel-Stipendium  des französischen Außenministeriums etwas sein.

Für viele Studienrichtungen gibt es zudem fachgebundene Stipendien, wie die Studienstiftung der »Süddeutschen Zeitung«  für Journalismus-Studierende oder das Bucerius-Jura-Programm  für Jurist:innen.

Tipp:

Die Universität Hamburg listet einige dieser Stipendien auf ihrer Seite  auf.

Die Auslandsförderung der Begabtenförderungswerke

Die 13 Begabtenförderungswerke vergeben etwa ein Viertel aller Stipendien in Deutschland. Einige stehen politischen Parteien oder Organisationen nahe, andere Religionsgemeinschaften. Ein Stipendium bei diesen Werken gilt in der Regel nicht nur für einen Auslandsaufenthalt, stattdessen erhalten die Stipendiat:innen über mehrere Semester finanzielle und ideelle Förderung. Eine Auslandsförderung für bis zu zwei Semester ist jedoch bei allen Begabtenförderungswerken inbegriffen.

Bewerbung:

Um in eines der Begabtenförderungswerke aufgenommen zu werden, braucht es nicht zwingend einen Einserschnitt. Neben schulischen oder akademischen Leistungen zählt vor allem gesellschaftliches Engagement.

Förderung:

Die Begabtenförderungswerke  übernehmen bei einem Auslandsaufenthalt Studiengebühren bis zu 10.000 Euro. Zudem erhalten die Studierenden Reisekostenpauschalen und Auslandszuschläge analog zu dem Bafög-Auslandszuschlag sowie gegebenenfalls Zuschüsse bei zusätzlichen Krankenversicherungen.

Vor- und Nachteile:

Stipendiat:innen profitieren auch abseits eines Auslandssemesters vom Angebot der Stipendiengeber. Dafür ist der Aufnahmeprozess oft mehrstufig und mit mehr Aufwand verbunden als beispielsweise die Bewerbung für ein Erasmus-Semester. Bei manchen Begabtenförderungswerken können Studierende sich nur vor Beginn oder während ihres ersten Semesters bewerben.

Allgemeine Tipps
  • Bewerbungsfristen: Bachelorstudierende sollten sich bereits in den ersten zwei Semestern informieren und in der Regel im dritten Semester bewerben. Masterstudierende müssen sich oft bereits im ersten Semester für ein Auslandssemester bewerben.

  • Motivationsschreiben: »Egal für welchen Austausch oder für welches Stipendium: Im Motivationsschreiben sollten die Studierenden zeigen, dass sie sich gut vorbereitet haben, dass sie wissen, was an der Universität im Ausland angeboten wird, und begründen können, warum gerade deshalb dieser Austausch für sie Sinn ergibt«, sagt Szobries. Begründungen wie »Ich möchte nach Kanada, weil ich da Familie habe« kämen nicht gut an.

  • Anrechnung der Studienleistungen: Bei Austauschen über die eigene Hochschule ist die Anerkennung von Studienleistungen meist etwas einfacher als bei individuell organisierten Austauschen. Generell gilt: Es ergibt Sinn, sich Wahlpflichtmodule oder Ähnliches für das Auslandssemester aufzuheben, weil dort die Anerkennung in der Regel am einfachsten ist.

  • Verlängerung der Regelstudienzeit: Nicht immer können volle 30 ECTS während des Aufenthalts angerechnet werden. Ein Auslandssemester kann das Studium deshalb um ein Semester verlängern. Viele Stipendiengeber und auch das Bafög-Amt haben dafür Verständnis und verlängern das Stipendium beziehungsweise die Förderung.

Auslands-Bafög

Das Bundesausbildungsförderungsgesetz – besser bekannt als Bafög – gilt auch fürs Ausland . Was viele Studierende nicht wissen: »Auch wer kein Inlands-Bafög bekommt, kann unter Umständen berechtigt sein, Auslands-Bafög zu erhalten«, sagt Szobries. Zum Beispiel wenn die Eltern für Inlands-Bafög zu viel verdienen.

Bewerbung:

Der Antrag auf Auslands-Bafög  sollte mindestens ein halbes Jahr vor Reiseantritt beim zuständigen Auslandsamt gestellt werden. Bewerber:innen müssen einen ständigen Wohnsitz in Deutschland haben, die Hochschule muss hier anerkannt sein und der Aufenthalt eine bestimmte Mindestdauer haben. »Abgesehen davon gibt es keine weiteren Bewerbungsvoraussetzungen«, sagt Szobries.

Förderung:

Studierende erhalten abhängig vom jeweiligen Zielland einen Auslandszuschlag  auf den regulären Bafög-Satz. Zudem werden bis zu 4600 Euro Studiengebühren übernommen und die Reisekosten bezuschusst, ebenso Zusatzkosten durch die Krankenversicherung.

Vor- und Nachteile:

Die Rechnung, wie hoch eine Bafög-Förderung im Ausland ausfallen würde, ist relativ kompliziert, es gibt viele Faktoren einzubeziehen. Ab etwa 300 Euro monatlich werden etwa Gelder durch Stipendien wie Erasmus mit dem Bafög verrechnet. Ebenso wie das Inlands-Bafög muss Auslands-Bafög zu 50 Prozent zurückgezahlt werden. Szobries rät dennoch allen Studierenden dazu, diese Möglichkeit auf jeden Fall beim Amt für das jeweilige Zielland  zu prüfen, »und das möglichst früh«.

Tipps:

Es besteht die Möglichkeit, einen Antrag auf Vorabentscheidung zu stellen – also noch vor der Bewerbung auf ein Auslandssemester zu prüfen, ob ein Auslands-Bafög-Anspruch bestehen würde.

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