Finanzielle Unterstützung im Studium Welche Stipendien es gibt – und wie man sie bekommt

Die Begabtenförderungswerke vergeben etwa ein Viertel aller Stipendien in Deutschland. Der Überblick zeigt: Ob religiös, politisch oder wirtschaftsnah – für fast alle ist etwas dabei. Selbst ohne Einser-Schnitt.
Zusammengestellt von Helene Flachsenberg
Büffeln muss man trotzdem – doch davon abgesehen kann ein Stipendium das Studium erheblich erleichtern (Symbolbild)

Büffeln muss man trotzdem – doch davon abgesehen kann ein Stipendium das Studium erheblich erleichtern (Symbolbild)

Foto:

Sam Edwards / Getty Images

Notorisch pleite zu sein, gehört zum Studierendenleben wie Erstsemesterpartys und Mensaessen. Geld verdienen lässt sich neben dem Lernen nur begrenzt, und längst nicht jede:r ist mit spendablen Eltern gesegnet. Ein Stipendium kann da eine gute Möglichkeit sein, das Portemonnaie aufzufüllen.

Laut myStipendium gibt es in Deutschland mehr als 3000 Stipendienprogramme, eine ziemlich große Auswahl. Um etwas Orientierung zu geben, stellen wir in unserer Reihe »Stipendien erklärt« das Deutschlandstipendium und die sogenannten Begabtenförderungswerke vor – 13 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützte Institutionen, die besonders leistungsstarke und engagierte Studierende fördern und etwa 25 Prozent der Stipendien in Deutschland vergeben .

In der Reihe erzählen Stipendiat:innen, wie sie zu ihrer Förderung gekommen sind und was sie an ihrem jeweiligen Programm besonders schätzen. Einen Punkt betonen sie alle: Man braucht kein Einser-Abitur, um ein Stipendium zu bekommen. Stattdessen komme es auf das Gesamtpaket an.

Was bringt mir ein Stipendium?

Finanzielle Förderung: Die Rahmenbedingungen sind bei allen Begabtenförderungswerken gleich . Pro Monat erhalten Stipendiat:innen pauschal 300 Euro sogenanntes Büchergeld. Je nach Einkommen und Vermögen der Studierenden und ihrer Eltern können in Anlehnung ans Bafög bis zu 752 Euro pro Monat dazukommen, außerdem Zuschläge für die Kranken- und Pflegeversicherung. Promovierende erhalten ein Stipendium in Höhe von 1350 Euro pro Monat.

Ideelle Förderung: Stipendiat:innen erhalten nicht nur Geld, sondern auch Angebote zur Weiterbildung und zum Netzwerken. Die Teilnahme an Seminaren und Hochschulgruppentreffen der Begabtenförderungswerke wird meist erwartet. Stipendiat:innen können sich auch selbst einbringen, Seminare organisieren oder Hochschulgruppen leiten. Darüber hinaus bieten die Stiftungen oft freiwillige Zusatzangebote wie Mentoring-Programme, Networking Events und Workshops.

Studienstiftung des deutschen Volkes

Die Studienstiftung des deutschen Volkes hat im Gegensatz zu vielen anderen Begabtenförderungswerken keinen weltanschaulichen Schwerpunkt und fördert mit Abstand die meisten Studierenden. Schulen können jedes Jahr ein Kontingent an leistungsstarken Kandidat:innen vorschlagen, außerdem kann man sich zu Beginn des Studiums eigenständig bewerben. In beiden Fällen sind gute Leistungen ebenso Voraussetzung wie die Bereitschaft, sich gesellschaftlich zu engagieren.

Stipendiatin Annabell Wähner zum Beispiel hatte während der Schulzeit kostenlos Nachhilfe gegeben und sich im Schulsanitätsdienst engagiert. So schaffte sie es in die Studienstiftung, obwohl sie nicht zu den Besten ihres Jahrgangs gehörte.

Hans-Böckler-Stiftung

Hinter der Hans-Böckler-Stiftung steht der Deutsche Gewerkschaftsbund, kurz DGB. Der DGB ist die größte Dachorganisation von Gewerkschaften in Deutschland, ihm gehören etwa Ver.di und die IG Metall an. Die Hans-Böckler-Stiftung  will eigenen Angaben zufolge die Chancengleichheit im Bildungssystem erhöhen.

Stipendiatin Meri Asryan berichtet, dass sie vor ihrer Bewerbung keine Berührungspunkte mit Gewerkschaften gehabt habe, das sei aber »kein Ausschlusskriterium« gewesen. Auch bei der Hans-Böckler-Stiftung kann gesellschaftspolitisches Engagement überzeugen. Asryan engagierte sich etwa als Streitschlichterin und als Anne-Frank-Botschafterin.

Stiftung der Deutschen Wirtschaft

Die Stiftung der Deutschen Wirtschaft (SDW) sowie das ihr untergeordnete Klaus-Murmann-Studienförderwerk werden unter anderem von Unternehmer:innen und Arbeitgeberverbänden finanziert. Es gibt zwar keine weltanschauliche Ausrichtung, die SDW will jedoch insbesondere »Eigeninitiative und Unternehmergeist«  fördern.

Stipendiatin Amal Aarab hatte bei ihrer Bewerbung angegeben, dass sie sich vorstellen könnte, einmal selbst zu gründen. Ein Wunsch, der durch das Stipendium noch genährt wurde, wie sie sagt.

Parteinahe Begabtenförderungswerke

Parteinahe Stiftungen  sollen in Deutschland zur politischen Bildung beitragen. Obwohl sie, wie der Name sagt, jeweils einer bestimmten Partei nahestehen, sind sie formal unabhängig von diesen. Wie viel Geld eine Stiftung vom Staat bekommt, richtet sich nach den Wahlergebnissen der jeweiligen Partei bei der Bundestagswahl. Aktuell gibt es eine parteinahe Stiftung der SPD, der CDU, der CSU, der FDP und von Bündnis 90/Die Grünen. Auch die Stiftung der AfD wird in Zukunft wohl staatliche Förderung erhalten.

Ihren Bildungsauftrag  erfüllen die Stiftungen etwa mit Veranstaltungen oder Forschungsprojekten – oder eben durch Stipendien, die junge Menschen in ihrer wissenschaftlichen Ausbildung fördern.

Was sollte ich für die Bewerbung bei einem Begabtenförderungswerk mitbringen?

Je nach Schwerpunkt sollten sich Bewerber:innen im Idealfall mit den Werten und Zielen der jeweiligen Stiftung identifizieren können. In der Regel zählen darüber hinaus die folgenden Auswahlkriterien bei der Bewerbung:

  • Überdurchschnittliche Leistungen (auch ein Zweierschnitt kann reichen)

  • Gesellschaftliches oder soziales Engagement (von Klassensprecher:in bis NGO ist alles möglich)

  • Motivation und gesellschaftliches Verantwortungsbewusstsein; außerdem die Frage, wie gut die Bewerber:innen zur Stiftung passen

Der Bewerbungsprozess  ist oft mehrstufig. In der Regel brauchen Bewerber:innen Gutachten und/oder müssen einen Fragebogen ausfüllen, bevor sie zu persönlichen Bewerbungsgesprächen und/oder Auswahltagen eingeladen werden.

Hinweis: Wegen der Coronapandemie haben einige der Begabtenförderungswerke den Bewerbungsprozess leicht verändert. Die Auswahlgespräche finden zum Beispiel vermehrt online statt.

Dass die Stiftungen Parteien nahestehen, heißt allerdings nicht, dass ein Parteibuch Voraussetzung für ein Stipendium ist. Manche der Stipendiat:innen sind politisch aktiv, so sitzt etwa Zara Dilan Kiziltas, gefördert von der Rosa-Luxemburg-Stiftung, für die Linke im Heidelberger Stadtrat. Andere, wie Ammar Kamel, Stipendiat der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung, sind Mitglieder in der Jugendorganisation der jeweiligen Partei. Manche Stipendiat:innen haben aber auch keinerlei Verbindungen zu den Parteien. Stipendiatin Inga Lahrsen etwa schätzt bei der grünen Heinrich-Böll-Stiftung, dass »nur eine Minderheit wirklich parteipolitisch aktiv ist«.

Allerdings: Die Stiftungen wünschen sich von Bewerber:innen in der Regel, dass diese sich mit den Werten der Stiftung identifizieren können. Es kann also von Vorteil sein, sich bei der Stiftung zu bewerben, deren Mutter-Partei man am ehesten nahesteht – selbst, wenn man dort nicht selbst aktiv ist.

Mehr über die Stipendien parteinaher Stiftungen

Religiöse Begabtenförderungswerke

Neben politischen gibt es auch religiöse Stiftungen, die Studierende fördern. Die evangelische sowie die katholische Kirche haben Studienwerke zu diesem Zweck, außerdem gibt es ein muslimisches und ein jüdisches Begabtenförderungswerk. Auch hier muss man nicht bei allen Werken zwingend der entsprechenden Religion angehören, um ein Stipendium zu erhalten. Die religiösen Werke sind bei der Konfession jedoch in der Regel strenger als die parteinahen Stiftungen bei der Parteizugehörigkeit.

Das katholische Cusanuswerk etwa fördert ausschließlich katholische Studierende. Beim muslimischen Avicenna-Werk und beim jüdischen Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerk gibt es Ausnahmen, etwa wenn sich jemand im Studium mit dem Islam beziehungsweise dem Judentum beschäftigt. Das evangelische Studienwerk Villigst hingegen setzt eine Mitgliedschaft in der evangelischen Kirche nicht voraus.

Die ideelle Förderung beinhaltet bei allen Werken auch andere Inhalte als rein religiöse. Esra Eroğlu, Stipendiatin von Avicenna, engagiert sich etwa in einer Arbeitsgruppe zu Inklusion, die Workshops ausrichtet und Leitfäden zu Barrierefreiheit erstellt. Roger Schwertfeger, Stipendiat des evangelischen Studienwerks, berichtet, dass dieses sogar eine eigene Delegation zur Klimakonferenz in Glasgow geschickt habe.

Deutschlandstipendium

Das Deutschlandstipendium gehört nicht zu den Begabtenförderungswerken, es ist jedoch einer der größten Stipendiengeber. Allein 2020 wurden 28.000 Studierende  mit dem Deutschlandstipendium gefördert. Stipendiat:innen erhalten ebenfalls 300 Euro monatlich sowie eine ideelle Förderung durch Seminare und Netzwerke. Das Deutschlandstipendium wird zur Hälfte vom Bund und zur Hälfte von privaten Förder:innen bezahlt.

Der Bewerbungsprozess unterscheidet sich leicht von dem bei den Begabtenförderungswerken. Eine Besonderheit ist, dass auch die persönliche Biografie berücksichtigt wird. So werden Menschen gefördert, die während ihres Bildungswegs »persönliche Hürden« überwunden haben. Stipendiat Robin End erzählt, was so etwas sein kann: Ihn habe beeinflusst, dass sich seine Eltern während seiner Schulzeit trennten – davon habe er auch in seiner Bewerbung berichtet.

Mehr lesen über Verwandte Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.