Nicht gerade ein Augenschmaus, aber in fünf Minuten ohne großen Stromverbrauch fertig: Toaster-Wraps

Nicht gerade ein Augenschmaus, aber in fünf Minuten ohne großen Stromverbrauch fertig: Toaster-Wraps

Foto: Sebastian Maas / DER SPIEGEL

Kochen ohne Kohle Wie man in der Küche Strom (und damit bares Geld) sparen kann

Heute bleibt die Küche kalt – wir essen trotzdem zu Hause. Angesichts der Energiepreise gibt es Wraps aus dem Toaster. Und als Hauptgericht Tipps, um beim Kochen Energie zu sparen.
Eine Kolumne von Sebastian Maas

Aktuell habe ich vor jedem Gang zum Briefkasten Angst. Die hohen Energiepreise werden sich in den nächsten Wochen auch auf meiner Nebenkostenabrechnung abzeichnen. Im Bekanntenkreis und im Internet häufen sich Meldungen von Menschen, deren Abschläge um ein Vielfaches gestiegen  sind. Nicht nur Azubis, Studierende oder Rentner:innen müssen angesichts der Kosten schlucken. Während Gashändler in Goldgräberstimmung verfallen , heißt es für alle Normalos: sparen, wo es nur irgendwie geht. Selbst fünf bis zehn Prozent Einsparung im Stromverbrauch machen plötzlich enorme Summen aus.

Alle Rezepte aus »Kochen ohne Kohle«

Bafög oder Azubi-Gehalt sind schon wieder fast aufgebraucht? Der Obstkorb beim unbezahlten Agenturpraktikum war geräubert? Und bitte nicht schon wieder Pizza-Toast? Alles kein Problem: In dieser Kolumne zeigt SPIEGEL-Redakteur und Hobbykoch Sebastian Maas, wie man trotz Flaute auf dem Konto leckere und besondere Gerichte zaubern kann. Dabei gibt es nur zwei Regeln:

  • Eine Portion darf maximal so viel kosten wie ein Essen in der Mensa, also 3 Euro.

  • Teure Spezialgeräte sind tabu.

Für Hungrige gibt es unten ein energiesparendes Mini-Rezept und ein paar kalte Ideen. Vor allem gebe ich in dieser Kolumne aber Tipps, wie man mit einfachen Mitteln etwas weniger Strom in der Küche benötigt. Anfang des Jahres habe ich ein Gespräch mit Joshua Jahn geführt, der bei der Verbraucherzentrale Brandenburg den Bereich Energiesparen leitet. Viele seiner Tipps sind in die Liste mit eingeflossen. Langjährige Sparfüchse dürften vieles davon sicherlich schon beherzigen, doch manchmal hilft es ja, sich daran zu erinnern. Anfänger:innen in der ersten eigenen Wohnung kennen viele der Tricks vielleicht noch nicht. Natürlich hängt manches von den Umständen und der technischen Ausstattung ab – ein alter Herd mit Kochplatte wird mehr Zeit zum Aufkochen von Wasser benötigen als ein moderner Induktionsherd.

Strom sparen in der Küche – so geht's

Schon ein Deckel spart über zehn Prozent Energie beim Kochen

Schon ein Deckel spart über zehn Prozent Energie beim Kochen

Foto: Zaineb Louchahi / EyeEm / Getty Images
  • Kochen nur mit Deckel: Es klingt banal, aber ein Deckel auf dem Topf verringert den Energieverbrauch um ungefähr zehn bis 13 Prozent. Berechnungen zufolge  benötigt man zum Erhitzen von einem Liter Wasser ohne Deckel 0,184 kWh Strom, mit Deckel nur 0,16 kWh.

  • Druckkochtöpfe beherzigen dieses Prinzip und legen noch eine Schippe drauf. Durch den hohen Druck im Topf kann das Wasser auf über 100 Grad erhitzt werden, ohne zu verdampfen. So verringert sich die Kochzeit und damit der Stromverbrauch. Wer oft Hülsenfrüchte oder andere harte Lebensmittel weich bekommen möchte, könnte sich einen Druckkochtopf anschaffen. Im Keller von Tante und Onkel finden sie sich oft ausgemustert oder für kleines Geld in den Kleinanzeigen. Alternativ kann man Erbsen und Co. über Nacht einweichen lassen und etwas Natron ins Kochwasser geben, auch dann werden sie schneller weich.

  • Platte früher abschalten: Wenn das Essen einmal gekocht hat und die letzten Minuten Kochzeit anstehen, kann man den Herd in vielen Fällen bereits ausstellen und den Topf auf der Restwärme der Platte blubbern lassen. Gerade mit Deckel bleibt viel Hitze gespeichert, in der das Essen zu Ende gart.

  • Ähnlich funktionieren auch Thermo-Kochkisten, die im Laufe des vergangenen Jahrhunderts irgendwann aus der Mode gekommen sind – von vielen Leser:innen aber noch genutzt werden, wie ich aus Zuschriften zum Reiskochen weiß. In der einfachsten Version wird eine Holzkiste mit Stroh isoliert und der Topf mit dem aufgekochten Inhalt darin aufbewahrt, damit die Wärme nicht verloren geht und die Speisen schonend zu Ende garen. Die Strohversion ist vielleicht nicht gerade die praktikabelste Lösung für die WG-Küche – inzwischen gibt es auch Kisten aus hitzebeständigem Kunststoff.

  • Wasser im Wasserkocher vorkochen: Dieser Tipp ist nicht allgemeingültig , was vor allem an der Art des Kochers liegt. Wasserkocher aus Metall speichern selbst viel Wärme, es ist wie beim Herd: Zuerst wird das kalte Metall erhitzt, dann erst der Inhalt des Topfes. In vielen Fällen kann es sich aber lohnen, das Wasser nicht im Topf, sondern im Wasserkocher aufzukochen. Die Stiftung Warentest hat das schon 2012  für verschiedenste Gerätetypen ausgerechnet.

  • Auf den Backofen verzichten: Eine Discounter-Tiefkühlpizza wirkt bei den horrenden Lebensmittelpreisen gerade wie eine preiswerte Mahlzeit, allerdings muss sie zu Hause lange im Backofen erhitzt werden. Wer kleinere Geräte als Alternative hat, sollte darauf zurückgreifen. Ein Airfryer ist letztendlich auch nur ein kleiner Heißluftofen. Wenn es doch nicht anders geht, dann auf jeden Fall auf das Vorheizen verzichten. Wenn man nicht gerade Soufflé oder Sauerteigbrot backen möchte, geht es auch ohne Vorheizen. Außerdem nicht andauernd die Tür des Ofens öffnen und schließen, dabei geht viel Wärme verloren.

  • Geräte austauschen: Dieser Punkt tut mir selbst etwas weh, weil er bedeutet, dass man erst einmal Geld für neue Geräte braucht, um Geld sparen zu können. Alte Backöfen, Kühl- und Gefrierschränke fressen aber besonders viel Strom. Verbraucherschützer Joshua Jahn sagte mir dazu: Zehn Jahre alte Geräte kann man ersetzen, 15 Jahre alte sollte man ersetzen – das rechne sich schnell. Wer die Möglichkeit hat, denkt vielleicht darüber nach.

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Sebastian Maas

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  • Gefrierschränke abtauen: Eine dicke Eisschicht verhindert den korrekten Wärmeaustausch und frisst viel Energie. Alle sechs Monate sollte man den Gefrierschrank daher auf jeden Fall abtauen.

  • Kühlschränke nicht so dicht an die Wand rücken: Auf der Rückseite des Kühlschranks befindet sich eine Spirale, die Wärme an die Umgebungsluft abgibt und dadurch das Innere des Kühlschranks kühlt (einfach gesagt – ich bin kein Ingenieur, bitte nicht beschweren). Steht der Schrank zu dicht an der Wand oder ist der Abzug nach oben verbaut, staut sich die Wärme und der Energieverbrauch steigt.

Ein einfaches warmes Rezept – ohne Herd: Toaster-Wraps
So falten, dass nichts rausfällt und der Wrap gleich noch in den Toaster passt

So falten, dass nichts rausfällt und der Wrap gleich noch in den Toaster passt

Foto: Sebastian Maas / DER SPIEGEL

Das benötigt man für eine Person:

  • 2 Wraps (Weizen- oder Maismehl)

  • 2-3 Scheiben Gouda oder anderen Käse

  • eine halbe Paprika

  • eine halbe Zwiebel oder Schalotte

Was kostet das?
Etwa einen Euro

Wie lange dauert das?
Nur fünf Minuten

So einfach macht man Toaster-Wraps

Die Weizenfladen mittig in einer Linie mit Käse, Zwiebelringen und dünnen Paprikastreifen belegen. Darauf achten, dass er nicht zu dick wird – sonst bleibt das Essen im Toaster stecken.

Die nicht belegten Seiten des Wraps Richtung Mitte einschlagen und ihn dann so zusammenfalten, dass eine Tasche entsteht. Mit der Öffnung nach oben in den Toaster stecken und für drei bis vier Minuten toasten. Fertig!

Salat und anderes weiches Gemüse eignen sich auch als Füllung, weil die Wraps nicht komplett durchgebacken werden. Vorsicht mit Soßen, Tomaten und Butter – diese Zutaten können im Toaster auslaufen. Lieber erst später hinzufügen.

Oder einfach... gar nicht kochen?

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe hat dieses Jahr das (etwas apokalyptisch anmutende) Buch »Kochen ohne Strom« herausgegeben. Leider erfordern viele Rezepte darin einen Gaskocher oder Grill, einige lassen sich aber auch auf einem Teelicht erwärmen oder müssen gar nicht gekocht werden. Wer den Energieverbrauch fürs Kochen so niedrig wie möglich halten möchte, muss sich also solche kalten Rezepte suchen.

Hier ein paar einfache Ideen von mir:

  • Ein Mix aus Haferflocken, (Pflanzen-)Milch, Nüssen und Obst muss nicht gekocht werden, macht aber lange satt und ist sehr nahrhaft. Ideen für fünf Geschmackskombinationen habe ich hier aufgeschrieben.

  • Vorgekochte Kichererbsen (und anderes eingelegtes Gemüse) aus der Dose mit frischer Paprika und Gurke ergeben einen tollen Salat, der auch viele Proteine liefert. Pesto oder Gartenminze passen hervorragend dazu. Wer nicht auf tierische Proteine verzichten mag, gönnt sich dazu Dosenfisch wie Thunfisch.

  • Couscous und Bulgur quellen auch in kaltem Wasser, benötigen dann aber länger. Man kann sie über Nacht im Kühlschrank vorbereiten. Noch etwas Zitronensaft zugeben und während der Quellzeit auf Öl verzichten, weil dieses das Getreide umhüllt und das Quellen verhindert. Später mit Gemüse und Kräutern der Wahl vermischen, das Öl erst zum Schluss zugeben.

Ich hoffe, dass Sie gut durch die teure Zeit kommen und, ganz persönlich, dass Sie sich in Ihrem (berechtigten) Zorn nicht von rechten Rattenfängern einlullen  lassen. Deren »Ideen« sind wirklich keine Hilfe gegen Putins Methoden.

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