Tim Reichel

Vier Tipps für mehr Motivation Wie man die Begeisterung fürs Studium neu entfacht

Früher war alles aufregend und interessant, jetzt wird der tägliche Gang in die Uni zur Qual? Unser Kolumnist verrät, wie Studierende wieder Schwung in ihren Lernalltag bringen können.
Der Spaß am Studieren steht und fällt auch mit dem sozialen Umfeld (Symbolbild)

Der Spaß am Studieren steht und fällt auch mit dem sozialen Umfeld (Symbolbild)

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MAREK ZELINA / Getty Images

Es läuft nicht rund. Schon lange nicht mehr. Früher hast du jede gemeinsame Minute genossen. Doch mittlerweile hat euch der Alltag eingeholt. Es kriselt. Du und dein Studium – ihr braucht eine Paartherapie.

Fast täglich erzählen mir Studierende, wie unzufrieden sie mit ihrem Studium sind. Jede Vorlesung ist langweilig, kein Fach interessant. Das Aufstehen fällt schwer und das Lernen sowieso. Die Selbstdisziplin ist schon vor Wochen mit der Motivation durchgebrannt.

Bachelor of Smarts – die Uni-Kolumne

Gutes Zeitmanagement, die richtige Lernstrategie vor Prüfungen, Tipps für den Einstieg ins digitale Semester: In dieser Kolumne gibt Dr. Tim Reichel Rat zu Herausforderungen im Studium und zeigt, wie Studierende erfolgreich durch den Bachelor kommen – ohne Dauerstress.

Du stehst auch vor einem vermeintlich unlösbaren Problem im Studium oder hast eine Frage an Tim Reichel? Dann schreib uns an SPIEGEL-Start@spiegel.de .

Doch viele Studis vergessen dabei einen wichtigen Punkt: Sie haben Einfluss darauf, wie ihr Studium abläuft. Prüfungsordnungen und Studienverlaufsplan in allen Ehren – aber neben den starren Bologna-Richtlinien gibt es immer noch Spielraum. Und den gilt es zu nutzen.

Das heißt: Du musst nicht tatenlos zusehen, wie du dich immer weiter von deinem Studium entfernst. Du kannst es anpacken, gestalten und ändern. Und das ist leichter, als du denkst. Hier sind vier Vorschläge, mit denen ich schon bei vielen Studis neue Impulse setzen und Veränderungsprozesse anschieben konnte.

1. Konzentriere dich auf deine übergeordneten Ziele

Ein Studium kann phasenweise sehr anstrengend sein. So anstrengend, dass du vor lauter To-dos und Deadlines die Orientierung verlierst. Das hat zur Folge, dass du dein Studium nicht mehr als Ganzes wahrnimmst, sondern nur die einzelnen Lerneinheiten, Prüfungen und Hausarbeiten siehst. Genau das kann sehr schnell ermüden.

Gewöhne dir daher an, regelmäßig deine übergeordneten Studienziele in den Fokus zu nehmen. Wieso hast du irgendwann mal dieses Fach gewählt? Welchen Abschluss möchtest du erreichen? Was kannst du damit später anfangen? Mach dir klar, dass jeder kleine, noch so nervige Schritt nur ein Puzzleteil deiner akademischen Ausbildung ist. Am Ende wird sich alles auszahlen und einem großen, sinnvollen Ziel dienen.

2. Suche nach Anwendungsmöglichkeiten

Viele Studiengänge sind sehr theorielastig und du verbringst die meiste Zeit mit Definitionen, Modellen und anderem abstrakten Gedöns. Um neuen Schwung in den Lernalltag zu bringen, empfehle ich, nach praktischen Anwendungsbeispielen deiner Studieninhalte zu suchen: Welche Rolle spielen deine ingenieurwissenschaftlichen Grundlagen bei der Energiewende? Wie lässt sich mit dem Modell aus der Vorlesung eine aktuelle gesellschaftliche Entwicklung erklären?

Recherchiere in Medien zu den Themen, informiere dich über neue wissenschaftliche Entwicklungen und sprich mit deinen Profs. Aktuelle Anwendungsbeispiele helfen zu verstehen: Wozu ist meine Vorlesung gut? Welches Problem erklärt oder löst sie?

3. Wähle andere Kurse

Solltest du bei dem vorherigen Punkt feststellen, dass einige deiner Veranstaltungen kaum aktuellen Bezug haben und auch keine Grundlagen für Themen darstellen, die dich interessieren, ist ein Kurswechsel angesagt – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes: Wähle ein anderes Modul! Wenn es sein muss, wechsle auch deine Vertiefungsrichtung.

In vielen Bachelorstudiengängen sind derartige Wahlmöglichkeiten zwar nur sehr eingeschränkt. Erkundige dich dennoch nach deinem Gestaltungsspielraum und belege alternativ Zusatzmodule oder ziehe eine spannendere Mastervorlesung vor. Im Master selbst hast du häufig eine größere Auswahl – von der du auch Gebrauch machen solltest. Selbst dann, wenn du durch einen Wechsel Zeit verlieren und ein oder zwei Semester länger studieren solltest.

4. Sortiere in deinem Umfeld aus

Ein langweiliges Studium korreliert manchmal mit langweiligen Menschen. Kommiliton:innen, Professor:innen, Mitbewohner:innen. Wenn du dein Umfeld kritisch betrachtest, werden dir womöglich destruktive Personen auffallen. An dieser Stelle rate ich zu einem radikalen Schritt: Verbanne diese Menschen aus deinem Leben.

Verbringe deine Zeit ab sofort nicht mehr mit dem Kommilitonen, der sich ständig über Noten messen will und dir ein schlechtes Gefühl gibt. Wähle die Vorlesung der Professorin ab, die nicht für ihr Fach brennt und die Inhalte bloß lieblos runterleiert. Und suche dir eine neue WG, wenn deine Mitbewohner:innen rund um die Uhr schlechte Stimmung verbreiten.

Umgib dich stattdessen mit Menschen, die dir guttun und die dein Studium bereichern: Kommiliton:innen, die deine Leidenschaft fürs Studium teilen, Professor:innen, die mit Leidenschaft ihre Vorlesung halten und Mitbewohner:innen, die dir das Gefühl von Zuhause geben.

Fazit

Veränderung ist oft anstrengend und tut mitunter weh. Doch wenn dich dein Studium langweilt und dir keinen Spaß mehr macht, wird es höchste Zeit, etwas zu unternehmen.

Im Grunde hast du nur zwei Möglichkeiten: Entweder du akzeptierst den deprimierenden Alltagstrott und studierst unglücklich weiter, oder du krempelst die Ärmel hoch und arbeitest an deiner Situation. Letzteres erfordert etwas Mut, aber ich verspreche dir, dass es sich lohnen wird.

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