Tim Reichel

Netzwerken, Lerneinheiten oder Tagesplanung Sechs realistische Vorsätze fürs neue Semester

Tim Reichel
Eine Kolumne von Tim Reichel
Neues Semester, neue Ziele. Doch bevor man die eigenen Vorhaben in die Wolken baut, sollte man sich lieber auf das Erreichbare konzentrieren, meint unser Kolumnist. Und hat gleich ein paar Vorschläge.
Im Studium hoch hinaus zu wollen, ist kein Fehler – solange man dabei realistisch bleibt

Im Studium hoch hinaus zu wollen, ist kein Fehler – solange man dabei realistisch bleibt

Foto: We Are / Getty Images

Zu Beginn des neuen Semesters nehmen sich Studierende gern viel vor. Zu viel – wenn man mich als Studienberater fragt. Vorsätze wie »Ich werde keine einzige Vorlesung ausfallen lassen« oder »Ich werde jeden Tag vier Stunden lernen« klingen zunächst sinnvoll und ambitioniert. Doch so gewaltige Vorhaben haben meist keinen langen Bestand.

Bachelor of Smarts – die Uni-Kolumne

Gutes Zeitmanagement, die richtige Lernstrategie vor Prüfungen, Tipps für den Einstieg ins digitale Semester: In dieser Kolumne gibt Dr. Tim Reichel Rat zu Herausforderungen im Studium und zeigt, wie Studierende erfolgreich durch den Bachelor kommen – ohne Dauerstress.

Du stehst auch vor einem vermeintlich unlösbaren Problem im Studium oder hast eine Frage an Tim Reichel? Dann schreib uns an SPIEGEL-Start@spiegel.de .

Meine Erfahrung zeigt: Schon nach wenigen Wochen oder gar Tagen geben die Studis ihre neuen Gewohnheiten auf. Nicht weil sie faul oder unfähig sind, sondern weil sie sich zu viel auf einmal vornehmen. Ihre Vorsätze sind zu wuchtig und haben damit wenig Überlebenschancen im chaotischen Unialltag.

Sechs Minivorsätze mit großem Nutzen

Was hingegen viel besser funktioniert, sind kleine, realistische Vorsätze, die sich auch in stressigen Phasen und an Tagen mit wenig Motivation umsetzen lassen. Genau dazu habe ich heute etwas vorbereitet: sechs Vorschläge für kleine Aktionen, die du regelmäßig in deinen Alltag einbauen kannst – um konstant gute Ergebnisse zu erzielen.

1. Plane deinen Tag im Voraus

Mach es dir zur Gewohnheit, jeden Tag im Voraus zu planen. Nicht im Detail, nur grob: Zu welchen Zeiten liegen deine Vorlesungen? Wann triffst du dich mit deiner Lerngruppe? Welche anderen Termine stehen an? Auf diese Weise schaffst du dir ein übersichtliches Fundament, an dem du dich orientieren kannst. Fünf Minuten am Morgen oder Vorabend reichen für eine solche Planung aus. Apropos fünf Minuten…

2. Lerne täglich fünf Minuten

Du musst dir nicht vornehmen, täglich mehrere Stunden zu lernen – fünf Minuten sind genug. Warum? Weil du damit die Eingangshürde so stark reduzierst, dass du kaum Motivation aufbringen musst. Fünf Minuten schaffst du auf jeden Fall. Und wenn du danach absolut keine Lust mehr hast, hörst du einfach auf und hast dein Tagesziel erreicht. Der Trick an der Sache ist jedoch, dass du nach fünf Minuten sehr wahrscheinlich nicht aufgeben wirst. Sondern dir denkst: »Jetzt habe ich mich einmal überwunden und angefangen, dann kann ich auch weitermachen.«

3. Schaffe Anwendungsbezug

Viele Studis verlieren deswegen so schnell die Lust am Lernen, weil sie nicht wissen, warum sie sich mit dem langweiligen Vorlesungsstoff beschäftigen sollen. Stelle daher sicher, dass du in jedem Fach eine ungefähre Ahnung davon hast, wozu die Inhalte gut sind. Frage deinen Dozenten, worin der praktische Nutzen des Modells liegt, oder bitte deine Professorin um ein Anwendungsbeispiel für die eben vorgestellte Theorie. Alternativ kannst du auch selbst recherchieren (Google et al.).

4. Lies einen Text auf Englisch

Auch an deutschen Unis werden immer häufiger Vorlesungen auf Englisch gehalten. Und spätestens im Rahmen deiner Bachelor- oder Masterarbeit wirst du mit englischsprachigen Quellen arbeiten müssen. Gewöhne dich daher jetzt schon an die weltweite Wissenschaftssprache und lies regelmäßig Texte auf Englisch. Es müssen nicht zwingend Paper aus deinem Fachbereich sein – Unterhaltungsliteratur, englische Zeitungsartikel oder das internationale Angebot deutscher Medienhäuser  eignen sich hervorragend, um eine neue Englisch-Routine aufzubauen.

5. Baue dein Netzwerk aus

Nichts prägt einen Menschen mehr als seine engsten sozialen Kontakte. Und genau an dieser Stelle kannst du einen entscheidenden Entwicklungsschritt in deinem neuen Semester einleiten. Nimm dir vor, kontinuierlich dein Netzwerk zu erweitern und suche nach neuen Bekanntschaften. Sprich neue Kommiliton:innen an, suche dir neue Lernpartner:innen oder vernetze dich mit Gleichgesinnten über Karrierenetzwerke wie LinkedIn oder XING. Wenn du magst, kannst du mit mir üben: Mit Tim Reichel vernetzen. 

6. Reserviere Zeit zum Nachdenken

Wenn der Stress im Semester zunimmt, werfen viele Studis ihre neuen Verhaltensmuster über Bord und schalten in den Autopiloten. Sie wandeln dann zombieartig in die Vorlesung und lernen wieder stumpfsinnig Karteikarten auswendig. Mit klugem, reflektiertem Verhalten ist es vorbei. Damit dir das nicht passiert, solltest du dir eine kleine, feste Zeitspanne am Tag zum Nachdenken freihalten. Frage dich in dieser Zeit: Wie läuft mein Studium gerade? Was kann ich tun, um meine Situation zu verbessern? Was sollte ich anders machen? Solch eine kleine Zeitinvestition ist wertvoll für deine persönliche Entwicklung. Ein paar Minuten reichen schon.

Fazit

Zum Semesterbeginn erlebe ich viele Studierende in einem sehr angespannten Zustand. Sie setzen sich hohe Ziele und wollen anderen (und vor allem sich selbst) beweisen, wie stark und leistungsfähig sie sind. Grundsätzlich habe ich nichts gegen hohe Ziele – aber wenn du es übertreibst, blockierst du dich damit nur selbst. Setze dir stattdessen kleine, realistische Ziele und arbeite dich Schritt für Schritt voran. Du musst nicht jede Prüfung mit einer Eins bestehen; es reicht, wenn du dir einen Plan machst, regelmäßig lernst und mit offenen Augen durchs Studium gehst. Wenn du im neuen Semester über dich hinauswachsen möchtest, solltest du dir nicht zu viel vornehmen. Lieber nur ein kleines Bisschen – dafür aber jeden Tag.

Viel Erfolg im neuen Semester!

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.