Globaler Hochschulvergleich Deutsche Unis machen fit für den Arbeitsmarkt

Eine neue Studie zeigt: Deutsche Hochschulen bereiten Studierende immer besser aufs Berufsleben vor. Die internationale Konkurrenz ist kaum noch stärker. Was steckt dahinter?
Studieren an einer deutschen Uni – eine gute Vorbereitung aufs Berufsleben?

Studieren an einer deutschen Uni – eine gute Vorbereitung aufs Berufsleben?

Foto: Yurolaits Albert / iStockphoto / Getty Images

Studierende wollen nach der Uni einen guten Job, Professorinnen und Professoren nicht nur lehren, sondern auch forschen. Hochschulen bekommen Geld für ihre Studierenden, ihre Reputation aber erhalten sie über Forschung. Wie gehen Hochschulen mit diesem Spannungsfeld um? Und wie gut bereiten sie ihre Studierenden wirklich aufs Arbeitsleben vor?

Nur Südkorea klettert deutlicher als Deutschland 

Diesen Fragen geht auch der Global Employability Survey nach, den das Berliner Beratungsunternehmen Trendence in diesem Jahr bereits zum zehnten Mal im Auftrag der französischen Managmentberatung Emerging herausgibt. Für die Studie wurden weltweit mehr als 9500 Recruiterinnen und Recruiter befragt.

Kern der Erhebung sind die Fragen: Welche Universitäten bringen in Ihrem Land in Bezug auf die Beschäftigungsfähigkeit die besten Absolventen hervor? Und: Welche Universitäten sind Ihrer Meinung nach die besten der Welt, wenn es um die Beschäftigungsfähigkeit von Absolventen geht? Zusätzlich werden sechs weitere Themenbereiche abgefragt, die die Arbeitsmarktfähigkeit der Studierenden definieren – etwa die Auswahlkriterien der Hochschulen, die Spezialisierung einzelner Fachgebiete oder die digitale Lehre.

In der aktuellen Auswertung für 2020 landet Deutschland im weltweiten Hochschulranking auf dem dritten Platz. Nur Hochschulen in den USA und Frankreich bereiten ihre Studierenden besser auf den Arbeitsmarkt vor. Im Vergleich zum Ranking von 2010 ist das eine Steigerung um neun Ränge. In der Liste der Top-15-Nationen stieg nur Südkorea in diesem Zeitraum deutlicher auf als Deutschland, nämlich um zwölf Plätze.

Hochschulen und Unternehmen arbeiten in Deutschland immer enger zusammen

»Die Ergebnisse sind aus deutscher Sicht wirklich sehr erfreulich«, sagt Robindro Ullah, Geschäftsführer von Trendence. Ein wichtiger Grund für den deutschen Höhenflug sei, dass sich die Verzahnung zwischen Hochschulen und Unternehmen in den vergangenen Jahren deutlich verbessert habe. »Praktika während des Studiums, auch Pflichtpraktika, sind an deutschen Hochschulen ein fester Bestandteil geworden. Vor zehn Jahren waren praktische Erfahrungen während des Studiums, gerade in technischen Studiengängen, noch kaum ein Thema«, sagt Ullah. Dieses immer engere Zusammenwirken mit der Wirtschaft, verbunden mit einer sehr guten Lehre, unterscheide Deutschland von vielen Ländern auf der Welt.

»Dass wir an Länder wie Frankreich noch nicht heranreichen, liegt daran, dass die Kooperation zwischen Unternehmen und Hochschulen, etwa durch Sponsoring, dort noch enger ist, als bei uns«

Robindro Ullah, Geschäftsführer von Trendence

»Dass wir an Länder wie Frankreich noch nicht heranreichen, liegt daran, dass die Kooperation zwischen Unternehmen und Hochschulen, etwa durch Sponsoring, dort noch enger ist als bei uns.«

Schaut man auf die einzelnen Universitäten, wird deutlich, dass neben den Topadressen im Ranking, wie dem California Institute of Technology (Platz 1), dem Massachusetts Institute of Technology (Platz 2) und der Harvard University (Platz 3), auch immer mehr deutsche Hochschulen den globalen Vergleich mit den bekannten Größen aufnehmen können. »Die deutschen Hochschulen sind zwar noch nicht in den Top Ten angekommen, sie bewegen sich dafür aber sehr stabil auf einem guten Niveau«, sagt Ullah. Bei der Konkurrenz aus den USA dagegen konzentriere sich die Exzellenz auf immer weniger Hochschulen.  

Die TU München kratzt an den Top Ten, die Universität Bonn ist neu dabei


Hierzulande stechen vor allem die Technische Universität München (Platz 12), die Humboldt-Universität Berlin (Platz 39), die Ludwig-Maximilians-Universität München (Platz 43) und die Universität Heidelberg (Platz 44) hervor. Deutlich im Ranking gestiegen sind die Universitäten in Hamburg (Platz 119, um 22 Plätze), Frankfurt am Main (Platz 120, um 28 Plätze) und Köln (Platz 181, um 29 Plätze). Insgesamt haben es 17 deutsche Hochschulen in das Ranking der weltweit 250 Hochschulen geschafft, die den Kriterien zufolge am besten auf den Arbeitsmarkt vorbereiten sollen. Ganz neu in der Liste ist etwa die Universität Bonn (Platz 234).

Das Ranking zeigt auch, dass die Auswahl an Universitäten, die gut für den Arbeitsmarkt ausbilden, in den vergangenen zehn Jahren diverser geworden ist: 2010 beschränkten sich die besten 150 Universitäten weltweit auf 24 Länder. Mittlerweile finden sich Hochschulen aus 32 Nationen in der Liste wieder.

Die Verunsicherung unter Studierenden in Corona-Zeiten wächst

Dennoch, das macht der jüngste Trendence Corona HR Monitor aus dem Oktober deutlich, ist die Verunsicherung in Zeiten der Corona-Pandemie groß: Fast jeder Zweite (47,6 Prozent) fühlt sich unsicher, was die berufliche Zukunft betrifft. Im Mai, nach den ersten Corona-Monaten, waren es noch 45,3 Prozent. Für den Corona HR Monitor werden monatlich etwa 3000 Menschen befragt, etwa 600 davon sind Studierende.

Einer der zentralen Herausforderungen für Hochschulen und Studierende sei, neben dem Coronavirus, dass die Halbwertszeit des Erlernten immer geringer werde, so Ullah. Das zeigen auch Studien: Zwar macht fortschreitende Digitalisierung immer einfacheren Zugang zu Wissen möglich, sie sorgt jedoch auch dafür, dass die Lebensdauer immer kürzer wird. In der IT liegt die Halbwertszeit von Branchenwissen, je nach Studie, zwischen ein und zwei Jahren. Bei Menschen, die datenbasiert arbeiten, ist der Wissensverfall ähnlich rasant. Das Wissen für den Arbeitsmarkt wird also immer spezifischer. Robindro Ullah sagt: »Der Anspruch daran, was Lehre leisten muss, um für den Arbeitsmarkt auszubilden, wird auch in Zukunft immer größer. Daran werden sich Hochschulen mehr und mehr messen müssen.« 


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