Flucht aus der Ukraine Was man für ein Studium in Deutschland wissen muss

Sprachnachweis, Bafög, Bologna: Damit Geflüchtete aus der Ukraine ihr Studium hierzulande fortsetzen können, müssen sie einiges beachten. Der Überblick.
Studierende, die aus der Ukraine geflüchtet sind, könnten noch im laufenden Sommersemester in deutschen Hörsälen sitzen (Symbolfoto)

Studierende, die aus der Ukraine geflüchtet sind, könnten noch im laufenden Sommersemester in deutschen Hörsälen sitzen (Symbolfoto)

Foto: Britta Pedersen / dpa

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Mit Kiew und Charkiw sind zwei Städte vom russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine besonders betroffen, die für ihre Universitäten bekannt waren. Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) und die Hochschulrektorenkonferenz schätzten vor Kurzem, dass rund 100.000 Ukrainer:innen nach Deutschland kommen könnten, um hier weiterzustudieren oder wissenschaftlich zu arbeiten. Dazu kämen laut DAAD wohl 1000 bis 3000 Studierende aus Drittstaaten, die bisher in der Ukraine eine Hochschule besuchten.

Doch wer seine Ausbildung hier fortsetzen möchte, steht zunächst vor vielen Fragen: Welche Unterlagen braucht man für die Bewerbung an einer deutschen Hochschule? Muss man wieder ganz von vorn anfangen? Wie gut müssen die Deutschkenntnisse sein? Und wie teuer ist ein Studium in Deutschland? Die wichtigsten Antworten.

Welchen Aufenthaltsstatus brauche ich, um in Deutschland zu studieren?

Mit der Aufenthaltserlaubnis zum vorübergehenden Schutz nach Paragraf 24 des Aufenthaltsgesetzes (AufenthG) kann man ein Studium an einer deutschen Hochschule beginnen. Diese Erlaubnis können momentan alle ukrainischen Staatsangehörigen erhalten, die vor dem 24. Februar 2022 ihren Aufenthaltsort in der Ukraine hatten. Auch Studierende aus Drittstaaten, die in der Ukraine einen Aufenthaltsstatus hatten und nicht sicher und dauerhaft in ihr Herkunftsland zurückkehren können, haben Anspruch auf eine solche Aufenthaltserlaubnis.

Werden meine Abschlüsse aus der Ukraine anerkannt?

Auf Webseiten wie »Anabin « oder der Zulassungsdatenbank des DAAD  lässt sich prüfen, ob man sich etwa mit dem eigenen Schulabschluss oder dem angefangenen Studium an einer deutschen Hochschule bewerben kann. Die endgültige Entscheidung über die Zulassung trifft die Hochschule. Dort ist das Akademische Auslandsamt, manchmal auch International Office genannt, eine erste Anlaufstelle.

Wer in der Ukraine 2022 wegen des Krieges keinen Sekundarschulabschluss machen konnte, kann sich laut einem neuen Beschluss der Kultusministerkonferenz  in Deutschland trotzdem auf ein Studium bewerben. Das Gleiche gilt für Studierende im ersten Studienjahr.

Falls durch die Flucht nicht alle Unterlagen für eine Zugangsberechtigung vorliegen, lohnt sich dennoch ein Gespräch mit der Wunschhochschule. Grundsätzlich gibt es nämlich die Möglichkeit, trotzdem zu studieren – etwa durch einen Test und eine Rekonstruktion der bisherigen Ausbildung.

Kann ich mein angefangenes Studium fortsetzen – oder muss ich von vorn anfangen?

Die Ukraine ist wie Deutschland Teil des Bologna-Prozesses, Studierende machen also an Hochschulen vorwiegend Bachelor- und Master-Abschlüsse und erhalten ECTS als Leistungspunkte. Deswegen sollten Studienleistungen aus der Ukraine hierzulande grundsätzlich anerkannt werden. Die endgültige Entscheidung darüber fällt ebenfalls die deutsche Hochschule.

Kann ich schon zum Sommersemester mein Studium in Deutschland anfangen oder weiterführen?

Die Bewerbungsfristen für das Sommersemester sind zwar abgelaufen. Manche Hochschulen, etwa die Bergische Universität Wuppertal , bieten Geflüchteten aus der Ukraine aber noch die Möglichkeit, sich kurzfristig für einen Studienplatz zu bewerben. Vorgelegt werden müssen dafür ein Antrag auf Zulassung, zu finden auf der Website der Universität, der Nachweis der Aufenthaltserlaubnis nach Paragraf 24 AufenthG sowie Kopien der Zeugnisse.

An vielen Hochschulen, wie der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin , gibt es außerdem die Möglichkeit, ein Gaststudium anzufangen. Das bedeutet, dass man dort zwar keinen Abschluss machen, aber Prüfungen ablegen kann. Die ECTS kann man sich dann auf ein zukünftiges Studium anrechnen lassen. Das Gaststudium ist in der Regel zunächst auf ein oder zwei Semester beschränkt.

Wie gut muss ich Deutsch sprechen, um zu studieren?

Der Großteil der Lehrveranstaltungen an deutschen Hochschulen findet auf Deutsch statt. Deswegen ist ein Sprachnachweis meist Voraussetzung für die Zulassung zum Studium.

Anerkannte Nachweise sind etwa der Test Deutsch als Fremdsprache (TestDaF)  oder die Deutsche Sprachprüfung für den Hochschulzugang (DSH) . Sie prüfen, wie gut man die deutsche Sprache lesen, verstehen, schreiben und sprechen kann. Für einige Studiengänge reicht ein Ergebnis, das im Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen für Sprachen (CEFR ) dem Level B2 entspricht, andere verlangen C1. Allgemein gilt: In Kultur- und Geisteswissenschaften braucht man in der Regel bessere Sprachkenntnisse als in Naturwissenschaften.

Wer das eigene Deutsch vorab testen möchte, kann das zum Beispiel auf der Webseite des Goethe-Instituts  tun. Viele Hochschulen, etwa die TU Dresden  oder die Hochschule Augsburg , bieten aktuell auch Deutsch-Vorbereitungskurse speziell für Studierende aus der Ukraine an.

Wo kann ich auf Englisch studieren?

Der DAAD führt eine aktuelle Liste der internationalen Studienprogramme in Deutschland . Für Master-Studienplätze gibt es eine größere englischsprachige Auswahl als im Bachelor.

Wie viel Geld brauche ich, um in Deutschland zu studieren?

Mit Ausnahme von Baden-Württemberg und Sachsen müssen internationale Studierende in Deutschland an staatlichen Hochschulen in der Regel keine Studiengebühren bezahlen, sondern nur einen Semesterbeitrag. Auch in Baden-Württemberg wurden die Studiengebühren für ukrainische Studierende jetzt ausgesetzt. Der Semesterbeitrag liegt je nach Hochschule bei rund 100 bis 400 Euro und beinhaltet oft ein Ticket für den öffentlichen Nahverkehr.

Vor allem in deutschen Großstädten wie München, Berlin oder Hamburg, aber auch in kleineren Universitätsstädten sind die Mieten oft hoch. Auf der Seite des Deutschen Studentenwerks sind Initiativen verschiedener Studierendenwerke  aufgelistet, die bei der Unterbringung helfen, zum Beispiel mit günstigen Wohnheimzimmern.

Wie kann ich mein Studium finanzieren?

Wer eine Aufenthaltserlaubnis nach Paragraf 24 AufenthG hat, fällt während der ersten 18 Monate in Deutschland unter das Asylbewerberleistungsgesetz. Alleinstehende bekommen dadurch etwa 344 Euro im Monat; dieses Geld erhält man auch während eines Studiums. Ab Juni sollen Geflüchtete aus der Ukraine Anspruch auf Grundsicherung statt Unterstützung nach dem Asylbewerberleistungsgesetz haben, dafür ist eine entsprechende Gesetzesänderung geplant. Damit erhalten ukrainische Studierende und Azubis auch Anspruch auf Bafög, die staatliche Beihilfe für Studierende in Deutschland.

Außerdem gibt es einige Stipendienprogramme für geflüchtete ukrainische Studierende, viele laufen direkt über die Hochschulen. Daher sind meist auch deren Websites die beste Anlaufstelle, die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg etwa listet dort ihre Unterstützungsmöglichkeiten  auf. Beim DAAD gibt es eine Übersicht von Hilfsangeboten  an verschiedenen deutschen Hochschulen.

Darf ich neben dem Studium auch arbeiten?

Mit der Aufenthaltserlaubnis nach Paragraf 24 AufenthG darf man auch arbeiten. Dazu sollten die Behörden direkt eine sogenannte Fiktionsbescheinigung ausstellen, auf der »Erwerbstätigkeit erlaubt« steht.

Hinweis: Am 4. Mai teilte das Bundesministerium für Bildung und Forschung mit, dass Geflüchtete aus der Ukraine einen Anspruch auf Bafög haben sollen, um etwa ein Studium zu finanzieren. Wir haben die entsprechende Stelle im Text aktualisiert und ergänzt.