Tim Reichel

Die Kraft der Vorbereitung Fünf magische Minuten, die jede Vorlesung besser machen

Tim Reichel
Eine Kolumne von Tim Reichel
Im Hörsaal ist man der Person ausgeliefert, die vorne steht? Nicht unbedingt. Wer ein bisschen Zeit investiert, kann jede Vorlesung zu einem produktiven Lernerlebnis machen.
Fünf, vier, drei, zwei, eins: In wenigen Minuten auf die Vorlesung vorbereitet (Symbolbild)

Fünf, vier, drei, zwei, eins: In wenigen Minuten auf die Vorlesung vorbereitet (Symbolbild)

Foto: visualspace / Getty Images

Manchmal ist es wie verhext: Das Semester hat gerade erst begonnen und schon wünschst du dir, es wäre wieder vorbei. Besonders die Vorlesungen nerven. Entweder langweilt dich die Professorin zu Tode – oder der übermotivierte Dozent redet so hektisch, dass du schon nach ein paar Sätzen geistig aussteigst. Was also tun?

Nun, wie wäre es tatsächlich mit etwas Magie? Keine Sorge: Ich spreche nicht von spirituellem Coaching-Quatsch. Ich habe einen viel besseren Vorschlag im Gepäck.

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Viele Studierende glauben, dass sie in einer Vorlesung ihren Dozierenden ausgeliefert sind. Und natürlich bestimmt der Lehrkörper das Programm. Trotzdem hast du großen Einfluss darauf, was du aus den Rahmenbedingungen machst – egal, wie langweilig oder anstrengend die Veranstaltung ist.

Die Entscheidung darüber, ob deine Vorlesung zu einem persönlichen Erfolgserlebnis wird, fällt nämlich vor der eigentlichen Veranstaltung. Der kritische Faktor ist deine Vorbereitung. Und da reichen schon fünf Minuten für ein optimales Set-up.

Die drei Säulen der Vorbereitung

Die Grundidee geht so: Bereite deine Vorlesung ganzheitlich vor und stimme dich komplett auf die bevorstehende Aufgabe ein. Deine Vorbereitung muss dich also abholen und dafür sorgen, dass du in einen produktiven und konzentrierten Zustand kommst – so, dass du aus der Vorlesung auch wirklich etwas mitnimmst und nicht nur die Minuten zählst. Damit das gelingt, solltest du die folgenden drei Punkte abarbeiten:

  • Praktische Vorbereitung

  • Inhaltliche Vorbereitung

  • Mentale Vorbereitung

1. Praktische Vorbereitung (1 Minute)

Zur praktischen Vorbereitung gehört, die richtigen Hilfsmittel und Unterlagen parat zu haben, um während der nächsten 90 Minuten aufmerksam und produktiv sein zu können.

Die folgenden Fragen helfen dir dabei:

  • Brauche ich ein Skript zum Mitlesen?

  • Gibt es Folien – und muss ich sie ausdrucken?

  • Brauche ich meinen Laptop?

  • Ist ein Fachbuch oder ein Taschenrechner notwendig, um mitzuarbeiten?

  • Wo findet die Vorlesung statt, und wann sollte ich da sein?

2. Inhaltliche Vorbereitung (3 Minuten)

Es kann mitunter schwierig sein, von jetzt auf gleich einen Zugang zu einer Vorlesung zu finden. Besonders dann, wenn dein Stundenplan voll ist, du von Veranstaltung zu Veranstaltung hetzt, zwischendurch deine Kommiliton:innen in der Mensa triffst und, und, und. Wenn du dich aber im Vorfeld inhaltlich mit deiner Vorlesung auseinandersetzt, nur kurz, stellst du sicher, dass du ab der ersten Minute weißt, worum es geht. Außerdem wird es so leichter, die Gedanken deiner Profs nachzuvollziehen und Verbindungen zu früheren Vorlesungsinhalten zu erkennen.

Das heißt nicht, dass du ausführlich vorlernen und dir die Inhalte selbstständig beibringen sollst. Vielmehr solltest du dir einen Überblick verschaffen, damit du grob weißt, worüber deine Dozent:innen sprechen werden. Dieses rudimentäre Wissen reicht schon, um die Vorlesung besser verfolgen und Informationen dauerhaft aufnehmen zu können.

So könntest du deine Vorlesung inhaltlich vorbereiten:

  • Vorlesungsskript überfliegen,

  • alte Vorlesungsfolien durchscrollen,

  • neue Vorlesungsfolien durchscrollen,

  • Grundbegriffe bei Wikipedia nachschauen,

  • Kommiliton:innen oder Lernpartner:innen befragen.

Sieh dir zum Beispiel an, welche Formeln ihr in der letzten Statistik-Vorlesung durchgesprochen habt und überfliege das Inhaltsverzeichnis des Lehrbuchs. Welche Kapitel stehen heute an? Oder: Mit welcher Fallstudie wurde das letzte Seminar beendet? Was waren die Kerngedanken? Welche anderen Studien stehen noch auf der Kursagenda?

Mentale Vorbereitung (1 Minute)

Deine mentale Vorbereitung kann darüber entscheiden, ob du deine Vorlesung motiviert beginnst und durchziehst, oder schon nach wenigen Minuten genervt das Smartphone rausholst. Wenn du dich positiv einstimmst und mit einem optimistischen – Achtung: Buzzword – Mindset in den Hörsaal gehst, kannst du mehr erreichen.

Ein paar Ideen, wie du dich selbst mental pushen kannst:

  • Stell dir vor, wie stolz du nach der Vorlesung auf dich sein wirst, wenn du sie bis zum Ende durchziehst.

  • Konzentriere dich auf deine Stärken und rede dir nicht ein, dass du irgendwas nicht kannst.

  • Vereinbare mit dir selbst, dass du deine Zeit professionell und produktiv nutzen wirst.

  • Finde Gründe, warum deine Vorlesung Spaß macht und warum es sich für dich lohnt, aufzupassen.

Fazit

Inhaltlich, praktisch, mental: Diese Punkte sollte deine Vorbereitung beinhalten. Fünf Minuten reichen schon aus, um eine zähe Vorlesung in eine produktive Lerneinheit zu verwandeln. Es spielt dabei keine entscheidende Rolle, ob du deine Vorbereitung zu Hause, auf dem Weg zur Uni oder direkt vor der Vorlesung im Hörsaal durchläufst. Wichtig ist nur, dass du eine Routine entwickelst und diese regelmäßig vor jeder Uni-Veranstaltung wiederholst.

Langfristig wirst du so weniger passiv und übernimmst Verantwortung – für deine Vorlesung, dein Semester und dein gesamtes Studium.

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